{"id":11098,"date":"2015-05-19T00:29:33","date_gmt":"2015-05-18T22:29:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=11098"},"modified":"2015-05-17T23:32:07","modified_gmt":"2015-05-17T21:32:07","slug":"troja","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2015\/05\/19\/troja\/","title":{"rendered":"Troja"},"content":{"rendered":"<p>Seit Homers Illias besch&auml;ftigt die Frage ob diese Erz&auml;hlung eine literarische Erfindung oder der k&uuml;nstlerisch aufbereitete Kriegsbericht ist die Menschheit. Lange Zeit dominierte die erste Sicht. Verst&auml;ndlich, denn wir kennen ja auch andere Geschichten von Helden: In Deutschland die Nibelungensage, in Sumer das Gilgamesch Epos. In allen sind Dinge vorhanden, von denen wir Wissen das es sie nicht gibt wie Drachen, Kappen die unsichtbar machen oder &uuml;bermenschliche Kr&auml;fte und M&auml;chte. Selbst in der Bibel finden wir unglaubliche Geschichten. Von den Plagen die &Auml;gypten zu durchstehen hat, dem Einreisen von Mauern von Jericho durch Trompeten oder der Sintflut. In der Ilias spielen auch G&ouml;tter auf dem Schlachtfeld mit so lag es nahe die Geschichte als Weltliteratur, aber erfunden, abzutun.<\/p>\n<p>Heinrich Schliemann glaubte dran, und fand auch Troja. Allerdings war der H&uuml;gel schon vorher als antike St&auml;tte\u00a0 bekannt\u00a0 man hatte Reste von Bauwerken gefunden und er bekam den Tipp von einem Engl&auml;nder. So musste er sich nicht auf die knappen geographischen Angaben der Illias verlassen. Schliemann war so von der Literatur &uuml;berzeugt, das er Goldfunde wie auch Brandr&uuml;ckst&auml;nde in der Stadt f&uuml;r Hinweise auf den Krieg und den Schatz des Priamos deutete. Wie wir heute wissen, sind beide Funde aus einer &auml;lteren Schicht. In Troja befinden sich mindestens 10 St&auml;dte &uuml;bereinander, deren &auml;lteste rund 2950 v.Chr entstand, die j&uuml;ngste wurde nach Erdbeben im 5 Jahrhundert nach Christus verlassen. Troja VI h&auml;tte in etwa das Alter, in dem Krieg spielen w&uuml;rde. Das ist nun kein Wunder: An der K&uuml;ste liegen oft St&auml;dte, vor allem wenn sie an geographisch g&uuml;nstigen Stellen liegen und das ist bei Troja kurz vor den Dardanellen der Fall. Sie liegt daher nahe eines Kreuzpunktes den Schiffe passieren mussten wenn sie ins schwarze Meer und somit in den kaukasischen raum fahren wollten.<!--more--><\/p>\n<p>Troja selbst wird au&szlig;er bei Homer nirgends erw&auml;hnt. Doch die Region wurde von der antiken Stadt Illias beherrscht, die es gab und hie&szlig; daher Ilion. Im griechischen ist dies auch der Name f&uuml;r Troja. Damals dominierte diese Region das Hethhiterreich und eine Stadt namens Wiluscha, die ebenfalls dort liegen sollte und vielleicht identisch mit Illion ist. Interessanterweise wissen wir bis heute nicht, ob die Stadt bei Hisalik nun Illion ist. Das verwundert etwas. Sicher es gab keine Ortschilder, aber man hat die Orte zahlreicher antiken St&auml;dte gefunden die aufgegeben oder zerst&ouml;rt wurden. Selbst wenn man diese aus Geschichte tilgen wollte wie dies die &Auml;gypter mit Armana, der vom &#8222;Ketzerpharao&#8220; Echnaton gegr&uuml;ndeten Stadt, taten. Sie wurde komplett abgerissen und die Steine in anderen Bauen verwendet. Gefunden hat man sie trotzdem. Hierdagegen handelt es sich um einen 3500 Jahre lang bebauten Ort und der wurde komplett vergessen?<\/p>\n<p>Kl&auml;ren wird man es nicht k&ouml;nnen. Schliemann hat auch nicht so viel positives beigetragen denn er ist nicht gerade zimperlich vorgegangen: er hat mitten durch den H&uuml;gel einen Graben gezogen bis zu den Fundamenten. Damit hat er alles zerst&ouml;rt was in diesem Bereich lag. Das es ein H&uuml;gel ist, zeigt eigentlich die Bebauung &uuml;ber Jahrhunderte, denn die erste Stadt lag noch direkt an der K&uuml;ste. die folgenden wurden dann auf den Resten der alten gebaut.