{"id":11056,"date":"2015-04-26T22:33:49","date_gmt":"2015-04-26T20:33:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=11056"},"modified":"2015-04-26T22:34:27","modified_gmt":"2015-04-26T20:34:27","slug":"11056","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2015\/04\/26\/11056\/","title":{"rendered":"Meine Meinung zur Marsorbitstation"},"content":{"rendered":"<p>So anstatt einem Kommentar meine etwas ausf&uuml;hrlichere Antwort auf den <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2015\/04\/24\/muss-man-auf-dem-mars-landen\/\">Gastblog von Elendsoft<\/a>.<\/p>\n<h3>Delta-V Betrachtungen<\/h3>\n<p>Betrachten wir zuerst einmal die Geschwindigkeitsanforderungen. Ich bin im folgenden von diesen Randbedingungen ausgegangen:<\/p>\n<ul>\n<li>Ankunft und R&uuml;ckstart aus einer Hohmann-Transferbahn 150 x 228 Millionen km.<\/li>\n<li>Chemische Abbremsung in einen 200 x 70.000 km Fangorbit<\/li>\n<li>Weitere Abbremsung durch Aerobraking<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dies sind Randparameter der energie&auml;rmsten m&ouml;glichen Mission. Alles andere braucht mehr Energie.\u00a0 Es gilt auch eingeschr&auml;nkt f&uuml;r andere Szenarien. Bei der Treibstoffproduktion auf dem Mars mag man Treibstoff einsparen den man von der erde mitbringt, daf&uuml;r muss man eine umfangreiche Ger&auml;tschaft zum Mars transportieren. Mit Ionentriebwerken kann man zwar Treibstoff auf der interplanetaren Reise einsparen, daf&uuml;r dauert die Reise l&auml;nger und es verk&uuml;rzt sich auf der Aufenthalt auf dem Mars.<!--more--><\/p>\n<h4>Direkte Marslandung und direkter R&uuml;ckstart zur Erde<\/h4>\n<p>Die Besatzung ist die gesamte Zeit in einem Habitat das sowohl f&uuml;r die direkte Phase zum Mars eingesetzt wird, wie auch f&uuml;r den Marsaufenthalt und die R&uuml;ckkehr genutzt wird. Erst an der erde angekommen wird sie verlassen und eine Landung erfolgt in einer Kapsel.- Aufgrund der Masse braucht dieses Szenario enorm viel Triebstoff, der nach heutigem Stand der Technik nur durch Treibstoffsynthese auf dem Mars gewonnen werden kann.<\/p>\n<ul>\n<li>Abbremsung in der Endphase der Landung: 200 m\/s<\/li>\n<li>R&uuml;ckstart zur Erde: 5600 m\/s + Gravitationsverluste (gesch&auml;tzt: 600-900 m\/s)<\/li>\n<\/ul>\n<h4>Marslandung und R&uuml;ckstart mit einer Station im Marsorbit als Zwischengef&auml;hrt<\/h4>\n<p>Eine Raumstation wird zum Mars transportiert. Eine weitere auf dem Mars abgesetzt. Nach Ankunft beim Mars (oder kurz vorher) steigt die Besatzung in einen Lander um und landet. Die Station erreicht einen kreisf&ouml;rmigen Orbit in in 200 km H&ouml;he. Nach 500 Tagen steht der R&uuml;ckstart an. Die Besatzung steigt mit einer kleinen Kapsel ine eine Marsorbitstation um und in ihr erfolgt der R&uuml;ckstart zur Erde<\/p>\n<ul>\n<li>Lander: Abbremsung in der Endphase der Landung: 200 m\/s<\/li>\n<li>Raumstation: Abbremsung in 200 x 70.000 km Obrit: 800 m\/s<\/li>\n<li>L&auml;nder: R&uuml;ckstart in den Orbit: 3450 m\/s + Gravitationsverluste (gesch&auml;tzt: 600-900 m\/s)<\/li>\n<li>Raumstation;: R&uuml;ckstart zur Erde: 2116 