{"id":11289,"date":"2015-09-29T09:19:27","date_gmt":"2015-09-29T07:19:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=11289"},"modified":"2015-09-29T09:19:27","modified_gmt":"2015-09-29T07:19:27","slug":"das-auto","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2015\/09\/29\/das-auto\/","title":{"rendered":"Das Auto"},"content":{"rendered":"<p>Nein, es geht in diesem Artikel nicht um den VW-Skandal. Aber die Folgen von einigen getricksten Messwerten, die teilweise in den zweistelligen Milliardenbereich gehen, zeigen wie das Auto unsere Wirtschaft dominiert. Nein ich greife das Thema Auto auf weil es eine Sendung von Quarks &amp; Co dazu vor einigen Wochen gab und ich an einen Punkt selbst was beitragen kann.<!--more--><\/p>\n<p>Die Sendung setzte sich kritisch mit dem Auto auseinander. So haben die Macher mal zwei F&auml;lle durchgerechnet: einmal jemand der von seinem 18-ten Geburtstag bis zur Rente immer Auto f&auml;hrt und der andere der &ouml;ffentliche Verkehrsmittel und Taxis nutzte. Die Bilanz: der zweite hat in den 47 Jahren so viel weniger Geld ausgegeben, dass er sich davon ein Haus leisten kann. Nun ist das sicher etwas sch&ouml;n gerechnet, so denke ich wird nicht wie im Beispiel alle 5 Jahre einen neuen Wagen kaufen und im Jahr 15.000 km fahren. Doch das ein Auto teurer ist, als wenn man die gleiche Strecke mit dem OPNV zur&uuml;cklegt ist meist gegeben. Ausnahmen d&uuml;rften bei Pendlern vorliegen die lange Strecken zur&uuml;cklegen m&uuml;ssen. Die haben meist auch keine Alternative weil sie in l&auml;ndlichen Gegenden Wohnen und dort ist die Anbindung an &ouml;ffentliche Verkehrsmittel meist schlecht.<\/p>\n<p>Nach den Nachrichten h&auml;ngt an der Automobilindustrie jeder Sechste bis Siebte Arbeitsplatz. Au&szlig;er f&uuml;r Banken hat unsere Regierung 2008 auch sonst keine Unterst&uuml;tzungsma&szlig;nahmen mehr f&uuml;r eine Branche getroffen (erinnert sich noch jemand an die &#8222;Abwrackpr&auml;mie&#8220;?). Das ganze hat sich verselbst&auml;ndigt. So gibt es in Deutschland mehr Autos als F&uuml;hrerscheinbesitzer. Meiner Ansicht nach gibt es auch mehr Autos als Stellpl&auml;tze oder Garagen, denn ich sehe bei uns vor Ort immer alle Stra&szlig;en zugeparkt. Das behindert dann den Verkehr. Es gibt auch mehr Autos als Stra&szlig;en, sonst g&auml;be es nicht so viele Staus. Das der Staat so wenig tut um die Situation zu entsch&auml;rfen hat Gr&uuml;nde: Jedes Auto bringt Geld. Zum einen KFZ-Steuer, dann entfallen vom Benzinpreis der gr&ouml;&szlig;te Teil auf Mineral&ouml;l- und Mehrwertsteuer. Alleine die Staus bescheren unserem Finanzminister 12 Milliarden Euro jedes Jahr an Einnahmen &#8211; so viel Benzin geht in die Luft wenn die Autos im Stau stehen. Das ist weitaus mehr als der Bund f&uuml;r neue Stra&szlig;en ausgibt. Ein Schelm, der b&ouml;ses dabei denkt&#8230;<\/p>\n<p>Inzwischen k&ouml;nnten Autos sogar selbstst&auml;ndig fahren. Daimler erprobt das nun bei Lastwagen auf Autobahnen. Im Film wurde ein Redakteur auf eine Probestrecke eingeladen wo das Auto auch mit den Verkehrszeichen und Ampeln zurecht kam. Die Intelligenz war aber beschr&auml;nkt. So hielt es vor einem Zebrastreifen an dem sich zwei Personen unterhielten &#8211; das keiner den Streifen &uuml;berqueren wollte