{"id":11607,"date":"2016-04-12T16:33:12","date_gmt":"2016-04-12T14:33:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=11607"},"modified":"2016-04-12T16:33:12","modified_gmt":"2016-04-12T14:33:12","slug":"es-lebe-digital","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2016\/04\/12\/es-lebe-digital\/","title":{"rendered":"Es lebe digital"},"content":{"rendered":"<p>Wie leben ja im Digitalzeitalter, bedingt dadurch dass Computer Daten verarbeiten. Analog gilt als veraltet, schlecht. Analoge Signale haben rauschen, Analoge Vinylplatten zerkratzen. Digitaler Sound ist satter ohne Rauschen, digitales Video h&ouml;her aufgel&ouml;st. Ganz zu schweigen von den M&ouml;glichkeiten bei der Datenverarbeitung: Dokumente sind schneller gefunden, k&ouml;nnen miteinander verkn&uuml;pft werden und ausgewertet werden und sie brauchen viel weniger Platz auf einer Festplatte als die Aktenordner im Schrank.<\/p>\n<p>Jahrtausende kam die Menschheit mit Analogen Signalen aus. Vielleicht sind die nicht ganz so schlecht. Fangen wir mal mit den Grunds&auml;tzen an. ein digitales Signal hat nur zwei Zust&auml;nde 0 oder 1. Ton an oder aus, Schwarz oder wei&szlig;. Das ist ideal wenn man Informationen verarbeitet, wenn man nicht gerade Schwarz-Wei&szlig;zeichnungen digital abspeichert brauchen wir f&uuml;r Dinge die wir sensorisch verarbeiten (bisher nur T&ouml;ne und visuelle Signale) eine Kodierung und Ger&auml;te die das wieder in analoge Signale umwandeln. Bei T&ouml;nen kann man das Frequenzspektrum erfassen und die Intensit&auml;t jedes Tones speichern, da der Mensch T&ouml;ne bis etwa 20 kHz h&ouml;ren kann, braucht man um die Wellenform des h&ouml;chsten Tones zu erfassen mindestens die doppelte Abtastfrequenz das sind 40 KHz, mit etwas Puffer werden heute 44 oder 48 KHz genommen und man nimmt 16 Bit f&uuml;r die Intensit&auml;t, das erlaubt es einen Lautst&auml;rkebereich von 48 db abzulegen. Bei visuellen Signalen gibt es einige Systeme. Man kann die Intensit&auml;t jedes Bildpunktes in den Grundfarben Rot, Gr&uuml;n und Blau angeben. Bei 8 Bits pro Farbwert kommt man so auf theoretisch 16,7 Millionen Farben. Man kann aber auch Helligkeit, S&auml;ttigung und Luminanz als Ma&szlig;stab nehmen. Ein Bild entsteht dann aus mehreren bis Millionen einzelner Bildpunkte.<!--more--><\/p>\n<p>An und f&uuml;r sich scheinen digitale Signale besser zu sein. Sie scheinen auch effektiver zu sein. Als ich ins Internet ging, setzte man noch Voicemodems ein, also Modems die T&ouml;ne &uuml;ber die Telefonleitung schickten, meist am Anfang noch h&ouml;rbar durch einige T&ouml;ne die dann in ein Rauschen &uuml;bergingen bis der Verbindungsaufbau stand. Das alte analoge Telefonnetz nutzte nur das Frequenzspektrum von 0,3 bis 3,4 KHz. Mit einem Modem konnte man theoretisch 56 kbit &uuml;bertragen, bei guten Verbindungen in der Realit&auml;t 42 bis 45 kbit\/s. Ebenso erlaubte der &Uuml;bergang vom analogen TV auf DVB-T das man anstatt 1 etwa 3-4 Kan&auml;le pro Frequenzband &uuml;bertragen konnte. Digitale Medien erlauben es heute Daten viel dichter zu speichern als analoge. Man muss nur den Informationsgehalt einer Schallplatte mit dem einer Festplatte von gleicher Gr&ouml;&szlig;e vergleichen.<\/p>\n<p>So scheint es, als w&auml;re Digital nicht nur f&uuml;r Informationen das bessere Medium, sondern auch f&uuml;r Dinge die wir eigentlich analog wahrnehmen. Man braucht eben dann immer noch ein Ger&auml;t um die digitalen Signale in analoge umzusetzen. Auf einer SD-Karte kann man keine Bilder anschauen, auf einem Diafilm schon, aber das ist nicht verallgemeinbar. eine Musikkassette oder Schallplatte ist analog, aber ohne Abspieler auch nicht zu gebrauchen. Bei Musikinstrumenten stimmt es aber wieder: ein Keyboard ohne Strom und Verst&auml;rker funktioniert nicht, ein Klavier durchaus.<\/p>\n<p>Es gibt aber auch Gefahren. Verschl&uuml;sselungstrojaner wie Locky haben in diesen Monaten Millionen von Benutzer um ihre gesammelten Bilder und Dokumente gebracht. Daneben gibt es die Gefahr das Speichermedien nicht mehr gelesen werden k&ouml;nnen. Der ber&uuml;hmte Festplattencrash oder einfach das es keine Leseger&auml;te mehr gibt oder die nicht mehr angeschlossen werden k&ouml;nnen. (man versuche mal eine Diskette vom C64 mit 1541 Floppy-Diskstation auf einem PC einzulesen). Um fr&uuml;her einen Aktienbestand zu Schreddern braucht man Stunden, heute reicht ein Knopfdruck oder ein Schlag mit dem Hammer auf die Speicherkarte\/Festplatte.