{"id":11317,"date":"2015-10-14T00:08:13","date_gmt":"2015-10-13T22:08:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=11317"},"modified":"2015-10-13T10:11:16","modified_gmt":"2015-10-13T08:11:16","slug":"meine-gedanken-zur-optimalen-marsbodenprobenbergung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2015\/10\/14\/meine-gedanken-zur-optimalen-marsbodenprobenbergung\/","title":{"rendered":"Meine Gedanken zur optimalen Marsbodenprobenbergung"},"content":{"rendered":"<p>Die NASA hat wieder mal ihre aktualisierten Pl&auml;ne f&uuml;r die Marsbodenprobengewinnung vorgestellt. Wieder einmal, weil sie dass alle paar Jahre macht und nimmt man die ersten, die 1997 zum Start von MGS und Pathfinder vorgestellt wurden, dann h&auml;tten wir schon lange Bodenproben vom Mars. Aber genauso wie die bemannte Marslandung wird das seit Jahren in die Zukunft verschoben.<\/p>\n<p>Nun will sie einen &#8222;Multi Mission Orbiter&#8220; <a href=\"http:\/\/spacenews.com\/nasa-eyes-sample-return-capability-for-post-2020-mars-orbiter\/\">starten<\/a>, der auch Bodenproben zur&uuml;ckbringen soll, aber prim&auml;r eine wissenschaftliche Nutzlast hat. Neben dem Umstand das die Bodenprobenmission noch nicht genehmigt ist, ist das auch anderer Sicht problematisch.<!--more--><\/p>\n<p>Fangen wir mal an, wie eine Marsbodenprobengewinnung heute wohl geplant werden w&uuml;rde. Die Details werden wohl unterschiedlich sein, nicht aber die drei Kernelemente. Sie ergeben sich zwangsl&auml;ufig wenn man das Startgewicht minimieren will.<\/p>\n<p>Man braucht erst mal eine Vehikel um die Bodenproben von der Marsoberfl&auml;che in einen Orbit zu bef&ouml;rdern. Es macht keinen Sinn den ganzen Weg zur Erde mit einem Vehikel zur&uuml;ckzulegen, weil man f&uuml;r die monatelange R&uuml;ckreise eine Raumsonde braucht, mit Kommunikationsvorrichtungen, Stromversorgung etc. Dieses Gewicht erst auf dem Mars zu landen und dann zur&uuml;ck zur Erde zu bef&ouml;rdern ist unsinnig. Es ist g&uuml;nstiger einen Orbiter nur in den Marsrobit zu bringen und dort dann an die Bodenprobenkapsel vom Mars anzukoppeln. Da man einen solchen Orbiter auch f&uuml;r die Hinreise braucht, kann man diesen auch gleich im Marsorbit parken. Daf&uuml;r kann das Vehikel das die Bodenproben in den Marsorbit bringt sehr leicht sein. Man braucht im Prinzip eine R&uuml;ckkehrkapsel die robust genug ist um den Eintritt in die Erdatmosph&auml;re zu &uuml;berstehen und eine Stufe mit Steuerung um den Orbit zu erreichen. Das Ankoppeln erledigt der Orbiter, da nur er die Systeme braucht. Die Kapsel kann rein passiv sein und nur einen Sender und\/oder Lichter beinhalten. Da man mehr Geschwindigkeit braucht um von der Marsoberfl&auml;che in einen Orbit zu gelangen, als in einen Orbit einzubremsen ist das definitiv g&uuml;nstiger.<\/p>\n<p>Aufgrund der gro&szlig;en Treibstoffvorr&auml;te macht es keinen Sinn mit dem Vehikel das die Bodenproben birgt diese auch zu bergen. Es ist dazu einfach zu schwer. Das k&ouml;nnen einer oder mehrere Rover erledigen. Diese drei Komponenten braucht man immer.<\/p>\n<p>Fangen wir mit dem Rover an. Er unterscheidet sich im besten Fall nicht sehr von einem aktuellen Rover. Da die Bodenproben zu Hause in gut ausgestatten Labors untersucht werden, ist eine detaillierte Untersuchung vor Ort nicht so wichtig. Wichtig ist vielmehr, dass er ein gr&ouml;&szlig;eres Gebet durchk&auml;mmen kann und schnell durch Voruntersuchungen interessante Bodenproben finden kann. Das letztere ist kein Problem. Es gibt gen&uuml;gend ber&uuml;hrungslose Techniken, um Material chemisch oder mineralogisch zu charakterisieren, wie die Spektralanalyse des zur&uuml;ckgeworfenen Lichts oder der Verdampfung einer Oberfl&auml;chenschicht mit einem Laser und Analyse der freigesetzten Ionen. Leider klappt das bei den heutigen Missionen mehr schlecht als recht.