{"id":10376,"date":"2014-08-10T00:32:34","date_gmt":"2014-08-09T22:32:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=10376"},"modified":"2014-08-09T00:35:01","modified_gmt":"2014-08-08T22:35:01","slug":"wie-bestimmt-man-mit-atemmasken-den-energieverbrauch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2014\/08\/10\/wie-bestimmt-man-mit-atemmasken-den-energieverbrauch\/","title":{"rendered":"Wie bestimmt man mit Atemmasken den Energieverbrauch?"},"content":{"rendered":"<p>Am Freitag kam in der ZDF Sendung &#8222;K&uuml;he haben beste freunde&#8220; ein Versuch zu einer Behauptung: 100 x Lachen verbraucht genauso viel Kalorien wie 10 Minuten Fahrradfahren. Das haben sie dann auch getestet und den Energieverbrauch mit einer Atemmaske bestimmt. Doch wie funktioniert das genau und kann man mit einer Atemmaske den Energieverbrauch messen?<\/p>\n<p>Die Me&szlig;methode basiert auf einer sehr einfachen Tatsache: Wenn wir Energie verbrauchen so m&uuml;ssen wir N&auml;hrstoffe oxydieren. Dazu entnehmen wir der Luft Sauerstoff und wir geben Kohlendioxyd ab. Den Sauerstoff brauchen wir zur Oxydation des Kohlenstoffskeletts und zur Bildung von Wasser aus dem Wasserstoff. Die einzelnen N&auml;hrstoffe verhalten sich dabei unterschiedlich. Hier kann man netterweise mit Summenformeln arbeiten.<!--more--><\/p>\n<p>Reservekohlenhydrate im K&ouml;rper wie Glykogen haben folgende Summenformel: C<sub>12<\/sub>H22O11. Sie werden umgesetzt nach:<\/p>\n<p>C<sub>12<\/sub>H<sub>22<\/sub>O<sub>11<\/sub> + 12 O<sub>2<\/sub> \u2192 12 CO<sub>2<\/sub> + 11 H<sub>2<\/sub>O<\/p>\n<p>Fett kann man aufteilen in Glycerin und Fetts&auml;uren. Glycerin als dreiwertiger Alkohol verbraucht fast genauso viel Sauerstoff pro Gramm N&auml;rhstoff wie kohlenhydrate. Bei den Fetts&auml;uren sieht es dagegen anders aus. Die h&auml;ufigste Fetts&auml;ure, Stearins&auml;ure wird nach folgender Formel umgesetzt:<\/p>\n<p>C<sub>18<\/sub>H<sub>36<\/sub>O<sub>3<\/sub>3 + 25,5 O<sub>2<\/sub> \u2192 18 CO<sub>2<\/sub> + 18 H<sub>2<\/sub>O<\/p>\n<p>Nimmt man den Sauerstoffverbrauch pro Gramm, so sind es einmal 1,12 g O2 pro Gramm Substrat und einmal 2,72 g. Das ist schon ein deutlicher Unterschied. Er ist darin begr&uuml;ndet, dass Fetts&auml;uren aus einer sehr langen Kohlenwasserstoffkette bestehen (daher kann man aus ihnen auch synthetisches Benzin herstellen) w&auml;hrend Kohlenhydrate schon teilweise oxidiert sind, jedes Kohlenstoffatom hat schon eine Bindung zu einem Sauerstoffatom und diesen Sauerstoff braucht man auch nicht zuf&uuml;hren. Aufgrund dessen kann man auch Kohlenhydrate anaerob abbauen (zumindest zum Teil), w&auml;hrend das mit Fett nicht m&ouml;glich ist.<\/p>\n<p>Erg&auml;nzen muss man die Aufstellung noch um das Eiwei&szlig;. Bei diesem ist die Sachlage etwas komplizierter, denn es besteht aus vielen unterschiedlichen Aminos&auml;uren. Allerdings ist es wenn man nur die Kohlendioxydabgabe und den Sauerstoffverbrauch betrachtet, mit Kohlenhydraten zu vergleichen. Meistens wird es aber bei solchen Untersuchungen nicht ber&uuml;cksichtigt, weil Proteine als Baustoff nur verwendet werden, wenn man im &Uuml;berfluss daf&uuml;r hat. Das betrifft vor allem den Grundenergieumsatz Bei einem schnellen Energieverbrauch greift der K&ouml;rper dagegen auf die leichter mobilisierbaren Reserve Kohlenhydrate und bei gr&ouml;&szlig;eren Anstrengungen auf Fett zur&uuml;ck.<\/p>\n<table class=\"auto-style1\">\n<tbody>\n<tr>\n<th><\/th>\n<th>Fett<\/th>\n<th>Kohlehydrate<\/th>\n<th>Protein<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Energie pro Gramm<\/td>\n<td>38,9<\/td>\n<td>17,2<\/td>\n<td>17,2<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Kj\/ Liter Sauerstoffverbrauch<\/td>\n<td>19,62<\/td>\n<td>21,13<\/td>\n<td>18,79<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Kj \/ Liter Kohlendioxyd Emission<\/td>\n<td>27,74<\/td>\n<td>21,13<\/td>\n<td>23,35<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>RQ<\/td>\n<td>0,7<\/td>\n<td>1,0<\/td>\n<td>0,8<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Man sieht das Fett sehr viel mehr Kohlendioxyd pro Kj Energie freisetzt als die beiden anderen N&auml;hrstoffe.