{"id":10687,"date":"2014-12-22T00:17:29","date_gmt":"2014-12-21T23:17:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=10687"},"modified":"2014-12-25T09:17:16","modified_gmt":"2014-12-25T08:17:16","slug":"der-wald","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2014\/12\/22\/der-wald\/","title":{"rendered":"Der Wald"},"content":{"rendered":"<p>K&uuml;rzlich kam die Deutschland Saga, wo bei Terra X ein australischer Professor &uuml;ber Deutschland referierte. (vielleicht klingt e seri&ouml;ser, wenn der Fachmann aus dem Ausland kommt) Es gab einiges neues f&uuml;r mich, die wohl &uuml;berraschendste Neuigkeit: Nach einer BBC-Umfrage mit 26.000 Teilnehmern in 16 L&auml;ndern ist Deutschland, das <a href=\"http:\/\/www.bbc.co.uk\/news\/world-europe-22624104\"> beliebteste Land <\/a>(in der Welt)! Die USA die ja bei manchen (wenn auch deutlich weniger als noch vor 20 oder 230 Jahren) als Vorbild hoch gehalten werden kamen auf Platz 8, zwei Pl&auml;tze hinter der EU die auch w&auml;hlbar war.<\/p>\n<p>Die Serie inspirierte mich zum heutigen Thema dem Wald. Schon Tacitus berichtet vom Wald mit dem Deutschland damals &uuml;berzogen war und der muss zumindest Tacitus beeindruckt haben. Vielleicht war er aber, wie das Wetter nur eine gute Entschuldigung f&uuml;r die Niederlage der R&ouml;mer 9.n. Chr. Ich schreibe bewusst nicht im Teutoburger Wald, weil die Schlacht dort nicht stattfand, sondern bei <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fundregion_Kalkriese\">Kalkriese<\/a>, wo die Schlacht in einem Engpass zwischen einem Moor und einem Berg stattfand, aber nicht im Wald. Trotzdem scheint Deutschland damals noch bewaldeter gewesen sein als Frankreich. Wir k&ouml;nnen davon ausgehen, dass ganz Mitteleuropa nach der Eiszeit voll bewaldet war, wie dies heute noch zum Teil in Skandinavien oder Russland der Fall war. In Frankreich muss damals schon mehr Wald gerodet worden sein um Ackerfl&auml;che zu gewinnen, vielleicht weil die Bev&ouml;lkerung gr&ouml;&szlig;er war.<!--more--><\/p>\n<p>Was uns von den keltischen Nachbarn unterscheidet, ist das Germanen den Wald verehrten und bei bestimmten B&auml;umen Zeremonien abhielten. Doch das wurde mit dem Christentum abgeschafft, damit kann man die enge Beziehung der Deutschen zum Wald nicht begr&uuml;nden. Der Wald wurde auch schon lange wirtschaftlich genutzt. Zuerst wurde der Prim&auml;rwald abgeholzt, dann nutzte man den nachwachsenden Sekund&auml;rwald zur Brennholzgewinnung. Dazu wurden die B&auml;ume regelm&auml;&szlig;ig gestutzt, sie wuchsen nicht voll aus sondern sobald sie eine bestimmte H&ouml;he hatten wurden die unteren &Auml;ste und St&auml;mme abgehackt, aber nicht direkt am Boden. Als Folge bildeten diese viele Triebe die man so regelm&auml;&szlig;ig erntete. (Stockausschl&auml;ge) Das ging nat&uuml;rlich nicht allen B&auml;umen aber bestimmten schnellwachsenden H&ouml;lzer wie Weiden und Pappeln. Dann nutzte man den Wald um darin die Schweine zu treiben, die bis zur Neuzeit nicht gef&uuml;ttert wurden, sondern wie Wildschweine sich von Pilzen, Eicheln oder anderem essbaren ern&auml;hrten (und auch in Status und Verhalten mehr Wildschweinen als Hausschweinen &auml;hnelten). Echten nat&uuml;rlichen Wald gab es schon im Mittelalter nicht mehr.<\/p>\n<p>Bis zu Beginn des 18-ten Jahrhunderts hatte man den Wald weitgehend abgeholzt, weil immer mehr Menschen immer mehr Brennholz brauchten und so viel gar nicht nachwuchs. Dazu kam noch Holz als Baumaterial. St&auml;mme aus dem Schwarzwald wurden &uuml;ber den Rhein bis zu den Niederlanden f&uuml;r den Schiffbau transportiert &#8211; woanders waren alte, gro&szlig;e B&auml;ume die man vor allem f&uuml;r Masten brauchte fast nicht mehr zu finden. Wer mal Landschaftsbilder aus der Romantik ansieht sollte mal drauf achten. Einzelne B&auml;ume sieht man auf vielen, aber selten einen\u00a0 echten Wald.