{"id":11247,"date":"2015-08-14T17:51:13","date_gmt":"2015-08-14T15:51:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=11247"},"modified":"2015-08-14T17:51:13","modified_gmt":"2015-08-14T15:51:13","slug":"they-are-insane-expensive","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2015\/08\/14\/they-are-insane-expensive\/","title":{"rendered":"They are insane expensive"},"content":{"rendered":"<p>Dieses Zitat stammt von Elon Musk und bezieht sich auf die Tr&auml;ger von ULA. Seit Jahren preist er seine Falcon 9 und Heavy wie bitteres Bier an und kann nicht verstehen, warum die USAF die viel teureren Tr&auml;ger von ULA verwendet. Zeit sich mal mit diesem Ph&auml;nomen zu besch&auml;ftigen.<\/p>\n<p>Das Hauptproblem bei dem Kostenvergleich ist das die Ausgaben des Milit&auml;rs nat&uuml;rlich geheim sind. Doch nach diesem <a href=\"http:\/\/www.spacefoundation.org\/sites\/default\/files\/downloads\/Update%206%20FY%202015%20DoD%20Space%20Budget%20Comparison.pdf\">Dokument<\/a> gibt es zumindest die Summen f&uuml;r die Posten. Demnach geben die USA 2016 f&uuml;r milit&auml;rische Weltraumprojekte 4440,5 Millionen Dollar aus, davon 1428,7 Millionen f&uuml;r das EELV Programm. Das ist also ein Drittel der Gesamtausgaben. Das ist nat&uuml;rlich ein ziemlicher Posten, vor allem ist der prozentuale Anteil hoch. Das verwundert mich etwas weil eine Begr&uuml;ndung der US-Air Force f&uuml;r die teuren EELV Raketen und Zur&uuml;ckhaltung bei SpaceX ja auch ist, das ihre Satelliten so teuer w&auml;ren. Obwohl das Budget also nur ein Viertel des NASA Haushalts ausmacht (es gab Zeiten, da war es doppelt so hoch) f&uuml;hrt das DoD doch in etwa so viele Starts wie die NASA durch. Auch dieses Paradoxon verwundert. Es kl&auml;rt sich auf, wenn man wei&szlig;, dass es nat&uuml;rlich noch andere Regierungsorganisationen gibt die Starts durchf&uuml;hren. Die NRO hat ein Budget von 10,3 Milliarden Dollar und dessen Aufteilung ist nun wirklich geheim. Dann g&auml;be es noch die NOAA zu der allerdings viele irdische Ausgaben geh&ouml;ren. die USAF f&uuml;hrt f&uuml;r diese Regierungsorganisationen auch die Starts durch und betreut den Teil der mit der Space Hardware zu tun hat.<!--more--><\/p>\n<p>Schaut man sich die Aufstellung aber genauer an, so f&auml;llt auf das nur die H&auml;lfte auf die Raketen entf&auml;llt, der Rest auf die Bodenanlagen. Das ist auff&auml;llig. Sicher, jeder Weltraumbahnhof hat Fixkosten, doch so hohe wie die Tr&auml;gerraketen selbst? Das f&auml;llt doch schwer zu glauben. Dann m&uuml;sste die ESA 1 Milliarde Euro f&uuml;r das CSG pro Jahr ausgeben und das tut sie nicht obwohl die Startzahlen mit denen des DoD vergleichbar sind.<\/p>\n<p>Zu den Tr&auml;gerkosten ist zu sagen, dass nach ULAs Angaben eine Atlas 5 Core, also eine <a href=\"\/atlas-v.shtml\">Atlas 401<\/a> derzeit f&uuml;r 164 Millionen Dollar gekauft werden kann, mit dem Block-Buy soll das auf 100 Millionen sinken. Die Nutzlast betr&auml;gt 4750 kg in den GTO. Ein Proton Start kostet zwischen 100 bis 120 Millionen Dollar abh&auml;ngig vor Nutzlast (die untere Ziffer f&uuml;r 3,6 t, die h&ouml;here f&uuml;r 6 t). Ein Ariane 5 Start hat die doppelte Nutzlastkapazit&auml;t bei 160 Millionen Euro pro Start. Man muss also nicht erst SpaceX bem&uuml;hen um festzustellen das die Starts teuer sind. Auch die NASA zahlte f&uuml;r den Start von <a href=\"\/maven.shtml\">Maven<\/a> 187 Millionen Dollar. Mit 100 Millionen Dollar w&auml;re die Atlas in einer Preisregion mit der sie mit der Proton und Ariane 6 mithalten kann, doch das sind nur die Kosten mit der sie an die USAF &uuml;bergeben wird, der Start kostet noch extra wie man auch an der Differenz von Maven (187) zu den angegebenen 164 Millionen Dollar sieht.