{"id":10052,"date":"2014-06-10T00:10:36","date_gmt":"2014-06-09T22:10:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=10052"},"modified":"2014-06-09T11:22:19","modified_gmt":"2014-06-09T09:22:19","slug":"neue-triebwerke-neue-treibstoffe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2014\/06\/10\/neue-triebwerke-neue-treibstoffe\/","title":{"rendered":"Neue Triebwerke, neue Treibstoffe"},"content":{"rendered":"<p>Die Beitr&auml;ge von Jewgeni-7 &uuml;ber neue Tests von Methantriebwerken in Russland haben mich dazu gebracht mal etwas genauer nachzuforschen. Meines Wissens nach ist ja die Hoch-Zeit der russischen Triebwerksentwicklung l&auml;ngst vorbei, die war in den f&uuml;nfziger und sechziger Jahren als dort so ziemlich alles als Treibstoff untersucht wurde, was nur theoretisch denkbar ist: <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/fluor.shtml\">Fluor<\/a>, Interhalogene,&nbsp; Ammoniak, Borane, nukleare Triebwerke, Plasmatriebwerke. All das hat die Sowjetunion damals getestet. Meiner Ansicht nach hat sich in den letzten Jahren nicht viel getan, wie man auch an der Verwendung des NK-33 f&uuml;r die Sojus 2-1v und des RD-191 als Einkammerderivat des RD-171 bei der Angara zeigt. Echte Neuentwicklungen sind dies nicht.<!--more--><\/p>\n<p>Doch beim Nachforschen bin ich auf zahlreiche neue Triebwerke gesto&szlig;en. Neben den Versuchen mit &#8222;<a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2013\/06\/22\/acetam-und-andere-neue-treibstoffe\">Acetam<\/a>&#8220; und <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2009\/01\/09\/fluessiges-methan-als-raketentreibstoff\/\">Methan<\/a> hat man auch neue Konzepte erprobt. Das interessanteste ist das RD-47. Die Nummer zeigt schon, dass es nicht in den bisherigen Zweig der LOX\/Kerosintriebwerke geh&ouml;rt (RD-1XX) oder der UDMH\/NO Triebwerke (RD-2XX). Es handelt sich um ein experimentelles Triebwerk mit nur 400 N Schub das mit Butyllithium und NTO arbeitet. Ziel war es einen lagerf&auml;higen, selbstentz&uuml;ndlichen Treibstoff zu haben, dessen Energiegehalt MMH\/NTO deutlich &uuml;bertrifft. Das ist bei organischen Lithiumverbindungen gegeben. Sie erreichen mit einer Ausstr&ouml;mgeschwindigkeit bei der Verbrennung mit NTO von &uuml;ber 4000 m\/s fast den Wasserstoff, mit LOX verbrannt sind sogar spezifische Impulse denkbar die die des Wasserstoffs &uuml;bertreffen. Der hohe Preis f&uuml;r die Herstellung (rund 5000 Rubel, etwas mehr als 100 Euro pro Liter) spielt bei Satelliten keine Rolle, vor allem wenn man ein Drittel weniger Treibstoff braucht. Russland hat das Triebwerk zur Serienreife entwickelt und wird es wahrscheinlich in der n&auml;chsten Generation der Luch Satelliten einsetzen.<\/p>\n<p>Besonders interessant war allerdings ein Unfall. Das RD-47 war wegen der hohen Hitzeentwicklung mit einer regenerativen K&uuml;hlung ausgelegt, die den Sauerstoff nutzte (Butyllithium w&uuml;rde sich zersetzen und dabei Hitze abgeben, also nicht k&uuml;hlen). Als das Ventil f&uuml;r die K&uuml;hlung bei einem Test blockierte wollte man das Triebwerk abschalten, das seit Jahrzehnten nicht modernisierte Notsystem daf&uuml;r fiel aber aus. So brennte das Triebwerk weiter bis der Treibstoff verbraucht wurde, explodierte aber nicht, auch die Brennkammer brannte nicht durch. Dabei, das zeigten die Messungen, stieg der Schub stetig an, weit &uuml;ber den Punkt hinaus bei dem die Brennkammer auch bei K&uuml;hlung durch den Druck explodiert w&auml;re.