<\/p>\n<p>Die Rettung des Waldes war der &Uuml;bergang auf Braun- und Steinkohle als Brennstoff. W&auml;lder wurden nun landwirtschaftlich angelegt und es entstand unser heutiger Wirtschaftswald. Dort dominiert meist eine Baumsorte, meistens schnellwachsende Buchen, Kiefern oder Fichten. Erst durch die Sturmsch&auml;den und vor allem bei Nadelh&ouml;lzern die epidemisch sich ausbreitenden Sch&auml;den durch Borkenk&auml;fern denkt man in den letzten Jahrzehnten um &#8211; zumindest teilweise. Es muss immer noch ordentlich sein. Unsere Familie hat ein kleines Waldst&uuml;ck, nach dem letzten Sturm bekamen wir einen Brief von der Gemeinde, wir m&uuml;ssten das Holz entfernen, das dort als Schaden entstand. Ne wir kann man nur Holz im Wald lassen&#8230;. Kein Wunder dass Baden-W&uuml;rttembergs erster Nationalpark es so schwer hat.<\/p>\n<p>Erstaunlicherweise wurde gerade zu der gleichen Zeit als der Waldbestand sein Minimum erreichte, (vor rund 300 Jahren wurde in Deutschland die nachhaltige Forstwirtschaft &#8222;erfunden&#8220;) Grimms M&auml;rchen gesammelt und ver&ouml;ffentlicht. In vielen M&auml;rchen kommt der Wald vor und selten kommt er gut weg. In dem Wald werden H&auml;nsel und Gretel ausgesetzt, Rotk&auml;ppchen begegnet dort dem Wolf, in den Wald fl&uuml;chten Br&uuml;derchen und Schwesterchen und ein M&auml;rchen hei&szlig;t sogar &#8222;<a href=\"http:\/\/de.wikisource.org\/wiki\/Die_drei_M&auml;nnlein_im_Walde_(1857)\">Die drei M&auml;nnlein im Walde<\/a>&#8222;. Mit der damaligen Wirklichkeit hatte das nichts zu tun. W&ouml;lfe standen schon vor der Ausrottung und W&auml;lder gab es damals weniger als heute.<\/p>\n<p>Deutschland hat Gl&uuml;ck: wir befinden uns in einer Region, wo der Wald wenn man nichts tut in kurzer Zeit nachw&auml;chst. Wir haben gem&auml;&szlig;igte Temperaturen und nicht zu viel und nicht zu wenig Neiderschlag. Im Amazonas und den Tropen wird der Boden von viel Niederschlag weggesp&uuml;lt. Rund ums Mittelmeer sind die Temperaturen so hoch, dass der Boden austrocknet und verweht wird wenn ihn nicht wurzeln festhalten. Zudem sinkt ohne Wald der Grundwasserspiegel ab. Wald ist normalerweise der nat&uuml;rliche Bewuchs &uuml;berall, wo die Bedingungen vorliegen, das ist auf der Erde fast &uuml;berall nur nicht nahe der Pole und in der subtropischen Zone wo sich eher W&uuml;sten (Sahara, Australien) ausbreiten. In der Bibel kann man von den ber&uuml;hmten Zedern Libanons lesen. Die waren ein Exportgut bis nach &Auml;gypten und Assyrien. Heute kann man die Zedern dort abz&auml;hlen. Die <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2013\/11\/14\/von-der-osterinsel-lernen\/\">Osterinsel<\/a> war auch mal komplett bewaldet und dort kam der Kollaps der Kultur als die letzten B&auml;ume gef&auml;llt waren. Selbst in der Savanne g&auml;be es Wald &#8211; wenn auch nur einen Trockenwald. Hier gibt es aber das neben dem Menschen wohl einzige S&auml;ugetier das den Wald rodet: Elefanten.<\/p>\n<p>Erkl&auml;ren kann man die Verbindung der Deutschen mit dem Wald nicht, aber sie hat Folgen. Das Anfang der Achtziger auftretende <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Forest_dieback\">Waldstreben<\/a> zog nicht nur in die Sprachen anderer L&auml;nder ein, sondern f&uuml;hrte auch dazu das in unser Parlament als erstes in der Welt eine &ouml;kologische Partei einziehen konnte.