{"id":106,"date":"2008-02-03T19:56:47","date_gmt":"2008-02-03T18:56:47","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/2008\/02\/03\/jede-entwicklung-durchlauft-3-phasen\/"},"modified":"2008-02-03T19:56:47","modified_gmt":"2008-02-03T18:56:47","slug":"jede-entwicklung-durchlauft-3-phasen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2008\/02\/03\/jede-entwicklung-durchlauft-3-phasen\/","title":{"rendered":"Jede Entwicklung durchl&auml;uft 3 Phasen&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Das ist, wenn ich mich so umschaue mein Res&uuml;mee bei technischen \tEntwicklungen. Ich will es mal an zwei Beispielen zeigen: Dem Luftverkehr \tund dem PC<\/p>\n<h3>Phase 1: Erfindung und Produkt f&uuml;r wenige &#8211; nicht Massenmarkttauglich.<\/h3>\n<p>Das Flugzeug wurde 1903 erfunden (oder besser gesagt, das erste das \tflog). Der Mikrocomputer 1968 oder 1971 (je nachdem ob man das \tEntwicklungsmuster bei TI nimmt, das diese nie produzierten oder den Intel \t4004). Beide hatten eines gemeinsam: die grundlegende Technik existierte \tdamals schon, vielleicht noch nicht in allen Details, aber die Basis. Sie \twar aber noch meilenweit von einem Massenprodukt weg. Beim Flugzeug war es \tso, dass es zuerst nur eine Person bef&ouml;rdern konnte, eine geringe Reichweite \thatte und sehr unzuverl&auml;ssig war. Bei den ersten Computern auf Basis der 4 \tBit Prozessoren reichte die Rechenleistung nicht aus f&uuml;r einen PC. Es gab \tBoards mit HEX Anzeigen in denen man die Programmierung lernen konnte, oder \tman steuerte damit Ampeln. Das galt auch noch f&uuml;r die ersten PC&#8217;s auf Basis \tvon 8 Bit Rechnern.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In dieser Phase ist die Erfindung etwas f&uuml;r Leute die \texperimentierfreudig sind, neugierig, aber noch ohne gro&szlig;en praktischen \tnutzen. Bei einem Konsumprodukt w&uuml;rde man nun von den &quot;Early Adaptors&quot; \tsprechen.<\/p>\n<h3>Phase 2: Der Nutzeffekt tritt ein<\/h3>\n<p>Durch evolution&auml;re oder revolution&auml;re Entwicklung wird das Produkt \tleistungsf&auml;higer und irgendwann bringt es einem gr&ouml;&szlig;eren Personenkreis einen \tpraktischen Nutzen. Es erreicht die Schwelle, f&uuml;r die es f&uuml;r bestimmte \tPersonen lohnend ist, es zu kaufen oder zu benutzen &#8211; nicht wegen des \tProduktes, sondern wegen eines praktischen, finanziellen Nutzens. Beim \tFlugzeug war diese Schwelle erreicht als es die ersten Passagierflugzeuge \tgab- noch mit Propellerantrieb und geringem Komfort wie die DC-3 oder \tJunkers Ju-52. Das war in den sp&auml;ten 20 er Jahren der Fall. F&uuml;r \tGesch&auml;ftsleute oder andere die schnell reisen mussten war die Zeitersparnis \tGeld wert (Adolf Hitler war bekannt daf&uuml;r mehrere Wahlkampftermine pro Tag \tzu haben, die nur m&ouml;glich waren weil er per Flugzeug von einem zum n&auml;chsten \treiste).<\/p>\n<p>Beim PC waren dies wohl die ersten Komplettger&auml;te, die man einfach so \tnutzen konnte, ohne sich mit BASIC oder Computerdetails auseinandersetzen zu \tm&uuml;ssen. Dazu geh&ouml;rt auch die erste Standardsoftware, die entwickelt wurde \twie Visicalc, Wordstar oder DBase. Ende der 70 er Jahre war diese Schelle \terreicht und dazu z&auml;hle ich Ger&auml;te wie den Apple II, den IBM PC oder den \tOsborne. Diese PC&#8217;s konnten einem Betrieb oder B&uuml;ro eine deutliche \tArbeitsentlastung bringen. F&uuml;r den Privatverbraucher gab es aber immer noch \tnicht den Nutzen der es rechtfertigen w&uuml;rde, sie zu benutzen.(Obwohl dies \tnat&uuml;rlich viele taten, ich geh&ouml;rte auch zu Ihnen).<\/p>\n<h3>Phase 3: Massentauglich und weite Verbreitung<\/h3>\n<p>In der weiteren Entwicklung wird das Produkt besser und billiger. \tIrgendwann tritt dann ein, dass es eine Schwelle unterschreitet, ab der es \tvon vielen als zu teuer angesehen wird, und mehr und mehr Leute benutzen es. \tDies verl&auml;uft dann zuerst rapide, die Verbreitung nimmt sehr schnell zu und \terreicht dann ein Plateauniveau. In diesem ver&auml;ndert sich dann das Produkt \tnoch dauernd. Die Verbreitung bleibt aber gleich und es ver&auml;ndert sich nicht \tmehr so massiv wie vorher. Wenn eine neue Innovation kommt die in Konkurrenz \tdazu steht, kann es sein, dass es dann sogar in eine Abschwungphase kommt in \tdem es immer weniger nachgefragt wird.