m\/s<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Geschwindigkeitsbedarf ist theoretisch h&ouml;her, da man die Raumstation chemisch abbremsen muss. w&auml;hrend bei der direkten Landung man nur wenig Treibstoff verbraucht. In der Praxis ist diese L&ouml;sung aber viel g&uuml;nstiger:<\/p>\n<p>Man muss die Behausung f&uuml;r die 200+ Tage dauernde R&uuml;ckreise nicht erst von der Marsoberfl&auml;che anheben. Das verbraucht viel mehr Treibstoff als sie in einem Orbit zu platzieren<\/p>\n<p>Das Gef&auml;hrt das von der Marsoberfl&auml;che in einen Orbit f&uuml;hrt, kann eine kleine und daher leichte Kapsel sein, man wird sich maximal einige stunden in ihm aufhalten. Beim direkten Konzept ist es dagegen die Behausung in der die Besatzung w&auml;hrend der ganzen Reise wohnt &#8211; viel gr&ouml;&szlig;er und damit schwerer.<\/p>\n<h4>Nur Raumstation im 200 km Kreisbahnorbit<\/h4>\n<ul>\n<li>Raumstation: Abbremsung in 200 x 70.000 km Orbit: 800 m\/s<\/li>\n<li>Raumstation;: R&uuml;ckstart zur Erde: 2116 m\/s<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wir sparen hier gegen&uuml;ber dem indirektem R&uuml;ckstart den R&uuml;ckstart in den Orbit ein (kleine Kapsel) und dazu ein Habitat auf der Oberfl&auml;che, das ist in etwa die H&auml;lfte der Startmasse.<\/p>\n<h4>Station im Phobos\/Deimos Orbit:<\/h4>\n<ul>\n<li>Raumstation: Abbremsung in 200 x 70.000 km Orbit: 800 m\/s<\/li>\n<li>Raumstation: Zirkularisierung der Bahn nach aerodynamischer Abbremsung der Apoapsis auf Phobos\/Deimosbahnh&ouml;he: 546 \/ 688 m\/s<\/li>\n<\/ul>\n<p>Raumstation;: R&uuml;ckstart zur Erde: 1923 \/ 1939 m\/s<\/p>\n<p>Diese L&ouml;sung ist energetisch nur wenig ung&uuml;nstiger als die reine 200 km Kreisbahn. Es werden 400-600 m\/s mehr ben&ouml;tigt, was angesichts der Geschwindigkeits&auml;nderung klein ist. Etwas mehr ist es wenn man beide Monde besuchen will, da man dann zwei Zirkularisierungen hat, bzw. eine Ausweitung des Orbits mit chemischen Treibstoff.<\/p>\n<p>Betrachtet man es energetisch, so ist sicher eine reine Marobitstation erheblich g&uuml;nstiger als die Landung, egal ob direkt oder &uuml;ber eine Raumstation. Selbst wenn man den Treibstoff auf dem Mars gewinnen kann, so muss man immer noch eine Wohnung f&uuml;r die Astronauten auf dem Mars landen und die Kapsel, das bedeutet der Aufwand ist deutlich gr&ouml;&szlig;er als bei einer Marslandung.<\/p>\n<p>Wenn man es von der Nutzlast her betrachtet, so entfallen bei einer konventionellen Marslandung (keine ionenantriebe, keine Treibstoffgewinnung auf dem Mars) in etwa gleich gro&szlig;e Massen auf:<\/p>\n<ul>\n<li>Wohnung auf dem Mars mit Vorr&auml;ten (landet auf dem Mars)<\/li>\n<li>R&uuml;ckkehrkapsel, Stufe, sperrige Ausr&uuml;stung (landet auf dem Mars)<\/li>\n<li>Interplanetare Behausung f&uuml;r die Hin\/R&uuml;ckreise (bleibt im Orbit)<\/li>\n<li>Stufe und Vorr&auml;te f&uuml;r die Hin\/R&uuml;ckreise<\/li>\n<\/ul>\n<p>Man kann die H&auml;lfte der Starts und des Equipments einsparen. Bei den Kosten wird der Einspareffekt noch h&ouml;her sein, weil eine Miniraumstation, die man zum Mars und zur&uuml;ckbringt eigentlich Stand der Technik vor 30 Jahren ist, das Marshabitat und die Ausr&uuml;stung dagegen noch nie entwickelt wurde.