{"id":10585,"date":"2014-11-19T10:37:02","date_gmt":"2014-11-19T09:37:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=10585"},"modified":"2014-11-19T10:37:35","modified_gmt":"2014-11-19T09:37:35","slug":"eingeknickt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2014\/11\/19\/eingeknickt\/","title":{"rendered":"Eingeknickt"},"content":{"rendered":"<p>Ja anders kann man es nicht ausdr&uuml;cken, ist die deutsche Regierung bei der Ariane 6. Sieg der Franzosen auf der ganzen Linie. Wie <a href=\"http:\/\/www.spacenews.com\/article\/launch-report\/42574germany-agrees-to-forgo-ariane-5-upgrade-in-favor-of-next-generation\">SpaceNews meldet<\/a> stimmt Deutschland der Ariane 6 Entwicklung zu und l&auml;sst dar&uuml;ber hinaus die Arian5 ME Entwicklung fallen. Man hat also beide Kernpunkte der eigenen Position aufgegeben.<\/p>\n<p>Beschlossen wurde nun bei einem Meeting am 13.11.2014 die Entwicklung der Ariane 6 und die Weiterentwicklung der Vega. Da nicht nur Deutschland und Frankreich die beiden gr&ouml;&szlig;ten Einzahler sind sondern auch Italien (Vega) und andere Regierung mit dabei waren, kann man davon ausgehen dass dies auch so am 2.12. beim Ministerrat genehmigt wird.<\/p>\n<p>Es wird die Ariane 6 in zwei Versionen geben, Ariane 62 und Ariane 64. Mit zwei bzw. vier Boostern. Die kleine Version soll vorwiegend f&uuml;r Einzelstarts der ESA zum Einsatz kommen die gr&ouml;&szlig;ere wieder f&uuml;r Doppelstarts in GTO, nach <a href=\"http:\/\/www.esa.int\/Our_Activities\/Launchers\/Launch_vehicles\/Ariane_6\">der ESA<\/a>. Gegen&uuml;ber dem bis vor einigen Monaten vertretenen Konzept der Ariane 6 gibt es aber eine gravierende &Auml;nderung, Diese sollte aus drei identischen Boostern als erster, einem baugleichen als Zweiter und einer kryogenen Drittstufe bestehen. Die Nutzlast w&auml;re 6-7 t in GTO gewesen. Das gesamte Konzept war auf hohe Startzahlen gebaut &#8211; Einzelstarts anstatt Doppelstarts, hohe St&uuml;ckzahlen durch vier Booster pro Rakete und mehr Starts pro Jahr. Ich fand es nicht toll, aber die Logik leuchtete mir ein und ich dachte mir, wenn es kommt wird es auch wirtschaftlich vern&uuml;nftig. Mir stie&szlig;en nur die hohen Kosten ins Auge &#8211; 4 Milliarden f&uuml;r eine Rakete aus einem gr&ouml;&szlig;eren Feststoffbooster und eine kryogene Stufe &#8211; die Vega mit drei Feststoffboostern kostete 770 Millionen Euro und die ESC-B die auch schon teuer ist war auf 1.100 Millionen Euro gesch&auml;tzt. H&auml;tte man die ESC-B so ausgelegt dass sie auf beiden Tr&auml;gern eingesetzt werden kann, dann m&uuml;sste man mit 1 Milliarde meiner Meinung nach einen Booster und eine neue Startrampe entwickeln k&ouml;nnen.<!--more--><\/p>\n<p>Doch das Konzept ist ad acta gelegt. Was ist die Ariane 6? Es ist nicht so ganz klar ob sich die beiden nur in der Boosteranzahl (2 oder 4) unterscheiden. Die ESA Angaben von 4-4,5 t in SSO und 3-10 t in GTO sind so weit auseinander, als dass man nur mit zwei weiteren Boostern nicht die h&ouml;here Nutzlast erreicht. Aber die Bauweise ist doch interessant:<\/p>\n<ul>\n<li>zwei oder vier Booster von 3 m Durchmesser und 13,74 m L&auml;nge. Sie d&uuml;rften den schon vom alten Konzept bekannten P135 Boostern entsprechen, also Booster auf Basis des P85 Antriebs, nur verl&auml;ngert. Sie werden dann wohl auch bei der Vega Erststufe eingesetzt werden und deren Nutzlast auf 2-2,2 t anheben.