{"id":1014,"date":"2006-08-03T09:20:14","date_gmt":"2006-08-03T07:20:14","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=1014"},"modified":"2009-06-01T09:20:54","modified_gmt":"2009-06-01T07:20:54","slug":"von-der-zugaenglichkeit-von-informationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2006\/08\/03\/von-der-zugaenglichkeit-von-informationen\/","title":{"rendered":"Von der Zug&auml;nglichkeit von Informationen"},"content":{"rendered":"<p>Eine der Paradoxien unserer Zeit ist, dass die Informationsmenge die wir produzieren immer  gr&ouml;&szlig;er wird, Wissen immer schneller veraltet, wir aber diese Informationen immer verg&auml;nglicheren  Medien anvertrauen.<\/p>\n<p>Die &auml;ltesten Gem&auml;lde der Menschheit sind etwa 30000 Jahre alt &#8211; Sie sind heute noch in den  H&ouml;hlen zu sehen in denen sie entstanden. Bewerten wir mal die Materialen die man verwendet um  Informationen auszuzeichnen nach Verg&auml;nglichkeit und Unempfindlichkeit gegen&uuml;ber Zerst&ouml;rung so  sind Gem&auml;lde an Felsw&auml;nden und Ritzzeichnungen sicher das haltbarste was man kennt. Man muss  schon einigen Aufwand treiben dies zu zerst&ouml;ren. Das gilt auch f&uuml;r die Bildinschriften  (Hyroglyphen) im alten &Auml;gypten und die Inschriften in Triumphb&ouml;gen bei den R&ouml;mern.<!--more--><\/p>\n<p>Doch f&uuml;r die t&auml;gliche Kommunikation, Vertr&auml;ge, Korrespondenz, Erlasse, Rechnungen, Bilanzen  oder das Aufschreiben von Wissen benutzten schon damals die V&ouml;lker verg&auml;ngliche  Materialen:?Papyrus, fein geklopfte Faserb&uuml;ndel der Papyrus Staude bei den &Auml;gyptern,  Tont&auml;felchen bei den Sumerern, Pergament (d&uuml;nn gespaltene Tierhaut) in Vorderasien. Tontafeln  haben als einziges dieser Medien die Chance dauerhaft Informationen zu speichern &#8211; wenn sie  gebrannt werden, wie dies durch Zufall einmal bei einer Tontafelbibliothek passiert, als diese in  Brand geriet. Zudem sind sie anders als Papyrus und Pergament wieder beschreibbar. Sie sind  jedoch genauso wie Papyrus leicht zerst&ouml;rbar &#8211; durch Zerbrechen.<\/p>\n<p>Die Erfindung des Buches ist im Sinne der Permanenz der Information kein Fortschritt, jedoch  in der Informationsdichte. Dazu trug auch das Papier bei, welches die Chinesen erfanden. Damit  konnte man viel d&uuml;nnere Bl&auml;tter anfertigen als mit Pergament. Gleichzeitig stieg die Anf&auml;lligkeit  gegen&uuml;ber Zerst&ouml;rung.<\/p>\n<p>Papier ist zudem empfindlicher gegen&uuml;ber Umwelteinfl&uuml;ssen. Zahlreiche wertvolle  handschriftliche Dokumente des 17.ten und 18.ten Jahrhunderts m&uuml;ssen heute aufwendig restauriert  werden, weil die Tinte s&auml;urehaltig ist, bzw. das dort enthaltene Eisen S&auml;ure bildet.<\/p>\n<p>Die S&auml;ure ist auch heute noch ein Problem. Seit man die industrielle Gewinnung von Papier  durchf&uuml;hrt hat man mit ihr zu k&auml;mpfen. Papier besteht weitgehend aus Cellulosefasern, die man aus  Holz gewinnt. Dazu muss der eigentliche Kit rund um die Cellulosefasern, das Lignin aufgel&ouml;st  werden. Das geschieht unter Einsatz von verschiedenen Chemikalien, wobei das Kochen mit Sulfiten  sich als Verfahren weit verbreitete. Dadurch bleiben aber kleine Restmengen an Sulfit zur&uuml;ck und  dieses oxidiert zu Schwefels&auml;ure. Schwefels&auml;ure hat eine sehr unangenehme Eigenschaft:?Sie  entzieht der Umgebung Wasser um ihre Konzentration zu senken, dieses Wasser verdampft aber und so  bleibt die S&auml;ure konzentriert. Jeder der mal einen Tropfen Schwefels&auml;ure auf seine Kleidung  bekommen hat kennt den Effekt:?Man sieht zuerst nur ein kleines Loch. Die Schwefels&auml;ure  entzieht jedoch der Umgebung weiter Wasser, dies geht bei Cellulose Fasern indem diese  aufgebrochen werden. Wenn man das Kleidungsst&uuml;ck dann in die Waschmaschine steckt halten die  geschw&auml;chten Fasern nicht mehr der mechanischen Belastung stand und man hat ein Handtellergro&szlig;es  Loch im Mantel. Genau das gleiche passiert auch bei s&auml;urehaltigem Papier, es l&ouml;st sich  sprichw&ouml;rtlich selbst auf.<\/p>\n<p>Davon betroffen sind ein Gro&szlig;teil der Papiere die seit Mitte des 19.ten Jahrhunderts  hergestellt werden. Erst seit 1980 wird s&auml;urefreies Papier f&uuml;r wertvollere Publikationen  eingesetzt.<\/p>\n<p>Doch dieser Informationsverlust ist nichts gegen&uuml;ber dem digitalen Zeitalter. Hier gibt es  eine neues Problem:?Die Information ist noch vorhanden, kann aber nicht mehr gelesen werden.  