{"id":10597,"date":"2014-11-23T17:39:36","date_gmt":"2014-11-23T16:39:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=10597"},"modified":"2014-11-23T20:11:37","modified_gmt":"2014-11-23T19:11:37","slug":"ernuechterung-bei-der-bemannten-marsexpedition","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2014\/11\/23\/ernuechterung-bei-der-bemannten-marsexpedition\/","title":{"rendered":"Ern&uuml;chterung bei der bemannten Marsexpedition"},"content":{"rendered":"<p>Ab 1967 starteten die USA ihre zweite Serie von Explorern zur Erforschung des interplanetaren Raums. Diese bewegten sich auf weitgeschwungenen Ellipsen weit hinaus ins All, weiter als das Magnetfeld der Erde reichte. Nachdem IMP-F schon vor der ersten Mondlandung vergl&uuml;hte, wollte die NASA mit <a href=\"http:\/\/nssdc.gsfc.nasa.gov\/nmc\/spacecraftDisplay.do?id=1969-053A\">IMP G<\/a>-J die Apollomissionen absichern. Die Satelliten sollten mit ihren Sensoren ermitteln, wenn ein Partikelsturm die Erde erreicht. Man konnte damals keine Vorhersage treffen, wie dies heute bei Sonnenst&uuml;rmen der Fall ist, aber man h&auml;tte je nachdem wo die Mission gerade ist, entweder das CSM so gedreht, dass das Serviceteil zur Sonne zeigt und so die Masse an Treibstoff, Sauerstoff und Wasser sch&uuml;tzt, oder wenn die Besatzung auf dem Mond gewesen w&auml;re, h&auml;tte sie je nach Schwere und momentaner Arbeit sofort zur Mondf&auml;hre zur&uuml;ckkehren oder sogar zur&uuml;ck in den Orbit starten m&uuml;ssen.<!--more--><\/p>\n<p>Keine Mondmission war wirklich gef&auml;hrdet, doch Apollo 16 entging nur wenige Tage einem starken Sonnensturm. Die IMP blieben l&auml;nger in Betrieb, sie wurden ab 1977 durch ISEE 1-3 erg&auml;nzt und &auml;hnliche Messungen, nicht nur in Erdn&auml;he machten auch Pionier 6 bis 9. 1990 hatte die NASA damit die Daten &uuml;ber die Sonnenaktivit&auml;t &uuml;ber mehr als einen elfj&auml;hrigen Zyklus beisammen und ging daran diese auszuwerten, vor allem was die Strahlenbelastung jenseits des Erdmagnetfeldes angeht. Das Ergebnis muss ihr nicht gefallen haben. Mediziner errechneten, das mit der &uuml;blichen Abschirmung von Raumfahrzeugen wie den Apollokapseln oder damals gerade im Bau befindlichen Space Shuttles, bei einer dreij&auml;hrigen Marsexpedition die Besatzung mit einer Wahrscheinlichkeit von 60% innerhalb von 5 Jahren nach Missionsende an der Strahlenbelastung bzw. induziertem Krebs und Erbsch&auml;den sterben w&uuml;rde, &uuml;ber 10 Jahre w&auml;ren es sogar 90%. Startet die Besatzung w&auml;hrend der drei Jahre der h&ouml;chsten Belastung so wird sie mit 30% Wahrscheinlichkeit nicht mal die Mission absolvieren k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Nat&uuml;rlich kann man sich gegen Strahlen sch&uuml;tzen, am besten durch Stoffe mit einem hohen Wasserstoffenteil, idealerweise Wasser oder Kunststoffe. Das ideale Medium ist Wasser. Doch selbst davon muss der Schild beim Mars 3 Fu&szlig; und in Erdn&auml;he 8 Fu&szlig; (rund 2,40 m) dick sein. Das wiegt dann so viel, das es die Missionen extrem verteuert. Als die Daten vorlagen, entschloss sich die NASA sie nicht zu ver&ouml;ffentlichen. Reagan war Pr&auml;sident geworden und begann schon kurz nach dem Amtsantritt das gesamte Forschungsprogramm zusammenzustreichen, zahlreiche Planetenmissionen wurden gestrichen, sogar <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/galileo-mission1.shtml\">Galileo<\/a> die damals gerade zusammengebaut wurde sollte eingestellt werden. In diesem Klima die Daten zu ver&ouml;ffentlichen, so dachte man wohl w&uuml;rde das Projekt eines Geologieorbiters gef&auml;hrden (er wurde als Mars Observer trotzdem erst Jahre sp&auml;ter genehmigt und fiel vor Erreichen des Orbits aus). Sp&auml;ter kamen sie unter Verschluss, weil die NASA bef&uuml;rchtete ihr Marsprogramm, das seit 1996 Starts alle zwei Jahre umfasst w&uuml;rde eingestellt werden, wenn man der &Ouml;ffentlichkeit sagen m&uuml;sste, dass man wohl niemals mit vertretbaren finanziellen Mitteln zum Mars gelangen k&ouml;nnen. Sie hat ja schon bei der Venus gesehen wie das &ouml;ffentliche Interesse und so auch die politische Unterst&uuml;tzung f&uuml;r neue Missionen abgenommen hat nachdem klar, war das man auf der Venus nie w&uuml;rde bemannt