{"id":10690,"date":"2014-12-23T00:11:11","date_gmt":"2014-12-22T23:11:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=10690"},"modified":"2014-12-24T09:30:00","modified_gmt":"2014-12-24T08:30:00","slug":"raumfahrtnachlese","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2014\/12\/23\/raumfahrtnachlese\/","title":{"rendered":"Raumfahrtnachlese"},"content":{"rendered":"<p>Zwar ist das Jahr noch nicht vor&uuml;ber, aber zu 97% ist es doch schon gelaufen. Zeit eine kleine Zusammenfassung zu machen. Wir haben in diesem Jahr zwei Jungfernfl&uuml;ge neuer Tr&auml;ger gesehen: Der Angara und der GSLV. Beide waren suborbital,, was schon etwas erstaunt. Diese Testmethode, erst mal die erste Stufe alleine zu testen dann die ganze Rakete ist doch au&szlig;er der Mode gekommen. Die USA haben sie zuletzt bei den Saturn I eingesetzt, das war Anfang bis Mitte der Sechziger. Der letzte Einsatz &uuml;berhaupt war bei der <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/europa.shtml\"> Europa-Rakete<\/a> Ende der Sechziger. Russland testeten zumindest Tr&auml;gerraketen nur einmal so getestet: Das war die Proton die zuerst in nur zweistufiger Version flog. Indien testete vorher niemals so ihre Tr&auml;ger. F&uuml;r das Verfahren gibt es aber auch Gr&uuml;nde. Einer kann sein, dass man die erste Stufe schon flugbereit hat, die Oberstufen aber noch nicht. Indiens GSLV Mark III Entwicklung soll umgerechnet nur 400 Millionen Dollar gekostet werden &#8211; das zeigt deutlich das Lohngef&auml;lle zwischen und Indien. Auch <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/mars-orbiter.shtml\"> Mars Orbiter<\/a> der ja als erste asiatische Raumsonde seit September den Mars umkreist war preiswert: 74 Millionen Dollar, zum Vergleich: <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/maven.shtml\"> MAVEN<\/a> die zeitgleich startete lag bei 450 Millionen Dollar also mehr las dem sechsfachen.<\/p>\n<p>Der Vorbeiflug von Sidney Spring am Mars war wie von mir erwartet eine optische Entt&auml;uschung. <a href=\"http:\/\/skyweek.wordpress.com\/\">Daniel Fischer<\/a> hatte ihn ja als ich zu Jahresanfang eine Vorausschau machte, als gro&szlig;es Ereignis angek&uuml;ndigt, aber ein einfacher Dreisatz zeigt dass\u00a0 selbst die hochaufl&ouml;sende Kamera HIRISE aus den rund 200.000 km Entfernung (zehnmal weiter entfernt als Deimos) bei der zu erwartenden Kerngr&ouml;&szlig;e (zehnmal kleiner als Deimos) keine gro&szlig;artigen Bilder machen kann.<!--more--><\/p>\n<p>Dramatisch war die Landung von <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/philae.shtml\">Philae<\/a>. Leider erwies sich auch meine Prognose der ESA-Pressearbeit als richtig: An der Landung Aktionismus mit einigen Bildern und dann wieder Schweigen. Bevor jemand meckert: daran ist nicht nur die ESA schuld, sondern auch die Wissenschaftler. Die Instrumente stammen von nationalen Instituten und werden national finanziert, nur die Raumsonde und Operation stammt von der ESA. Aber so ist es auch in den USA und dort ist es m&ouml;glich dass man mehr von der Mission erf&auml;hrt. Man kann ja entsprechende Rahmenvertr&auml;ge die &Ouml;ffentlichkeitsarbeit verpflichtend einschlie&szlig;en abschlie&szlig;en. Die Wissenschaftler haben nichts kapiert. Denn angesprochen auf die Problematik sagte einer im Interview, dass die Daten ja nach 6 Monaten alle in einem frei abrufbaren Archiv landen. Ja das tun sie, aber das ist wiederum etwas f&uuml;r Wissenschaftler. An Raumfahrt Interessierte oder nur durch Nachrichten auf das ESA-Portal gelockte Personen wollen zum einen jetzt was sehen, nicht erst in 6 Monaten und sie wollen Bilder oder T&ouml;ne oder anderes in normalen Formaten ansehen, nicht die Rohdaten von einem FTP-Server herunterladen mit einem speziellen Programm in JPG oder &auml;hnliches konvertieren. Sie wollen auch nicht alle Daten, aber einen kleinen Teil der etwas &uuml;ber den Kometen aussagt. Ja bevor hier jemand kommt, dass hinter einem solchen Projekt viele Jahre Arbeit stecken: Das ist wahr. Es ist aber auch war, dass niemand dies selbstlos macht. Jeder der Wissenschaftler ist beim Staat angestellt und bekommt ein Gehalt. Das wird vom Steuerzahler und nicht anderen Wissenschaftlern finanziert, genauso wie die Instrumente und die Sonde.