{"id":10605,"date":"2014-11-25T11:12:47","date_gmt":"2014-11-25T10:12:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=10605"},"modified":"2016-09-11T16:36:33","modified_gmt":"2016-09-11T14:36:33","slug":"projekt-treasuresat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2014\/11\/25\/projekt-treasuresat\/","title":{"rendered":"Projekt TreasureSat"},"content":{"rendered":"<p>Bisher war die Erderkundung eine Dom&auml;ne von Regierungen und Regierungsorganisationen. Auch wenn es seit 20 Jahren durch Firmen gebaute und gestartete Satelliten gibt &#8211; wie die von Digiglobe betriebene Flotte, Aber auch sie ist nicht m&ouml;glich wenn nicht die NRO die meisten Aufnahmen abkaufen w&uuml;rde. Dasselbe gilt f&uuml;r die franz&ouml;sischen <a href=\"http:\/\/www.geo-airbusds.com\/de\/653-pleiades\">Plejades Satelliten <\/a>und die TerraSAR \/ Tandem-X Konstellation. Bei der kennt man wenigstens den Industrieteil: Ein Drittel der Projektkosten.<\/p>\n<p>Nun machen sich gleich mehrere Unternehmen auf, Satelliten zu starten ohne auf institutionelle Anleger als festen Kundenstamm zu setzen. Ein Ansatz ist der von <a href=\"https:\/\/www.planet.com\/\"> Planet Labs<\/a> die 3U Cubesats in gro&szlig;er Zahl starten. Jeder Satellit ist preiswert, auch der Start als Sekund&auml;rnutzlast ist kosteng&uuml;nstig. Aber er hat nur eine begrenzte Aufl&ouml;sung, Sendeleistung und auch Lebensdauer, da die meisten von ihnen bisher als Sekund&auml;rnutzelasten bei ISS Missionen gestartet wurden &#8211; da treten sie innerhalb von zwei Jahren wieder in die Erdatmosph&auml;re ein.<!--more--><\/p>\n<p>Ein anderes Konzept vertritt das Unternehmen Treasuresat LLC. Sie will einen Satelliten entwickeln mit dem sie nur bestimmte Dinge untersuchen will, die Aufnahmen selbst auswerten und nicht ver&ouml;ffentlichen will. Sie stehen offen jedem Anteilseigner, dadurch will sich Treasuresat auch finanzieren. Jeder Anteilseigner erh&auml;lt einen zur Gr&ouml;&szlig;0e des Anteils proportionalen Teil der Beobachtungszeit des Satelliten.<\/p>\n<p>Auf die Idee f&uuml;r Treasuresat kam Jim Warren, der Gr&uuml;nder der Initiative und des Unternehmens durch <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Sarah_Parcak\">Sarah Parzak<\/a>. Die Arch&auml;ologin nutzte erstmals Aufnahmen der Digiglobe Satelliten Ikonos und Worldview und konnte durch die Kombination von sichtbaren Kan&auml;len und Infrarotaufnahmen innerhalb eines Jahres 132 archaologisch bisher unbekannte St&auml;tten auffinden, darunter eine nie fertiggestellte Pyramide und ein Gr&auml;berfeld mit 3000 Gr&auml;bern. Nun ist in vielen L&auml;ndern der Erde Schatzsuche erlaubt, so auch in den USA, wobei hier aber die Sch&auml;tze nicht nur kulturellen Wert haben, sondern auch materiellen &#8211; es muss noch Hunderte von versunkenen Galeonen vor der amerikanischen K&uuml;ste und in der Karibik geben, die noch nicht entdeckt sind.<\/p>\n<p>Sarah Parcak konnte mit den Infrarotaufnahmen Ver&auml;nderungen des Bodens bis in einige Meter Tiefe ausmachen. Das ist m&ouml;glich, weil durch Graben, aber auch Mauerreste, Holz, das Humus bildete etc. die W&auml;rmeabgabe des Bodens sich von der Nachbarschaft unterscheidet, Die Infrarotaufnahmen zeigen dies, sind aber zu niedrig aufl&ouml;send, um die Stelle ausreichend genau detektieren zu k&ouml;nnen und die visuellen Aufnahmen erlauben diese Zuordnung, denn sie sind h&ouml;her aufl&ouml;send. Daher werden sie als Overlay &uuml;ber die niedrigaufl&ouml;senden gelegt.