{"id":11657,"date":"2016-05-02T10:56:03","date_gmt":"2016-05-02T08:56:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=11657"},"modified":"2016-05-02T12:24:25","modified_gmt":"2016-05-02T10:24:25","slug":"dragon-2-is-designed-to-be-able-to-land-anywhere-in-the-solar-system","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2016\/05\/02\/dragon-2-is-designed-to-be-able-to-land-anywhere-in-the-solar-system\/","title":{"rendered":"\u201cDragon 2 is designed to be able to land anywhere in the solar system\u201d"},"content":{"rendered":"<p>Ach ja der gute Musk, er haut einen Witz nach dem n&auml;chsten raus. Der letzte ist der obige. Doch da es Leute gibt die nicht das technische Wissen haben den Witz als solchen zu erkennen, pr&uuml;fen wir ihn mal auf die Wahrheit.<\/p>\n<p>Da weder die NASA noch SpaceX ein bemanntes Programm jenseits des Erdorbits haben befasse ich mich nur mit unbemannten Missionen. Bemannt k&ouml;nnte man mit der Falcon 9 zwar den Mond erreichen &#8211; doch eine Falcon Heavy kann nicht so viel Nutzlast transportieren damit sie auch wieder zur&uuml;ckkommen. Die NASA selbst entwickelt mit der Orion aber ihr eigenes Raumschiff.<\/p>\n<p>Auch bei unbemannten Missionen werden es SpaceX-Missionen sein, denn egal wie billig die Dragon ist, die NASA baut derzeit Raumsonden mit einer Trockenmasse von 0,5 bis 1 t und da eine 6 t schwere Dragon einzusetzen w&auml;re ungef&auml;hr so als w&uuml;rde man mit dem Schwerlasttransporter den Einkauf erledigen der in zwei Einkaufst&uuml;ten passt.<\/p>\n<p>Also fangen wir mal an. Die Dragon 2.0 wiegt leer 6,0 t nach <a href=\"http:\/\/www.spacex.com\/dragon\">Spacex<\/a>. Die Dragon 1 konnte maximal 1,2 t Treibstoff aufnehmen. Ich nehme an dass dies auch f&uuml;r die Dragon 2 zutrifft. Mehr Treibstoff erfordert weitere Tanks. Da diese wie die Super-Draco Triebwerke druckstabilisiert sind sind sie recht schwer. Nimmt man die Strukturfaktoren der EPS-Stufe so wiegen die Tanks f&uuml;r 1000 kg Triebstoff 100 kg inklusive des n&ouml;tigen Druckgases und der Druckgasflasche. Von diesem Verh&auml;ltnis gehe ich bei den folgenden Betrachtungen aus.<!--more--><\/p>\n<h3>Merkur<\/h3>\n<p>Auch eine Falcon Heavy kann keine Dragon zu Merkur entsenden. Doch wie <a href=\"\/messenger.shtml\">Messenger<\/a> kann man sich dem Planeten &uuml;ber mehrere Vorbeifl&uuml;ge n&auml;hern und zudem die Relativgeschwindigkeit verringern. Dazu muss man die Venus erreichen. Die Nutzlast zur Venus d&uuml;rfte die gleiche wie zum Mars sein.\u00a0 Das sind 13.600 kg. Das l&auml;sst dann noch 7.600 kg f&uuml;r Treibstoff und Tanks also 6900 kg f&uuml;r reinen Treibstoff &uuml;brig. Bei einem spezifischen Impuls von 3200 m\/s (optimistisch angesetzt) kann man so die Geschwindigkeit um 2265 m\/s abzubremsen. Die Kreisbahngeschwindigkeit in einem niedrigen Merkurorbit betr&auml;gt aber 3006 m\/s und geringer wird die Geschwindigkeit nie sein. Auf dem Merkur kann eine Dragon 2 daher nicht landen.