{"id":10847,"date":"2015-03-07T11:52:22","date_gmt":"2015-03-07T10:52:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=10847"},"modified":"2015-03-06T21:54:17","modified_gmt":"2015-03-06T20:54:17","slug":"kurz-vor-dem-ziel-geschlagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2015\/03\/07\/kurz-vor-dem-ziel-geschlagen\/","title":{"rendered":"Kurz vor dem Ziel geschlagen"},"content":{"rendered":"<p>Ich nehme mal an dem Publikum hier muss ich nichts &uuml;ber Murphys Gesetz sagen. Ich wurde an es gestern erinnert und zwar in Bezug auf die Plutoforschung. Pluto war der letzte Planet, der 1989 noch nicht besucht war.<\/p>\n<p>1977 gab es auch die M&ouml;glichkeit eine <a href=\"\/voyager-gandtour.shtml\">Voyager<\/a> zu Pluto weiterzulenken, das w&auml;re nach der Saturnpassage gewesen. Allerdings h&auml;tte man dazu eine andere Startbahn als die beiden gestarteten Sonden einschlagen m&uuml;ssen. Man hat aus naheliegenden Gr&uuml;nden darauf verzichtet. Die Sonden waren f&uuml;r f&uuml;nf Jahre Betriebszeit ausgelegt. Die Instrumente auf die Beobachtung der Gasriesen und ihre F&auml;higkeit <a href=\"\/voyager-sonde.shtml\">Daten zwischenzuspeichern<\/a> war begrenzt. Eine Passage von Pluto erschien zudem wissenschaftlich nicht sehr interessant. Was bitte konnte man im &auml;u&szlig;eren Sonnensystem bei der K&auml;lte finden? Die Entdeckung von Vulkanen auf Io, einem Patchworkmond wie Miranda und Geysiren auf Triton stand ja noch aus. Ebenso wurde Plutos Mond Charon und das der Planet eine Atmosph&auml;re hat erst nach dem Start beider Voyagers entdeckt.<!--more--><\/p>\n<p>Alan Stern, PI der derzeit zu Pluto fliegenden New Horizons Sonde, machte in einem Blog einen Vergleich zwischen New Horizons und Voyager der nat&uuml;rlich zugunsten von New Horizons ausfiel. Neben neueren und empfindlicheren Instrumenten die noch dazu auf den Himmelsk&ouml;rper ausgelegt sind ist das gr&ouml;&szlig;te Plus der Sonde Daten in gr&ouml;&szlig;erer Menge zwischenspeichern zu k&ouml;nnen und das deutlich schneller als Voyager. Bei der Kombination von kleinem Himmelsk&ouml;rper und geringer Datenrate auf den Bandrekorder h&auml;tte Voyager nur wenige Bilder geliefert. Schon nach 10 aufgezeichneten Bildern h&auml;tte sich die Aufnahmedistanz verdoppelt.<\/p>\n<p>1989, als Voyager 2 Neptun passiert hatte gab es wieder mehr Interesse an Pluto. Triton in fast gleicher Entfernung war geologisch aktiv und nachdem Reagan das Pr&auml;sidentenamt r&auml;umte entspannte sich auch die Budgetlage. Es blieb aber einige Zeit bei Pl&auml;nen. Mit Goldins Kurs zu billigen Missionen wendete sich das Blatt und eine nur 175 kg schwere Sonde &#8222;Pluto Fast-Fly-By&#8220; wurde geplant. Sie war aber technologisch zu ambitioniert und passte nicht in die Budgetgrenzen des Discovery-Programms.<\/p>\n<p>Anfang 2000 ging man da ganze erneut an, mit einer etwas schweren und konventionelleren Sonde, <a href=\"\/new-horizons1.shtml\">Pluto-Kuiper-Express.<\/a> (PKE) Die Kosten sollten begrenzt werden indem drei Sonden mit &auml;hnlicher Architektur in wenigen Jahren starten sollten (Europa-Orbiter, Solar Probe und eben\u00a0 PKE). Neu war nun auch die nach der Pluto vorgesehene Passage eines Objektes des Kuiper-G&uuml;rtels, die man nun dank automatisierter Suchprogramme in immer gr&ouml;&szlig;erer Zahl entdeckte. Als George Dabbel-Ju Bush Pr&auml;sident wurde, gab es Finanzk&uuml;rzungen und innerhalb weniger Monate wurden alle Projekte eingestellt. Diesmal jedoch nicht ohne Widerstand. Der Kongress war gegen die Einstellung und man stellte Mittel zur Verf&uuml;gung um die Mission doch noch durchf&uuml;hren zu k&ouml;nnen. Die Sonde wurde nochmals neu geplant, verwandte noch mehr Elemente anderer Sonden, so den Bus von Messenger und das ALICE Experiment von <a href=\"\/rosetta.shtml\">Rosetta<\/a> und konnte als New Horizons doch noch durchgef&uuml;hrt werden. Was man verlor war Zeit. New Horizons startete erst 2006, PKE w&auml;re ein Startfenster fr&uuml;her, 14 Monate fr&uuml;her gestartet und h&auml;tte Pluto schon 2012 erreicht. Das ging, weil die Stellung Jupiter-Pluto eine bessere Beschleunigung zulie&szlig; als bei New Horizons. Die Sonde h&auml;tte sich bis auf 500.000 km an Jupiter gen&auml;hert und h&auml;tte viel bessere M&ouml;glichkeiten gehabt die galileischen Monde zu beobachten.