<\/p>\n<p>Leider scheitert diese Methode sobald man mehr als 2-3 Meter Tiefe erreicht und sie scheitert auch wenn das Gel&auml;nde &uuml;berbaut ist. Im Meer kommt man tiefer, weil Hindernisse die Str&ouml;mung beeinflussen, die wiederum die Temperaturn beeinflusst, aber auch kaum tiefer als 10 m. Dieser Bereich ist heute aber auch schon so bekannt, denn so weit k&ouml;nnen selbst Hobbytaucher vordringen. Interessant w&auml;re der Bereich der Profiequipment zug&auml;nglich ist und den man von der Oberfl&auml;che aus nicht einsehen kann, ab einer tiefe von 30 bis ungef&auml;hr 100 m.<\/p>\n<p>Doch es gibt Technologien mit denen man so tief kommt: RADAR. Radar kommt selbst zwar nicht so tief, kann aber Str&ouml;mungen weit unterhalb der Oberfl&auml;che nachweisen, vor allem wenn man verschiedene Wellenl&auml;ngen kombiniert. Die prim&auml;re Nutzlast besteht daher aus einem Radarger&auml;t mit drei Sensorarrays im L-Band, C-Band und X-Band, mit Wellenl&auml;ngen von 0,3 m, 0,08 m und 0,04 m. Im Meer dringen diese Radarstrahlen unterschiedlich tief ein, zwischen 30 cm um 10 m. Aus der Differenz der Str&ouml;mungen, die man durch Dopplerverschiebung der Signale bestimmen kann, wird man auf Hindernisse in bis zu 100 m Tiefe zur&uuml;ckschlie&szlig;en k&ouml;nnen. An Land erlauben die Signale auch R&uuml;ckschl&uuml;sse &uuml;ber Bauten die &uuml;berwachsen sind. Das L-Band dringt rund 1 m tief ein, das C-Band wird vom Boden reflektiert und das X-Band schon von der Vegetation. So kann man schnelleren Wuchs (h&ouml;heren wuchs) und dichteren Wuchs wie auch Wachstumsst&ouml;rungen nachweisen. Dazu kommen St&ouml;rungen des Oberfl&auml;chenprofils (nachweisbar durch das C-Band Radar) und Ungleichm&auml;&szlig;igkeiten in der Bodenstruktur die man im L-Band nachweisen kann.<\/p>\n<p>Diese Effekte konnte Jim Warren nachweisen, zum einen mit der Auswertung von Aufnahmen der Shuttle Missionen von bekannten Fundst&auml;tten, zum anderen auf Verweise von Entdeckungen mit diesen Aufnahmen wie einem Kanalnetz der Majas schon bei der ersten Mission. Auch bei der bisher letzten Shuttle Mission konnte man im Dschungel weitere bisher <a href=\"http:\/\/www.academia.edu\/1437659\/Discovering_ancient_Maya_settlements_using_airborne_radar_elevation_data\">unbekannte Majabauten entdecken<\/a>.<\/p>\n<p>Um die Radaraufnahmen zu erg&auml;nzen gibt es einen aktiv gek&uuml;hlten Infrarotsensor, empfindlich in zwei Spektralbereichen: bei 10,5 Mikrometern im thermischen Infrarot und bei 0,9 und 1,9 Mikrometern in zwei Absorptionsbanden von Tonmineralien und Basalt. Damit will man Ver&auml;nderungen des W&auml;rmeflusses und der Oberfl&auml;chenzusammensetzung feststellen. Erg&auml;nzt wird dies durch einen Sensor im visuellen Bereich der parallel ausgerichtet ist und die kontextaufnahmen macht. Er wird aber auch genutzt: Ein Filter l&auml;sst nur das Licht von 660 bis 690 nm durch, dem <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Chlorophylle#Spektrale_Eigenschaften\">Absorptionsmaximums des Chlorophylls<\/a>. So kann man schnelleres oder langsamere Wachstum erkennen.