{"id":11376,"date":"2015-11-16T00:20:04","date_gmt":"2015-11-15T23:20:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=11376"},"modified":"2015-11-15T17:24:17","modified_gmt":"2015-11-15T16:24:17","slug":"echte-demokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2015\/11\/16\/echte-demokratie\/","title":{"rendered":"Echte Demokratie"},"content":{"rendered":"<p>Die Demokratie soll ja die beste aller Regierungsformen sein. Zeit mal dies zum Thema zu machen. Die Demokratie hat ja ihren Ursprung in Griechenland, bekannt ist das Scherbengericht von Athen.<\/p>\n<p>Damals wurde bei Ja\/Nein Abstimmungen mit schwarzen und wei&szlig;en Kieseln abgestimmt, sonst wurden Namen auf Scherben gekritzelt. Die Bezeichnung Scherbengericht bekam die Regierungsform, weil man auch zu einflussreiche Personen auf 10 Jahre verbannte. Vielleicht hatte man so viel Angst vor einer Diktatur oder einem K&ouml;nig, dass man darauf achtete, dass keiner zu m&auml;chtig wurde.<!--more--><\/p>\n<p>Die Athener Demokratie war keine im heutigen Sinne. So waren nur M&auml;nner mit B&uuml;rgerrecht wahlberechtigt. Frauen, Ausl&auml;nder vor allem aber Sklaven hatten keines, das beschr&auml;nkte die Demokratie auf 10% der Bev&ouml;lkerung. Immerhin war es eine enorme Verbesserung gegen&uuml;ber den damaligen Monarchien. Die waren noch um einiges absoluter als die sp&auml;teren in Europa und in Rom. Sowohl die &auml;gyptischen Pharao wie auch die Herrscher in Babylonien, Assur und Persien verstanden sich als Nachkommen oder Verwandte der G&ouml;tter. wer die Gru&szlig;formeln in Vertr&auml;gen liest bekommt eine Vorstellung davon. Da werden gleich einige G&ouml;tter aufgez&auml;hlt mit denen der Herrscher in Verbindung steht und er ist meist auch &#8222;K&ouml;nig der K&ouml;nige&#8220;. Gegen die Etikette am persischen Hof soll das spanische Hofzerimoniell richtig leger gewesen sein. Eine falsche Bewegungen einer Wache konnte ihren Tod bedeuten.<\/p>\n<p>In Rom kam man mit der Demokratie nicht sehr weit. Nachdem die &auml;rmeren Bev&ouml;lkerungsschichten, der Plebs anfangs gar keine Macht hatten, erk&auml;mpften sie sich zumindest etwas Einfluss, indem sie aus der Stadt auszogen, doch auch nachdem Rom eine Demokratie wurde war die Macht in der H&auml;nde des Adels, der Patrizier. Sie stellten den Senat. Mehrfache Versuche das System zu reformieren scheiterten. Sp&auml;ter wurde aus den Demokratie eine Monarchie indem sich Herrscher zum C&auml;sar erkl&auml;rten. Doch selbst wenn es beim Senat als einziger Herrschaftsform geblieben w&auml;re, demokratisch war er im heutigen Sinne nicht. Mitglieder waren nur die Reichen und nur in Rom wohnende B&uuml;rger, was angesichts eines Reichs, dass gro&szlig;e Teile Europas, Nordafrikas und des nahen Ostens umfasste im Prinzip bedeutete, dass sie die Interessen einer kleiner Clique der Stadt vertraten so wurden die Provinzen ausgepl&uuml;ndert, in Rom dagegen gro&szlig;z&uuml;gig gebaut, die Armen gespeist und mit Spielen unterhalten, was dazu f&uuml;hrte das Roms Bev&ouml;lkerungszahl bald auf eine Million Einwohner anstieg &#8211; f&uuml;r die Zeit enorm gro&szlig;, selbst im Mittelalter gab es wenige St&auml;dte die mehr als 100.000 Einwohner hatten und nat&uuml;rlich auch das Regieren erschwerten, denn das waren eine Million M&auml;uler die dauernd gestopft werden mussten.<\/p>\n<p>Im Mittelalter gab es Demokratie in den St&auml;dten, die von einem gew&auml;hlten B&uuml;rgermeister und dem Stadtrat reagiert wurden. Allerdings &auml;nderte sich nichts daran, dass die Demokratie immer nur eine der oberen Schichten waren. Einflussreich im Mittelalter waren die Gilden. Handwerker waren in Gilden, den Vorfahren der sp&auml;teren Z&uuml;nften und Handwerkskammern organisiert und sie sorgten durch als Ratsmitglieder Gesetze daf&uuml;r, dass ihre Berufsst&auml;nde gesch&uuml;tzt wurden. So konnte man sich nicht einfach in einer Stadt als Handwerker neu niederlassen, Preise wurden festgelegt, damit keiner den anderen unterbieten konnte. Bis heute haben diese Vereinigungen ihre Macht behalten. Ich erinnere mich noch an eine Diskussion vor zwei Jahrzehnten, als die Handwerkskammern durchsetzten dass nicht jeder PCs reparieren kann, sondern nur gepr&uuml;fte Elektriker, obwohl schon damals die Reparatur nur aus dem Austausch von Teilen bestand und die Kernkompetenz darin bestand, anhand des Systemverhaltens die defekte Komponente zu finden und nicht elektrische Spannungen zu pr&uuml;fen.