<\/p>\n<p>Der Wald durchmacht &uuml;brigens eine Evolution: Wenn Wald erstmalig entsteht (z. B. nach einer Eiszeit) oder nach der Rodung des alten Waldes treten zuerst neben Stauden, Gr&auml;sern und niedrigen Str&auml;uchern Pionierb&auml;ume auf. Bei uns meist Weiden, Pappeln, Birken und Rotbuchen. Diese B&auml;ume wachsen schnell, werden aber nicht sehr hoch und das Kronendach ist nicht geschlossen. Die Beschattung reicht aber aus um Gr&auml;ser am Boden am Wachsen zu hindern, womit auch langsam wachsende B&auml;ume wie Eichen hochkommen k&ouml;nnen. Diese wachsen langsamer, werden aber viel gr&ouml;&szlig;er, wenn sie gr&ouml;&szlig;er als der Prim&auml;rwald werden, beschatten sie diese B&auml;ume und diese sterben ab. Schlie&szlig;lich sterben auch diese B&auml;ume ab bzw. durch den dichten Bestand ist der Wald sehr empfindlich gegen Waldbr&auml;nde &#8211; dann beginnt ein neuer Zyklus. Im Mittel sollte bei uns aber ein Wald aber ohne menschliche Eingriffe sehr dicht sein, unwegsam (viel Totholz am Boden) und auch wenn das vielen widerstrebt &#8211; es ist auch kein echter Mischwald, denn oft setzt sich eine Baumart durch. Nicht umsonst gibt es bei uns viele Orte die &#8222;Eichen oder &#8222;Aich&#8220; im Namen haben. Eichen werden nicht nur alt, sie werden auch sehr gro&szlig; und sind sehr effektiv im beschatten des bodens, sodass andere b&auml;ume schwer gro&szlig; werden (dazu werden ihre Samen durch Eichh&ouml;rnchen, Eichelh&auml;her und anderer Tiere schnell verbietet).<\/p>\n<p>Heute kann man die Aufforstung in anderen L&auml;ndern bezahlen, wenn man sein gewissen beruhigen will. Das Prinzip: die eigenen Klimas&uuml;nden werden bei einer &#8222;<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Klimakompensation\">Co2-Kompensation<\/a>&#8220; dadurch kompensiert dass man woanders Projekte finanziert, die Kohlendioxid binden, wie eben die Aufforstung. Besser w&auml;re es wenn man bei uns die &uuml;bersch&uuml;ssige landwirtschaftliche Fl&auml;che wieder in Wald umwandeln w&uuml;rde, und zwar sinnvoll, z.B. so, dass wir wieder verbundene Waldst&uuml;cke haben anstatt einzelner Inseln in mitteln von landwirtschaftlicher Fl&auml;che. Das brauchen auch die Arten um zu wandern. Auch w&auml;ren wenige gr&ouml;&szlig;ere Fl&auml;chen besser als viele kleine verstreute Miniwaldst&uuml;cke. Und naturbelassener Wald, zumindest aber Mischwald w&auml;re auch nicht schlecht.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/ce5a54eab36a46e0ba388355a1bf4ce4\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<p>Nicht vergessen, besonders nicht um diese Zeit ist das die Deutschen den Christbaum erfunden haben. Er ist heute weltweit bekannt und geh&ouml;rt in vielen L&auml;ndern zu Weihnachten dazu, doch seinen Ursprung hat er in Deutschland. Erst im ersten Weltkrieg, nachdem\u00a0die Alliierten Soldaten erstmals einen Weihnachtsbaum bei den Deutschen sahen (beim ersten Kriegswinter gab es ja spontane Waffenstillst&auml;nde und teilweise sogar gemeinsames Feiern) wurde er auch in englischsprachigen L&auml;ndern eingef&uuml;hrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K&uuml;rzlich kam die Deutschland Saga, wo bei Terra X ein australischer Professor &uuml;ber Deutschland referierte. (vielleicht klingt e seri&ouml;ser, wenn der Fachmann aus dem Ausland kommt) Es gab einiges neues f&uuml;r mich, die wohl &uuml;berraschendste Neuigkeit: Nach einer BBC-Umfrage mit 26.000 Teilnehmern in 16 L&auml;ndern ist Deutschland, das beliebteste Land (in der Welt)! 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