<\/p>\n<p>Warum ist aber diese Reduktion m&ouml;glich, obwohl es nicht mehr Starts sind? Nun es ist die Sicherheit der Abnahme der Exemplare. Wenn man wei&szlig;, dass 30 Cores in einer bestimmten Zeit abgenommen werden so kann man die Produktion rationeller gestalten. So wird Ruag Space nun seine Fertigung in die USA verlagern. Sie stellen die Verkleidungen der 5xx Versionen her. Daneben steigt die St&uuml;ckzahl das die Delta ausl&auml;uft. Die neue Vulcain ist &uuml;brigens von dem Vertrag nicht betroffen, sie wird erst danach eingesetzt werden. Auch Ariane 6 hat kein anderes Konzept im Aufbau als <a href=\"\/ariane-5-evolution.shtml\">Ariane 5<\/a>. Auch hier vermute ich sollen die Kosten Einsparungen durch Konsolidierung der Produktion auf drei Standorte kommen.<\/p>\n<p>Die sinkende Nachfrage hat schon die Titan verteuert, als die Titan 3 ohne Booster in den Achtzigern auslief und die St&uuml;ckzahl sank. Ebenso die Atlas V und Delta 4 als man mit kommerziellen Auftr&auml;gen rechnete und die ausblieben. Das verteuerte die Atlas V z.B. schnell von 90 auf 136 Millionen pro Start. ILS profitiert hier von den festen Starts Russlands, die etwa die H&auml;lfte aller <a href=\"\/weblog433.shtml\">Proton<\/a> Starts ausmachen und Arianespace bestellt schon immer die Ariane 5 blockweise in der Hoffnung alle Starts auch verkaufen zu k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Der zweite Grund den ich sehe ist das das Milit&auml;r offenbar enorme B&uuml;rokratien aufgebaut hat, was eigentlich verwundert, muss man dort doch vor allem auf Aktionen eines Gegners reagieren und die sind schwer vorausberechenbar. Aber in Zeiten asymmetrischer Kriegsf&uuml;hrung scheint es keinen Gegner mehr zu geben der eigene Aktionen durchkreuzen k&ouml;nnte. Daneben scheint man beim DoD nicht den Begriff &#8222;sparen&#8220; zu kennen. So erfuhr die Welt verbl&uuml;fft 2011, das die Klimatisierung von Zelten im Irak und Afghanistan die US-Army 20 Milliarden Dollar pro Jahr kostete &#8211; mehr als das <a href=\"http:\/\/www.huffingtonpost.com\/2011\/06\/21\/air-conditioning-military-cost-nasa_n_881828.html\">gesamte NASA\u00a0 Budget.<\/a><\/p>\n<p>Die B&uuml;rokratie zeigt sich auch darin, dass die Zertifizierung der Falcon 9 nun schon &uuml;ber eineinhalb Jahre dauert und 200 Millionen Dollar kostet &#8211; woanders kann man daf&uuml;r schon eine kleine Tr&auml;gerrakete entwickeln. Man sieht es auch bei den publizierten Kosten f&uuml;r Falcon 9 Starts:<\/p>\n<ul>\n<li>NASA JASON: 83 Millionen Dollar<\/li>\n<li>NASA TESS: 87 Millionen Dollar<\/li>\n<li>DoD: DSCOVR: 96 Millionen Dollar<\/li>\n<li>Kommerziell: 59 &#8211; 61,2 Millionen Dollar<\/li>\n<\/ul>\n<p>Als Jason und DSCOVER gebucht wurden kostete ein Falcon Start noch 59 Millionen Dollar. der NASA Start ist 24 Millionen teurer, der DoD Start sogar 37 Millionen, das ist mehr als die H&auml;lfte. Doch es geht noch weiter: In dem <a href=\"\/dscovr.shtml\">DSCOVR<\/a> Budget steht der Start mit 134,5 Millionen Dollar &#8211; das sind die Kosten die der USAF entstehen wenn man die internen Kosten dauzurechnet.