<\/p>\n<h3>Venus<\/h3>\n<p>Es steht au&szlig;er Frage, dass die Dragon V2 auf der Venus landen kann, man braucht wegen der dicken Atmosph&auml;re keinen Treibstoff zum Abbremsen. Die Nutzlast zur Venus liegt so hoch wie beim Mars, so hat man rund 7 t mehr Nutzlast als man ben&ouml;tigt. Doch das ist nicht das Problem. Die Kapsel wird kaum die 90 Bar Druck am Boden aushalten. So wird man sie w&auml;hrend des Abstiegs bel&uuml;ften m&uuml;ssen also den Druck ausgleichen. So erw&auml;rmt sich aber auch das Innere der Kapsel und man w&uuml;rde Instrumente in einer zweiten, kleineren, voll isolierten Kapsel unterbringen, also eine Kapsel in der Kapsel. Der Nutzen dieser Kapsel ist aber gering. Sensoren sollten die &auml;u&szlig;ere Atmosph&auml;re vermessen. das Innere wird bei diesen Temperaturen ausgasen, sodass sich die Zusammensetzung vor allem bei den wichtigen Spurengasen unterscheidet. Ein Bildsensor muss am Fenster angebracht sein was schwer wird mit einer Kapsel in der Kapsel. Kurzum es macht wenig sinn. Ohne Druckausgleich wird die Kapsel aber schon in gro&szlig;er H&ouml;he &gt;50 km &uuml;ber dem Boden zerquetscht werden.<\/p>\n<h3>Mond<\/h3>\n<p>Die f&uuml;r Merkur errechneten 2265 m\/s Abbremsverm&ouml;gen k&ouml;nnen beim Mond knapp reichen. Die Fluchtgeschwindigkeit betr&auml;gt an der Oberfl&auml;che 2351 m\/s. Dazu kommen noch Gravitationsverluste und eine Schwebephase. Eine Niedrigenergiebahn braucht zum Mond aber weniger Energie als zum Mars, sodass die Nutzlast in etwa zwischen GTO und Mars liegt. Mit der dadurch gr&ouml;&szlig;eren Treibstoffzuladung d&uuml;rfte eine Dragon komfortabel landen. Ich errechne 2940 m\/s Korrekturverm&ouml;gen f&uuml;r 17,8 t Startmasse, 7,1 t Trockenmasse und einem spezifischen Impuls von 3200 m\/s.<\/p>\n<p>Die Frage die sich nun bei allen Missionstypen stellt ist, wie sie nun arbeiten kann. Ich verweise hier mal auf meinen <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2011\/08\/07\/red-dragon\/\">alten Blogeintrag<\/a>. Das Problem ist das die Instrumente im inneren der Kapsel sind, aber auf die Oberfl&auml;che kommen m&uuml;ssen. Allenfalls Aufnahmen durch die Fenster sind unproblematisch. F&uuml;r SpaceX d&uuml;rfte dieses Szenario jedoch sehr interessant ein, denn der Mond ist in 4 Tagen zu erreichen. Eine weitestgehend unver&auml;nderte Dragon kann verwendet werden. Die Distanz ist so klein, das mit kleinen Datenraten ohne zus&auml;tzliche Ausr&uuml;stung kommuniziert werden und man kann damit angeben als erste private Firma (gibt es auch nicht private Firmen?) auf dem Mond gelandet zu sein.<\/p>\n<h3>Mars<\/h3>\n<p>F&uuml;r den Mars gibt es die offizielle Nutzlastangabe von 13,6 t. Viel Treibstoff zum Landen braucht man nicht weil ein Fallschirm die Sonde auf moderate Geschwindigkeit abbremst, auch wenn die Restgeschwindigkeit zu hoch f&uuml;r eine weiche Landung hat. Der <a href=\"\/phoenix.shtml\">Phoenix<\/a> hatte\u00a0 67 kg Treibstoff bei einem Gesamtgewicht von 410 kg an Bord. Das sind knapp 20% der Masse und in etwa dieselbe Menge die auch ein ISS Transporter f&uuml;r Bahnanpassungen und Wiedereintritt braucht. Auf dem Mars ist eine Landung also problemlos m&ouml;glich.