<\/li>\n<li>Die Zentralstufe ist nun aber kein weiterer Booster, sondern\u00a0 &#8211; trara &#8211; eine kryogene Stufe mit dem Vulcain 2 Triebwerk und 149 t Treibstoff und 4,60 m Durchmesser<\/li>\n<li>Darauf kommt dann die kryogene Oberstufe mit Vinci Triebwerk.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Also ich nenn die Ariane 5 ab jetzt nun nur noch &#8222;Ariane 5G Reloaded&#8220;. Denn mit 149 t Treibstoff ist die Treibstoffzuladung nahe der Ariane 5G mit 158 t. Man hat eben ein neues Triebwerk eingesetzt, das erst in der Ariane 5E zum Einsatz kam und damit man noch etwas Geld verpulvert, die Stufe gestreckt (Hinweis: Wie w&auml;re es einfach die Ariane 5 Stufe in der L&auml;nge zu k&uuml;rzen oder teilzubef&uuml;llen (wie bei der Ariane 40)? Dann habt ihr dasselbe erreicht). Dazu kommen dann die beiden neuen Booster oder vier neue Booster die dann genauso viel wiegen wie zwei der alten Booster und die Oberstufe die im Prinzip eine ESC-B ist, nur wird die ja nicht entwickelt.<\/p>\n<p>Vielleicht stehe ich auf dem Schlauch, aber wie soll bei diesem Konzept eine Einsparung m&ouml;glich sein? Das ist doch im Prinzip die Ariane 5 nur mit flexiblerem Boosterkonzept. Doch die sind das preiswerteste an der Rakete. Mehr noch: man setzt weil wohl die Rakete so teurer als die reine feststoff-Ariane 6 wieder auf Doppelstarts, dabei hat man doch gerade dies als Begr&uuml;ndung gebracht dass man die Ariane 6 mit Einzelstarts braucht: die ESA hat das Problem dass ihre wissenschaftlichen Missionen nur selten in den GTO gehen, es also keinen zweiten zahlenden Kunden gibt. Arianespace sagte es macht bei weniger, aber schwereren Satelliten, mehr Probleme einen zweiten leichteren Passagier zu finden und man m&uuml;sste so Startauftr&auml;ge ablehnen. Das einzige was bleibt ist ein flexibleres Konzept, doch dazu braucht man keine neue Rakete &#8211; das Ersetzen der bisherigen Booster durch neue, strukturelle Verst&auml;rkungen der EPC, da die Last nun ja unten &uuml;bertragen wird anstatt am Stufenadapter und als Lohn daf&uuml;r eine leichtgewichtigere ESC-B, die nicht so stark durchgesch&uuml;ttelt wird &#8211; und man h&auml;tte das gleiche erreicht und braucht keine neue Rakete.<\/p>\n<p>Es gab genug Propaganda im Vorfeld um das Konzept durchzusetzen. Die ESA rechnete vor, dass sie in 10 Jahren <a href=\"http:\/\/www.spacenews.com\/article\/launch-report\/42472to-win-over-germany-esa-maps-out-how-ariane-6-would-save-everyone-money\">345 Millionen Euro bei den Startkosten einsparen k&ouml;nnte<\/a>. Die Industrie soll auf die bisher &uuml;blichen Subventionen in H&ouml;he von 100 Millionen Euro pro Jahr verzichten, wenn die neue Rakete kommt, aber daf&uuml;r 5 Starts pro Jahr zu festen Preisen abnehmen. Wenn die h&ouml;her als kommerzielle Starts sind, dann ist das nur eine andere Form der Subvention. Zumal es schwer wird so viele Starts pro Jahr f&uuml;r ESA\/CNES\/DLR\/ASI zu bekommen. Z&auml;hlt man die bisherigen Sojus\/Ariane 5 Starts f&uuml;r Regierungskunden zusammen, so kommt man in keinem Jahr auf 5. Durch Galileo d&uuml;rfte man das in den n&auml;chsten Jahren kurzzeitig erreichen, aber nach Aufbau muss man nur noch defekte Satelliten ersetzen, dann sinkt die Startrate wieder ab.