{"id":10471,"date":"2014-09-08T11:05:20","date_gmt":"2014-09-08T09:05:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=10471"},"modified":"2014-09-08T11:07:38","modified_gmt":"2014-09-08T09:07:38","slug":"wie-gross-ist-der-markt-fuer-weltraumtourismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2014\/09\/08\/wie-gross-ist-der-markt-fuer-weltraumtourismus\/","title":{"rendered":"Wie gro&szlig; ist der Markt f&uuml;r Weltraumtourismus?"},"content":{"rendered":"<p>Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. F&uuml;r echte Weltraumtouristen, also welche die in einen Orbit gelangten gab es erst wenige Fluggelegenheiten, die noch dazu sehr viel teurer wurden. Gerade wurde bekannt dass nun Sarah Brightman ihr Training f&uuml;r ihren Trip zur ISS aufnimmt. Dies wird sie und eine Investorengruppe 50 Millionen Dollar kosten. Die ersten Touristen flogen noch f&uuml;r 20 Millionen Dollar zur ISS. Bisher gab es nur acht Fl&uuml;ge seit 2001. Seit 2009 gab es keinen mehr.<!--more--><\/p>\n<p>Das hat seinen Grund: Den Weltraumtouristen will nur einer der bei der <a href=\"\/iss-index.shtml\">ISS<\/a> beteiligten Weltraumagenturen: die Roskosmos. Sie verdient an ihnen. Die anderen Weltraumagenturen, aber auch die Astronauten an Bord der ISS sind davon nicht so begeistert oder gar dagegen. Die Weltraumagenturen, weil die Raumstation finanziert mit &ouml;ffentlichen Geldern f&uuml;r die Forschung und nicht als Hotel f&uuml;r Milliard&auml;re gebaut wurde.\u00a0 Die Astronauten sprechen zwar nicht in offiziellen Interviews dar&uuml;ber finden aber die Touristen im besten Fall deplatziert, manche auch st&ouml;rend, weil sie nichts zu den Arbeit die ansteht beitragen k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Das es seit 2009 keine neuen Touristen gab hat seinen Grund: Da wurde die Station fertiggestellt, die Stammbesatzung auf 6 erh&ouml;ht, die nun dauernd zwei angekoppelte Sojusraumschiffe ben&ouml;tigen, mehr Kapazit&auml;t hat Russland nicht. Jeder Tourist nimmt einen Stammplatz weg, der noch dazu l&auml;ngere Zeit nicht zur Verf&uuml;gung steht, w&auml;hrend der Tourist nach 10 Tagen wieder zur Erde zur&uuml;ckkehrt. Roskosmos setzte aber f&uuml;r einzelne Besatzungen eine Verl&auml;ngerung der Aufenthaltsdauer auf 360 Tage durch, damit gibt es wieder die Pl&auml;tze.<\/p>\n<p>Aufgrund dieser Begleitumst&auml;nde sind die Fl&uuml;ge zur ISS nicht repr&auml;sentativ. Man wei&szlig; nicht ob die Nachfrage gr&ouml;&szlig;er als das Angebot ist oder nicht. Es gibt zu viele Restriktionen. Dann gibt es noch den Suborbitaltourismus, sofern man &uuml;berhaupt davon sprechen kann, denn mehr als einige Minuten Schwerelosigkeit sind es nicht. Daf&uuml;r ist es um den Faktor 100 billiger. Hier haben sich bei Virgin Galactics schon 640 Kunden eingeschrieben wobei auch eine Vorauszahlung zu leisten ist, die nehmen das also ernst. Es d&uuml;rften mehr werden, denn die die jetzt schon gebucht haben m&uuml;ssen ja einige Jahre warten. Wenn man das nicht muss und man wei&szlig;, das es sicher ist, werden es sicher mehr werden. Doch auch das ist schwer auf die Nachfrage des Orbitaltourismus zu &uuml;bertragen. Zum einen d&uuml;rfte es mehr Interessenten geben, wenn man nicht nur 10 Minuten schwerelos ist, daneben ist das Umkreisen der Erde auch eine andere Sache als ein kleiner H&uuml;pfer ins All.