<\/p>\n<h3>&Uuml;ber den Mars hinaus<\/h3>\n<p>Eine Dragon wiegt leer 6 t. Selbst wenn die interplanetare Dragon kein Mehrgewicht aufweist (z.B. f&uuml;r gr&ouml;&szlig;ere Solarpanels, Hochgewinnantenne, Instrumente) kann man sie auf maximal 13,5 km\/s beschleunigen. Bei einer elliptischen Bahn reicht dies zu einem Aphel von 596 Millionen km Entfernung. Damit erreicht man nicht Jupiter, alle K&ouml;rper jenseits von Jupiter sind also nicht erreichbar. Es reicht aber zu Asteroiden. Doch auf diesen muss man ja auch noch Landen, was ebenfalls Treibstoff kostet. Vor allem aber sind diese nicht so gro&szlig; als dass sie die Bahn wirksam abbremsen k&ouml;nnen. Man muss daher das Perihel selbst anheben. Mit den rund 2200 m\/s die man als Korrekturverm&ouml;gen bei einer Transferbahn mit Nutzlast zum Mars hat ist so bei 210 Millionen km Entfernung Schluss, das ist gerade mal am Rande der Marsbahn. So bleiben als Asteroiden die Klasse der Apollo und Amurasteroiden, die erreichbar sind. Das sind die Asteroiden die die Erdbahn oder Marsbahn kreuzen.<\/p>\n<p>Die sind aber zu klein, um auf ihnen landen zu k&ouml;nnen. Die meisten haben einen maximalen Durchmesser unter 10 km. Selbst wenn man die Super-Draco Triebwerke durch normale Draco mit 400 N Schub austauscht. Man braucht eigentlich gar keine Triebwerke um zu landen, sondern welche um die Sonde an der Oberfl&auml;che festzupressen bzw. andere Vorrichtungen um sie zu fixieren. Sowohl Phobos-Grunt wie auch <a href=\"\/philae.shtml\">Philae<\/a> hatten keine Abstiegstriebwerke. Sie fielen auf die Oberfl&auml;che und sollten sich bei Kontakt mit Harpunen oder Andruck liefernden Triebwerken fixieren. Bei Philae klappte das nicht, bei <a href=\"\/phobos-grunt.shtml\">Phobos Grund<\/a> scheiterte die Sonde <a href=\"\/phobos-grunt-fehlschlag.shtml\">schon im Erdorbit<\/a>. Ohne Umbauten wird eine Dragon auf keinem kleinen Himmelsk&ouml;rper landen k&ouml;nnen und wenn man bei Umbauteen ist dann ist es eben nicht mehr die Dragon 2. (Wenn ich damit anfange &#8211; wo ist da die grenze? ich interpretiere den Satz so, dass die Dragon 2 wie sie jetzt existiert &uuml;berall landen kann, nicht ein Raumschiffe auf Basis der Dragon 2).<\/p>\n<h3>Fazit:<\/h3>\n<p>&Uuml;berall im Sonnensystem &#8211; das ist bei Elon Musk gerade mal Venus, Erde, Mond, Mars. Ein kleines Sonnensystem. Vor allem w&uuml;rde ich sagen dass auch eine Orion oder Starliner auf den drei Himmelsk&ouml;rpern landen k&ouml;nnte. Ein Alleinstellungsmerkmal ist es also auch nicht.<\/p>\n<p>Wie ich gerade beim Recherchieren feststelle, hat SpaceX wie von ihren Fanboys angek&uuml;ndigt die Daten aktualisiert &#8211; aber nicht so wie von denen gedacht. Nichts mit 70 t Nutzlast mit der Falcon Heavy, stattdessen wurde die der Falcon 9 angehoben. Zumindest ist es nun konsistent, denn vorher war es physikalisch unm&ouml;glich bei gleichen Voll\/Leermassen und spezifischen Impulsen mit der 2,58-fachen Masse die 4,03-fache Nutzlast zu transportieren. Die 2,9 t zu Pluto sind aber so auch nicht m&ouml;glich 2,9 t zu Jupiter (und dann &uuml;ber einen Swing-By zu Pluto) gehen. In jedem Falle ist es irrelevant, da ja keine Pluto-Mission geplant ist.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/459bfc3c976d4db39dc276e45a1316bf\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ach ja der gute Musk, er haut einen Witz nach dem n&auml;chsten raus. Der letzte ist der obige. Doch da es Leute gibt die nicht das technische Wissen haben den Witz als solchen zu erkennen, pr&uuml;fen wir ihn mal auf die Wahrheit. 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