{"id":11519,"date":"2016-02-26T16:51:15","date_gmt":"2016-02-26T15:51:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=11519"},"modified":"2016-02-26T16:51:15","modified_gmt":"2016-02-26T15:51:15","slug":"die-eu-am-scheideweg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2016\/02\/26\/die-eu-am-scheideweg\/","title":{"rendered":"Die EU am Scheideweg"},"content":{"rendered":"<p class=\"Normal\">Ich halte mich ja in den Blogs weitestgehend aus der Politik heraus. Nicht weil ich unpolitisch bin, sondern weil ich in den letzten Jahrzehnten doch ziemlich desillusioniert wurde. Meine Meinung ist, dass zumindest in Deutschland Politiker am erfolgreichsten sind, wenn sie gar nichts machen. Wenn es mal Ver&auml;nderungen gibt, dann um Interessen von Lobbygruppen durchzusetzen oder auf Pump oder als Aktionismus wie gerade das \u201eAsylpacket II\u201c. Trotzdem heute mal, au&szlig;er der Reihe, meine Meinung zu Europa respektive der Europ&auml;ischen Union.<\/p>\n<p class=\"Normal\">Meiner Ansicht nach ist die Krise, die wir jetzt in Europa haben, absehbar gewesen. Die Europ&auml;ische Union begann mal als Wirtschaftsgemeinschaft. Zuerst mit wenigen Staaten, dann immer mehr. Ende der Siebziger Jahre kam noch das EU-Parlament dazu, obwohl es eigentlich bis heute ein Debattierklub geblieben ist. Die wichtigen Beschl&uuml;sse werden vom Rat und der Kommission beschlossen, die mit Regierungsvertretern besetzt sind.<!--more--><\/p>\n<p class=\"Normal\">Die Aufgabe, damals wie heute, war es die M&auml;rkte in der EU zu vereinheitlichen. Vereinfacht gesagt sollte es so sein, dass es gemeinsame Regelungen f&uuml;r Waren und Standards in der ganzen EU gibt. Das sollte den Warenaustausch erleichtern. Ich habe ja mal Lebensmittelchemie studiert und da waren schon in den fr&uuml;hen Neunzigern alle Vorschriften &uuml;ber die Zusatzstoffe und Angaben auf Verpackungen durch EU-Verordnungen geregelt. Daneben ein Gro&szlig;teil des Weinrechts und jede Menge Spezialvorschriften f&uuml;r Lebensmittel au&szlig;erhalb der EU f&uuml;r den Import. Der Nutzen ist offensichtlich: Ein Lebensmittel, das in Deutschland produziert wird, kann so auch in Frankreich, Griechenland oder England in den Handel gelangen. Der Markt f&uuml;r einen Hersteller ist gr&ouml;&szlig;er, die Hemmnisse f&uuml;r den Vertrieb werden abgebaut. Was sich nat&uuml;rlich auch ergibt, ist das es bei verschiedenen Standards es den Trend gibt, das man den kleinsten gemeinsamen Nenner als Standard nimmt. So hatten wir damals bei Bionahrungsmitteln die Forderung nach R&uuml;ckstandsfreiheit. Als die EU das auch regelte, waren pl&ouml;tzlich R&uuml;ckst&auml;nde erlaubt. Die Landwirte konnten sich so auf \u201eVerwehungen\u201c berufen.<\/p>\n<p class=\"Normal\">Derartige Vorschriften gibt es nicht nur bei Lebensmitteln, die EU regelt alles, wof&uuml;r es Standards geben muss. Auff&auml;llig ist das nur, wenn es nicht ankommt wie das Gl&uuml;hlampenverbot oder wenn die EU den Stromverbrauch von Staubsaugern oder die maximale Betriebszeit von Kaffeemaschinen regelt. EU Verordnungen m&uuml;ssen in nationales Recht umgesetzt werden. Macht da ein Land innerhalb einer bestimmten Zeit nicht, dann gelten sie danach unmittelbar. Das bedeutet: in der Gesetzgebung war schon vor 30 Jahren die EU &uuml;ber den nationalen Parlamenten die oberste Instanz.