<\/p>\n<p>Das liegt an der Art wie Missionen durchgef&uuml;hrt wird und die hat sich in Jahrzehnten kaum ver&auml;ndert. Nach wie vor erfolgt die Kontrolle von Raumsonden prim&auml;r durch das Missionszentrum und nicht durch eigene Intelligenz der Sonden. Eine Sonde f&uuml;hrt Kommandos aus. Waren es fr&uuml;her einzelne oder kurze Sequenzen so sind es heute komplexe Programme aber immer wird es von der Missionskontrolle Tage oder Wochen vorher festgelegt. Das macht noch bei Orbitern bedingt Sinn (auch wenn man sich hier mehr Flexibilit&auml;t w&uuml;nschen w&uuml;rde, so sind viele Bilder von Cassini der Saturnmonde &uuml;berbelichtet &#8211; w&uuml;rde man die mittlere Helligkeit eines Bildes als Vorgabe f&uuml;r die Korrektur der Belichtungszeit nehmen, so w&auml;re das nicht gegeben. Bei einem Rover ist das aber kontraproduktiv. Curiosity arbeitet im Prinzip wie die zehn Jahre alten MER-Rover: An einem interessanten Ort angekommen, macht er eine Panoramaaufnahme. Nun setzen sich die Wissenschaftler zusammen und legen fest was man genauer untersucht. Das sind Ziele die man mit Fernerkundung untersuchen kann. Das dauert dann auch noch, weil man die Untersuchung programmieren und Daten jeder Untersuchung erst zur Erde &uuml;bertragen muss und dann begutachten muss. Zuletzt entscheidet man, ob man eine Bodenprobe zieht oder eine l&auml;nger dauernde Untersuchung wie z.B. mit einem Alphateilchen-R&ouml;ntgenflureszenzspektrometer, das stundenlang betrieben werden muss. Zumindest das letztere kann bei der Bodenprobengewinnung entfallen. Leider ist so ein Rover aber Tage an einem Ort. Selbst wenn er f&auml;hrt, was er heute autonom tut, so f&auml;hrt er eine Route ab, die auf der Erde vorher geplant wurde und reagiert nur auf Probleme. Eine solche Route ist so lang, wie man sicher nach vorne sehen kann, meistens etwa 100 m. So erkl&auml;ren sich die geringen Fahrtleistungen. Curiosity hat in &uuml;ber 1100 Tagen gerade mal 12,15 km zur&uuml;ckgelegt, also etwa 11 m pro Tag. Opportunity hat in 4400 Tagen 42,53 km zur&uuml;ckgelegt &#8211; etwa auch 10 m pro Tag. W&uuml;rde man die Bodenproben so gewinnen, so w&uuml;rden nicht viele zusammenkommen und nur aus einem kleinen Radius. Hier muss man also entweder die Vorgehensweise drastisch &auml;ndern oder sehr viele Rover einsetzen. Das letztere wird man aus Kostengr&uuml;nden sicher nicht tun.<\/p>\n<p>Das Vehikel das die Bodenproben in den Orbit bringt ist im einfachsten Fall eine Raketenstufe mit einer Steuerung und einer Kapsel in der die Bodenproben eingebracht werden. Im Orbit angekommen ist ihr Job beendet, sie sendet nur noch Signale aus, damit sie gefunden werden kann. Der Orbiter selbst hat nun die Hauptaufgabe. Er muss das Vehikel aktiv ansteuern und ankoppeln. Das wird die gr&ouml;&szlig;te Aufgabe werden. GPS gibt es z.B. auf dem Mars nicht und auch keine Radarstationen die den Orbit bestimmen. Immerhin kann man es direkt auf dem Mars landen und den Bus den man f&uuml;r den interplanetaren Teil von der Erde zum Mars braucht, kann man im Orbit parken und als R&uuml;ckkehrorbiter verwenden.<\/p>\n<p>Der Orbiter selbst muss erst in einen Marsorbit einschwenken, dann diesen wieder verlassen. Bei der Erde angekommen, kann er die Bodenproben direkt absetzen (Kapsel tritt in die Artmopsh&auml;re ein und wird am Boden geborgen), oder auch in einen Orbit einschwenken. Das sind also bis zu drei gr&ouml;&szlig;ere Geschwindigkeits&auml;nderungen. Daher finde ich einen Orbiter mit einer wissenscjaftlichen Nutzlast nicht sehr sinnvoll. Heute macht die Nutzlast etwa ein F&uuml;nftel des Gewichtes aus. Das hat seinen Grund: Jedes Kilogramm Nutzlast hat Auswirkungen. Es erh&ouml;ht die Struktrumasse, die das Gewicht halten muss und die Belastungen verteilen. Sie braucht Strom, das erh&ouml;ht das Gewicht der Stromversorgung mit Solarzellen, Batterien und Verkabelung und sie liefert Daten, die m&uuml;ssen &uuml;bertragen werden. Das macht leistungsf&auml;higere, schwerere Sender n&ouml;tig die auch mehr Strom ben&ouml;tigen. Im g&uuml;nstigsten Fall, wenn der Orbiter auf einer elliptischen Marsumlaufbahn bleibt (weil es unsinnig ist, ihn erst in eine niedrige Umlaufbahn abzubremsen und dann beim R&uuml;ckstart mehr Treibstoff zu brauchen um die Geschwindigkeit wieder aufzubauen) braucht er rund 2 km\/s f&uuml;r die Hin\/R&uuml;ckreise ohne Einschwenken in einen Orbit bei der Erde. Dann entfallen auf das Antriebssystem rund 60% der Startmasse. So multipliziert sich der Einfluss auf die Trockenmasse nochmals um den Faktor 2,5. Daher sollte dieser Orbiter nur die Systeme haben die er f&uuml;r die Mission wirklich braucht.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/b73f8476fd3a4a53b0b600c9f520fcd8\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die NASA hat wieder mal ihre aktualisierten Pl&auml;ne f&uuml;r die Marsbodenprobengewinnung vorgestellt. 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