{"id":10912,"date":"2015-04-01T00:01:30","date_gmt":"2015-03-31T22:01:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=10912"},"modified":"2015-04-05T23:15:37","modified_gmt":"2015-04-05T21:15:37","slug":"das-letzte-iss-modul","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2015\/04\/01\/das-letzte-iss-modul\/","title":{"rendered":"Das letzte ISS-Modul"},"content":{"rendered":"<p>Als man die ISS konzipierte, hatte Russland einen Teil der &auml;hnlich gro&szlig; war wie der westliche Teil. Drei Forschungsmodule und ein Stromversorgungsmodul mit Druckh&uuml;lle waren geplant. Damit w&auml;re der russische Teil in etwa so gro&szlig; wie Mir gewesen (er stammte auch von der Mir-2 ab). Doch es kam anders: Sarja wurde von der NASA finanziert, bei Swesda sprangen die NASA und ESA auch ein, damit es &uuml;berhaupt gestartet werden konnte. Seitdem startete Russland nur zwei Luftschleusen &#8222;Pirs&#8220; und &#8222;Poisk&#8220;, die auf umgebauten Progress-Raumschiffen bestehen und ein Minimodul Rasswet, das magels Geld f&uuml;r die Tr&auml;gerrakete sogar vom Shuttle bef&ouml;rdert werden musste. Drei weitere Module wurden gestrichen. Was seit Jahren aussteht ist das einzige verbliebene Forschungsmodul &#8222;Nauka&#8220;. Als ich mein ISS-Buch Mitte 2010 schrieb, war sein Start f&uuml;r Dezember 2011 geplant &#8211; und lag damals schon 3 Jahre hinter dem Plan zur&uuml;ck.<\/p>\n<p>Nun bis vor einigen Wochen bew&auml;hrte sich meine Raumfahrtregel &#8222;Nauka ist konstant 2 Jahre vom Start entfernt&#8220; und der Start von Nauka wurde f&uuml;r den Februar 2017 festgelegt. Es war seit zwei Jahren beim Hersteller, weil das Treibstoffsystem ein Leck haben soll. Ziemlich lange um dieses Problem zu beheben. Inzwischen gibt es doch Neuigkeiten auf die ich bei der Recherche f&uuml;r die zweite Auflage des ISS-Buchs gesto&szlig;en bin.<!--more--><\/p>\n<p>RIA Novosti meldete, dass Russland nun den Start vorgezogen hat und man hat das Modul umbenannt in &#8222;Resurs M&#8220;. Resurs ist das russische Wort f&uuml;r &#8222;Ressourcen&#8220; und so hie&szlig;en schon einige russische Erdbeobachtungssatelliten. Diese Serie wurde allerdings inzwischen eingestellt. das &#8222;M&#8220; im Namen steht f&uuml;r bemannt. Nach der Pressemitteilung der Roskosmos ist die Aufgabe von Resurs-M die Erdbeobachtung und -erkundung. Sie soll dort weitermachen wo man mit <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kwant_2\">Kwant-2<\/a> bei der Mir aufh&ouml;rte.<\/p>\n<p>Inoffiziell ist der Zweck jedoch ein anderer. Russland wird die bemannte Weltraumspionage fortsetzen, die man fr&uuml;her im Rahmen des Almaz Programmes betrieb. Dieses wurde 1977 eingestellt, weil mit Film als Ressource der Aufwand in keinem Verh&auml;ltnis zum Ergebnis stand. Inzwischen setzt Russland wie die meisten anderen Nationen Spionagesatelliten mit CCD als Detektoren ein, so stellt sich die Frage, warum man nun pl&ouml;tzlich wieder ein bemanntes Modul startet.