<\/p>\n<p>Doch es klappte ja noch mit <a href=\"\/new-horizons3.shtml\">New Horizon<\/a>s. Es ging auch hier nicht ohne Dramatik, so stellte man in Los Alamos die Arbeit zeitweise ein, weil <a href=\"\/new-horizons2.shtml\">Datentr&auml;ger fehlten <\/a>und bevor man das nicht gekl&auml;rt hatte arbeitete man nicht am RTG der Sonde. So startete sie mit einem nur teilbest&uuml;ckten RTG, der beim Start 15% weniger Energie als ein vollbest&uuml;ckter hat. Doch die gro&szlig;en Pechstr&auml;hnen kamen erst noch.<\/p>\n<p>W&auml;hrend die Sonde noch auf dem Weg zu Jupiter war, wechselte sie ihre Mission. Sie startete als Planetensonde und endete als Zwergplanetensonde. Denn die internationale astronomische Union erkl&auml;rte <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2006\/08\/28\/da-waren-es-nur-noch-acht\/\">Pluto zu einem Zwergplaneten <\/a>und sprach ihm den Planetenstatus ab! Alan Stern konnte nichts machen. Aber es w&auml;re ja wenigstens die <strong>erste<\/strong> Zwergplanetensonde gewesen &#8211; bis gestern Dawn in einen Orbit um Ceres einschwenkte, Ceres ist der zweite Zwergplanet den es gibt (mehr hat man bisher nicht definiert)., New Horizons wurde nach 9 Jahren Flug um 4 Monate geschlagen. Gerechterweise muss man sagen, dass dies schon beim Start von <a href=\"\/dawn.shtml\">Dawn<\/a> weitgehend feststand,. doch Ionentriebwerke erlauben weitgehende Bahnanpassungen, sodass Ankunftszeitpunkte eher Planungen sind anders als bei Vorbeiflugsonden, wo die Abweichung nach 9 Jahren Flug maximal einige Sekunden vom Plan betragen.<\/p>\n<p>W&auml;hrend dass vorwiegend am Image kratzt ist ein anderer Umstand schon besorgniserregend. Wie PKE war die Passage eines weiteren Kuiperobjektes nach der Pluto Passage vorgesehen. Das sollte w&auml;hrend des Flugs gefunden und die Missionsplanung erstellt werden. Viel Treibstoff, um die Sonde umzulenken, hat man nicht und durch den teilbest&uuml;ckten RTG auch nicht so viel Zeit. Man fand aber in den Beobachtungskampagnen mit Teleskopen von der Erde aus nichts. Schlie&szlig;lich setzte man sogar das empfindlichere, aber auch teure HST ein. <a href=\"http:\/\/www.nasa.gov\/press\/2014\/october\/nasa-s-hubble-telescope-finds-potential-kuiper-belt-targets-for-new-horizons\/\">Hubble fand in drei Wochen Suche dann drei K&ouml;rper<\/a>, allesamt sehr klein (zwei sind &lt;55 km gro&szlig;, der andere rund 34 km). Einer w&auml;re definitiv erreichbar, doch was n&uuml;tzt das? Selbst der gr&ouml;&szlig;ere ist 40-mal kleiner als Pluto. Die Daten die man beim Vorbeiflug gewinnen kann sind entsprechend d&uuml;rftig. Da d&uuml;rfte es sich eher lohnen etwas Beobachtungszeit f&uuml;r die neu entdeckten Plutomonde abzuzweigen die &auml;hnlich gro&szlig; sind. Meine Vermutung: New Horizons wird kein weiteres Ziel nach Pluto ansteuern, einfach weil es sich nicht lohnt. Die Objekte sind 1 Milliarde Kilometer von Pluto entfernt, daf&uuml;r braucht die Sonde rund 4 Jahre. Das bedeutet viele zus&auml;tzliche Kosten und wenig zus&auml;tzliche Erkenntnisse, da stellt man meistens ein. Murphys Gesetz schl&auml;gt zu. Fehlt nur noch das die Sonde bei der Passage sich in die falsche Richtung dreht &#8230;.<\/p>\n<p>(Kleines R&auml;tsel: Welche Raumsonde tat das mal bei dem Vorbeiflug des eigentlichen Ziels?)<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/21dd20f743e543669164e97ab1f603e2\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich nehme mal an dem Publikum hier muss ich nichts &uuml;ber Murphys Gesetz sagen. Ich wurde an es gestern erinnert und zwar in Bezug auf die Plutoforschung. Pluto war der letzte Planet, der 1989 noch nicht besucht war. 1977 gab es auch die M&ouml;glichkeit eine Voyager zu Pluto weiterzulenken, das w&auml;re nach der Saturnpassage gewesen. 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