{"id":10961,"date":"2015-04-06T00:06:02","date_gmt":"2015-04-05T22:06:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=10961"},"modified":"2015-04-06T08:12:22","modified_gmt":"2015-04-06T06:12:22","slug":"die-echten-saturn-v-upgrades","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2015\/04\/06\/die-echten-saturn-v-upgrades\/","title":{"rendered":"Die echten Saturn V Upgrades"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem sich Elendsoft schon &uuml;ber <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2015\/03\/29\/raketen-die-es-geben-koennte-teil-1\/\" target=\"_blank\">m&ouml;gliche Saturn V Upgrades <\/a>ausgelassen hat, m&ouml;chte ich mal nachreichen was man tats&auml;chlich angedacht hat. Wie immer bei allen Raumfahrtprojekten muss man entscheiden, in welcher Phase das dann eingestellt wurde. Es gibt meistens eine vorbereitende Studie die mal grundlegende Fragen kl&auml;rt und die gibt es zu Hauf zu allen Projekten, das kann auch der private Ansatz eines Mitarbeiters sein, der dann nicht viel weiter geht als &Uuml;berlegungen in meinem Blog. Wird es ein echtes Projekt, so\u00a0 durchl&auml;uft es vier Phasen, richtig teuer wird es erst ab Phase C, der Entwicklung. Phase A und B dienen dazu die Machbarkeit zu pr&uuml;fen, das Design detailliert festzuklopfen und eventuelle vorbereitende Technologiearbeiten durchzuf&uuml;hren. Phase D ist dann die Produktion. Bei CCDev kostete z.b.\u00a0 Phasen A+B bei drei Unternehmen rund 1100 Millionen Dollar, Phase C+D bei drei Unternehmen 10100 Millionen Dollar. (Ich habe Sierra Nevada das bei den ersten Stufen dabei war auch bei Phase C\/D mit hinzugenommen). Ich behandele diesen Punkt etwas ausf&uuml;hrlicher, weil viele diese Stadien nicht unterscheiden, wenn von einer &#8222;NASA Studie&#8220; oder &#8222;NASA Projekt&#8220; unterschieden wird. Doch wir wollen das ja hier richtig machen.<!--more--><\/p>\n<h3>Grunds&auml;tzliches<\/h3>\n<p>Wernher von braun und seine Mitarbeiter planten eine ganze Familie von Tr&auml;gern. Davon merkt man heute nur noch was an dem angeh&auml;ngten Buchstaben &#8222;I&#8220; und &#8222;V&#8220; an den beiden gebauten Typen. Sie sollten sich in Zahl der Triebwerke in den Stufen unterscheiden. Ab der <a href=\"\/saturn5.shtml\">Saturn<\/a> C-3 waren F-1 Triebwerke in der ersten Stufe vorgesehen. Die Ziffer korrespondiert mit der Zahl der F-1 in der ersten Stufe. Die Familie ging von der Saturn II bis Saturn 8, einen Nutzlastbereich von 36 bis 170 t in LEO abdeckend. Urspr&uuml;nglich sollte die Mondlandung mit der Saturn C-4 durchgef&uuml;hrt werden mit 41,5 t Nutzlast zum Mond. Da sehr bald klar war, das Apollo &#8222;&Uuml;bergewicht&#8220; hatte ging man fr&uuml;hzeitig auf die C-5 &uuml;ber. Sp&auml;ter baute man noch in die S-II ein weiteres f&uuml;nftes Triebwerk ein um die Performance von 45 t auf 47 anzuheben. Es war also von vorneherein schon ein flexibles Konzept geplant.<\/p>\n<p>Eine mit neuen Triebwerken ausgestattete Saturn C-8 mit der Bezeichnung &#8222;Nova&#8220; h&auml;tte sogar 200 t Nutzlast erreicht.