<\/p>\n<p>Man hat das Triebwerk demontiert und erstaunliches festgestellt: Die Innenwand war mit einer 1,2 cm dicken Schicht aus Lithiumcarbid belegt. Dadurch wurde das Blomen kleiner (bei gleichem Treibstofffluss h&ouml;herer Druck = h&ouml;herer Schub) und die Schicht gab der Brennkammer die n&ouml;tige Widerstandkraft. Man hat dies dann genauer untersucht indem man den Oxydatorfluss variierte und die K&uuml;hlung herunterregelte und folgendes festgestellt. Bei einer Wandtemperatur von mehr als 1260\u00b0 C bildet sich zuerst eine Kupfer-Lithiumlegierung mit kleinen Mengen an Kohlenstoff an der Oberfl&auml;che. Diese f&ouml;rdert die Bildung einer ersten d&uuml;nnen Lithiumcarbidschicht indem sie selbst eine d&uuml;nne Oxidschicht ausbildet, welche die Karbidbildung durch die raue Oberfl&auml;che erm&ouml;glicht. Ist erst einmal eine Karbidschicht gebildet so w&auml;chst sie weiter an, wenn Butyllihium im &Uuml;berschuss vorliegt.<\/p>\n<p>Weitere Versuche zeigten, dass diese Schicht stabil bleibt, wenn der Treibstoff mindestens 0,4% Buthyllithium enth&auml;lt. Man kann diese Substanz dann mit normalem Kerosin mischen. Der Vorteil liegt dann nicht in einem h&ouml;heren Energiegehalt des Treibstoffs, aber einem viel einfacheren Triebwerksaufbau. Es kann auf die gesamte K&uuml;hlung verzichtet werden. Anstatt ein Triebwerk aus zahlreichen K&uuml;hlrohren zusammen zu schwei&szlig;en, diese zu vernickeln und zuletzt eine Inconelschicht an der Au&szlig;enseite anzubringen kann man sie in einem St&uuml;ck ge&szlig;en, oder heutzutage schon mit einem 3D-Drucker herstellen. Die Lithiumcarbidschicht kann man durch einen Kurzzeitbetrieb mit LOX\/Butyllithium auftragen. Nach 10 s ist eine ausreichend dicke Schicht gebildet. Beim Betrieb reicht dann der erw&auml;hnte Zusatz zum Kerosin. Weiterhin muss man darauf achten dass sich beim Betrieb kein lokaler Sauerstoff&uuml;berschuss bildet. Erreicht wird dies durch Ver&auml;nderung des Mischungsverh&auml;ltnisses. Bei LOX\/Kerosin\/LiBut z.b. indem es von 2,8 zu 1 auf 2,6 zu 1 gesenkt wird.<\/p>\n<p>Derzeit arbeitet Russland an dem RD47-11, einer gr&ouml;&szlig;eren Version des RD-47, nun ausgelegt f&uuml;r 110 kN Schub. Es soll das RD-58 bei <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/block-d.shtml\">Block DM<\/a> auf der Zenit abl&ouml;sen. Der Einsatz dieses modifizierten Block DM wird dann auch auf der Sojus (anstatt der Fregat) und der Proton erwogen. Der einfachere Aufbau soll die Herstellungskosten von Block DM um 20% senken. Die eh schon hohe energieausbeute wird noch um 2,3 s erh&ouml;ht. Eine Umstellung auf Butyllithium als Treibstoff wird erwogen. Der hohe Preis wird durch einen 20% niedrige Menge und einen um 76 s h&ouml;heren spezifischen Impuls mehr als kompensiert. Auf der Proton sollte so die Nutzlast von 6400 auf 8600 kg steigen, rund ein Drittel, w&auml;hrend die Startkosten nur um 8% ansteigen.<\/p>\n<p>Inzwischen bereitet man den Test weiterer Metalle als Treibstoffzusatz vor, so der Zusatz von Beryllium als Metallpulver zum Treibstoff. Hier werden &auml;hnliche Effekte erwartet. Das Problem ist zu verhindern das das Beryllium durchs eine h&ouml;here dichte an den Boden der Treibstofftanks absinkt. Der Zusatz von Kolloiden aber auch das R&uuml;hren des Treibstoffs wird als Ausweg erprobt.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/278f84726ab849899bff3dcb5d118199\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Beitr&auml;ge von Jewgeni-7 &uuml;ber neue Tests von Methantriebwerken in Russland haben mich dazu gebracht mal etwas genauer nachzuforschen. 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