<\/p>\n<p>Roskosmos bleibt vage. &#8222;Zweck des Weltraumlabors Resurs-M ist Erdbeobachtung, Umwelt&uuml;berwachung und Entwicklung neuer Beobachtungstechniken&#8220;. Das letzte d&uuml;rfte wohl der Schl&uuml;ssel sein. Denn noch immer haben russische Satelliten eine vergleichsweise niedrige Lebensdauer von 2-3 Jahren. Digiglobe betreibt dagegen noch alle Satelliten die sie seit 1997 gestartet haben (die Firma ist Hauptlieferant der Bilder f&uuml;r die NRO). Die offensichtlichste Erkl&auml;rung d&uuml;rfte die sein, dass die Elektronik vorher ausf&auml;llt. Russland unterliegt immer noch den COCOM Bestimmungen, die den Export von bestimmten Elektronischen Bauteilen verhindern. Sie wurden im letzten Juni nach der Ukrainekrise sogar noch versch&auml;rft. Betroffen davon sind auch alle &#8222;radiation resistant&#8220; Bauteile, also Prozessoren, Speicherbausteine, sonstige IC die die starke kosmische Strahlung im Orbit &uuml;berleben. Erdbeobachtungssatelliten brauchen f&uuml;r die Verarbeitung der hohen Datenraten leistungsf&auml;hige Prozessoren, die sehr empfindlich gegen&uuml;ber der Strahlung sind und die vom Embargo betroffen sind. Sie stehen Russland nicht zur Verf&uuml;gung.<\/p>\n<p class=\"auto-style1\">Russland weicht aus soweit es geht. Die Sojus Raumschiffe setzen einen v&ouml;llig veralteten \u00a0TsVM-101\u00a0Computer mit einem Prozessor in der Leistungsklasse eines 386-er PC ein. Er ist aber weltraumqualifiziert und sein MIPS R3081 Prozessor unterliegt nicht dem Embargo, Mit dieser Leistung kann man die Daten, die eine Kamera liefert aber nicht verarbeiten. Digiglobes neuester Sp&auml;her Wordlview-3 zeichnet Daten z.b. mit 2 GBit\/s auf. Russland weicht, wenn man die Leistung braucht, auf &#8222;radiation tolerance&#8220; Elektronik aus, das sind Bauteile die erh&ouml;hte Strahlung vertragen, aber nicht weltraumqualifiziert sind. Sie werden im zivilen Bereich z.b. in Verkehrsflugzeugen eingesetzt die aufgrund ihrer Flugh&ouml;he in er unteren Stratosph&auml;re eine erh&ouml;hte Strahlungsdosis empfangen. Es handelt sich meist um Bauteile mit h&ouml;here Spezifikationen gegen&uuml;ber den Betriebsparametern (Spannung, Temperatur) die nach verschiedenen Tests aus der normalen Produktion selektiert wurden. Fr&uuml;her hie die Spezifikation f&uuml;r dieselben Bauteile, wegen der Verwendung beim Milit&auml;r )Lenkwaffen, Flugzeuge) meistens &#8222;military grade oder military spec&#8220; . Aufgrund des rasant angestiegenen Elektronikanteils in Verkehrsflugzeugen ist diese Kategorie heute aufgeweicht worden, es sind vor die neusten Bauteile dieser Kategroie vom COCOM Embargo betroffen.<\/p>\n<p class=\"auto-style1\">Das dem so ist wei&szlig; man seitdem <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/phobos-grunt-fehlschlag.shtml\">Phobos Grunt <\/a>verloren ging und ein Grund f&uuml;r den Ausfall die Verwendung von nur strahlungstoleranter, aber nicht strahlungsgeh&auml;rteter Elektronik war. Strahlungstolerante Elektronik soll einige Wochen bis Monate funktionieren, danach ist mit einer erh&ouml;hten Ausfallrate zu rechnen. Anders als bei einem Satelliten wird man in Resurs M die Elektronik auswechseln k&ouml;nnen, die Kameras selbst scheinen wie bei einem Satelliten autonom zu arbeiten und keine Bedienung zu erfordern. Denkbar ist auch das man die Optik beh&auml;lt und die Sensoren bzw. die Kameras auswechselt. Zudem sch&uuml;tzt die dicke H&uuml;lle des Moduls besser vor kosmischer Strahlung.