<\/p>\n<p>Besserung ist nicht in Sicht und das gilt nicht nur f&uuml;r wissenschaftliche Daten. Ich aktualisiere derzeit mein <a href=\"http:\/\/www.raumfahrtbuecher.de\/atv.shtml\">ATV Buch<\/a>. Die Informationen dazu gibt es nicht auf der ESA Homepage, sondern im ATV Blog und den ISS Statusreports. Nichts gegen ersteres als Erg&auml;nzung zu zusammenfassenden und aufbereiten Informationen, aber er kann nicht letzteres ersetzen. Die ESA-Politik sieht man an einer gerade zu Ende gegangenen mission: Venus Express. Man verlor den Kontakt als man die letzten Treibstoffrest nutzen wollte um die Bahn ein letztes Mal anzuheben. 8 Jahre hat Venus Express die Venus untersucht. An wie viele ergebnisse k&ouml;nnen Sie sich erinnern, an wie viele Bilder? Wer sich an mehr als 10 erinnern kann, m&ouml;ge einen Kommentar hinterlassen. Und das ist dann die &Ouml;ffentlichkeitsarbeit in acht Jahren &#8230;.<\/p>\n<p>Es gab den medienwirksamen Aufenthalt von Alexander Gerst an Bord der ISS. Nachdem dieser gelaufen ist, kann man beim ESA Konzil auch den Ausstieg aus der ISS beschlie&szlig;en. Zumindest hat das Italien durchgesetzt. Dort wurde dann auch W&ouml;rner als neuer <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/vom-dlr-zur-esa-johann-dietrich-woerner-raumfahrt-braucht.676.de.html?dram:article_id=306738\"> ESA-Direktor bestimmt.<\/a> Der muss nun als neues und kostenintensivstes Vorhaben die Ariane 6 verwalten, gegen die er sich bei der DLR immer aussprach. Bedanken kann die franz&ouml;sische Seite sich daf&uuml;r, das man das durchsetzte, bei SpaceX. Mit der Firma konnte man bei den anderen L&auml;ndern enorm Angst machen. H&auml;tte Zypries Ahnung vom Internet oder k&ouml;nnte sogar selbst recherchieren, dann w&uuml;rde sie in einer Stunde feststellen, dass:<\/p>\n<ul>\n<li>SpaceX 2014 14 Starts ank&uuml;ndigt, und gerade mal 6 schafft<\/li>\n<li>Ver&ouml;ffentlichte Startpreise seitens NASA und DoD zwischen 83 und 87 Millionen Dollar anstatt 59 Millionen liegen<\/li>\n<li>\u00a0Ihr Manifest weiter anstieg von <a href=\"http:\/\/web.archive.org\/web\/20140102034602\/http:\/\/www.spacex.com\/missions\">38<\/a> auf <a href=\"http:\/\/www.spacex.com\/missions\">41<\/a> Starts. Man sollte ja einen R&uuml;ckgang erwarten, wenn man zeitnah Starts abwickeln kann.<\/li>\n<li>Arianespace im laufenden Jahr 14 Starts durchf&uuml;hrte (SpaceX nur 6) und so viele Auftr&auml;ge ergatterte, dass sie zu Jahresende gar nicht mehr mitbot, weil sie vor 2018 keinen Startslot mehr frei hat. SpaceX hat 2014 gerade mal die H&auml;lfte der Starts von Arianespace gewonnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bedrohung sieht anders auf. Aber mit einer Firma die vor allem durch Videos und Ank&uuml;ndigungen &Ouml;ffentlichkeitsarbeit macht, kann man gerne Bedrohungsszenarien aufbauen. Bei der Vorhersage der Startzahl habe ich wieder mal recht behalten, sogar wenn man es <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2014\/07\/28\/kann-man-die-startrate-von-traegern-vorhersagen\/\">mathematisch moduliert<\/a> kommt man auf das richtige Ergebnis, was mich selbst &uuml;berrascht hat. Aber Mutter Natur ist eben ein b&ouml;ses Weib. Man kann die &Ouml;ffentlichkeit t&auml;uschen aber nicht Mutter Natur und die r&auml;cht sich &uuml;ber mangelnde Qualit&auml;tssicherung eben mit abgebrochenen Statischen Tests oder der Ausl&ouml;sung des Selbstzerst&ouml;rungssystems bei Landetests.