{"id":10048,"date":"2014-06-09T00:20:38","date_gmt":"2014-06-08T22:20:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=10048"},"modified":"2014-06-08T21:22:29","modified_gmt":"2014-06-08T19:22:29","slug":"passagierfluege-mit-der-buran-technisch-moeglich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2014\/06\/09\/passagierfluege-mit-der-buran-technisch-moeglich\/","title":{"rendered":"Passagierfl&uuml;ge mit der Buran &#8211; Technisch m&ouml;glich?"},"content":{"rendered":"<p>In meinen Persiflagen rechne ich ja normalerweise nichts durch, meistens nehme ich sogar Dinge die physikalisch unm&ouml;glich sind (ich habe da noch einiges in Petto, aber ich denke ich streue das ein bisschen, sonst schaut jeder sofort in welcher Kategorie der Aufsatz einsortiert ist. Mich hat ja beim letzten Artikel in der Kategorie gefreut, dass zumindest der eine oder andere reingeflogen ist (sonst macht&#8217;s ja keinen Spa&szlig;). aber w&auml;re es technisch m&ouml;glich?<\/p>\n<p>Also damit wir alle auf dem gleichen Informationsstand sind: lest <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2014\/05\/18\/weltraum-tourismus-for-the-masses\/\">euch den Blog durch<\/a>. K&ouml;nnte man mit der Buran solche Passagierfl&uuml;ge durchf&uuml;hren? Nun eines das kann ich nach kurzem &Uuml;berschlagen im Kopf ohne Rechnung sagen : nicht mit der Personenzahl. Aber gehen wir es systematisch an. Wir m&uuml;ssen erst mal die Masse bestimmen, um zu sehen ob das mit der Tr&auml;gerrakete klappt, aber auch Buran die transportieren kann.<!--more--><\/p>\n<p>Nach dem Artikel werden 184 Passagiere fliegen. Dazu kommen nach dem Artikel 4 Besatzungsmitglieder. Weiterhin gibt es eine Massenbegrenzung von 100 kg pro Person. Aber das ist ja nicht alles. Wir brauchen einen Sitzplatz und f&uuml;r einen Tag im Orbit auch Wasser, Essen und Gase bzw. Lithiumhydroxid zum Binden des Kohlendioxyds. Bei 10.000 kJ pro Person braucht man 930 g Lithiumhydroxid zum Binden des Kohlendioxid und 620 g Sauerstoff im ung&uuml;nstigsten fall (Energie nur aus Kohlenhydraten bezogen). Jemand sollte 2,5 l Wasser trinken und dann kommen noch rund 500 g Lebensmittel. Runden wir auf 5 kg Verbrauchsg&uuml;ter pro Tag auf. Daneben muss der Passagier noch in einem Sessel sitzen der 3 g aush&auml;lt und es kommt ein Anteil am Zwischenboden dazu, der eingezogen wird um das Deck zu teilen und mehr Sitzpl&auml;tze zu erlauben. Das soll weitere 15 kg wiegen. Dann sind wir bei 120 kg pro Person oder 188 Personen bei 22.560 kg.<\/p>\n<p>Bei der Personenzahl habe ich &uuml;brigens nur gesch&auml;tzt wie dicht man heute die Passagiere auf Langstreckenfl&uuml;gen packt (wenn man nach Australien fliegt ist man ja auch fast einen Tag im Flugzeug).<\/p>\n<p>Allerdings kann man die Passagiere nicht so in den Nutzlastraum platzieren. Die zweitbeste L&ouml;sung w&auml;re es eine druckdichte Kabine im Nutzlastraum zu platzieren. Als Vorlage k&ouml;nnte das MPLM dienen. Es ist 6,4 m lang und wiegt 4,1 t. Das sind pro Quadratmeter 32,6 kg. Bei 18 m L&auml;nge w&ouml;ge so ein Modul 9.800 kg. Damit w&auml;ren wir schon bei 32.360 kg und haben das erste Problem: Das ist h&ouml;her als die maximale Landenutzlast der Buran von 25 t. Die L&ouml;sung w&auml;re es zum einen Passagiere wegzulassen. Allerdings ist ein Modul im Nutzlastraum auch nur die zweitbeste L&ouml;sung. Sinniger w&uuml;rde man den Nutzlastraum