landen k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>So verwundert es nicht, das 1989 als Bush die NASA nach einem Plan f&uuml;r eine Marsexpedition fragte, diese die Kosten auf 400 Milliarden Dollar sch&auml;tzte, also rund 700 Milliarden im Wert von heute. Um die Besatzung zu sch&uuml;tzen, sollte die Expedition wieder am Schluss in einen Erdorbit einbremsen. Der daf&uuml;r n&ouml;tige Treibstoff war der Schutz auf der Heimreise, sonst w&auml;re er nach Verlassen des Marsorbits verbraucht. Auf der Marsoberfl&auml;che sollte die ebenfalls der Treibstoff und die Wasservorr&auml;te sch&uuml;tzen. Er w&uuml;rde in drei Tanks in der Mitte auf dem Habitat untergebracht werden. Dorthin sollte die Besatzung fl&uuml;chten &#8211; eng w&auml;re es geworden, denn der Raum war nur 5 x 5 Fu&szlig; (1,5 x 1,5 m gro&szlig;).Meistens dauern Sonnenst&uuml;rme aber nur wenige Stunden. Inzwischen war es auch m&ouml;glich vorzuwarnen. Je nach Position des Beobachtungssatelliten und der Mission sogar zwei Tage im Voraus. Aber Bush waren die Kosten aufgrund der viermal h&ouml;heren Startmasse als bei einer Landung ohne in den Erdorbit einzubremsen, zu hoch und die NASA muss sich seitdem den Vorwurf anh&ouml;ren sie w&auml;re nicht wagemutig genug, vor allem von Robert Zubrin und seinen Anh&auml;ngern.<\/p>\n<p>Die NASA unterrichtete nicht einmal die anderen Raumfahrtagenturen. Die Computer von <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/phobos.shtml\">Phobos 1+2<\/a> wurden durch Strahlenst&uuml;rme so gesch&auml;digt, dass sie Programme falsch ausf&uuml;hrten und die Sonden von der Erde wegdrehten (wahrscheinlich waren die Kommandos durch umgekippte Bits ver&auml;ndert), Japan verlor ihre Raumsonde <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/nozomi.shtml\">Nozomi<\/a> durch Sonnenst&uuml;rme und Ausf&auml;lle des Computersystems von Hayabusa f&uuml;hrten fast auch zum Scheitern dieser Mission.<\/p>\n<p>So verwundert es nicht, dass auch der Strahlenmesser <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/mars-odyssey.shtml\">MARIE<\/a> an Bord von Odyssey 2001 nach weniger als 2 Jahren ausfiel &#8211; er sollte die Strahlenbelastung messen, war aber viel zu empfindlich. Man hat dazugelernt und Curiosity hat einen robusteren Apparat an Bord. Ihm ist es auch zu verdanken, dass man nun die Wahrheit erfuhr, denn w&auml;hrend die Wissenschaftler auf den Pressekonferenzen immer um den Faktor 10 zu niedrige Werte ver&ouml;ffentlichten, gelangten die Originaldaten ins <a href=\"http:\/\/pds.nasa.gov\/tools\/subscription_service\/SS-20130610.shtml\">PDS<\/a>, dem NASA Server f&uuml;r wissenschaftliche Rohdaten. Dort hat sie nun jemand ausgewertet und ist auf die Diskrepanz gesto&szlig;en. Auf diese angesprochen musste man aufkl&auml;ren.<\/p>\n<p>Vieles andere macht nun auch Sinn, so die NASA-Planungen f&uuml;r <a href=\"http:\/\/www.astronautix.com\/fam\/martions.htm\">Marsexpeditionen<\/a> in den fr&uuml;hen Siebziger Jahren die alle auf sehr kurze Missionsdauern ausgelegt waren, mit nur wenigen Tagen bis Wochen Aufenthalt beim Mars &#8211; man wollte das Strahlenrisiko so minimieren, auch wenn diese mit ihrem hohen Geschwindigkeitsbedarf in kurzer Zeit praktisch nur mit nuklearen Triebwerken m&ouml;glich waren.<\/p>\n<p>Noch fehlt eine Stellungname von Bef&uuml;rwortern von kurzen Marsmissionen oder gar der Marskolonisation wie Zubrin oder Musk. Wenn man mich fragt leben die aber sowieso in einer Parallelwelt in der Menschenleben nicht viel z&auml;hlen (Marsmissionen ohne R&uuml;ckkehr &#8211; Zubrin) oder jenseits allen finanziellen M&ouml;glichkeiten (Marskolonisation mit 10.000 Personen &#8211; Musk), da ist das nur ein kleines Hindernis im Gedankengeb&auml;ude.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/6b94d3ad776c4a0cba3a8516ff480d93\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ab 1967 starteten die USA ihre zweite Serie von Explorern zur Erforschung des interplanetaren Raums. Diese bewegten sich auf weitgeschwungenen Ellipsen weit hinaus ins All, weiter als das Magnetfeld der Erde reichte. Nachdem IMP-F schon vor der ersten Mondlandung vergl&uuml;hte, wollte die NASA mit IMP G-J die Apollomissionen absichern. 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