<\/p>\n<p>Die Industrie reorganisierte sich so lagerte Airbus den Tr&auml;gersektor aus, der dann mit dem entsprechenden Beriech von Air Liquide fusionierte. Mit weniger Produktionsstellen sollen auch Kosten eingespart werden &#8211; doch sehe ich nicht ein warum man mit denselben Ma&szlig;nahmen nicht auch die Ariane 5 wieder konkurrenzf&auml;higer machen kann.<\/p>\n<p>Vor allem was macht man wenn die Preiskalkulation nicht aufgeht wie bei der Ariane 5? Die sollte auch mal 100 Millionen Euro kosten und liegt nun bei 165 Millionen. Dann wird man wieder subventionieren, denn die Alternative, wir nutzen die Rakete nur f&uuml;r unsere Starts und wenn man keine anderen Kunden findet dann muss man wenigstens nichts zuzahlen scheint ja nicht &uuml;berlegenswert. Da die ESA mit der CNES schon das CSG finanziert bringen mehr kommerzielle Starts keine Entlastung.<\/p>\n<p>Nun wird man 4,3 Milliarden Euro f&uuml;r eine Rakete ausgeben die keiner braucht. Damit k&ouml;nnte man den Ariane 5 Betrieb 43 Jahre lang subventionieren. Es sind 54% dessen was die ESA f&uuml;r Tr&auml;ger in zehn Jahren ausgeben will (dazu kommen noch die Subventionen, die Vega, Startkosten und der Unterhalt des CSG sowie Forschungen), sie fallen aber in 6 Jahren an, werden also in dieser Zeit den Gro&szlig;teil des Budgets ausmachen. (Jungfernflug soll schon 2020 sein).<\/p>\n<p>Doch Deutschland kann auch einen &#8222;Sieg&#8220; verbuchen: Frankreich und Italien werden wieder zur Finanzierung der ISSA nach dem Abkommen von Bologna 1995 zur&uuml;ckkehren. Als die ESA 1995 die ISS Beteiligung beschloss, wurde auch die Beteiligung der L&auml;nder festgelegt. 2011 beim letzten ESA Konzil reduzierten Frankreich, Italien, Spanien einseitig ihre Mittel, was im Prinzip eine Verletzung dieses Vertrages ist, Frankreich k&uuml;ndete 2013 sogar einen Ausstieg nach 2016 an. Deutschland erh&ouml;hte seinen Anteil, konnte aber eine Reduktion des ISS-Budgets um 20% nicht verhindern. Nun hat man erreicht dass Italien und Frankreich wieder ihre Verpflichtungen erf&uuml;llen, das spart etwas Geld bei Deutschland, doch da die ISS nur 50% der Tr&auml;gerkosten ausmacht ist es nicht signifikant viel. Meiner Ansicht nach w&auml;re es sinnvoller nach 2016 auszusteigen. Dann kann man auch die kosten f&uuml;r zwei Orion Servicemodule einsparen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/ff1c90673fce47ffa9926956c987274a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ja anders kann man es nicht ausdr&uuml;cken, ist die deutsche Regierung bei der Ariane 6. Sieg der Franzosen auf der ganzen Linie. Wie SpaceNews meldet stimmt Deutschland der Ariane 6 Entwicklung zu und l&auml;sst dar&uuml;ber hinaus die Arian5 ME Entwicklung fallen. Man hat also beide Kernpunkte der eigenen Position aufgegeben. 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