<\/p>\n<p>Gestern kam dann (wieder einmal)\u00a0 eine Reportage &uuml;ber Troja, diesmal &uuml;ber den Krieg und die Frage ob es das h&ouml;lzerne Pferd gab mit drei Thesen: Geheimer Aufenthaltsort f&uuml;r einen Sturmtrupp, kunstvolle Beschreibung eines Rammbocks oder literarische Verarbeitung eines Erdbebens, f&uuml;r das damals Poseidon zust&auml;ndig war, dessen heilige Tiere Pferde waren. Mir pers&ouml;nlich w&auml;re der Rammbock am logischsten. Warum die Troyer f&uuml;r ein Pferd ihre Mauern eingerissen haben sollten, will mir nicht einleuchten. Wenn man es als Geschenk der G&ouml;tter ansieht, warum hat man es nicht an Ort und Stelle verbrannt (damals wurden alle Opfer verbannt, wobei man bei Tieren das aber gerne auf Knochen H&auml;ute und fett beschr&auml;nkte und das Fleisch verspeiste). Vor allem halte ich niemanden f&uuml;r so bl&ouml;d, dass wenn er pl&ouml;tzlich ein Riesenpferd aus Holz vorfindet er meint das k&auml;me von G&ouml;ttern und nicht von den gerade noch dagewesenen Feinden.<\/p>\n<p>Die Rammbocktheorie hat nur den einen Haken, das die &auml;ltesten Rammb&ouml;cke aus dem assyrischen Reich stammten und 3 Jahrhunderte j&uuml;nger sind. Selbst die Griechen zu Homers Zeiten setzten noch keine ein. Was f&uuml;r mich f&uuml;r eine Geschichte spricht ist der ganze Kriegsverlauf. Die Illias ist ja nur ein kurzer ausschnitt zum Ende eines 10-J&auml;hrigen Kriegs. Er beginnt mit dem Raub der sch&ouml;nen Helena. Das ist mit Sicherheit eine Sage, denn selbst wenn man wegen einer Frau in den Krieg zieht, dann will man sie nach 10 Jahren sicher nicht mehr zur&uuml;ckhaben. Schon der zehnj&auml;hrige Krieg zeigt das etwas nicht stimmen kann, denn in der damaligen Zeit f&uuml;hrte man nur w&auml;hrend des Fr&uuml;hjahrs und Sommers Krieg. Ein Heer wurde nach der Aussaat zusammengestellt und wenn die Zeit der ernte nahte wieder aufgel&ouml;st. F&uuml;r die Ernte brauchte man jeden Mann und selbst F&uuml;rsten waren sicher nicht woanders sondern wollten die dann f&auml;lligen Steuern schon selbst eintreiben. Noch Jahrhunderte sp&auml;ter war mit Beginn des Herbst bei dann schon station&auml;ren Heeren die Zeit gekommen, das man ins Winterlager zog. Bei einem solchen Marsch wurde 9 n.Chr. die r&ouml;mische Armee im Teutoburger Wald niedergemacht.<\/p>\n<p>Wenn man Illion in einem Jahr nicht bezwingen konnte dann sicher nicht in den folgenden, denn vorgewarnt h&auml;tte man &uuml;ber das Winterhalbjahr Lebensmittel einlagern und die Besatzung verst&auml;rken k&ouml;nnen. Das zweite ist der beschriebene Krieg. Es sind Schlachten zwischen Einzelpersonen die hervorgehoben werden: Hektor, Achil, Ajax, Patrokolos. Auch wenn das literarische Freiheit ist, so ist eines auff&auml;llig: nirgendwo h&ouml;ren wir vor einer Belagerung. Stattdessen verlassen die Einwohner von Troja die Stadt und k&auml;mpfen vor den Mauern mit den Griechen. Und das halte ich f&uuml;r absolut d&auml;mlich. Der tiefer Sinn einer Mauer ist das sie den Gegner abh&auml;lt eine Stadt zu erobern. Er braucht Zeit und Ger&auml;t um sie zu &uuml;berwinden. W&auml;hrend der Zeit ist er dem Beschuss von der Mauerkrone ausgesetzt und deren Besatzung kann auch Leitern umsto&szlig;en. Im Allgemeinen braucht eine Befestigung nur einen Bruchteil der Soldaten die der Angreifer braucht und kann trotzdem lange Angriffe abwehren. Warum sollte man diesen Vorteil bewusst aufgeben? Mehr noch: Da die Trojer in einer offenen Feldschlacht in etwa so viele Soldaten wie die Griechen aufbringen mussten, muss die Besatzung sehr stark gewesen sein. W&uuml;rde deise die Mauer verteidigen so w&auml;re es sicher unm&ouml;glich gewesen die Stadt einzunehmen. Wir kennen aus der Antike F&auml;lle, wo St&auml;dte Belagerungen standhielten oder erst nach langer Zeit erobert wurden deren Besatzung\u00a0 weniger als ein Zehntel der St&auml;rke es Angreifers hatten.<\/p>\n<p>So erscheint der Kriegsverlauf bis zu dieser Zeit als reine Erfindung, warum sollte es nicht der ganze Kriegsverlauf sein. Vielleicht gab es mal einen Eroberungszug der Griechen nach Illion. Vielleicht war er auch erfolgreich und man konnte eine Stadt einnehmen. Das k&ouml;nnte ein wahrer Kern sein, um den man dann eine Geschichte herumgesponnen hat. Das ist zumindest meine Meinung.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/d007aa6ba06f419f8f2f8635f6759b42\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Homers Illias besch&auml;ftigt die Frage ob diese Erz&auml;hlung eine literarische Erfindung oder der k&uuml;nstlerisch aufbereitete Kriegsbericht ist die Menschheit. Lange Zeit dominierte die erste Sicht. Verst&auml;ndlich, denn wir kennen ja auch andere Geschichten von Helden: In Deutschland die Nibelungensage, in Sumer das Gilgamesch Epos. 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