<\/p>\n<p>Beim Flugzeug war der Durchbruch zur Massentauglichkeit sicher die \tErfindung des D&uuml;sentriebwerks. Die ersten D&uuml;senmaschinen anfang der 50 er \tJahre senkten zum einen die Reisedauern auf die H&auml;lfte, zum anderen konnte \tman pro Flugzeug viel mehr Passagiere transportieren. Beides zusammen \tverbilligte den Ticketpreis enorm, weil man nun pro Jahr mit einer Maschine \t4-5 mal mehr Passagiere transportieren konnte, als mit einer \tPropellermaschine. Seitdem hat der Luftverkehr zwar weltweit zugenommen, \taber es gibt nicht so riesige Entwicklungen mehr. Wer sich einen Boeing \tDreamliner anschaut und ihn mit der &uuml;ber 50 Jahre alten 707 vergleicht, \tsieht recht wenige grundlegende Unterschiede in den technischen Daten und \tdem Aussehen. Die Unterschiede liegen im Detail, in sparsameren Treibwerken \toder leichteren Werkstoffen. Das ist das typische f&uuml;r eine evolution&auml;re \tEntwicklung.<\/p>\n<p>Beim PC war der Durchbruch f&uuml;r den Massenmarkt die grafische \tBenutzeroberfl&auml;che und die Prozessoren die leistungsf&auml;hig genug waren, sie \tdarzustellen. Windows 3.1 war auch f&uuml;r meinen Bruder &#8211; der nach 15 Jahren \timmer noch Computerlaie ist &#8211; der Grund sich doch einen Computer \tanzuschaffen. Dadurch wurde die Bedienung so einfach, dass er massentauglich \twurde. Die Rechenleistung reichte nun auch f&uuml;r Spiele &#8211; eine weitere Sache \tdie ihn attraktiv machte, Auch wenn es mancher nicht gerne h&ouml;rt (besonders \tbei Microsoft und Co) &#8211; so viel hat sich seitdem nicht ge&auml;ndert. Es ist \tbunter geworden und noch etwas bedienungsfreundlicher (zumindest oftmals). \tDoch die Benutzung hat sich nicht ge&auml;ndert. Ich habe dies erst selbst wieder \tgemerkt, als ich gestern anfing mein Buch mal testweise in meine 15 Jahre \talte Windows 3.1 Textverarbeitung zu importieren, weil diese mit Rahmen die \tan einer bestimmten Position sein, sollen besser zurecht kommt als \tOpenoffice.<\/p>\n<p>Der Abschwung &#8211; den man auch als Phase 4 ansehen k&ouml;nnte gibt es sowohl \tbeim PC wie auch beim Flugzeug noch nicht. Beim Flugzeug k&ouml;nnten die \tansteigenden Energiepreise dazu f&uuml;hren, denn selbst die sparsamsten davon \tverbrauchen pro Passagier etwa so viel Treibstoff, wie man auch mit dem Auto \tverbraucht, etwa 5 l \/100 km und dann kann eine Amerikareise bald sehr teuer \twerden. Beim PC ist noch nicht das Ende der Marktdurchdringung erreicht, \tnoch gibt es Milliarden Menschen die keinen PC haben, und die vielleicht \tganz andere Anspr&uuml;che haben als der Mitteleurop&auml;er oder Amerikaner, f&uuml;r den \theute das Ger&auml;t ausgelegt ist. Ob der PC jemals von vielen kleinen Ger&auml;ten \tmit eigener Intelligenz abgel&ouml;st werden wird? Ich bin skeptisch. Man wird \tsehen.<\/p>\n<p>Diese Abschwungphase sieht man in anderen Gebieten. nimmt man z.B. die \tArt wie man Musik h&ouml;rt. Die Schallplatte wurde von der besseren CD abgel&ouml;st, \tdas war noch mehr eine Weiterentwicklung des Konzepts, aber es ver&auml;nderte \tdie Gewohnheiten nicht (&auml;hnlich wie ein D&uuml;sentriebwerk anders arbeitet als \tein Kolbenmotor &#8211; aber die Art wie man mit dem Flugzeug reist &auml;ndert sich \tdadurch nicht). Die Erfindung von MP3 und das Vertreiben von Musik &uuml;bers \tInternet haben aber die H&ouml;rgewohnheiten revolutioniert &#8211; Musik wird heute \tnicht mehr per CD geh&ouml;rt sondern vom mobilen MP3 Spieler und die CD Verk&auml;ufe \tgehen weltweit zur&uuml;ck. <\/p>\n<p>Nat&uuml;rlich ist diese Linie nur im groben &Uuml;berblick so linear. Es gibt \timmer wieder Seitenzweige, die mal hoffnungsvoll begannen und dann wieder \tendeten. So war im Flugzeugbau die Concorde eine Sackgasse. Im PC Bereich \tgab es zahllose innovative Konzepte die nicht vom Massenmarkt angenommen \twurden. Selbst Prozessorhersteller setzen auf das falsche Pferd wie Intel \t860 und Pentium Pro zeigten.<\/p>\n<p>Ich habe lange &uuml;berlegt wie das Internet hier herein passt. Man k&ouml;nnte es \twohl am besten als eigene Entwicklung ansehen, die selbst nach diesem Zyklus \tverl&auml;uft und Gebrauch macht von schon vorhergehenden Entwicklungen wie dem \tPC oder Datennetzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist, wenn ich mich so umschaue mein Res&uuml;mee bei technischen Entwicklungen. Ich will es mal an zwei Beispielen zeigen: Dem Luftverkehr und dem PC Phase 1: Erfindung und Produkt f&uuml;r wenige &#8211; nicht Massenmarkttauglich. Das Flugzeug wurde 1903 erfunden (oder besser gesagt, das erste das flog). 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