kann es nicht wissen. Ebenso hielt es hinter einem Auto bei dem jemand auslud &#8211; das man das &uuml;berholen d&uuml;rfte wusste es ebenfalls nicht. Auf Autobahnen wo das eine Rolle spielt, scheint dagegen ein System mit autonomer Steuerung bald technisch m&ouml;glich sein. Dann sind auch spritsparende Kolonenfahrten m&ouml;glich &#8211; dabei f&auml;hrt ein Auto mittels Radar an den vorher fahrenden auf sodass sich eine Art Zug ergibt &#8211; nur der erste ist dem vollen Windwiederstand ausgesetzt. &Uuml;ber Bremsman&ouml;ver kann der erste Wagen die folgenden &uuml;ber Funk informieren. Ich halte beide Systeme f&uuml;r Zukunftsmusik. Denn die meisten haben kein Auto um sich fortzubewegen, daf&uuml;r ist es zu teuer und nicht jeder br&auml;uchte eines, oder sogar zwei, und wenn jeder eines h&auml;tte, k&ouml;nnte es viel kleiner sein als die heute so popul&auml;ren Schlitten. Es ist ein Statussymbol, Penisersatz oder die M&ouml;glichkeit Geld zum Fenster rauszuwerfen. So wird man auch nicht die Kontrolle &uuml;ber sein Statussymbol abgeben.<\/p>\n<p>In dem Film kam auch Kopenhagen als fahrradfreundliche Stadt. Und sie zeigt, wie das laufen kann. Dort gibt es eigene Br&uuml;cken nur f&uuml;r Fahrr&auml;der, 3-4 m breite Fahrradwege wo man auch &uuml;berholen kann. Signale, die anzeigen ob man es noch zur n&auml;chsten Ampel bei Gr&uuml;nphase schafft und Papierk&ouml;rbe in die man beim Vorbeifahren was einwerfen kann. Bei uns meint man fahrradfreundlich zu sein wenn man an Ampeln Ringe zum Festhalten montiert und ein paar Streifen auf die Fahrbahn macht. Der B&uuml;rgermeister zerstreute meine Bedenken dass dies doch viel kosten w&uuml;rde &#8211; alle Ma&szlig;nahmen die Kopenhagen in den letzten 10 Jahren f&uuml;r Fahrradfahrer gemacht hat w&auml;ren billiger als eine einzige Umgehungsstra&szlig;e f&uuml;r Autos. Zuerst verbl&uuml;ffend, aber doch logisch. Ein Fahrradfahrer braucht selbst im Stand weniger Platz als ein Auto. Beim Fahren wird der Unterschied noch gr&ouml;&szlig;er. Der Abstand ist k&uuml;rzer und so kann ein Fahrradweg, der so breit ist wie eine Spur einer Fahrbahn, ein vielfaches an Fahrr&auml;dern verkraften als die Bahn f&uuml;r das Auto.<\/p>\n<p>Der gr&ouml;&szlig;te Nachteil des Rads war ja bisher, dass man durch das in die Pedale Treten gerne durchgeschwitzt am Ziel ankam. Das hat viele an der Nutzung des Fahrrads gehindert. Meine Nichte studiert in Hohenheim, das ist vielleicht 7 km von uns weg und in einer halben Stunde mit dem Fahrrad zu erreichen, schneller als mit den &ouml;ffentlichen. Aber es geht dahin den Buckel runter und wieder rauf. Das ist nicht ihre Sache. Durch die e-Bikes ist das Problem nun auch gel&ouml;st und die verkaufen sich ja gl&auml;nzend.<\/p>\n<p>Der Skandal um VW hat gezeigt warum man sich in Deutschland sich so schwer tut mit der Alternative zum Auto: Die Ank&uuml;ndigung des Skandals hat nicht nur VW sondern den ganzen DAX in die Talfahrt gerissen und da ist er heute noch, einige Tage sp&auml;ter. Ein Siebtel aller Arbeitspl&auml;tze sollen am Auto h&auml;ngen. Das hemmt offenbar die Politik, den alles was eine Alternative zum Auto ist wird nur z&ouml;gerlich gef&ouml;rdert, aber Autobahnen weiter ausgebaut. Gestern weihte Dobrin die ausgebaute A8 ein, die nun von Stuttgart bis M&uuml;nchen 6-spurig ist.