{"id":11229,"date":"2015-07-29T17:52:26","date_gmt":"2015-07-29T15:52:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=11229"},"modified":"2015-07-29T18:33:51","modified_gmt":"2015-07-29T16:33:51","slug":"ein-neuer-vorstoss-von-airbuseads-zum-thema-wiederverwendung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2015\/07\/29\/ein-neuer-vorstoss-von-airbuseads-zum-thema-wiederverwendung\/","title":{"rendered":"Ein neuer Vorsto&szlig; von Airbus\/EADS zum Thema Wiederverwendung"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem EADS\/Airbus vor einigen Wochen Adeline vorstellte, eine neue Erststufe f&uuml;r die Zeit nach der Ariane 6 die wiederverwendbar sein soll, aber viel geringere Nutzlastverluste als SpaceX Konzept hat, hat nun der Konzern eine L&ouml;sung f&uuml;r die Ariane 6 vorgestellt. <a href=\"http:\/\/spacenews.com\/meet-adeline-airbus-response-to-reusable-spacex-rocket\/\">Adeline<\/a> (Advanced Expendable Launcher with Innovative engine Economy) wird von der ersten Stufe nur Triebwerk mit der dort angebrachten Avionik bergen die 80% des Wertes der Stufe ausmachen. Anstatt kostbaren Raketentreibstoff f&uuml;r die Landung zu verwenden wird Adeline durch zwei Turbofantriebwerke und Winglets wie ein Flugzeug landen. Auch ULA will nur den Triebwerksblock bergen, allerdings diesen im Flug durch Helikopter fangen.<!--more--><\/p>\n<p>Offensichtlich sch&auml;tzt Airbus aber das bisherige Konzept von Ariane 6 nicht als so &uuml;berzeugend f&uuml;r die bald anstehende Billigung durch den ESA-Ministerrat ein, als dass man nicht versucht hat es noch zu optimieren und dies soll nur durch Wiederverwendung gehen. Das lohnt sich bei den Boostern nicht und w&auml;re bei der ersten Stufe aufgrund ihrer hohen Trenngeschwindigkeit sehr aufwendig und gef&auml;hrlich (SpaceX hat es z.B. bei viel geringerer Trenngeschwindigkeit noch nicht geschafft eine Stufe zu bergen), Daher hat man sich auf die letzte verbliebene Stufe konzentriert die es gibt: die Oberstufe.<\/p>\n<p>Nun ist klar, das eine Bergung der Oberstufe nicht in Frage kommt &#8211; gegen&uuml;ber der Erststufe sind die Einbu&szlig;en an Nutzlast durch Treibstoff f&uuml;r den Wiedereintritt\/Landung und Verst&auml;rkung der Struktur noch h&ouml;her. SpaceX nennt die Bergung der Oberstufe als langfristiges Ziel, hat dieses bei den derzeitigen Raketen aber nicht angegangen. So &uuml;berlegte man bei Airbus, wie man die Stufe im Orbit erneut einsetzen konnte. Die offensichtlichste Idee w&auml;re es eine Stufe im Orbit aufzutanken. So kann man auch hier den teuersten Teil: Das Triebwerk und die Avionik mehrfach verwenden. Doch Untersuchungen zeigten, dass die Zeit in der der Wasserstoff selbst bei K&uuml;hlung fl&uuml;ssig ist sehr knapp f&uuml;r eine automatische Kopplung ist. Das Man&ouml;ver w&auml;re sehr riskant-. Zudem ist vor allem der fl&uuml;ssige Wasserstoff sehr schwierig umzupumpen. Seine Eigenschaften weichen im fl&uuml;ssigen zustand stark von denen lagerf&auml;higer Treibstoffe ab die man bisher schon f&uuml;r Nachf&uuml;llungen der ISS nutzt. Dazu kommt das die Tanks f&uuml;r fl&uuml;ssige Treibstoffe wegen des hohen Volumens des Wasserstoffs sehr viel wiegen.