<\/p>\n<p class=\"Normal\">Schon damals ging die EU aber weiter. Sie hat damals wie heute die Nahrungsmittelproduktion geregelt. Es gibt fast &uuml;berall Quoten, das hei&szlig;t nicht jeder kann so viel produzieren, wie er will. Weil die meisten Lebensmittel in der EU teuerer als woanders produziert wird gibt es auch F&ouml;rdert&ouml;pfe, ebenfalls an Quoten gekoppelt. Hier hat die EU in meinen Augen eine schlechte Arbeit geleistet. In den Achtzigern gab es regelm&auml;&szlig;ig Meldungen &uuml;ber &Uuml;berproduktion. Lasterweise wurden Tomaten auf M&uuml;llkippen abgeladen und man sprach von Milchseen und Butterbergen. Zu Weihnachten gab es regelm&auml;&szlig;ig billige Butter, um zumindest den letzten Berg abzutragen. Danach hat man das Quotierungssystem eingef&uuml;hrt, aber auch nicht richtig. Wenn man zu viel produziert dann w&auml;re wohl im Sinne der Verbraucher das man weniger aber besser produziert. Das w&auml;re m&ouml;glich gewesen, wenn die EU die extensive Landwirtschaft gef&ouml;rdert h&auml;tte, doch das tat sie nicht.<\/p>\n<p class=\"Normal\">In den Neunzigern &auml;nderte sich zweierlei. Das eine war, das die vorher langsame Erweiterung der EU pl&ouml;tzlich an Fahrt Zunahme. Bis 1986 hatte die EU 12 Mitgliedsstaaten, dann kamen 1995 gleich drei weitere hinzu und 2004 gleich zehn, also fast so viele wie es bisher schon gab. Die Staaten die 2004 dazu kamen waren mit der Ausnahme von Zypern alles ehemalige Ostblockstaaten. Ich hatte schon damals Zweifel daran, dass die Staaten dazu kommen sollten. Zum einen ob sie wirtschaftlich bereit sind. Deutschland hatte bis dahin &uuml;ber 1 Billiarde DM in die neuen Bundesl&auml;nder gepumpt und trotzdem waren diese wirtschaftlich noch hinter dem Westen hinterherhinkend. Wie sollten die anderen Staaten ohne diese Finanzhilfe dann so weit sein? Das lief darauf hinaus dass die anderen Staaten diese &uuml;ber Jahrzehnte subventionieren, so wie dies ja schon immer der Fall war &#8211; finanzkr&auml;ftige Staaten zahlten mehr in die EU ein, als sie zur&uuml;ckerhielten. Vor allem aber sah ich nicht das in vielen Staaten dort auch die Bev&ouml;lkerung proeurop&auml;isch war. Vor allem in Ungarn und Bulgarien gab es noch postkommunistische Regime.<\/p>\n<p class=\"Normal\">Zu dem Zeitpunkt gab es ja schon den Euro und damit war Europa nicht nur binnennational eine Wirtschaftsgemeinschaft sondern auch international eine Wirtschaftsgemeinschaft. Damit die W&auml;hrung \u201ehart\u201c bleibt m&uuml;ssen die Nationen wirtschaftlich gesund sein. Das war schon beim Beginn nicht der Fall. Deutschland hat auch mehrmals die Latte gerissen, Griechenland schlupfte immer unten durch. Man hat damals wie bei der Eingliederung geschlampt. Anstatt nur die aufzunehmen die auch bereit waren wollte man m&ouml;glichst viele im Boot haben.<\/p>\n<p class=\"Normal\">Nun gibt es jetzt die Fl&uuml;chtlingskrise und England will austreten. Die Fl&uuml;chtlingskrise ber&uuml;hrt einen wunden Punkt: Mit der Reisefreiheit innerhalb von Europa stellt sich die europ&auml;ische Union nach Au&szlig;en hin als ein gro&szlig;er Binnenstaat mit einer gemeinsamen W&auml;hrung ohne Grenzen dar. Es gab aber nie eine politische Union. Weder gibt es eine gemeinsame Au&szlig;enpolitik noch sonst etwas was &uuml;ber Wirtschaft hinaus geht und so sagen nun eben die Staaten: \u201eFl&uuml;chtlinge? Das hat nichts mit der EU zu tun. Gibt es daf&uuml;r eine EU-Verordnung? Nein? Ja dann ist das nicht unser Bier\u201c. Das sagen vor allem nat&uuml;rlich die neuen L&auml;nder, als h&auml;tte man das nicht schon 2004 gewusst.