Doch betrachten wir zuerst einmal die digitalen Medien. Lochstreifen und Lochkarten sind relativ  robuste Medien. Die Informationsdichte ist sogar geringer als bei bedrucktem Papier. Die  Anf&auml;lligkeit ist in etwa dem von Papier gleichzusetzen. Magnetb&auml;nder sind auch sehr robust. Ihre  Informationsdichte ist sehr gering. Reist es an einer Stelle, so ist nur dort die Information  verloren. Als die Challenger im Jahre 1986 explodierte fand man nach Monaten die Magnetb&auml;nder des  Bordcomputers im Ozean, inzwischen war die Eisenbeschichtung korrodiert und die B&auml;nder mit einem  Magnesiumchlorid&uuml;berzug &uuml;berzogen &#8211; trotzdem gelang es den gr&ouml;&szlig;ten Teil der Daten zu  restaurieren.<\/p>\n<p>Wesentlich empfindlicher sind Floppy Disks oder Festplatten. Bei diesen reicht eine kleine  Besch&auml;digung des Geh&auml;uses um den Headcrash zu verursachen. Bei diesem zerst&ouml;rt der  Schreib-Lesekopf sogar dann selbst die Daten.<\/p>\n<p>CD-ROMS und DVD leiden unter Kratzern und der Alterung des Kunststoffes. Unter optimalen  Bedingungen sollen sie 25 Jahre halten, man vergleiche diese Zeit mit einer Gutenberg?Bibel.  Jeder kennt jedoch den Effekt, wenn man eine zerkratzte CD nicht mehr lesen kann und daf&uuml;r muss  man sie nicht einmal besonders schlecht behandeln. Selbst gebrannte, also nicht gepresste  DVD?und CD sind noch empfindlicher. Der Farbstoff wird durch Licht zerst&ouml;rt. Lassen sie  einfach mal eine beschriebene CD mit der Leseseite nach oben in der prallen Sonne liegen und sie  sehen den Effekt. Heute wird selbst gebrannten DVD nur eine Lebensdauer von 5 Jahren gegeben.<\/p>\n<p>Etwas besser scheinen die Flash Speicher zu sein, zumindest was die Empfindlichkeit gegen&uuml;ber  Umgebungseinfl&uuml;ssen und Zerst&ouml;rung angeht. Doch auch sie verlieren langsam ihre Ladung und halten  diese nur einige Jahrzehnte.<\/p>\n<p>Doch das ist heute nicht das Problem, sondern wie komme ich an die Information heran ??In  den letzten 25 Jahren in denen der Autor PC?Erfahrungen hat sah er eine Menge Speichermedien  kommen und gehen sehen: 8&#8243; -&gt; 5.25 -&gt; 3.5 Zoll Disketten (heute haben viele PCs schon kein  Diskettenlaufwerk mehr) Festplatten in MFM -&gt; RLL -&gt; ATA -&gt;?S-ATA?Kodierung  oder Anschl&uuml;ssen. Was n&uuml;tzt ihnen eine 20 GB?Festplatte aus einem IBM?AT, wenn sie  nicht mehr anschlie&szlig;en k&ouml;nnen ?<\/p>\n<p>Selbst wenn sie das Medium lesen k&ouml;nnen, zum Beispiel alte Disketten aus den 90 er Jahren.  Haben Sie auch noch das Programm um die Daten auszuwerten und l&auml;uft es heute noch ??Was  machen Sie mit Texten von Wordstar oder Wordperfekt, in den 80 er und fr&uuml;hen 90 er Jahren sehr  popul&auml;re Textverarbeitungsprogramme, was mit Tabellen von Lotus 1-2-3 ?<\/p>\n<p>Das ist heute das eigentliche Problem, Daten gehen verloren, weil man die Datentr&auml;ger nicht  mehr auswerten kann. Es gibt Institute die lagern neben den alten Daten auch die PCs mit ein, mit  denen man diese lesen kann &#8211; kein gangbarer Weg, denn technische Ger&auml;te altern auch wenn sie  nicht ben&uuml;tzt werden. eine Initiative will das Wissen der Menschheit in einem Stollen einlagern &#8211;  doch nicht digital, sondern wie zur Steinzeit auf Siliziumw&uuml;rfeln in welchen die Buchstaben  eingraviert sind. Nat&uuml;rlich wegen der Informationsdichte sehr klein, doch mit einem  Lichtmikroskop zu lesen. Silizium ist sehr hart und daher unempfindlich gegen&uuml;ber  Besch&auml;digungen.<\/p>\n<p>Manche Forscher sprechen sogar schon einem dunklen Zeitalter. Damit ist folgendes gemeint &#8211;  Wenn wir heute schon Probleme mit der Haltbarkeit der Medien und dem Auslesen haben, wie sieht es  dann f&uuml;r folgende Generationen aus. Was wird ein Arch&auml;ologe von unserem Zeitalter noch  mitbekommen, wenn er in 1000 Jahren Ausgrabungen macht ??Nichts wird erhalten sein, au&szlig;er  hochwertigen Druckerzeugnissen und auch diese nur, wenn sie vor Vermoderung gesch&uuml;tzt sind. In  diesem Sinne &#8211; denken sie nicht nur an ein Backup, sondern auch einen Ausdruck jeden wichtigen  Dokumentes, denn sie in einem Ordner abheften k&ouml;nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine der Paradoxien unserer Zeit ist, dass die Informationsmenge die wir produzieren immer gr&ouml;&szlig;er wird, Wissen immer schneller veraltet, wir aber diese Informationen immer verg&auml;nglicheren Medien anvertrauen. Die &auml;ltesten Gem&auml;lde der Menschheit sind etwa 30000 Jahre alt &#8211; Sie sind heute noch in den H&ouml;hlen zu sehen in denen sie entstanden. 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