<\/p>\n<p>Airbus dachte aber weiter und ersann einen neuen eklektisch-chemischen Antrieb. Wenn man die Treibstoffe nicht als kryogene Fl&uuml;ssigkeiten nutzen kann, dann vielleicht in gasf&ouml;rmigem Zustand. Berechnungen zeigten, das die Tanks der ESC-B Oberstufe dauerhaft einem Innendruck von 20 Bar standhalten k&ouml;nnen, der Berstdruck liegt &uuml;ber 30 bar. Im Betrieb sind die Tanks nur mit 2 bis 3 druckbeaufschlagt, doch sie m&uuml;ssen auch den Vibrationen und dem Gewicht des Treibstoffs multipliziert mit der Spitzenbeschleunigung aushalten. Daher sind sie erheblich steifer als es der nominelle Innendruck erfordert. Bei 30 bis 26 t Treibstoffzuladung (noch sind die Planungen f&uuml;r die Oberstufe nicht abgeschlossen) w&uuml;rde der Treibstoff im gasf&ouml;rmigen Zustand und 20 Bar Druck noch 266 bzw. 663 kg wiegen. Damit kann man das Triebwerk maximal 20 s lang betreiben. Das ist nicht die L&ouml;sung die man sich erhofft, zudem w&auml;ren die Drucktanks f&uuml;r die Triebstoffe viel zu schwer.<\/p>\n<p>Eine zweite L&ouml;sung ist es nicht die Treibstoffe getrennt zu transportieren, sondern Wasser. Das wird dann durch Elektrolyse in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Dieser wird in den Treibstofftanks der Oberstufe zwischengelagert bis der Sauerstofftank 20 bar erreicht. Aufgrund der Unterschiede der Dichte im gasf&ouml;rmiger und fl&uuml;ssigen Zustand wird der Wasserstofftank maximal 8,4 bar erreichen. Das Triebwerk arbeitet dann 20 s lang, was eine minimale Beschleunigung von 72 m\/s ergibt. So muss man f&uuml;r das Erreichen des GTO-Orbits ausgehend von einem LEO-Orbit mindestens 30 Z&uuml;ndungen.<\/p>\n<p>So erarbeitete Airbus folgendes Szenario: Der erste Start ist der einer normalen Ariane 6 mit einer kryogenen Oberstufe mit dem Vinci Triebwerk und 30 bis 36 t Fl&uuml;ssigtreibstoffen. Nach dem Absetzen der Nutzlast wird der Nutzlastadapter abgetrennt. Unter ihm befindet sich der Kopplungsadapter der auf dem beim ATV verwendeten basiert, jedoch in Europa produziert wird. Die Stufe bremst sich zuerst passiv durch Reibung der Atmosph&auml;re ab, bis das Apog&auml;um in 600 km H&ouml;he liegt. Dann wird mit Hydrazin betriebenen Triebwerken das Perig&auml;um angehoben, sodass die Stufe nicht vergl&uuml;ht. In einem 300 x 600 km Orbit sollte sie 1 Jahr verbleiben k&ouml;nnen. Nominell dauert diese Abbremsphase 2 Monate, sodass sie beim &uuml;bern&auml;chsten Ariane 6 Start im neuen Zwischenorbit angekommen ist.<\/p>\n<p>Die n&auml;chste Ariane 6 startet dann ohne Oberstufe. Die Zentralstufe setzt die Nutzlast mit der RAUS-Stufe (Reusable Ariane Upper Stage) in einem niedrigen Orbit ab. Sie besteht aus einem Kopplungsadapter, einer Elektrolyseapperatur, einem Wasserstofftank mit Solarzellen und einer Steuersektion mit der Avionik und Triebwerken die mit Hydrazin betreiben werden. mit ihnen navigiert die RAUS zur Ariane 6 Oberstufe die der passive Part ist. Angekoppelt wird durch den Strom den die Solarzellen liefern das Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten die dann in die Oberstufentanks geleitet werden. Sobald der Sauerstofftank 20 Bar erreicht hat kann die Oberstufe gez&uuml;ndet werden. Das dauert anfangs 20 Stunden, sp&auml;ter mit ausweitendem Orbit ohne Phasen im Schatten 12 Stunden. Sobald die Stufe das Perig&auml;um durchl&auml;uft kann die Stufe gez&uuml;ndet werden. So weitet sie den Orbit sukzessive auf. Nach sp&auml;testens einem Monat hat das Gespann den GTO-Orbit erreicht. Der restliche Hydrazintreibstoff wird nun in die Oberstufe umgepumpt und RAUS abgetrennt. Die Oberstufe bremst nun wieder passiv in einen LEO Orbit ab den sie durch das Hydrazin stabilisiert. Ein Zyklus dauert etwa 3 Monate, sodass man bei monatlichen Starts mehrere stufen nutzen muss.