<\/p>\n<p>Sowohl analoge wie digitale Medien altern. Tinte bleicht aus, Papier zerf&auml;llt, Inschriften verwittern. Bei digitalen Medien nimmt die Magnetisierung ab, flash-Speicher verlieren Elektronen. Dazu kommt bei beiden Arten von Speicherm&ouml;glichkeiten die M&ouml;glichkeit der Besch&auml;digung durch &auml;u&szlig;ere Einfl&uuml;sse. Bei Analogen Medien kann man vieles rekonstruieren. Selbst wenn das Signal-Rauschverh&auml;ltnis abnimmt kann man bei analogen Medien noch viel entziffern, z. B. bei verbleichten Papieren. Man ben&ouml;tigt bei einem Buchstaben nicht die volle Information sondern es reicht die Umrisse mit h&ouml;herem Kontrast zu rekonstruieren, bei besch&auml;digten Papieren kann man manche Buchstaben noch anhand eines Teils rekonstruieren. Bei digitalen Medien sieht es anders aus. Auch hier gibt es nur zwei Zust&auml;nde: Man kann die Information noch lesen oder man kann sie nicht lesen. Wenn das letztere eintritt, dann ist sie meist vollst&auml;ndig verloren. Es gibt nur selten die M&ouml;glichkeit nur Teile wiederherzustellen. erst recht nicht kann man gr&ouml;&szlig;ere Datenbest&auml;nde aus Bruchst&uuml;cken zusammensetzen, wie dies bei den geschredderten Dokumenten der STASI der Fall ist.<\/p>\n<p>Das schlimme bei digitalen Medien ist das die Bits nicht gleichberechtigt sind. Wenn bei einer Zahl das h&ouml;chstwertige Bit nicht lesbar ist, so ist der Einfluss auf den wert gr&ouml;&szlig;er als beim niedrigwertigsten Bit. Bei Farben ist es genauso. Bei Buchstabencodes kann ein v&ouml;llig anderer Buchstabe herauskommen. Noch schlimmer: heute wir die Information komprimiert. Ist in einem Zip-Archiv ein Bist falsch so kann das je nach Position einen gr&ouml;&szlig;eren Bereich oder das ganze Archiv unbrauchbar machen. Bei DCT-Komprimierung, der Grundlage f&uuml;r die meisten komprimierten Audio- und Videosignale ist immer ein ganzer Block unbrauchbar, wenn ein Bit verf&auml;lscht ist.<\/p>\n<p>Nicht umsonst werden heute Kulturg&uuml;ter heute immer noch auf Mikrofilm abgelichtet und so in Stollen &#8222;langzeitarchiviert&#8220;. Alternativ erprobt man die Lithografie oder das Gravuren von Metalloberfl&auml;chen bzw. bei Lithographie von Siliziumplatten. Dieses Verfahren soll eine noch h&ouml;here Datendichte erm&ouml;glichen und die Metallplatten sind robuster als Film auf de Basis von Nitrozellulose.<\/p>\n<p>Doch ewig kann dies auch nicht gehen. Solange die Medien noch lesbar sind, gibt es ja eine M&ouml;glichkeit: die Daten auslesen und auf ein neues Medium kopieren. Man muss es nur tun. 1985 stellet die NASA fest, dass sie 1,2 Millionen Magnetb&auml;nder, darunter auch welche mit Ergebnissen der Viking Mission nicht mehr lesen konnte. 1994 kam das wieder vor. Diesmal waren die Daten der Pionier 11 Sonde betroffen, die Saturn passierte. Sie waren auf 4 verschiedenen Medien gespeichert worden, doch f&uuml;r keines gab es mehr Abspielger&auml;te.<\/p>\n<p>Dass physikalische Lesen ist eine Sache. Das zweite ist es auch das Dokumenten Format zu entschl&uuml;sseln. Das Probleme sehe ich bei den heute standardisierten Grafik- Bild und Dokumentformaten nicht, zumindest gibt es oft die M&ouml;glichkeit auch in einem Standardformat zu speichern. Es betrifft aber Formate die von Programmen genutzt wurden die nicht mehr weiter entwickelt wurden oder deren hardwareplattform ausstarb.<\/p>\n<p>Die Langzeitarchivierung funktioniert aber auch nur richtig, wenn die Bedingungen auch gegeben sind. Eine Naturkatastrophe kann auch ein Archiv zerst&ouml;ren, Krieg oder andere Ereignisse k&ouml;nnen dazu f&uuml;hren, dass man andere Priorit&auml;ten hat und die Archivierung vergisst oder der neue Eigent&uuml;mer (nach einem Krieg) interessiert sich nicht f&uuml;r die Daten. Das wurde schon analogen Medien zum Verh&auml;ngnis. Die Bibliothek von Alexandria wurde schon zu C&auml;sars Zeiten ein raub der Flammen. Die &auml;ltesten Fragmente des alten Testamentes stammen aus Qumran und wurden dort versteckt, nicht archiviert. Alles was archiviert wurde, ging verloren als die R&ouml;mer den j&uuml;dischen Aufstand 68\/69 niederschlugen..<\/p>\n<p>Mein pers&ouml;nliches Res&uuml;mee ist: digital ist gut und sch&ouml;n, aber einige analogen Kopien sind nicht schlecht. Fotos finde ich besser als ein Tablett, zudem robuster und man kann sie verschenken nicht nur zeigen. B&uuml;cher kann man auch auf der Liege lesen und sie sind l&auml;nger haltbar als eine Datei. Auch ein Grund warum ich B&uuml;cher schreibe.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/f28a18651e204345b6c532473bb8c995\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie leben ja im Digitalzeitalter, bedingt dadurch dass Computer Daten verarbeiten. Analog gilt als veraltet, schlecht. Analoge Signale haben rauschen, Analoge Vinylplatten zerkratzen. Digitaler Sound ist satter ohne Rauschen, digitales Video h&ouml;her aufgel&ouml;st. 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