<\/p>\n<h3>Wissenschaftlicher Nutzen<\/h3>\n<p>Der Grund warum heutige Raumsonden-Missionen so langsame Fortschritte machen, liegt nicht so sehr in der Technik als vielmehr in dem Bestreben der Missionskontrolle alles zu kontrollieren. F&uuml;r die Fahrt gibt es heute Software, weil man sonst nicht sehr weit kommen w&uuml;rde. Bei einem Ziel angekommen,\u00a0 wird der Fortschritt aber dann langsamer. Man macht erst Aufnahmen der Umgebung, dann sitzen die Wissenschaftler zusammen und sucht interessante Ziele aus. Die werden dann weiter untersucht mit Fernerkundungsinstrumente. Eventuell ist ein Stein oder eine Formation so interessant, dass man diese in Situ untersuchen will. F&uuml;r alle diese Schritte m&uuml;ssen die Abl&auml;ufe festgelegt werden und die Roboter bekommen einen genauen Instruktionssatz zugespielt, was genau sie machen m&uuml;ssen, inklusive der Bewegungsdaten f&uuml;r Arme. Das zu planen dauert. Es stehen Konferenzen der einzelnen Institute an, wer was machen will, wann es erfolgen kann und weil alles genau festgelegt wird dauert alleine das Erstellen der Programme die man &uuml;bermittelt lange. Das ist nat&uuml;rlich der Gegensatz zu bemannten Missionen wo Menschen etwas einfach tun und man ihnen nicht jeden Schritt beschreiben muss (allerdings nur, weil diese vorher jahrelang ge&uuml;bt haben &#8211; vielleicht geht das bei Robotern mit mehr &Uuml;bung ja auch schneller)<\/p>\n<p>Es w&auml;re mehr Autonomistin m&ouml;glich, so gibt es heute schon Roboter die Gegenst&auml;nde erkennen und selbstst&auml;ndig greifen, anstatt das man die Befehle gibt wohin der Arm zu fahren hat, wann er die Hand zu &ouml;ffnen hat etc. W&uuml;rde man mehr riskieren und heute schon verf&uuml;gbare Techniken f&uuml;r autonomes Arbeiten einsetzen, so k&ouml;nnte man den Vorgang beschleunigen und braucht keine Besatzung im Orbit. Das Risiko eines Verlustes oder Besch&auml;digung kann man minimeren wenn man mehr Raumsonden startet, was immer noch billiger als die bemannte L&ouml;sung ist. Zumal viele baugleiche Roboter die kosten deutlich senken. Viele Roboter w&uuml;rden nat&uuml;rlich durch ihre Zahl dann auch die bisher konventionelle Vorgehensweise erm&ouml;glichen. Man gleicht durch die Zahl die Langsamkeit aus.<\/p>\n<p>Ansonsten kann die Besatzung aus dem Orbit nichts durchf&uuml;hren, was nicht auch entsprechend ausger&uuml;stete Raumsonden zu einem Bruchteil der Kosten durchf&uuml;hren k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Bei einer Station auf einem Marsmond sieht es genauso aus. Manschen k&ouml;nnen aufgrund der geringen Schwerkraft dort nicht sinnvoll arbeiten. Hier sind Landesonden deren mechanische Elemente definierte Kr&auml;fte zum Bewegen freisetzen k&ouml;nnen und die man f&uuml;r lange Zeit mit Harpunen festzurren kann viel n&uuml;tzlicher. Bei der Erkundung von Phobos oder Deimos aus der Ferne gilt das gleiche wie bei einer Marsumlaufbahn.