<\/p>\n<p>Damit sich RAUS lohnt m&uuml;ssen nat&uuml;rlich einige Randbedingungen erf&uuml;llt sein. Vor allem muss RAUS billiger als eine Ariane 6-Oberstufe sein. Dies muss trotz Avionik, Kopplungsadapter mit Ann&auml;herungssensoren, Elektrolyseanlage und Solargenerator der Fall sein. Airbus setzt hier auf COTS-Komponenten: COTS (Commercial off the Shelf) ist das Zauberwort bei der Raumfahrt um Kosten zu senken: anstatt eigene weltraumtaugliche Komponenten zu entwickeln nutzt man kommerzielle Komponenten die aber nicht f&uuml;r einen dauerhaften Einsatz im Weltraum gedacht sind. Man kann dieses Risiko tolerieren, wenn die Einsatzdauer gering ist (hier maximal 2 Monate) oder man Einfl&uuml;sse abschirmen kann. Airbus verwendet normale Elektronik, diese ist aber f&uuml;nffach-redundant verbaut. Trotzdem spart man bei rund 1000 Euro pro Platine Geld, denn ein weltraumtauglicher RAD6000 Prozessor kostete etwa 20.000 Euro, eine Platine bis zu 100.000 Euro. Die Solarzellen sind normale aus der Produktion f&uuml;r Solaranlagen aus polykristalinem Silizium. Sie verlieren in einem Monat rund 20% an Leistung und haben nur einen Wirkungsgrad von 12%, doch sie sind erheblich g&uuml;nstiger als die normalen Solarzellen. Die Elektrolysenalage ist eine handels&uuml;bliche Anlage f&uuml;r Labore zur Erzeugung von reinem Wasserstoff und Sauerstoff. Anstatt der Videometer und Telegonmeter wird man IR-Kameras als Ann&auml;herungssensoren nutzen deren Bild ausgewertet wird. Ein Test dieser fand beim letzten ATV statt (LIRIS-System).<\/p>\n<p>Noch ist RAUS nur ein Konzept. Es gibt zahlreiche offene Fragen die in einem beantragten Forschungsprogramm gekl&auml;rt werden m&uuml;ssen. So ist das Vinci Triebwerk f&uuml;r 5000 s Betriebszeit ausgelegt, wird aber maximal 900 s lang betrieben werden so sollte die Stufe mindestens viermal danach erneut betankt werden k&ouml;nnen. Allerdings wird es derzeit nur mit fl&uuml;ssigem Treibstoff betrieben. Man hat bisher noch nicht getestet ob dies auch mit Gas geht und vor allem ob das Triebwerk so viele Z&uuml;ndungen &uuml;bersteht und der Startup Zyklus dann noch funktioniert (bei dem wird die Turbopumpe durch gasf&ouml;rmigen Wasserstoff gestartet. Eine L&ouml;sung, die im Computer funktioniert, w&auml;re ein &#8222;Turbopumpenbypass&#8220;. Dabei schlie&szlig;t man die Ventile zum Gasgenerator und Turbopumpe und &ouml;ffnet diese zu einer Leitung die im normalen Betrieb nicht genutzt wird und die direkt vom Triebstofftank zum Triebwerk f&uuml;hrt. Dann verbrennt das Triebwerk den Treibstoff direkt ohne F&ouml;rderung durch eine turbopumpe. In jedem falle ist der spezifische Impuls geringer weil der Druck geringer ist: beim Vinci sind es 60 bar, bei RAUS anfangs 20 dann absinkend auf 2 bar. Danach werden die Ventile geschlossen weil der Wirkungsgrad darunter zu stark absinkt.<\/p>\n<p>Sollte RAUS beim n&auml;chsten Treffen bewilligt werden, so k&ouml;nnte die Ariane 6 schon auf deren Einsatz optimiert werden. RAUS w&uuml;rde 2-3 Jahre nach dem Jungfernflug der Ariane 6, also 2022 bis 2024 zur Verf&uuml;gung stehen. Der Einspareffekt w&auml;re bei 50% der Oberstufenkosten allerdings moderat: er l&auml;ge bei 10 bis 15% der Gesamtkosten. Die Nutzlast w&uuml;rde um rund 5% sinken, das ist sicher nicht der Br&uuml;ller. Vieles spricht daf&uuml;r das sowohl Adeline wie RAUS Konzepte sind die Airbus derzeit auflegt um dem Vorwurf zu begegnen, dass man in Europa nichts tut um die Wiederverwendung zu erforschen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/91b86a9dc8f74954bf353bea35a52255\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem EADS\/Airbus vor einigen Wochen Adeline vorstellte, eine neue Erststufe f&uuml;r die Zeit nach der Ariane 6 die wiederverwendbar sein soll, aber viel geringere Nutzlastverluste als SpaceX Konzept hat, hat nun der Konzern eine L&ouml;sung f&uuml;r die Ariane 6 vorgestellt. 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