<\/p>\n<p class=\"auto-style1\">Obwohl Resurs-M erst im Herbst 2016 starten soll wirft es schon jetzt seine Schatten voraus, denn Russland ersuchte die JAXA als Kompensation der japanischen Beteiligung an den russischen Ressourcen bzw. russischen Teil der Station beim n&auml;chsten HTV-Flug eine Parabolantenne mitzuf&uuml;hren, die man vor Ankunft des Moduls bei einer EVA montieren will. Sie soll die Daten &uuml;ber russische Kommunikationssatelliten &uuml;bertragen, da die NASA-Verbindungen daf&uuml;r nicht ausreichen, bzw. das Kontingent daf&uuml;r zu gering ist. Aufgrund der Gr&ouml;&szlig;e passt sie nicht in eine Progresskapsel. Das veranlasste die NASA zu einer Stellungnahme, in der sie das russische Vorgehen nicht bef&uuml;rwortete aber auch auf den internationalen Charakter der Station verwies. Anders als das Wort &#8222;Internationale Raumstation&#8220; suggeriert ist es keine gemeinsame Raumstation, es ist eine Station aus einer russischen und amerikanischen Station. Russland hat exklusive Rechte an seinem Teil und nutzt diese z.B. f&uuml;r den Start von Weltraumtouristen, was der NASA &uuml;berhaupt nicht recht ist (so soll bald Sarah Brightman als Tourist starten). Die NASA kann wenig gegen das Vorgehen machen, will das Thema aber auch nicht hochkochen, weil man im Abkommen mit JAXA und ESA z.b. auch den Passus hat, dass die USA ebenfalls milit&auml;rische Forschung an Bord der Station durchf&uuml;hren k&ouml;nnen, auch wenn man dies niemals getan hat. (zumindest nach offizieller Verlautbarung).<\/p>\n<p class=\"auto-style1\">&Uuml;ber die genaue Instrumentierung von Resurs-M ist wenig bekannt. Nur das es mehrere Kameras sind. Die Ausrichtung (zumindest von Nauka) mit der L&auml;ngsachse Richtung Erde w&uuml;rde bei dem rund 6 m langen zylindrischen Teil eine Brennweite von 15 m bei einem gefalteten Strahlengang erlauben. Bei g&auml;ngigen TLI-Sensoren korrespondiert dies mit einer Aufl&ouml;sung von 20 cm. Ich halte eine geringere Aufl&ouml;sung f&uuml;r wahrscheinlich, weil US-Experimente auf etwa 1 m Aufl&ouml;sung beschr&auml;nkt sind, bedingt durch St&ouml;rungen durch die Besatzung bzw. Bewegungen der Station. Die Kompensation dieser um auf die f&uuml;nffache Aufl&ouml;sung zu kommen w&uuml;rde eine ziemlich aufwendige Lagerung auf Schwingungsd&auml;mpfern und eine schnelle aktive Kompensation von St&ouml;rungen erfordern. Sie d&uuml;rfte wahrscheinlich irgendwo dazwischen also zwischen 20 und 100 cm liegen.<\/p>\n<p class=\"auto-style1\">Resurs-M wird nicht das letzte Modul bleiben. Die Roskosmos k&uuml;ndigte an, 2018 es durch ein Modul mit einem aktiven Radarger&auml;t zu erg&auml;nzen. Immerhin machen so einige andere Ank&uuml;ndigungen Sinn. Vor wenigen Monaten entschloss man sich f&uuml;r eine Verl&auml;ngerung des ISS-Betriebs bis 2024, danach sollten dir russischen Module abgekoppelt werden und eine eigene Raumstation formen. Das machte bei nur zwei russischen Modulen die noch dazu die beiden &auml;ltesten sind keinen Sinn. Nun mit zwei Erdbeobachtungsmodulen macht dies viel mehr Sinn.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/55c9f2a38b27473faa66687e1f0b846c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als man die ISS konzipierte, hatte Russland einen Teil der &auml;hnlich gro&szlig; war wie der westliche Teil. Drei Forschungsmodule und ein Stromversorgungsmodul mit Druckh&uuml;lle waren geplant. Damit w&auml;re der russische Teil in etwa so gro&szlig; wie Mir gewesen (er stammte auch von der Mir-2 ab). 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