<\/p>\n<h3>Engine Upgrades<\/h3>\n<p>Als man die Saturn baute, war die Triebwerksentwicklung schon angelaufen, sie hatte einige Jahre vorher begonnen. Die F-1 und J-1 Triebwerke waren selbst f&uuml;r die damalige Zeit recht konservativ aufgebaut, arbeiteten mit moderaten Brennkammerdr&uuml;cken. Das verwundert nicht wenn man Werner von Brauns Philosophie kennt die darauf bestand Raketen m&ouml;glichst robust zu bauen. Er hatte bei der A-4 viel Lehrgeld bezahlt und bei diesem Tr&auml;ger bis zu Kriegsende schon in der Entwicklung befindliche Verbesserungsm&ouml;glichkeiten nie eingesetzt (sie sollten erst in der <a href=\"\/redstone.shtml\"> Redstone<\/a> umgesetzt werden).Beide Triebwerke waren um den Faktor 10-20 leistungsf&auml;higer als alles was die USA vorher entwickelt haben und so war es sicher sinnvoll konservativ zu bleiben. Russland schaiterte z.b. mit seinen anspruchsvolleren NK-15 und <a href=\"\/nk-33.shtml\">NK-33 Triebwerken <\/a>obwohl jedes gerade mal ein Viertel des F-1 Schubs hat.<\/p>\n<p>Die beiden Leistungssteigerungen der Triebwerke J-1 und F-1 wurden noch w&auml;hrend der Saturn V Entwicklung angegangen. Obwohl das Oberstufentriebwerk j&uuml;nger war wurde es als erstes verbessert. Es hatte bei Apollo 4 versagt und war zwar ein Triebwerk, das ohne externe Zusatzsysteme arbeiten konnte (unetr anderem selbstst&auml;ndig starten und das Treibstoffverh&auml;ltnis regulieren konnte) aber es war auch sehr kompliziert. Das J-2S stand f&uuml;r &#8222;Simplified&#8220;, es war einfacher aufgebaut und z.B. nur noch dreimal anstatt beliebig oft z&uuml;ndbar. Gleichzeitig steigen Schub an, von 1020 auf 1178 kN, mit leichten Modifikation w&auml;ren bis zu 1423 kN m&ouml;glich. Eine l&auml;ngere D&uuml;se erh&ouml;hte auch den spezifischen Impuls um 100 m\/s. Das J-2S durchlief die komplette Entwicklung und h&auml;tte 1971 in die Produktion gehen k&ouml;nnen. Das J-2S h&auml;tte die Nutzlast um 4 t gesteigert, das erscheint wenig, doch sollte man bedenken, dass nur 3 t mehr Nutzlast bei Apollo 15-17 die Mitf&uuml;hrung des Mondautos, mehr Ausr&uuml;stung und die Ausdehnung des Aufenthaltes auf dem Mond von eineinhalb auf drei Tage erm&ouml;glichten. Die 4 t h&auml;tten durchaus einiges gebracht. Bei h&ouml;heren Geschwindigkeiten wie Mars war der Effekt noch gr&ouml;&szlig;er.<\/p>\n<p>So verwundert es nicht das die NASA heute wieder das J-2S einsetzt. Es wird in der <a href=\"\/sls.shtml\">SLS<\/a> genutzt. Mit einer neuen Turbopumpe und einer vergr&ouml;&szlig;erten D&uuml;se liefert es als J-2X 1309 kN Schub bei einem spezifischem Impuls von 4393 m\/s.<\/p>\n<p>Anders sieht es beim F-1 aus. Das Nachfolgetriebwerk F-1A befand sich noch in einer fr&uuml;hen Phase der Entwicklung als man die komplette Saturn V Entwicklung einstellte. Das F-1A war wie das J-2S etwas einfacher gebaut, es hatte vor allem aber einen h&ouml;heren Brennkammerdruck von 80 Bar (F-1: 67 Bar). Und der Schub stieg so auf &uuml;ber 8000 kN am Boden und 8700 kN im Vakuum. Es war im Schub reduzierbar, sodass die Abschaltung des mittleren Triebwerks nach 150 s entfallen konnte.<\/p>\n<p>Das F-1 h&auml;tte vor allem durch den h&ouml;heren Schub die bei der Saturn V sehr ausgepr&auml;gten Gravitationsverluste reduziert. Die Rakete startete gerade mit einem Schub&uuml;berschuss von 15%, normal waren 25%. Da es hier zu keinem Einsatz kam habe ich keine Performancedaten.<\/p>\n<h3>Treibstoffmischung<\/h3>\n<p>In den Sechzigern war man noch wesentlich experimentierfreudiger als heute. Theoretisch untersucht wurde allen ernstes den Sauerstofftank on der S-IC mit einer Mischung aus Sauerstoff und Fluopr (FLOX) zu f&uuml;llen. Die Triebwerke w&auml;ren damit problemlos zurechtgekommen. Es gab nach einer Studie mehrere M&ouml;glichkeiten. Untersucht wurde eine Mischung von 30,37,38 und 70% Fluoranteil. Bis 38% h&auml;tte man die Saturn V weitgehend unver&auml;ndert gelassen. Das h&auml;tte durch h&ouml;heren Startschub und h&ouml;here Ausstr&ouml;mgeschwindigkeit rund 7,7 mehr Nutzlast zum Mond gebracht, immerhin 15% der Startmasse. Mit 70% FLOX h&auml;tte man die Tank Aufteilung &auml;ndern m&uuml;ssen. Die F-1A Triebwerke h&auml;tte man dann zwingend ben&ouml;tigt weil die Rakete deutlich schwerer war. Daf&uuml;r w&auml;re die Mondnutzlast um 28,1 t gestiegen, das sind mehr als 50%. Mehr als eine Studie gab es zu dem Thema allerdings nicht.