{"id":11274,"date":"2015-09-10T20:13:58","date_gmt":"2015-09-10T18:13:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=11274"},"modified":"2015-09-10T20:15:55","modified_gmt":"2015-09-10T18:15:55","slug":"mit-der-v-2-ins-all","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2015\/09\/10\/mit-der-v-2-ins-all\/","title":{"rendered":"Mit der V-2 ins All"},"content":{"rendered":"<p>Vor einiger Zeit hat mir Michael K. diesen Link zur <a href=\"http:\/\/www.bbc.com\/future\/story\/20150824-how-a-nazi-rocket-could-have-put-a-briton-in-space\">BBC<\/a> geschickt, In ihm geht es um die M&ouml;glichkeit, dass man die A-4 (besser bekannt unter der Bezeichnung V-2) benutzen konnte um eine Person ins All zu schicken. Als Mittelstreckenrakete w&uuml;rde es nicht in den Orbit reichen, doch f&uuml;r einen suborbitalen H&uuml;pfer in jedem Fall.<!--more--><\/p>\n<p>Bei Tests erreichten A-4 eine H&ouml;he von 183 km, dabei ist unbekannt mit welcher Zuladung. Die meisten senkrechten Starts erreichten eine kleinere Gipfelh&ouml;he. Die US-raketen z.B. maximal 165 km. Die meisten Starts erfolgten allerdings nicht senkrecht. Doch &uuml;berliefert ist eine Endgeschwindigkeit von 1485 bis 1600 m\/s.<\/p>\n<p>Ich habe eine Simulation gemacht die den Luftwiderstand mit einbezieht. Bei einer Fl&auml;che von 2,14 m\u00b2 und einem cw-Wert von 0,08 kommt man auf eine Brennschlussh&ouml;he von 46,7 km und eine Gipfelh&ouml;he von 211 km, nicht ganz passend zu den 300 km im Artikel. Das bei einer Nutzlastspitze von 975 kg Gewicht. Der ganze Trip dauert rund 468 s, nach 254 s ist die Gipfelh&ouml;he erreicht.<\/p>\n<p>Die organale A-4 hatte einen Sprengkopf von 785 kg Gewicht. So viel w&uuml;rde ein Passagier mit Ausr&uuml;stung nicht wiegen. Setzt man daf&uuml;r 250 kg an, so kommt man auf fast 262 km H&ouml;he und 520 s Flugzeit. Das ist noch h&ouml;her als bei den Mercury Kapseln die zwar mit den leistungsf&auml;higeren Redstone gestartet wurden, aber auch schwerer waren. Zudem starteten diese nicht senkrecht sondern in einer Kurve. Es liegt auf jeden Fall &uuml;ber den 100 km die man ansetzt als Kriterium das man im All gewesen ist. So hoch kommen Suborbitaltouristen heute nicht mehr.<\/p>\n<p>Die Nutzlastspitze &uuml;bersteht den Wiedereintritt das tut die ganze Rakete. Es dauerte einige Zeit bis man das gew&auml;hrleistet hatte (zwischen erstem erfolgreichem Start der A-4 und dem Einsatz vergingen zwei Jahre).<\/p>\n<p>Wie k&ouml;nnte das bemannte Unternehmen ablaufen? Meiner Ansicht nach gibt es zwei M&ouml;glichkeiten: Entweder man birgt die ganze Spitze (Kapsel) oder nur den Piloten. In beiden F&auml;llen h&auml;tte man nach Brennschluss die Kapsel von der Rakete abgetrennt. Das ging damals schon ohne Probleme. Sprengbolzen an der Verbindung und einige Federn in der Rakete reichen dazu aus. Im ersten Fall h&auml;tte man einen Fallschirm an der Spitze der Kapsel ausgel&ouml;st, im zweiten m&uuml;sste der Pilot aussteigen wie man das bei Wostok tat. Ich halte letzteres f&uuml;r gef&auml;hrlicher und wenn man die Kapsel auf Wasser niedergehen kann f&uuml;r unn&ouml;tig. Dort verhindert das Wasser eine zu harte Landung.<\/p>\n<p>Die Spitze wird massiv gewesen sein, so w&auml;re es am einfachsten sie auch luftdicht zu gestalten, sie w&uuml;rde dann einfach schwimmen. Bei einem gesch&auml;tzten Innenvolumen von 0,3 m\u00b3 reicht die Luft f&uuml;r einige Stunden aus bevor der Kohlendioxydgehalt bedrohlich wird, selbst wenn sie hermetisch verschlossen ist zudem k&ouml;nnte der &#8222;Astronaut&#8220; eine Sauerstoffmaske mit Sauerstoffflasche tragen. Eine A-4 konnte von einer erfahrenen Mannschaft in 12 Minuten auf den Start vorbereitet werden, l&auml;nger als eine Stunde d&uuml;rfte man nicht dazu brauchen, weil sonst zu viel Sauerstoff verdampft.