<\/p>\n<p>Mit den Masken wird nun die Atemluft aufgenommen und dann der Sauerstoffgehalt und Kohlendioxydgehalt bestimmt. Daraus bildet man den respiratorischen Quotienten RQ:<\/p>\n<p>RQ = abgegebenes CO2 Volumen \/ aufgenommenes O2 Volumen<\/p>\n<p>Da man im Normalfall kaum Proteine verbrennt l&auml;sst man sie nun unter den Tisch fallen und geht nur von Kohlenhydraten und Fett aus. Damit hat man zwei Me&szlig;werte f&uuml;r zwei Messgr&ouml;&szlig;en und kann daraus den Anteil an Fett und Kohlenhydraten an der Energieversorgung schlie&szlig;en:<\/p>\n<table class=\"auto-style1\">\n<tbody>\n<tr>\n<th>RQ<\/th>\n<th>Fett %<\/th>\n<th>Kohlenhydrate %<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>0,7<\/td>\n<td>100<\/td>\n<td>0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>0,76<\/td>\n<td>80<\/td>\n<td>20<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>0,82<\/td>\n<td>60<\/td>\n<td>40<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>0,88<\/td>\n<td>40<\/td>\n<td>60<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>0,94<\/td>\n<td>20<\/td>\n<td>80<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>1,00<\/td>\n<td>0<\/td>\n<td>100<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Damit hat man den relativen Anteil an Kohlenhydraten und Fett und &uuml;ber die oben angegebenen Tabellenwerten f&uuml;r Sauerstoff und Kohlendioxyd kann man aus dem Gasverbrauch\/Erzeugung dann die absolute Menge in Gramm bestimmen und &uuml;ber den bekannten Energiegehgalt dann die verbrauchte Energie.<\/p>\n<p>Das ist recht zuverl&auml;ssig und so wird auch der Energieumsatz zahlreicher T&auml;tigkeiten bestimmt. Allerdings muss man eines ber&uuml;cksichtigen: es ist der Gesamtenergieverbrauch. Will man also bestimmen, wie viel man nur durch eine T&auml;tigkeit verbraucht hat muss man in einer zweiten Reihe den <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/energieumsatz.shtml\">Grundumsatz<\/a> bestimmen. Dieser macht im Tagesmittel bei den meisten die nur wenig anstrengende T&auml;tigkeiten haben zwei Drittel des Gesamtumsatzes aus.<\/p>\n<p>So und nun kommen wir zum Fehler in der Sendung. das hat man dort nicht gemacht. Stattdessen kam im zweiten Teil beim Lachen erst Kitzeln, dann lustige Filme gucken und dann ein Lachtrainer zum Einsatz. Das hat sicher l&auml;nger als die 10 Minuten Fahrradfahren gedauert. F&uuml;r die wurden 59 kcal ermittelt, das sind 1486 kJ\/Stunde relativ viel f&uuml;r Fahrradfahren wenn ich Tabellenwerte als Vergleich nehme. Schon da hat man wohl den Grundumsatz mit eingerechnet. Das Lachen wurde dann zu 151 kcal bestimmt. Neben der Verwendung von kcal als Einheit, das ich als Thema schon mal hatte ist nat&uuml;rlich die Dauer wichtig und die wird beim zweiten versuch viel l&auml;nger gewesen sein. 151 kcal in 10 Minuten das w&auml;re ein enormer Energieumsatz von 3805 kJ\/Stunde. Nur mal so als Vergleich: bei einem 75 kg schweren Mann entspricht das etwa 30 km\/h stunde Fahrradfahren oder 12 km\/h Laufen. Und in der Versuchsgruppe waren zwei Drittel Frauen die eher weniger als 75 kg wiegen. Mit Lachen so viel Energie verbrauchen wie beim schnellen Laufen? Ohne zu schwitzen?<\/p>\n<p>Die Grundaussage mag stimmen, dass man mit 100 x Lachen so viel Energie verbraucht, aber das dauert dann l&auml;nger als 10 Minuten. So suggeriert der Beitrag k&ouml;nnte man durch Lachen ohne Problem die dreifache Energiemenge des Fahrradfahrens in der gleichen Zeit umsetzen und das ist definitiv falsch.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/d22b18421d4f4a298b2413276f539e3d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Freitag kam in der ZDF Sendung &#8222;K&uuml;he haben beste freunde&#8220; ein Versuch zu einer Behauptung: 100 x Lachen verbraucht genauso viel Kalorien wie 10 Minuten Fahrradfahren. Das haben sie dann auch getestet und den Energieverbrauch mit einer Atemmaske bestimmt. Doch wie funktioniert das genau und kann man mit einer Atemmaske den Energieverbrauch messen? 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