<\/p>\n<p>Das ist die Crux, die es bei der NASA wie auch dem DoD gibt: die zunehmende B&uuml;rokratie die inzwischen mit allem verbunden ist. SpaceX hat die Mehrkosten mit der &#8222;Wissensgier&#8220; von NASA und DoD begr&uuml;ndet. Es ist nicht nur das beide Institutionen jede Menge Daten haben wollen, das w&auml;re sicher m&ouml;glich gewesen ohne das es zweistellige Millionenbetr&auml;ge kostet indem man die entsprechenden Dinge als Datentr&auml;ger oder elektronisch zur Verf&uuml;gung stellt, es ist so dass in den Firmen dann Mitarbeiter von NASA und DoD sitzen die alles vor Ort durchleuchten fragen stellen und dadurch jede Menge zus&auml;tzliche Arbeit verursachen. Dar&uuml;ber hinaus sorgen sie auch f&uuml;r viele Stellen, die nicht mit der Produktion zusammenh&auml;ngen. Als man die Atlas privatisierte, gab General Dynamics bekannt, das ein Startvertrag mit Eutelsat 92 Seiten umfasste und einer mit der NASA 4150 Seiten.<\/p>\n<p>Ich habe meine Zweifel das diese B&uuml;rokratie die Zuverl&auml;ssigkeit der Tr&auml;ger so massiv verbessert. Sicher, die Tr&auml;ger von ULA haben seit &uuml;ber einem Jahrzehnt keinen Fehlstart, doch den kann auch Ariane 5 vorweisen ohne diesen Overhead. Die beiden Verluste von OCO und Glory auf den beiden teuren <a href=\"\/taurus.shtml\">Taurus XL<\/a> waren z.B. auch nicht durch diesen B&uuml;rokratieoverhead zu verhindern.<\/p>\n<p>Mein Vorschlag: macht es so wie die kommerziellen Kunden und wenn ihr noch Zweifel habt so versichert eure Nutzlasten. <a href=\"http:\/\/www.cnbc.com\/2015\/07\/27\/it-doesnt-take-much-to-ruin-a-space-insurers-year.html\">Versicherungspr&auml;mien<\/a> nur f&uuml;r den Start liegen derzeit zwischen 3 und 10%, man kann annehmen das 3% f&uuml;r die Ariane 5 und 10% f&uuml;r die Proton gelten. Bei gleicher Zuverl&auml;ssigkeit wie Ariane w&uuml;rden dann 3% auch f&uuml;r die Atlas gelten. Nimmt man die Unterschiede bei der Falcon 9 (+24 und + 37 Millionen) f&uuml;r Versicherungspr&auml;mien so kommt man auf eine Versicherungssumme von 800 bzw. 1293 Millionen Dollar. Die meisten Nutzlasten der NASA au&szlig;er Curiosity und JWST kosten weniger, die NASA w&uuml;rde also Geld sparen. Auch das Milit&auml;r startet nicht nur teure Hochleistungssatelliten sondern auch billigere GPS, Wetter und Kommunikationssatelliten, so w&uuml;rde man dort auch sparen. Zudem h&auml;tte man wenn tats&auml;chlich ein Start scheitert das Geld die Nutzlast erneut zu bauen und zu starten. Russland soll angeblich seine Regierungsstarts versichern, warum also nicht auch die USA?<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/56c9e2ec9c7e41cdb3c8fe9728b496a6\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses Zitat stammt von Elon Musk und bezieht sich auf die Tr&auml;ger von ULA. Seit Jahren preist er seine Falcon 9 und Heavy wie bitteres Bier an und kann nicht verstehen, warum die USAF die viel teureren Tr&auml;ger von ULA verwendet. Zeit sich mal mit diesem Ph&auml;nomen zu besch&auml;ftigen. 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