<\/p>\n<p>Sp&auml;ter gab es Parlamente, die immer mehr Mehr Einfluss bekamen. Als der erste Weltkrieg ausbrach stellte Kaiser Wilhelm der II fest, dass er eigentlich nur dazu da war Paraden abzuhalten und Orden zu verteilen, doch auch der Reichstag war von den Milit&auml;rs entmachtet. Nach dem ersten Weltkrieg d&uuml;rften bei uns auch Frauen w&auml;hlen. &Uuml;brigens ein Jahr vor den Frauen in den USA, die sich doch sonst als Ursprungsland der modernen parlamentarischen Demokratie sehen.<\/p>\n<p>Seitdem haben wir eine Reihe von Konzepten wie Demokratie funktioniert. England hat ein zweigeteiltes Parlament bestehend aus Ober- und Unterhaus. Wie die USA ist es ein Mehrheitswahlrecht, sprich der Abgeordnete der die meisten Stimmen hat, bekommt den Sitz. Damit fallen bis zu 49% der Stimmen unter den Tisch und vor allem ist es in solchen L&auml;ndern f&uuml;r neue Parteien enorm schwer ins Parlament zu kommen. Minderheiten haben so keine oder nur wenige Chancen ihre Interessen im Parlament einzubringen.<\/p>\n<p>In der Weimarer Republik, aber auch in vielen europ&auml;ischen L&auml;ndern gibt es das Verh&auml;ltniswahlrecht. Damit hat jede Partei die Chance ins Parlament zu kommen, solange sie nur einen Sitz erobert. Als Folge k&ouml;nnen auch Splittergruppen ins Parlament kommen bzw. Parteien die nur bestimmte Interessen vertreten. So gab es in der Weimarer Republik eine Partei f&uuml;r Katholiken, eine f&uuml;r Bauern und eine bayrische Partei. Zumindest die ist uns erhalten geblieben. Die vielen Parteien sorgten daf&uuml;r, dass keine Regierung l&auml;nger als 21 Monaten regierte. Koalitionen mussten mit vielen Parteien gebildet werden und waren nicht stabil. Als Folge haben wir heute eine Modifikation: Durch die 5% H&uuml;rde ist die Gefahr der Zersplitterung gemindert. Ich halte das System prinzipiell f&uuml;r das beste, wenn auch nicht perfekt. Da wir eine Parteiendemokratrie haben und keine Direktwahldemokratrie, ist es bl&ouml;dsinnig einen Kandidaten direkt zu w&auml;hlen und mit einer zweiten Stimme die Parteien, weil es bei Abweichungen in der Verteilung sowieso Ausgleichsmandate gibt (in BW z.B. gibt es praktisch nur Abgeordnete der SPD die &uuml;ber die Landesliste hereinkommen) und alle Direktkandidaten eh in Parteien sind. (anders w&auml;re es wenn die direkt gew&auml;hlten Abgeordneten gar nicht in einer Partei sein d&uuml;rften, was sicherlich der Demokratie gut w&auml;re).<\/p>\n<p>Die gr&ouml;&szlig;ere Bedrohung f&uuml;r das Prinzip der Demokratie ist aber die Parteiendisziplin und der Einfluss von Lobbygruppen. Das erste sieht man relativ deutlich bei den Abstimmungen. Im Prinzip bestimmen die Fraktionsspitzen, wie die anderen Mitglieder der Partei abzustimmen haben. In einigen Parteien so CDU und CSU scheint auch nur der Parteivorsitzende zu bestimmen, also Merkel oder Seehofer, selbst wenn der 1000 km entfernt in M&uuml;nchen hockt. Man sah das bei den Abstimmungen zum Eurorettungsschirm, wenn Abweichlern in der CDU offen mit Konsequenzen gedroht wird. Dabei war von vorneherein klar dass er durchkommt. Die Kollation hat 80% Mehrheit und die Gr&uuml;nen stimmten auch zu, so h&auml;tte man ohne Problem auf einige Stimmen verzichten k&ouml;nnen. Aber es geht um Macht und darauf dass das was Frau Merkel beschlie&szlig;t auch von jedem in ihrer Partei getragen wird, egal welche Meinung er hat. Mit Demokratie hat das nichts zu tun. Es repr&auml;sentiert auch nicht die Bev&ouml;lkerung, den in Umfragen waren nicht 80% f&uuml;r die weitere Unterst&uuml;tzung Griechenlands.