{"id":11294,"date":"2015-10-06T09:51:57","date_gmt":"2015-10-06T07:51:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=11294"},"modified":"2015-10-06T09:51:57","modified_gmt":"2015-10-06T07:51:57","slug":"triergole-antriebe-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2015\/10\/06\/triergole-antriebe-2\/","title":{"rendered":"Triergole Antriebe"},"content":{"rendered":"<p>Theoretisch untersucht, aber nicht in der Praxis eingesetzt sind Triergole Antriebe. Bei ihnen besteht das gesamte Arbeitsmedium aus drei Teilen, wie das &#8222;Tri&#8220; schon sagt. Bekannter sind die beiden anderen Zusammensetzungen:<!--more--><\/p>\n<ul>\n<li>Monergole Antriebe. Es gibt keinen Oxydator und keinen Verbrennungstr&auml;ger sondern nur ein Medium. Das ist chemisch instabil und kann durch einen Katalysator gespalten werden. Hydrazin und fr&uuml;her Wasserstoffperoxyd sind solche Monergole Treibstoffe. Sie liefern beim katalytischen Zerfall ein Hei&szlig;gas.<\/li>\n<li>Bi oder Diergole Antriebe: Es gibt zwei Komponenten. Eine ist der Oxydator und eine der Verbrennungstr&auml;ger. Dies sind die meisten heutigen Treibstoffe.<\/li>\n<li>Bei den triergolen Antrieben gibt es nun einen Oxydator und zwei Verbrennungstr&auml;ger oder umgekehrt. Theoretisch z&auml;hlen die Feststoffantriebe dazu. Doch da hier Oxydator und Verbrennungstr&auml;ger nicht getrennt sind fallen die in eine eigene Kategorie die zusammengesetzten Treibstoffe. Ebenfalls geh&ouml;rt auch das nominell triergole Hybridgemisch Polyethylen \/ FLOX oder FLOX\/RP1 nicht zu den Triergolen, da es nicht drei getrennte Tanks sondern nur zwei gibt. (FLOX kann man als Mischung von zwei Oxydatoren sehen so wie heute schon eingesetzt NTO\/NO bzw. Kerosin ist auch ein Gemisch verschiedener Alkane, Alkene und aromaten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es sind theoretisch enorm viele Kombinationen denkbar. Schlie&szlig;lich gibt es mehrere Oxydatoren und mehrere Verbrennungstr&auml;ger. Aber in der Praxis macht nur eine Kombination Sinn: LOX\/RP1\/LH2. Sie ist auch die am besten untersuchte.<\/p>\n<p>LOC\/LH2 hat den Vorteil einer hohen Energieausbeute, die man schlussendlich im spezifischen Impuls als Zahl fassen kann. Daf&uuml;r sind die Anspr&uuml;che an ein Triebwerk hoch (h&ouml;here Verbrennungstemperaturen, Wasserstoff verdampft bei der K&uuml;hlung, hohe F&ouml;rderleistung f&uuml;r die LH2-Turbopumpe ben&ouml;tigt. Zudem ist der LH2-Tank sehr gro&szlig; und muss besonders isoliert werden.<\/p>\n<p>LOX\/RP1: ist eine Technik die weitaus weniger Anspruchsvoll als LOX\/LH2 ist. Alle Parameter sind nicht so extrem wie Temperaturen in der Brennkammer, F&ouml;rderleistung, W&auml;rmeaufnahme des Kerosins. Die Tanks sind deutlich kleiner und brauchen keine Isolierung. Als zus&auml;tzlicher Vorteil ist die Brennzeit bei gegebenem Schub und Treibstoffzuladung kleiner, das reduziert die Gravitationsverluste.<\/p>\n<p>Daher gab es nicht wenige &Uuml;berlegungen daher beide Verfahren zu kombinieren. Dabei gibt es zahlreiche Variationen. Am komplexesten ist es wenn das Triebwerk mit beiden Treibstoffen gleichzeitig zurecht kommen muss. So verdampft der Wasserstoff bei der K&uuml;hlung, das Kerosin je nach Typ aber erst wenn es 500\u00b0C hei&szlig;er ist, als Folge gibt es Gasblasen im fl&uuml;ssigen Medium. Der Gasgenerator wird bei LOX\/LH2 meist mit Wasserstoff&uuml;berschuss betrieben, bei LOX\/RP1 dagegen mit Sauerstoff&uuml;berschuss um die Graphitbildung zu verhindern. Das ist also kein sinnvoller weg. Vielmehr wird man die Str&ouml;me trennen und zum Beispiel den Gasgenerator mit Wasserstoff, die K&uuml;hlung mit Kerosin versorgen. Was man erh&auml;lt ist eine durch den Wasserstoff hei&szlig;ere Verbrennung, praktisch keine Graphitbildung und die mittlere Molek&uuml;lmasse sinkt: da Wasserstoff eine h&ouml;here Affinit&auml;t zu Sauerstoff hat wird es kaum Kohlendioxyd, daf&uuml;r mehr Kohlenmonoxid geben.