{"id":11463,"date":"2016-01-26T00:40:15","date_gmt":"2016-01-25T23:40:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=11463"},"modified":"2016-01-25T21:42:41","modified_gmt":"2016-01-25T20:42:41","slug":"die-esa-und-sierra-nevada","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2016\/01\/26\/die-esa-und-sierra-nevada\/","title":{"rendered":"Die ESA und Sierra Nevada"},"content":{"rendered":"<p>Sierra Nevada und die ESA haben ein Abkommen geschlossen. Die ESA wird 33 Millionen Euro in die Fertigstellung des Designs eines Docking-Adapters und ein Flugmodell <a href=\"http:\/\/spacenews.com\/europe-to-invest-in-sierra-nevadas-dream-chaser-cargo-vehicle\/\">investieren<\/a>. Dieser Adapter wird beim ersten Koppeln des Dream Chasers eingesetzt werden. Weitere m&uuml;sste Sierra Nevada dann selbst finanzieren. Die ESA hat schon 20 Millionen Euro in den Docking Adapter investiert. Weiterhin soll ein Start des Dream Chasers mit einer Ariane 5 weiter untersucht werden. Das hat W&ouml;rner als er noch Chef der DLR war schon vorgeschlagen.<\/p>\n<p>Was ist davon zu halten. Nun oberfl&auml;chlich wohl sicher die Fortsetzung der &#8222;Wir wollen Astronauten im Orbit&#8220; Politik des DLR die auch dazu f&uuml;hrte das Deutschland bei allen bemannten Programmen aber auch beim ATV Hauptfinanzier war. Nun ist Ex-DLR Chef W&ouml;rner ESA Chef geworden. Mit dem Dream Chaser, der urspr&uuml;nglich ja bemannt starten sollte und sich beim CCDev beworben hat, k&auml;me man so doch noch zu einem Gef&auml;hrt. Die Pl&auml;ne f&uuml;r ein bemanntes ATV musste man ja begraben, weil die anderen europ&auml;ischen L&auml;nder nicht mitzogen.<!--more--><\/p>\n<p>Aber sehen wir es mal genauer an. Zuerst einmal begr&uuml;&szlig;e ich die Wahl des Dream Chasers als Transportvehikel. Das Orbital und SpaceX wieder dabei sein w&uuml;rden, war mehr oder weniger schon klar. Jeder Neuank&ouml;mmling hat selbst, wenn die NASA die Auswahl ohne Ber&uuml;cksichtigung von CRS1 trifft, den Nachteil das die Transporter von Orbital und SpaceX existieren, ein neues Gef&auml;hrt aber erst entwickelt werden muss und da gab es sowohl bei Orbital wie SpaceX drei Jahre Verz&ouml;gerung. So war klar, dass die beiden wieder zum Zuge kommen. Schon um die Versorgung eines Minimum zu sichern. Das CST100, nun &#8222;Starliner&#8220; getauft w&auml;re auch verf&uuml;gbar gewesen, bis die Transporte stattfinden sollten. Doch die Fracht Kapazit&auml;t ist zu klein. Einzig der Dream Chaser ist schon zumindest in einem Prototypstadium. So fiel wohl die Wahl auf ihn.<\/p>\n<p>Ich halte den Dream Chaser f&uuml;r wichtig aus zwei Gr&uuml;nden: Zum einen sollte man nicht die Technologie eines Gleiters verdammen, nur weil der erste Anlauf mit dem Space Shuttle zu teuer war. Der Dream Chaser erlaubt einen zweiten Blick auf einen kleineren Gleiter, der nicht das k&ouml;nnen muss was jede Tr&auml;gerrakete auch kann (unbemannte Satelliten starten) und er profitiert von den Erfahrungen mit dem Shuttle und der heutigen Technologie. Als zweites ist der Gleiter ideal f&uuml;r die Versorgung: er ist wiederverwendbar, anders als die meisten anderen Gef&auml;hrte. Die Dragon soll es angeblich sein, doch ich traue dem genauso viel wie der Wiederverwendung der Falcon 9 &#8211; in der Theorie ja, praktisch hat es SpaceX noch nicht beweisen. Wenn ja ob sie wirtschaftlich ist ist eine andere Frage. Zudem ist der Einsatz des Dream Chasers ungef&auml;hrlich &#8211; es wird nur Fracht transportiert.