<\/p>\n<p>Treasuresat soll f&uuml;r weniger als 60 Millionen Dollar gebaut und gestartet werden. Das geht bei diesem Budget nur bei Verzicht auf Komplexit&auml;t der Instrumente. So werden die Radarger&auml;te nur\u00a0 1,5 m Gr&ouml;&szlig;e und 30 m Aufl&ouml;sung aufweisen, die IR-Sensoren 5 m und der visuelle Sensor 1,2 m. Eingesetzt wird ein BCP-2000 Bus von Ball Aerospace. Den gab es noch g&uuml;nstig als &#8222;Restposten&#8220;, denn er wurde 2006 durch den BCP-5000 Bus abgel&ouml;st.<\/p>\n<p>Der Satellit wird zusammen mit einer CRS Mission wahrscheinlich 2017\/187 gestartet werden. Treasuresat LLC hat einen Vorvertag mit SpaceX abgeschlossen, die wohl die Tatsache ausnutzen, dass die CRS Missionen die Nutzlastkapazit&auml;t der Falcon 9 nicht ausnutzt. Das der Satellit dann nur in eine 52 Grad Bahn gelangt macht nichts aus, da alle arch&auml;ologisch interessanten Gebiete sich bei niederen Breiten befinden. Er soll sich dann mit den eigenem Abtrieb in einen 600-700 km hohen Orbit bringen. Dieser Antrieb wird auch genutzt um die Begrenzung der Aufl&ouml;sung durch mehrere Aufnahmen auszugleichen &#8211; geplant sind pro Umlauf nur 4-5 Ziele die jeweils &uuml;ber mehrere Orbits aus unterschiedlichen Perspektiven (beim &Uuml;berflug von vorne und hinten, bei den folgenden Orbits von der Seite) aufgenommen werden. So entstehen zahlreiche Aufnahmen aus verschiedenen Blickwinkeln die nicht nur eine 3D-Ansicht erlauben sondern in ihrer Summe auch viel h&ouml;her aufl&ouml;send als jede Einzelaufnahme sind. Entsprechende Techniken werden schon seit langem in der Astronomie eingesetzt.<\/p>\n<p>Kritik gab es an dem Projekt schon im Vorfeld, obwohl noch keine 30% der Finanzierung stehen. So w&uuml;rde man in gro&szlig;em Stile Raubgr&auml;ber unterst&uuml;tzen die innerhalb von wenigen Jahren alle noch bisher unbekannten arch&auml;ologischen St&auml;tten pl&uuml;ndern und zerst&ouml;ren w&uuml;rden. Nach Angabe von Treasuresat LLC sind stammen 40% der Investoren aus den USA, 15% aus &Auml;gypten. Investoren aus dem Irak, Sudan und Mexiko w&uuml;rden zwischen 5 und 10% der Anteile halten. Weiterhin w&uuml;rden 15% der Anteile von Universit&auml;ten und anderen Forschungseinrichtungen kommen<\/p>\n<p>Noch stehen aber 70% der Finanzierung aus. Beteiligen kann sich jeder der die Aktien an dem Unternehmen kaufen will. Allerdings kostet jede der 70.000 Aktien 100.000 Dollar, also nichts f&uuml;r arme Leute, Ein Anteil berechtigt f&uuml;r die Untersuchung eines Ziels. Im ersten Jahr sollen 15.000 bis 20.0000 Ziele, in der auf 5 Jahre angesetzten Prim&auml;rbetriebszeit dann die 70.000 Ziele die den Anteilen entsprechen beobachtet werden.<\/p>\n<p>Das Recht an den Aufnahmen haben diejenigen die sie in Auftrag gaben. Zumindest von den institutionellen Anlegern wird man wohl welche sehen. wahrscheinlich auch von mehr, denn eine US-Firma will diesen Service dann an Kunden vermieten denen ein Anteil zu teuer ist und mehrere dieser sammeln und eine gemeinsame Aufnahme finanzieren lassen (der Satellit soll mit Radar ein Gebiet von 100 km Breite und im visuellen Bereich eine Gebiet von 30 km Breite ablichten).<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/7fcd8a86b3d249d4b94ee2bea686d0eb\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bisher war die Erderkundung eine Dom&auml;ne von Regierungen und Regierungsorganisationen. Auch wenn es seit 20 Jahren durch Firmen gebaute und gestartete Satelliten gibt &#8211; wie die von Digiglobe betriebene Flotte, Aber auch sie ist nicht m&ouml;glich wenn nicht die NRO die meisten Aufnahmen abkaufen w&uuml;rde. 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