<\/p>\n<h3>Zusatzbooster<\/h3>\n<p>Booster gibt es heute bei fast allen Tr&auml;gern und damals auch schon bei der Delta. Sehr fr&uuml;h untersuchte man auch die Verwendung von Boostern bei der Saturn V. Da gab es einmal das Projekt des<a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2012\/05\/17\/the-big-dump-solid-booster\/\"> AJ-260,<\/a> des gr&ouml;&szlig;ten jemals getesteten Feststoffantriebs. Er sollte die erste Stufe der <a href=\"\/saturn1.shtml\">Saturn I <\/a>ersetzen. Der Antrieb wurde tats&auml;chlich auch getestet, das Programm jedoch schon 1965 eingestellt.<\/p>\n<p>Naheliegender w&auml;re es gewesen die schon in der Produktion befindlichen Booster der <a href=\"\/titan34.shtml\">Titan 3C <\/a>(UA1205) zus&auml;tzlich zu verwenden. Mit einer L&auml;nge von rund 22 m im zylindrischen Teil sind sie zudem gerade in der richtigen L&auml;nge um sie unten am Triebwerksger&uuml;st und oben in der Strukturverst&auml;rkten Zwischentanksektion anzubringen. Wie das F-1A reduzieren sie durch den zus&auml;tzlichen Schub die Gravitationsverluste und erh&ouml;hen nat&uuml;rlich auch die Stufenmasse. Vier Booster h&auml;tten 8 t mehr Nutzlast zum Mond gebracht. Mehr als eine Studie war es aber nicht, denn Wernher von braun hatte etwas gegen Feststofftriebwerke und wehrte sich sp&auml;ter vehement f&uuml;r den Einsatz dieser Antriebe beim Space Shuttle. Angesichts der geringen Kosten (damals 6,29 Millionen Dollar pro Paar), w&auml;re es aber ein preiswertes Upgrade gewesen.<\/p>\n<h3>Nukleare antriebe<\/h3>\n<p>Die Saturn V war auch f&uuml;r die von Braun geplante Marsexpedition vorgesehen gewesen. Die NASA f&uuml;hrte mit einem Reaktor auch Tests durch. Aber eine Stufe wurde nie gebaut. Da nukleare Triebwerke einen sehr geringen Schub haben, h&auml;tte man sie erst im Orbit gez&uuml;ndet. NERVA, das z.B. f&uuml;r einen Test an Bord der Saturn V vorgesehen war hatte z.B. einen Schub von nur 245 kN, ein Viertel eines J-1. Geplant war f&uuml;r die Marsexpedition ein wesentlich gr&ouml;&szlig;erer Reaktor bei 4000 MW Leistung der 867 kN Schub geliefert h&auml;tte. Als 1972 das Programm eingestellt wurde hatte man einige Vorl&auml;uferreaktoren getestet, war jedoch noch weit von einem umsetzbaren Konzept entfernt, vor allem was den ben&ouml;tigten Schub, das Schub\/Gewichtsverh&auml;ltnis und die Ausstr&ouml;mgeschwindigkeit angeht. Systembedingt haben nukleare Antriebe sehr hohe Trockenmassen. Nur bei hohem spezifischem Impuls und Schub\/Gewichtsverh&auml;ltnis lohnen sie sich bei niedrigen Geschwindigkeitsbedarf wie f&uuml;r Mondmissionen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/17d506fbfab34c8498687c7a16b48025\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem sich Elendsoft schon &uuml;ber m&ouml;gliche Saturn V Upgrades ausgelassen hat, m&ouml;chte ich mal nachreichen was man tats&auml;chlich angedacht hat. Wie immer bei allen Raumfahrtprojekten muss man entscheiden, in welcher Phase das dann eingestellt wurde. 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