\u00a0 W&uuml;rde man Alternativen zum Auto f&ouml;rdern, so k&ouml;nnte man sich den Ausbau des Stra&szlig;ennetzes sparen, weil dann weniger Autos auf der Stra&szlig;e w&auml;ren und diese h&auml;tten auf den bisherigen Stra&szlig;en gen&uuml;gend Platz.<\/p>\n<p>Bei mir verst&auml;rkt sich seit Jahren, dass Fahrradfahrer Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse sind. Es gibt Fu&szlig;g&auml;ngerwege und Stra&szlig;en f&uuml;r die Autos. An die Fahrradfahrer denkt meist niemand. In unserer Gemeinde ist es besonders schlimm. Es sind eigentlich sechs Stadteile die bis 1974 vier separate Gemeinden waren. Von einem Stadtteil zum n&auml;chsten sind es meist 3-4 km, von einem Ende zum anderen 10 km. Es gibt bisher genau 0 km Fahrradwege in Ostfildern. Nicht mal in Neubaugebieten. Auch scheint man nicht mal dort drauf zu achten dass es gen&uuml;gend Stellpl&auml;tze und Garagen gibt, denn eines in Kemnat das ich immer durchqueren muss ist noch nicht mal fertig ausgebaut und schon ist eine Spur zugeparkt. Dahinter steckt nach Auskunft des stellvertretenden B&uuml;rgermeisters Absicht. Als er letztes Jahr als Gratulant der Stadt meiner Mutter zum 90-sten gratulierte sagte er in einem Gespr&auml;ch Politik w&auml;re es durch zugeparkte Stra&szlig;en die Autofahrer zum Langsamfahren zu bewegen. Das es auch anders geht, sieht man derzeit: weil an einer unserer Hauptstra&szlig;en eine Kreuzung saniert wird ist eine Nebenstra&szlig;e f&uuml;r das Parken gesperrt und komischerweise kommen die Autos trotzdem unter, nur nutzen sie eben die Parkpl&auml;tze die es vorher gab und bei denen man eben 100 m zum n&auml;chsten Laden laufen muss anstatt direkt davor zu parken. (Habe ich schon erw&auml;hnt das Autofahrer chronisch geh faul sind?).<\/p>\n<p>Am schlimmsten ist die Situation zwischen den Stadtteilen. Es gibt neben den Stra&szlig;en zwei M&ouml;glichkeiten, meistens aber nur eine der beiden an einer Stelle: Fu&szlig;g&auml;ngerwege die maximal 1 m breit sind oder landwirtschaftlich genutzte Wege, die so breit wie ein Auto sind, aber chronisch verdreckt sind. Beide sind in einem schlechten Zustand mit Schlagl&ouml;chern, Unebenheiten und durch den Asphalt spie&szlig;endes Unkraut. Als zwischen Ruit und Nellingen die Stra&szlig;e saniert wurde, wurde auch nur die Stra&szlig;e saniert, nicht der Fu&szlig;g&auml;ngerweg daneben. So wird sich da auch nichts &auml;ndern.<\/p>\n<p>Das einzige was f&uuml;r Fahrradfahrer neu gebaut wird ist vom Land bezahlt und eine Strecke zwischen dem n&ouml;rd&ouml;stlichen Ortrand von Ruit unter n&ouml;rdlicher Umgehung der Parksiedlung. Man kommt dann an der Haupteinfallsstra&szlig;e nach Esslingen raus. Das ist auch schon die Crux. Die Landesstra&szlig;e ist stark befahren, von den Fildern die wichtigste nach Esslingen. Sie geht steil das Neckartal herunter und es gibt an ihrer Seite nur einen Fu&szlig;g&auml;ngerweg der in noch schlechterem Zustand ist, als die meisten bei uns. Ich w&uuml;rde nie &uuml;ber die Strecke nach Esslingen fahren. Da gibt es Alternativen &uuml;ber Weil die nicht so steil sind und f&uuml;r den Autoverkehr gesperrt. Kurzum: Die Strecke ist weitgehend &uuml;berfl&uuml;ssig. W&uuml;rde man den kombinierten Fu&szlig;g&auml;nger\/Gahhradweg etwas weiter s&uuml;dlich neben der Stra&szlig;e Ruit-Nellingen durch einen reinen Fahrradweg erg&auml;nzen so h&auml;tten nicht nur diejenigen die nach Esslingen wollen was davon, sondern auch die die nach Nellingen oder in die Parksiedlung wollen, denn die liegen auf dem Weg.