<\/p>\n<p>Ob Sierra Nevada noch einen zweiten Adapter braucht, wird sich zeigen. Wenn die Firma intelligent ist braucht sie keinen zweiten Adapter au&szlig;er sie baut zwei Gef&auml;hrte. Er kann auch im Gef&auml;hrt und nicht im Cargo Modul eingebaut werden. Das Cargo Modul soll nach Angaben ein Verlustgef&auml;hrt sein. Mit weiteren Auftr&auml;gen als Belohnung f&uuml;r die Vorinvestition w&uuml;rde ich also nicht rechnen.<\/p>\n<p>Kann man mit Ariane 5-Startauftr&auml;gen rechnen? Meiner Ansicht wohl kaum. Genaues wei&szlig; man nicht, aber folgendes ist bekannt:<\/p>\n<ul>\n<li>Die bemannte Dream Chaserversion wiegt 11,3 t<\/li>\n<li>die unbemannte hat ein Cargo Modul, das vor dem Wiedereintritt abgetrennt wird und mit maximal 3.250 kg M&uuml;ll vergl&uuml;ht.<\/li>\n<li>Es transportiert 5000 kg unter Druck und 500 kg ohne Druck zur ISS und 1750 kg <a href=\"http:\/\/spacenews.com\/sierra-nevada-hopes-dream-chaser-finds-sweet-spot-of-iss-cargo-competition\/\">zur&uuml;ck zur Erde.<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Nun eine kleine &Uuml;berschlagsrechnung. Die MPLM nahmen 9,4 t Fracht bei 4,5 t Masse auf. Die 500 kg ohne Druckausgleich kann man sicher fest im Frachtraum anbringen. Bleiben die 5 t mit Druckausgleich. Daf&uuml;r br&auml;uchte man, wenn man die Masse der MPLM anlegt, ein 2,4 t schwere Frachtmodul. Wenn man einen Teil vorne unterbringt (der Platz steht ja f&uuml;r 1.750 kg Fracht zur Bergung zur Verf&uuml;gung) auch ein kleineres.\u00a0 So kommt man auf eine maximale Startmasse von &lt;19,1 t. Wahrscheinlich weniger, weil eine unbemannte Dream Chaser alle Systeme weglassen kann die man f&uuml;r eine Besatzung braucht. Das liegt nahe bei den 18,8 t Maximalnutzlast einer Atlas 551 in den LEO (der schwere Dream Chaser wird die 552 Version einsetzen, doch f&uuml;r die gibt es keine Nutzlastangabe). Die Ariane 5 k&ouml;nnte 20,75 zur ISS entsenden. Das w&auml;ren 1,6 t mehr wobei etwa 1 t als Nutzlast ank&auml;me. Mit einem etwas gr&ouml;&szlig;eren Frachtmodul also auf den ersten Blick verf&uuml;hrerisch.<\/p>\n<p>Doch es h&auml;ngt stark vom Startpreis ab. Die Atlas hat einen hohen Grundpreis. Mehr Booster kosten wenig mehr. 2011 zahlte die NASA 190 Millionen Dollar f&uuml;r die Atlas 551 die Juno transportiere, zwei Jahre sp&auml;ter 187 Millionen f&uuml;r eine Atlas 401. Nun will ULA den Startpreis dieser kleinsten Version auf 100 Millionen Dollar senken. Da erscheint ein Start mit Ariane 5 (160 bis 170 Millionen Euro) selbst bei mehr Nutzlast unvorteilhaft. F&uuml;r Sierra Nevada d&uuml;rfte wichtiger sein, dass man ein Backupvehikel hat.