umbauen. Unten kann man die Struktur &uuml;bernehmen, oben w&uuml;rde man sie weiterf&uuml;hren durch eine druckdichte H&uuml;lle. Die Radiatoren, die aufklappen br&auml;uchte man trotzdem, denn 180 Personen produzieren eine Menge W&auml;rme. (Jede Person bei 10.000 kJ rund 115 Watt. Das sind dann sind 31,66 kW Leistung die zus&auml;tzlich zu dem Energieverbrauch des Orbiters abgef&uuml;hrt werden m&uuml;ssten). Nimmt man an, dass man also nur die H&auml;lfte der 9.800 kg Masse f&uuml;r eine druckdichte Kabine braucht so k&ouml;nnte man immerhin 163 Passagiere bef&ouml;rdern.<\/p>\n<p>Bei 25 t Nutzlast liegt die Startmasse von Buran bei 100 t. Ich hatte ja vorgesehen die Super-Draco als LAS zu verwenden. Da merkt man dann rasch dass es ein kleines Problem gibt. Die Dragon setzt acht dieser Triebwerke ein. Nimmt man eine Startmasse von 10 t f&uuml;r die Dragon, so br&auml;uchte man 80 dieser Triebwerke &#8211; da w&uuml;rde man wohl was anderes, schubst&auml;rkeres nehmen. Was man aber n&uuml;tzen k&ouml;nnte war das LAS als Deorbit Antrieb. Dazu m&uuml;sste man es nur mit dem Orbiter verbinden oder im Heck fest einbauen. Umgekehrt kann man bei ihm die Man&ouml;vriertriebwerke und internen Tanks ausbauen. Nimmt man an das dies gewichtsneutral ist (LAS wiegt genauso viel wie der eingesparte Teil), dann m&uuml;sste man trotzdem mindesten 100t transportieren.<\/p>\n<p>Bleibt noch ob man mit einer hypothetischen Falcon &#8222;super heavy&#8220; (bestehend aus 6 ersten Stufen der Falcon 9 v1.1 als erster Stufe, welche in einem Ring eine weitere Erststufe als zweite Stufe umgeben, die Buran transportieren kann. deren maximale Startmasse liegt bei 105 t mit 30 t Nutzlast. Hier sind es nur 25 t Nutzlast, also 100 t. Trotzdem wird es knapp. Drei Stufen und eine zweite Stufe k&ouml;nnen bei der <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/falcon-heavy.shtml\">Falcon heavy<\/a> rund 45 t ohne Crossfeeding transportieren (das macht bei 7 Stufen keinen Performanceunterscheid mehr) und die hat noch eine zweite Stufe. Es reicht aber mit 100,7 t gerade noch so eben.<\/p>\n<p>Also m&ouml;glich w&auml;re es, wahrscheinlich w&uuml;rde man in der Praxis nie gen&uuml;gend Passagiere zusammenbekommen und die Gewichtsbilanz ist auch optimistisch angesetzt. Wie sieht es mit den Preisen aus? Ich habe mal angesetzt, dass man in der beiden Stufen wiederverwendete Falcon 9 Stufen nimmt, die nur 50% der normalen Kosten. Aufgrund der Preisdifferenz zwischen einer Falcon 9 und Falcon heavy die ja sich nur in den Boostern unterscheiden, kann man einen Neupreis von 38 Millionen Dollar f&uuml;r eine Stufe ansetzen. Das sind dann bei 50% und sieben Stufen 133 Millionen Dollar f&uuml;r die Rakete. Dazu k&auml;men noch die Startkosten und die Durchf&uuml;hrung, sowie Abschreibung der Anschaffungs- und Umbaukosten von <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/buran.shtml\">Buran<\/a> und Gewinn. Bei den angesetzten 150 Passagieren w&auml;ren die Einnahmen von 150 Millionen wohl zu gering. Aber bei 200 Millionen pro Flug denke ich k&ouml;nnte der Betreiber mit einem Gewinn dastehen. Im folgenden gehe ich von 200 Millionen Dollar f&uuml;r den Start und 143 Passagieren aus, mithin 1,4 Millionen pro Passagier.