<\/p>\n<p>Ganz nebenbei gab es auch den ersten Test einer Orion. Die NASA testet noch wie zu Apollos Zeiten: Erst mal die Kapsel alleine, 2018 dann Kasperl mit Servicemodul und vielleicht 2020 dann mit der Besatzung. Ob die ESA nach diesen beiden Fl&uuml;gen noch das Servicemodul stellt? Ich wage zu prophezeien dass dem nicht so sein wird. Das darin investierte Geld ist klein verglichen mit dem was Orion bisher schon gekostet hat. Dagegen wird das CCDev Programm dieses Jahr erstmals die Mittel erhalten die die NASA beantragte. das war bisher imemr weniger gewesen, sogar deutlich weniger,, teilweise nur die H&auml;lfte. Die SLS und Orion bekamen dagegen mehr als beantragt, da sieht man wo der Hase l&auml;uft. Da die NASA Auftr&auml;ge an zwei Firmen vergeben hat wird&#8217;s wenn wieder mal gek&uuml;rzt wird es noc sp&auml;ter mit dem Jungfernflug des ersten CCDev Flugs.<\/p>\n<p>Seit ein paar Jahren habe ich das Gef&uuml;hl in der Weltraumfahrt l&auml;uft einiges quer. Es gibt zu viele Doppelentwicklungen, unn&ouml;tige Entwicklungen. Es wird zu viel Geld f&uuml;r Dinge rausgeschmissen das man besser verwenden k&ouml;nnte. 2014 hat diesen Eindruck nicht wiederlegt. im Gegenteil er hat sich weiter verfestigt.<\/p>\n<p>Schwer erwischt hat es dieses Jahr Orbital, obwohl die Firma mit ATK fusionieren sollte. Der Fehlstart einer <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/taurus-ii.shtml\">Antares<\/a> wurde richtig teuer. Danach will man wohl keine NK-33 mehr einsetzen. Russische Ingenieure bezeichneten diese zweite Generation der Triebwerke als sehr zuverl&auml;ssig. Anders als die erste Generation. Entweder stimmt das nicht oder die 40 Jahre Lagerung haben ihnen doch zugesetzt. Es gab zweimal Br&auml;nde bei Vorabtests und einen Ausfall. Die Firma hat einen Start auf einer Atlas 401 gebucht. Das kostet sie mindestens 90 Millionen Dollar mehr als ihre eigene Tr&auml;gerrakete. Die Nutzlast der Atlas die doppelt so hoch ist wird man nicht ausnutzen k&ouml;nnen. Nun hat man <a href=\"http:\/\/spacenews.com\/orbital-sciences-orders-rd-181-engines-for-antares-rocket\/\">20 RD-181 f&uuml;r 1 Milliarde Dollar gekauft.<\/a> Die RD1-181 sind zwei RD-193 kombiniert, haben also mit dem RD-180 nichts zu tun. Dieses Triebwerk mit einer makellosen Bilanz wird nach der Ukrainekrise ja nun durch ein neues Triebwerk ersetzt. F&uuml;r Orbital w&auml;re es die bessere L&ouml;sung gewesen, wahrscheinlich billiger und schneller verf&uuml;gbar. Dolch ich vermute da gab es rechtliche Probleme. So wird es richtig teuer: 1 Milliarde Dollar f&uuml;r 20 Triebwerke. Die Antares sollte bisher rund 85 Millionen Dollar kosten &#8211; das wird nun nicht mehr zu halten sein). Was die <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/nk-33.shtml\">NK-33 <\/a>Orbital kosteten, ist unbekannt, doch Aerojet kaufte sie vor mehr als einem Jahrzehnt f&uuml;r nur 1 Million Dollar pro St&uuml;ck. Aber man wahr wohl in Zeitnot und brauchte schnell einen Ersatz. Viel Gewinn (wenn &uuml;berhaupt) wird beim ersten CRS Kontrakt nicht herausspringen. Doch die Zahl von 20 Triebwerken spricht daf&uuml;r dass man mit einem zweiten rechnet und nach den NASA Ausschreibungen wird man ab 2017 auch mehr zur ISS bef&ouml;rdern.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/02e98a2f7b4b4401983346e2b8581dca\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwar ist das Jahr noch nicht vor&uuml;ber, aber zu 97% ist es doch schon gelaufen. Zeit eine kleine Zusammenfassung zu machen. Wir haben in diesem Jahr zwei Jungfernfl&uuml;ge neuer Tr&auml;ger gesehen: Der Angara und der GSLV. Beide waren suborbital,, was schon etwas erstaunt. 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