<\/p>\n<h3>PR-Nutzen<\/h3>\n<p>Der wichtigste Nutzen einer Marsmission wird im Orbit verschenkt. Nein, dann kann man keine Astronauten vor dem Rand von Valles Marineris bei Sonnenuntergang filmen. Bemannte Raumfahrt ist vor allem &ouml;ffentlichkeitswirksam. Man will Menschen sehen und die Motive aus dem Orbit sind da lange nicht so interessant wie die von der Oberfl&auml;che. Es ist eben dann der Mars im Hintergrund, interessant aber nicht vergleichbar mit hopsenden Astronauten &uuml;ber die Marsoberfl&auml;che.<\/p>\n<p>Das gleiche gilt auch f&uuml;r die Marsmonde. Eine Landung auf ihnen d&uuml;rfte fast unm&ouml;glich sein. Daher wird man sie nur aus der N&auml;he beobachten. Hier gibt es neben der Alternative der unbemannten Sonden auch noch den Besuch eines erdnahen Asteroiden. Diesen kann man wahrscheinlich schneller erreichen, muss dort nicht so lange auf die R&uuml;ckreise warten als wie bei den Marsmonden. Der einzige Vorteil der bleibt, ist der bei Mars ohne gr&ouml;&szlig;eren Aufwand zwei Asteroiden zu besuchen die sich auch soweit wir wissen deutlich unterscheiden.<\/p>\n<h3>Nachteile<\/h3>\n<p>Es gibt sogar einen betr&auml;chtlichen Nachteil: In einer Raumstation ist man die gesamte Reise &uuml;ber schwerelos. Das w&auml;re man bei einer rund 1000 Tage dauernden Mission sonst nur w&auml;hrend 45-50% der Zeit, der Rest w&auml;re die Besatzung auf dem Mars bei 2\/3 fer Schwerkraft der Erde (sicher ausreichend f&uuml;r das Erhalten der Muskeln, zumal man ja auch im Raumanzug arbeiten, muss der das Gewicht erh&ouml;ht und Kraft f&uuml;r die Bewegung der Extremit&auml;ten erfordert. Bisher fehlen Daten ob man 1000 Tage in Schwerelosigkeit &uuml;bersteht. So lange war bisher am St&uuml;ck niemand im All.<\/p>\n<p>Dazu kommt das die Strahlung im Marsorbit h&ouml;her ist und der Schutz aufwendiger. Auf der Oberfl&auml;che wird der Mars selbst mindestens 50% der Zeit die Strahlung abschirmen, dazu kommt eine leichte Schutzwirkung der Atmosph&auml;re. Es ist sicher aufwendig, aber nicht unm&ouml;glich einen kleinen Schutzbunker unter der Oberfl&auml;che anzulegen. Dann ist die Besatzung w&auml;hrend &uuml;ber der H&auml;lfte der Gesamtdauer vor solarer und kosmischer Strahlung gesch&uuml;tzt. Das ist sie im Orbit nicht oder man muss so viel Wasser als Schutz mitf&uuml;hren und auch auch &uuml;ber die Mission nicht verbrauchen, dass deren Masse sehr hoch wird.<\/p>\n<h3>Fazit<\/h3>\n<p>Ich sehe keinen Sinn f&uuml;r eine Marsraumstation. der Aufwand im Verh&auml;ltnis zu den Kosten ist sogar noch geringer als bei der Marslandung. Sie ist zwar viel billiger, der Nutzen aber noch geringer als bei der Landung.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/6a9fd50f82bb476588a11e1f806deb34\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So anstatt einem Kommentar meine etwas ausf&uuml;hrlichere Antwort auf den Gastblog von Elendsoft. Delta-V Betrachtungen Betrachten wir zuerst einmal die Geschwindigkeitsanforderungen. Ich bin im folgenden von diesen Randbedingungen ausgegangen: Ankunft und R&uuml;ckstart aus einer Hohmann-Transferbahn 150 x 228 Millionen km. 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