<\/p>\n<p>Nun haben es Fahrradschwerer hier auch geologisch schwer. Obwohl der mittlere Neckar dicht besiedelt ist, gibt es deutliche H&ouml;henunterscheide nicht nur zum Neckartal hin sondern ach auf den Filtern. In unserer Gemeinde z.B. rund 100 m zwischen h&ouml;chstem und tiefstem Punkt. Das erleichtert das Fahrradfahren nicht &#8211; aber auch hier sind die e-Bikes sicher eine L&ouml;sung.<\/p>\n<p>Ich frage mich warum die Politik so langsam arbeitet. Meiner Ansicht nach w&uuml;rde eine volkswirtschaftliche Betrachtung aller Kosten (nicht nur der Kosten f&uuml;r den Stra&szlig;enbau sondern auch verlorene Arbeitszeit in Staus, verbrauchtes Benzin, Gesundheitssch&auml;den, Einfluss auf die Klimabilanz) des Autos viel schlechter ausfallen als wenn man nur nach die Arbeitspl&auml;tze betrachtet. Vor allem scheint unsere Autoindustrie ja keine Anstrengungen zu machen in Technologien zu investieren die wenigstens Zukunft bedeuten wie Elektroautos. Dann ist der Zusammenbruch in einigen Jahren sowieso vorprogrammiert. Dann wird es sicher wieder eine Aktion geben wie ein Zuschuss f&uuml;r jedes neue deutsche Auto &#8211; wie schon 2008.<\/p>\n<p>Zuletzt noch zu VW. Derzeit rollen ja die K&ouml;pfe und es kommen immer mehr Details ans Licht. So soll der VW-Konzern schon 2007 oder 2011 je nach Meldung schon von der &#8222;Schummelsoftware&#8220; wussten. Das finde ich merkw&uuml;rdig. VW stellt wie andere Automobilhersteller die Steuerung ihrer Motoren nicht selbst her. Die Hardware produziert ein Zulieferer der wiederum die Softwareauftr&auml;ge weiter vergibt. Die programmieren nicht einfach eine solche Funktion die anhand des Betriebsmusters z.B. halten einer Geschwindigkeit &uuml;ber lange Zeit einen Test in einer Abgas Untersuchung erkennt. Das muss spezifiziert worden sein und es muss einen Auftrag dar&uuml;ber geben. Dieser kommt sicher nicht vom Hersteller der Steuerung, denn diese Funktion muss er f&uuml;r jeden Motor anpassen und er kann damit nicht werben, w&uuml;rde sogar Renommee verlieren. Kurzum irgend Jemand bei VW muss das in Auftrag gegeben haben und das muss eine stelle sein die so viel Entscheidungsbefugnis hat dass sie auch die Mittel freigeben kann. Es verwundert dass dies dann bei VW niemand wei&szlig; und das auch nicht dokumentiert ist. Sonst m&uuml;sste ja das nicht ein Techniker bei Tests aus versehen herausfinden und dar&uuml;ber berichten. Das muss in vielen Jahren doch nicht nur einmal auffallen und so auch dem Vorstand selbst wenn dieser anf&auml;nglich nichts davon weis mal berichtet werden.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/aa407b9a8aa8457c8a5ad84dc7cceaa0\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nein, es geht in diesem Artikel nicht um den VW-Skandal. Aber die Folgen von einigen getricksten Messwerten, die teilweise in den zweistelligen Milliardenbereich gehen, zeigen wie das Auto unsere Wirtschaft dominiert. 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