<\/p>\n<p>Die ESA k&ouml;nnte trotzdem profitieren &#8211; wenn sie &uuml;ber ihren schatten springt. Als letzte an der ISS beteiligte Raumfahrtbeh&ouml;rde hat die ESA einer Verl&auml;ngerung ihrer ISS Beteiligung bis 2024 zugestimmt. Das kleine Problem: f&uuml;r die Jahre ab 2021 muss sie Kompensationsleistungen erbringen. Von 2007 bis 2017 waren dies f&uuml;nf ATV. F&uuml;r 2018 bis 2020 zwei Orion Servicemodule. Doch glaube ich nicht, dass die NASA die Servicemodule nun dauerhaft in Europa kaufen wird. Wenn man aber den Dream Chaser mit einer Ariane 5 starten kann, warum nicht mit ihm die Fracht als Europas Beteiligung transportieren? Die ESA musste 28 t Fracht f&uuml;r 10 Jahre Betrieb transportieren. Vier Jahre von 2021 bis 2024 w&auml;ren dann 11,2 t. Das w&auml;re mit zwei Dream Chaser Starts zu schaffen. Man m&uuml;sste zwar das Gef&auml;hrt von Sierra Nevada mieten, aber zumindest die Tr&auml;gerrakete baut man selbst. vor allem ist es sicher billiger als nochmal ein ATV 2.0 zu bauen mit neuen Entwicklungskosten. Die Beteiligung Europas kann in Form von Leistungen (Fracht) erfolgen oder durch Zahlung &#8211; dann w&auml;ren es 150 Millionen Euro pro Jahr. Ich glaube kaum, das zwei ATV die man neu konstruieren m&uuml;sste, f&uuml;r 600 Millionen Euro zu starten sind. Der letzte kostete 450 Millionen Euro. Wenn ein gemieteter Dream Chaser mit Modul weniger als 140 Millionen Euro kostet, macht man sogar Gewinn. Und nat&uuml;rlich kann man die L&ouml;sung auch weiterhin einsetzen. Die USA haben sich ja schon f&uuml;r einen Betrieb bis 2028 entschieden. Wenn die Ariane 6 ab 2021 zur Verf&uuml;gung steht wird der Start sogar billiger und dann kann man auch mit der Atlas konkurrieren.<\/p>\n<p>Zuletzt k&ouml;nnte, wenn einige Frachtfl&uuml;ge erfolgreich absolviert wurden, man ja erneut &uuml;ber den bemannten Einsatz nachdenken. Sierra Nevada <a href=\"http:\/\/spacenews.com\/gao-denies-sierra-nevada-protest-of-commercial-crew-contract\/\">verlangte\u00a0 bei CCDev <\/a>2,55 Milliarden Dollar f&uuml;r die Entwicklung einer bemannten Version. Das w&auml;re ein Preisschild das sich auch die ESA leisten k&ouml;nnte, zumal damit auch die Entwicklung des Dream Chasers mitfinanziert wird, nicht nur eine &#8222;Manned&#8220; Version. Ich w&uuml;rde sch&auml;tzen, das eine bemannte Version der Frachtversion weniger als 2 Milliarden kosten k&ouml;nnte, vielleicht auch nur 1 Milliarde. Dann h&auml;tte auch Europa die M&ouml;glichkeit mehr Astronauten zur ISS zu entsenden.<\/p>\n<p>Das setzt nat&uuml;rlich voraus das man betriebswirtschaftlich denkt und nicht wie bisher nach dem Schema &#8222;wir machen alles selbst auch wenn es viel mehr kostet als die Leistung einzukaufen&#8220;. Das d&uuml;rfte wohl das gr&ouml;&szlig;te Hindernis sein. Das ATV wurde aufgegeben, weil man das Nachbauen von Transportern als technologisch nicht herausfordernd genug empfand. Diese Haltung hat &uuml;brigens auch W&ouml;rner kritisiert. Recht hat er.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/560b770aaeaa49739c8f7f5aa5115f9a\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sierra Nevada und die ESA haben ein Abkommen geschlossen. Die ESA wird 33 Millionen Euro in die Fertigstellung des Designs eines Docking-Adapters und ein Flugmodell investieren. 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