<\/p>\n<p>Ich versuche trotzdem eine Absch&auml;tzung. Fangen wir mit dem Geld an. 50 Millionen Dollar klingen nach viel Geld, Doch f&uuml;r einen Multimilliard&auml;r sind das nicht die Summe die ihn wirklich juckt. Ab und an kommen ja Berichte aus der Welt der Supereichen. Leute, die sich einen eigenen Airbus 380 leisten (inklusive Umbau zum fliegenden Hotel), eine Jacht so gro&szlig; wie ein kleines Kreuzfahrtschiff und f&uuml;r beides einen dreistelligen Millionenbetrag ausgeben, f&uuml;r die sind auch 50 Millionen Dollar kein Problem. Bill Gates will den Gro&szlig;teil seines Verm&ouml;gens in Stiftungen f&uuml;r das Allgemeinwohl unterbringen, wenn er davon noch 50 Millionen f&uuml;r einen Trip abzweigt wird man ihm sicher nicht b&ouml;se sein. Er hat so viel Geld, dass er es sich leisten kann auf 90% davon zu verzichten. F&uuml;r die Reichen sind wohl eher die Begleitumst&auml;nde ein Problem sein. Auch wenn das Trainingsprogramm abgespeckt ist, hat nicht jeder ein halbes Jahr Zeit f&uuml;r die Vorbereitung auf einen 10-Tages Trip. Dieser selber ist an Bord einer <a href=\"\/sojus.shtml\">Sojus<\/a> sehr anstrengend, vor allem wegen der Spitzenbelastung. Das <a href=\"\/space-shuttle-index.shtml\">Space Shuttle<\/a> erlaubte mit maximal 3 g dagegen den Transport von Rentnern, Senatoren, saudischen &Ouml;lprinzen und Touristen ohne gro&szlig;es Training. So begrenzen die Begleitumst&auml;nde (k&ouml;rperliche Fitness, Zeitaufwand heute neben den Kosten und seltenen Fluggelegenheiten den Kreis der potentiellen Kunden.<\/p>\n<p>Trotzdem wird es sicher nicht hunderte von Interessenten jedes Jahr geben. Macht man eine Absch&auml;tzung nachdem der 100-fache Preise eines Suborbitaltrips auch die Bachfrage um den Faktor 100 reduziert, dann m&uuml;ssten es 6-7 Touristen sein. Wir wissen nicht welchen Zeitraum das bei Vigrin Galactics abdeckt, aber sollen es mal 6-7 Personen pro Jahr sein, immerhin deutlich mehr als die 1-2 die es bisher gab. Ich halte das f&uuml;r realistisch, denn so viele Reiche gibt es auch nicht und nicht jeder will ins All.<\/p>\n<p>Ein Problem ist, das je mehr Personen es sind, desto billiger wird es. Ein Start in einer Kapsel ist immer gleich teuer, egal ob 3 oder 7 mitfliegen. Umgekehrt wird es schwierig die Terminpl&auml;ne von immer mehr Personen zu synchronisieren. Aus dieser Sicht w&auml;re ein Trip zur ISS ideal, da es dorthin sowieso 4 Fl&uuml;ge pro Jahr gibt. Doch daf&uuml;r m&uuml;sste man die Einstellung der Raumfahrtbeh&ouml;rden zu Touristentransporten &auml;ndern. Als Alternative gibt es nur die geplante Raumstation von <a href=\"\/bigelow.shtml\">Bigelow<\/a>. Die soll zwar vorwiegend nicht f&uuml;r Touristen da sein, doch schon an Bord der ISS k&ouml;nnte die Industrie forschen &#8211; und sie tut das nur sehr z&ouml;gerlich obwohl sie hier nicht kostendeckend zahlen muss. So sind Fl&uuml;ge zur privaten Raumstation das aussichtsreiche. Da hat Bigelow einen Abschluss mit Boeing und SpaceX <a href=\"http:\/\/www.spacenews.com\/article\/civil-space\/33436bigelow\u2019s-fares-show-spacex-trumps-boeing-on-price\">gemacht<\/a>. Da kostet ein Sitz 26,25 bzw. 37,75 Millionen Dollar. Bei SpaceX entspricht das genau 6 Astronauten und einem Piloten f&uuml;r 157 Millionen Dollar oder 5 Passagieren f&uuml;r 131 Millionen Dollar, in etwa dem Preis den die Firma f&uuml;r bemannte NASA Fl&uuml;ge verspricht (133 Millionen Dollar). Boeing ist alleine schon durch die Atlas V Tr&auml;gerrakete teurer.<\/p>\n<p>Die Falcon 9 weist ebenfalls eine Spitzenbeschleunigung von 5,5 g auf, teilt also den Nachteil der hohen Beschleunigung der Sojus. Bei der <a href=\"\/atlas-v.shtml\">Atlas V<\/a> sieht es besser aus. Ihr RD-180 ist im Schub drosselbar. Das erfolgt derzeit maximal bis zum 74% Niveau, eine Senkung ist auf 47% m&ouml;glich was die Beschleunigung auf niedrigere 3,8 G reduziert. Mit einem Fluchtturm der erst nach der Stufentrennung abgetrennt wird k&auml;me man noch etwas niedriger.