<\/p>\n<p>Stark w&auml;re die Spitzenbeschleunigung gewesen &#8211; bei 200 kg Gewicht f&uuml;r Astronaut, Sitzplatz und sonstiges in der Spitze lag sie bei 87 m\/s, fast 9 g, bedingt durch die kurze Betriebszeit von nur 63 s. Wird die Kapsel schwerer so wird es angenehmer. In der Anfangszeit der Raumfahrt wurden 6 g erreicht und von den Astronauten toleriert, nimmt man das als Ma&szlig;stab so m&uuml;sste die Zuladung allerdings 1,6 t betragen. Dann erreicht man keine sehr gro&szlig;e H&ouml;he mehr.<\/p>\n<p>Mit Sicherheit braucht man so etwas wie einen Konturensitz. Viel Platz gibt es nicht An der Basis hat die Nutzlastspitze 96 cm Durchmesser, die H&ouml;he betr&auml;gt 1,24 m. Man kann eine neue entwickeln, das taten die Amerikaner f&uuml;r ihre Atmosph&auml;renuntersuchungen mit den erbeuteten V-2. Ein Fenster w&auml;re nicht schlecht.<\/p>\n<p>Doch wie riskant ist es? Die in Massen abgeschlossenen V-2 hatten eine schlechte Zuverl&auml;ssigkeit, etwa 20% der auf London abgefeuerten gingen verloren, Das lag prim&auml;r an Sabotage durch die Zwangsarbeiter. Die A-4 die f&uuml;r Erprobungen eingesetzt wurden und besonders gekennzeichnet wurden hatten geringere Fehlerquoten, vielleicht weil sie nicht sabotiert wurden, vielleicht weil man sie vor dem Start nochmals &uuml;berpr&uuml;fte. Hier waren es nur 4%. Auf einen &auml;hnlichen Wert (3,5%) kamen die Sowjets die die A-5 nachbauten und als R-1 zuerst testeten und dann als Mittelstreckenrakete stationierten.<\/p>\n<p>Bei den 73 von den US-Streitkr&auml;ften gestarteten A-4 sah es schlechter aus <a href=\"http:\/\/history.msfc.nasa.gov\/german\/v-2_whitesands.html\">68% der Versuche<\/a> wurden von der US-Army als erfolgreich eingestuft. Allerdings gab es in 71% auch &Auml;nderungen an der Rakete und 52% waren schwerer als vorgesehen. Dazu kommt das diese Zahl nichts aussagt ob die Rakete scheiterte oder das Experiment so gl&uuml;ckten nicht alle Starts mit einer WAC Bumper die man als zweite Stufe auf die A-4 montierte &#8211; das lag aber nur an der Bumper die nicht z&uuml;ndete.<\/p>\n<p>Nimmt man 4% als typisch f&uuml;r eine unver&auml;nderte A-4 so w&auml;re das sogar ein toller Wert: 96% Zuverl&auml;ssigkeit, damit w&auml;re man als 1961\/62 die ersten Starts stattfanden hoch zufrieden gewesen. Die Atlas die John Glenn ins All transportierte, scheitere vorher achtmal bei 18 Orbitalstarts. Die Gesamtbilanz aller 166 Starts die bis Ende 1961 stattfanden sieht auch nicht besser aus: Hier scheiterten 55 Starts. Beides sind Versagerquoten von 45%. Selbst wenn man nur das Jahr 1961 nimmt, also die fr&uuml;hen Fehlschl&auml;ge wegl&auml;sst so sind es immer noch 16 von 54 Starts, also fast 30%.<\/p>\n<p>Doch was w&auml;re gewesen wenn die Briten einen Astronauten ins all geschickt h&auml;tten? Das w&auml;re nach dem Artikel schon 1951, zehn Jahre vor Gagarin m&ouml;glich gewesen.\u00a0 Vielleicht w&auml;re die Geschichte anders verlaufen. Es h&auml;tte keinen Sputnikschock gegeben, vielleicht aber h&auml;tte das USA und UdSSR viel fr&uuml;her in die Raumfahrt gedr&auml;ngt, wahrscheinlich g&auml;be es kein Mondprogramm als Antwort auf eine angebliche sowjetische Dominanz in der bemannten Raumfahrt und vielleicht w&auml;re England auch eine Raumfahrtnation geblieben. Das Land zog sich Ende der sechziger Jahre zur&uuml;ck als man die Black Arrow einstellte. Seitdem gibt es keine Tr&auml;gertechnologie, nur wenige wissenschaftliche Nutzlasten meist nur kommerzielle Satelliten. England hat sein Budget zwar in den letzten Jahren stetig auf 300 Millionen Pfund erh&ouml;ht, verglichen mit Deutschland (2500 Millionen f&uuml;r ESA, nationales Programm und Luftfahrt-\/Energieforschung die nun auch vom DLR durchgef&uuml;hrt werden) ist das doch bescheiden. offensichtlich will man in England nicht nur keine Fl&uuml;chtlinge sondern auch keine Satelliten.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/a45b41a83bb1468593144206a6c250f6\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einiger Zeit hat mir Michael K. diesen Link zur BBC geschickt, In ihm geht es um die M&ouml;glichkeit, dass man die A-4 (besser bekannt unter der Bezeichnung V-2) benutzen konnte um eine Person ins All zu schicken. 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