<\/p>\n<p>Der Absatz &uuml;ber Bigelow deutet nur an, dass gemessen an dem Startpreis f&uuml;r einen Eintagestrip ein l&auml;ngerer Aufenthalt teuer wird. Alleine durch die Vorr&auml;te die man braucht. Bei einem Tag sind sie noch gering, da braucht man keine Kleidung zum Wechseln kommt auch mit vorher gekochter Nahrung oder Snacks aus. Das &auml;ndert sich bei l&auml;ngeren Zeiten. Nimmt man die 9-10 kg, die man an Bord der ISS pro Mann und Tag verbraucht, so ist man bei einem 60 Tages Trip bei zus&auml;tzlichen Kosten von 6 Tickets (Fracht die mitgef&uuml;hrt wird macht eine Reduktion der Passagierzahl n&ouml;tig). Dazu k&auml;me der Abholflug und der Aufenthalt an Bord der Station, deren Preis ist <a href=\"http:\/\/www.bigelowaerospace.com\/opportunity-pricing.php\">bekannt<\/a>: 25 Millionen f&uuml;r 60 Tage und 110 m\u00b3 Volumen. So sieht die Bilanz bei einem 60 Tage Aufenthalt aus:<\/p>\n<ul>\n<li>1 Ticket Hinflug<\/li>\n<li>1 Ticket R&uuml;ckflug<\/li>\n<li>6 Tickets Versorgungsg&uuml;ter (entspricht 600 kg)<\/li>\n<li>25 Millionen Dollar Stationsmiete<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei 1,4 Millionen Dollar pro Ticke ist man dann bei 36,2 Millionen Dollar, liegt also im Bereich der Sojusfl&uuml;ge, kann aber l&auml;nger im All bleiben. g&uuml;nstiger wird es vor allem durch Reduktion der Aufenthaltsdauer, da dann auch die Miete kleiner wird. Ein Monat kostet nur noch 19,5 Millionen Dollar. 10 Tage als k&uuml;rzester Flug, 8,4 Millionen Dollar.<\/p>\n<p>Das k&ouml;nnte aber g&uuml;nstiger werden wenn es die gr&ouml;&szlig;ere BA-2200 gibt die mehr Volumen hat. Sie w&uuml;rde dann genug Platz f&uuml;r 20 Astronauten haben.<\/p>\n<p>Trotzdem es bleibt teuer und ich denke solange es&nbsp; immer noch Millionen kostet wird der Markt klein sein. Dann bekommt man aber nicht gen&uuml;gend Passagiere auch f&uuml;r nur einen Flug zusammen. Aber dann h&auml;tte man zum ersten Mal richtige Weltraumfl&uuml;ge wie in der Luftfahrt.<\/p>\n<p>F&uuml;r ganz eilige (SpaceX ist ja so flexible, die k&ouml;nnen sicher auch ohne Startvorbereitungen starten) g&auml;be es auch noch den Einsatz als suborbital Flieger um ganz schnell zu Punkt X zu kommen. Innerhalb einer stunde k&ouml;nnte man jeden Punkt der Erde erreichen. Da aber nur 5 kg von 125 kg pro Passagier auf die Versorgung entfallen w&auml;re dieser Trip genauso teuer wie ein Orbitalflug. Hier w&auml;re ein umgebauter Gleiter (ohne Triebwerke, ohne Treibstofftanks, etwas l&auml;ngere Nutzlastraum, Abschaffung des Mitdecks und h&ouml;here Landenutzlast) von Vorteil. Bei einem 22 m langen Nutzlastraum, zwei Decks, 6 Pl&auml;tze pro Reihe und 31 Reihen (Abstand 70 cm) ist man bei 372 Passagieren. Die wiegen zwar 20,7 t mehr, aber man spart auch Gewicht ein. So wiegen alleine die Triebwerke mit Treibstofftanks schon 16 t. Das Middeck macht auch einige Tonnen aus, wer&#8217;s also eilig hat und 600.000 Dollar &uuml;brig, kommt so in einer Stunde nach Australien &#8211; wenn er beim Start bei SpaceX nicht einige monate auf den Start warten muss&#8230;<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/b548e301645f42a8ae486d531d100865\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meinen Persiflagen rechne ich ja normalerweise nichts durch, meistens nehme ich sogar Dinge die physikalisch unm&ouml;glich sind (ich habe da noch einiges in Petto, aber ich denke ich streue das ein bisschen, sonst schaut jeder sofort in welcher Kategorie der Aufsatz einsortiert ist. 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