<\/p>\n<p>Das zweite ist der Lobbyismus. Er ist weniger offensichtlich, aber erkennbar. An den vielen Posten, die Abgeordnete in der Wirtschaft haben, ohne das sie viel arbeiten m&uuml;ssen, vor allem aber an der Gesetzgebung. W&auml;hrend man Sozialleistungen k&uuml;rzt, sinken Gewerbesteuern. Beim Krankenkassenbeitrag ist der Arbeitgeberanteil eingefroren. Industrien werden jahrzehntelang subventioniert und niemand &auml;ndert das, selbst wenn er in der Opposition dagegen wettert, wie die Union gegen Harz-IV und &Ouml;kostromumlage. (von der die Industrie befreit ist).<\/p>\n<p>Meiner Ansicht nach t&auml;te unserem System mehr direkte Demokratie gut. Die direkte Abstimmung durch das Volk. Das klappte in der Antike, weil die Personenzahl beschr&auml;nkt war. Heute kann man bei 60 Millionen Wahlberechtigten nicht laufend abstimmen lassen, zumindest nicht mit den traditionellen Wahlurnen. Doch inzwischen hat jeder einen Internetanschluss. Der neue Personalausweis hat auch eine Pin mit der man Beh&ouml;rdeng&auml;nge erledigen k&ouml;nnen soll, angeblich auch einkaufen. Wenn es also eine sichere Identifizierung gibt, dann m&uuml;sste es auch m&ouml;glich sein, dass jeder &uuml;bers Internet abstimmen kann. Die, die keinen Internetanschluss haben, m&uuml;ssten dann mit dem Personalausweis an einem Terminal w&auml;hlen z.B. im n&auml;chsten Rathaus. F&uuml;r jede Abstimmung kann man einen Zeithorizont, z.B. eine Woche vorhersehen. Nat&uuml;rlich muss man nicht jede Verordnung durch das Volk best&auml;tigen lassen, aber wichtige Gesetze schon und so viele dieser gibt es ja nicht. Ich bin mir sicher dass das Volk z.B. bei der Vorratsdatenspeicherung anders abstimmen w&uuml;rde als das Parlament. Wie wir in diesem Jahr bei den Attentaten in Frankreich gesehen haben n&uuml;tzt sie ja offensichtlich nichts gegen den Terrorismus. Die Folge w&auml;re, dass Politiker sich erheblich mehr M&uuml;he geben m&uuml;ssen zu vermitteln, warum sie etwas genauso haben wollen. Ich glaube n&auml;mlich das das Volk durchaus die richtigen Entscheidungen treffen kann, schlussendlich st&auml;rkt das die Demokratie.<\/p>\n<p>Dazu nur ein Beispiel: Wir hatten hier vor vier Jahren die Abstimmung &uuml;ber Stuttgart 21. Vorher gab es Auseinandersetzungen, Demonstrationen, erfolglose Schlichtungsrunden. Ich war gegen das Projekt. Nicht wegen dem alten Bahnhof oder K&auml;fern, sondern weil ich es als zu teuer und schlecht geplant empfand (so gibt es nur 8 anstatt bisher 16 Gleise und ein Streckenabschnitt bis zum Flughafen wird auch von der S-Bahn genutzt). Entschieden hat eine Mehrheit sich f&uuml;r das Projekt und seitdem ist Ruhe. Es gibt immer noch einige Demonstranten, aber die gro&szlig;e Mehrheit hat sich mit dem Ergebnis der Volksabstimmung abgefunden. M&ouml;glich war sie aber nur weil die neue Gr&uuml;n\/Rote Regierung sie auf den Weg gebracht hat, ohne sie h&auml;tte man nie genug Stimmen f&uuml;r einen Antrag zusammengekommen.<\/p>\n<p>Auch hier w&auml;re das Internet eine L&ouml;sung. Warum soll die Bev&ouml;lkerung nur &uuml;ber Gesetze abstimmen die vom Parlament ausgearbeitet werden, aber nicht selbst welche einbringen? Eine zentrale Webseite, die alle Petitionen auflistet, k&ouml;nnte mit der eindeutigen PIN genutzt werden dass B&uuml;rger daf&uuml;r stimmen ob sie eine Initiative unterst&uuml;tzen oder nicht. Wenn diese ein bestimmtes Quorum in einer vorgegebenen Zeit, z.B. 10% in 3 Monaten erreicht dann muss das Parlament sich damit befassen, es in ein juristisch einwandfreies Gesetz gie&szlig;en und dar&uuml;ber abstimmen lassen.<\/p>\n<p>Technisch und organisatorisch m&ouml;glich w&auml;re das alles. Aber dann w&auml;re es ja dabei mit der Rauten-Monarchie a la Angela Merkel &#8230;.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/10a83aa7e3554900b830c6b1de2f478c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Demokratie soll ja die beste aller Regierungsformen sein. Zeit mal dies zum Thema zu machen. Die Demokratie hat ja ihren Ursprung in Griechenland, bekannt ist das Scherbengericht von Athen. Damals wurde bei Ja\/Nein Abstimmungen mit schwarzen und wei&szlig;en Kieseln abgestimmt, sonst wurden Namen auf Scherben gekritzelt. 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