<\/p>\n<p>Die zweite M&ouml;glichkeit ist es die Str&ouml;me zu trennen oder nacheinander zu verbrennen. Sinnvollerweise wird man zuerst LOX\/Kerosin verbrennen, durch den h&ouml;heren Treibstoffverbrauch f&uuml;r einen gegebenen Schub nimmt so die Masse der Rakete schnell ab und die Gravitationsverluste sinken. Danach kann man auf LOX\/LH2 umsteigen. Neben der Umschaltung im laufenden Betrieb gibt es noch andere Herausforderungen so ist z.B. der Sauerstofffluss f&uuml;r einen gegebenen Schub v&ouml;llig unterschiedlich. Bei LOX\/RP1 2,8:1 und 3100 m\/s sind es z.B. 237 kg LOX\/s, bei LOX\/LH2 6:1 und 4300 m\/s sind es 199 kg. Daneben arbeitet der Gasgenerator mit noch st&auml;rkeren Unterschieden im Fluss und die Temperaturen und Beanspruchungen im Triebwerk sind ebenfalls h&ouml;her.<\/p>\n<p>Untersucht hat man diese Antriebe zumindest theoretisch f&uuml;r Erststufen, wo die Vorteile noch am ausgepr&auml;gtesten sind. Hier war vor allem der Wunsch die Rakete sollte nicht zu volumin&ouml;s sein die Antriebsfeder. Schlie&szlig;lich brauchen bemannte Raumtransporter wie das Space Shuttle bei LOX\/LH2 riesige Tanks. Sie sind bei einer gefl&uuml;gelten Erststufe noch gr&ouml;&szlig;er als beim heutigen Shuttle.<\/p>\n<p>Doch der Nutzen ist gering. Er liegt nach verschiedenen Untersuchungen im einstelligen Prozentbereich vergleichen mit einem getrennten System und gleicher Treibstoffmenge. Daher hat man es noch nicht umgesetzt. Meiner Ansicht nach denkbar w&auml;re f&uuml;r ein System das besonders sicher sein soll und bei dem alle Triebwerke beim Start gez&uuml;ndet werden eine Variation, die &auml;hnlich der Atlas funktioniert:<\/p>\n<p>Mehrere LOX\/PR1 Triebwerke und ein LOX\/LH2 Triebwerk werden beim Start gez&uuml;ndet. Das LOX\/LH2 Triebwerk hat deutlich geringeren Schub und eine viel l&auml;ngere Brennzeit. Es ersetzt so in gewisser Weise die zweite Stufe. Nach verbrauch des Kerosins werden die Triebwerke mitsamt der Kerosin-Tanks abgesprengt. Die nun viel leichtere Rakete kommt mit dem Schub des LOX\/LH2-Triebwerks aus. Dieses Konzept hat Vorteile und Nachteile. Als Vorteil nutzt man den Schub des LOX\/Lh2 Triebwerks zus&auml;tzlich, kann so also die LOX\/Kerosintriebwerke kleiner auslegen. Zudem bewirkt der Wasserstoffanteil einen h&ouml;heren spezifischen Impuls. Als Nachteil ist der Sauerstofftank bei Abtrennung schon ziemlich leer und der Wasserstofftank wahrscheinlich zu einem Drittel bis zur H&auml;lfte geleert. Die Leermasse ist daher deutlich h&ouml;her als bei einer eigenen Oberstufe.<\/p>\n<p>Da schon die anderthalbstufige Bauweise der <a href=\"\/atlas.shtml\">Atlas <\/a>und Sojus nicht mehr aufgegriffen wurde spricht aber auch viel daf&uuml;r dass dieses Konzept mehr Nachteile als Vorteile bietet. Etwas verbessern k&ouml;nnte man die Bilanz wenn die Kerosintriebwerke eine LOX-Tanks haben, die auch mit abgesprengt werden. Dan n&auml;hert man sich aber eine konventionellen Rakete mit einer LOX\/LH2 Zentralstufe und LOX\/Kerosinboostern, wie sie z.B. in er <a href=\"\/energija.shtml\">Energija<\/a> umgesetzt wurde.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/9eb1331036494f3d8f7890266e935dc1\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Theoretisch untersucht, aber nicht in der Praxis eingesetzt sind Triergole Antriebe. Bei ihnen besteht das gesamte Arbeitsmedium aus drei Teilen, wie das &#8222;Tri&#8220; schon sagt. Bekannter sind die beiden anderen Zusammensetzungen:<\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-11294","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-raumfahrt","entry"],"a3_pvc":{"activated":false,"total_views":1995,"today_views":0},"jetpack-related-posts":[{"id":18910,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/08\/30\/raumfahrtgrundlagen-fuer-dummys-treibstofffoerderung\/","url_meta":{"origin":11294,"position":0},"title":"Raumfahrtgrundlagen f&uuml;r Dummys \u2013 Treibstofff&ouml;rderung","author":"Bernd Leitenberger","date":"30.08.2026","format":false,"excerpt":"Im ersten Teil habe ich den grunds\u00e4tzlichen Aufbau eines Triebwerks erl\u00e4utert. 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