<\/p>\n<p>Eine Reduktion der Preise w&auml;re auch zur Erh&ouml;hung der Nachfrage sinnvoll. Wie oben beschrieben ergeben sich dann mehr potentielle Kunden, die wiederum mehr Fl&uuml;ge bedeuten und mehr Fl&uuml;ge dann niedrigere Ticketpreise pro Flug. Wiederverwenden wird man die Kapsel k&ouml;nnen, die selbst bei SpaceX der teurere Teil ist. Doch gibt es bei SpaceX wie Boeing einen Teil der verloren geht und den man woanders als das Servicemodul bezeichnet. Da man auch Raketen nicht unbegrenzt lange wiederverwenden kann (wenn&#8217;s mal klappt), alleine weil Triebwerke maximal einige Betriebszeiten als Lebensdauer haben und auch die Oberstufe verloren geht wird man die Kosten wahrscheinlich senken k&ouml;nnen, aber es wird sicher immer noch im Bereich von Millionen pro Flug liegen. Trotzdem d&uuml;rfte man so eine Nachfrage haben, die im Bereich von 10 bis 50 Personen pro Jahr liegt. Dann sprechen wir aber von mehreren bis vielen Fl&uuml;gen pro Jahr und einem Umfang f&uuml;r das sich Investitionen lohnen.<\/p>\n<p>Das Optimum d&uuml;rfte wohl das Private-Government Modell sein. Das w&auml;re z.B. die Erweiterung der ISS um ein Modul von Bigelow. Touristen w&uuml;rden zusammen mit den Astronauten der Raumfahrtagenturen zur ISS fahren und f&uuml;r f&uuml;r sie bef&ouml;rderte Versorgungsg&uuml;ter zahlen oder mitbringen. Der Vorteil ist das das obige Henne-Ei Problem umgangen wird: mehr Kunden bedeuten mehr Fl&uuml;ge, wenige Kunden bedeuten teure Fl&uuml;ge und noch weniger Kunden, bis man nicht mal die Kapsel voll bekommt. So k&ouml;nnten zuerst einzelne Touristen ins all gelangen ohne dass man viel investieren muss, l&auml;uft es und kann man die Kosten senken, so kann man auf eine eigene Raumstation umsteigen. Die Weltraumbeh&ouml;rden k&ouml;nnten Argumentieren, dass das eigene Modul nicht zur ISS geh&ouml;re und man so auch Kosten f&uuml;r die ISS spart und es auch so dem Steuerzahler n&uuml;tzt.<\/p>\n<p>F&uuml;r die Raumfahrtbeh&ouml;rden hat das den Vorteil, dass man so die Bef&ouml;rderungsgelegenheiten voll ausnutzt. CST-100 und <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/cygnus-dragon.shtml\" target=\"_blank\">Dragon <\/a>haben beide die M&ouml;glichkeit sieben Astronauten zu bef&ouml;rdern. Es nicht damit zu rechnen, dass die Russen ihre Kosmonauten dann mit den Amerikanern transportieren (im Gegenteil, sie entwickeln gerade die Sojus MS f&uuml;r Eins&auml;tze ab 2017). F&uuml;r 10 Personen ist die ISS aber nicht ausgelegt und man wird sicherer auch nicht so viele Versorgungsg&uuml;ter hochtransportieren wollen. Wenn man die Stammbesatzung auf die geplanten 7 Personen anhebt hat man aber pro US-Flug drei unbenutzte Sitze, das sind sechs Startgelegenheiten pro Jahr.<\/p>\n<p>Immerhin darf Bigelow ja eine verkleinerte Version ihres Moduls an der ISS testen, also ganz auszuschlie&szlig;en ist das Szenario nicht. Vielleicht spielt aber auch nur eine Rolle, dass Bigelow Amerikaner ist und die anderen Touristen wurden ja von Russen transportiert&#8230;.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/8b478ac8a8d4457d8a9c6f31ece27285\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. F&uuml;r echte Weltraumtouristen, also welche die in einen Orbit gelangten gab es erst wenige Fluggelegenheiten, die noch dazu sehr viel teurer wurden. Gerade wurde bekannt dass nun Sarah Brightman ihr Training f&uuml;r ihren Trip zur ISS aufnimmt. 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