<\/p>\n<p class=\"Normal\">England soll aus der EU austreten. Ja liebe Engl&auml;nder, stimmt gegen die EU. Ich habe genug von Euch. Seit den Achtzigern gibt es alle paar Jahre neue Drohungen. Das ging los mit Maggi Thatcher und immer hat man euch nachgegeben. Sonderregelungen f&uuml;r England, Befreiungen usw. Ich habe das satt. Ein Land das selbst von \u201eEurope\u201c so spricht als w&uuml;rden sie nicht dazu geh&ouml;ren (synonym mit \u201ethe Continent\u201c) das sich selbst als den Geburtsort der Demokratie sieht, aber immer Extrawurst gebraten haben will, anstatt sich demokratischen Gemeinschaftsbeschl&uuml;ssen unterzuordnen, geh&ouml;rt genauso wenig zu Europa wie undemokratische autorit&auml;re Regime im Osten. Fr&uuml;her wart ihr mal ein Weltreich,m heute seid ihr so kleinlich, das ihr euch nicht mal desselben Beitr&auml;ge wie Mazedonien leisten k&ouml;nnt. Wer nur im Weg steht den braucht Europa nicht. Ihr k&ouml;nnte euch ja noch als 51-ten Bundesstaat den USA anschlie&szlig;en. Wer wirtschaftlich und politisch nicht mit den anderen Staaten mithalten kann, soll drau&szlig;en bleiben, bevor er die anderen mit in den Abgrund zieht. Auf England kann man schon wegen der Insellage gut verzichten, Zudem, das fiel mir beim Schreiben meines Buches &uuml;ber Zusatzstoffe auf, gibt es die meisten Zusatzstoffe mit Beschr&auml;nkung auf wenige Speisen, fast nur in englischen Spezialit&auml;ten. Okay, ein Land das ernsthaft Pfefferminzso&szlig;e zu Braten serviert und bei dem man Essig auf Pommes tr&auml;ufelt und lauwarmes Bier trinkt hat von gutem Essen in etwa so viel Ahnung wie die Russen von Demokratie.<\/p>\n<p class=\"Normal\">Die EU sollte insgesamt ihre Regelungswut herunterfahren und stattdessen sollten sich die Politiker entscheiden, wie viel EU sie allgemein wollen. Das zeigen gerade die Fl&uuml;chtlinge. Sie sind nicht nur ein politisches Problem. Sie sind vor allem eben auch ein wirtschaftliches Problem. Sie brauchen Wohnungen, m&uuml;ssen versorgt werden und werfen Kosten auf. Da die EU vor allem eine Wirtschaftsgemeinschaft ist, verstehe ich den deutschen Vorsto&szlig; zu gut, auch dieses Problem gesamteurop&auml;isch zu regeln. Wenn man dann sagt, wir nehmen Subventionen gerne, aber keine Fl&uuml;chtlinge, dann sollte die EU sich auch wirtschaftlich auf den Kern beschr&auml;nken. Eben nicht versuchen alle L&auml;nder wirtschaftlich anzugleichen, sondern nur das urspr&uuml;ngliche Ziel: Handelshemmnisse abzubauen. Keine gemeinsame Agrarpolitik mehr, keine Kredite an Staaten die pleite sind (bzw. Die werden ja dann sowieso aus dem Euroraum ausgeschlossen), keine Ausgleichszahlungen. Lieber eine kleine funktionieren Union als eine gro&szlig;e die nicht funktioniert.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/27f4b448e5ce46cf814dcd5d1fc98766\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich halte mich ja in den Blogs weitestgehend aus der Politik heraus. 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