{"id":11659,"date":"2016-05-05T11:45:15","date_gmt":"2016-05-05T09:45:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=11659"},"modified":"2016-05-05T11:45:15","modified_gmt":"2016-05-05T09:45:15","slug":"35-jahre-ibm-pc","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2016\/05\/05\/35-jahre-ibm-pc\/","title":{"rendered":"35 Jahre IBM PC"},"content":{"rendered":"<p>Es ist noch nicht heute soweit, aber am 12. August feiert der IBM PC seinen 36-sten Geburtstag. Ich will schon heute mal an ihn erinnern<\/p>\n<p>Fangen wir mal mit der technischen Beurteilung des IBM-PC im Vergleich zu anderen Rechnern dieser Zeit. Der IBM PC (korrekte Bezeichnung: IBM Personal Computer Modell 5150) verwandte einen 8088 Prozessor, der mit 4,77 MHz getaktet war. Die Wahl dieses Prozessors zementierte die heutige Marktbedeutung von Intel. Er war schon damals nicht die erste Wahl. 1978 erschien der 8086. Als 1980 die Entwicklung begann war er schon zwei Jahre alt. Das w&auml;re heute unvorstellbar. Es gab Diskussionen um die Wahl, IBM fragte unter anderem auch Microsoft. Offiziell fiel die Wahl auf den Prozessor, weil er am ausgereiftesten war, Der Motorola 68000 als direkter Konkurrent hatte bei Entwicklungsbeginn noch zahlreiche Kinderkrankheiten. Ein Grund d&uuml;rfte auch sein, das Intel das Registermodell des 8080 &uuml;bernommen hatte und durch den segmentierten Arbeitsspeicher war sogar eine automatische &Uuml;bersetzung von 8080 Software m&ouml;glich so konnte man schnell Software f&uuml;r den neuen Prozessor entwickeln. es gab sogar einige 1:1 Adaptionen in den ersten Jahren wie Wordstar 3.31 die einfach nur crosscompiliert wurden.<!--more--><\/p>\n<p>Der 8086 war nicht nur dem 68000 technisch unterlegen, (er war langsamer und der Speicher war segmentiert, der 68000 hatte auch 32 Bit Operationen) doch IBM entschloss sich sogar einen noch weniger leistungsf&auml;higen Prozessor zu verwenden, den 8088. Der 1979 vorgestellte Chip war ein 8088 mit einem von 16 auf 8 Bit verkleinertem Adressbus. Alle Datentransfers sowohl von Code wie auch Arbeitsdaten dauerten so doppelt so lange, was die Geschwindigkeit um 40% absenkte. Obwohl der 8088 mit 8 MHz verf&uuml;gbar war, nahm man bei IBM nur die 5 MHz Variante. Die wurde sogar mit nur 4,77 MHz getaktet. Das erlaubte es einen zweiten Oszillator einzusparen und aus einem Taktgeber sowohl den Takt f&uuml;r den NTSC-Taktgeber wie auch den Prozessor abzuleiten. &Uuml;ber die Wahl wurde lange Zeit spekuliert. Die offensichtlichste Erkl&auml;rung war, dass IBM nicht sich selbst Konkurrenz machen wollte. Ich zweifele aber ein bisschen an der Deutung. Zum einen trennte den IBM PC von anderen &#8222;Entry Systems&#8220; die IBM damals im Angebot hatte doch einiges. So gab es bei diesen serienm&auml;&szlig;ig Diskettenlaufwerke mit 2,4 MByte Gr&ouml;&szlig;e &#8211; zehnmal mehr als beim IBM PC. Zum anderen setzte IBM bisher nur Intel Prozessoren in ihren erschwinglichen Ger&auml;ten ein. Man blieb eben einfach beim bew&auml;hrten Lieferanten. Der niedrige Takt und die Wahl des 8088 reduzierten vor allem die Kosten f&uuml;r das Mainboard. Man konnte so die Bausteine die f&uuml;r Intels 8-Bit Linie verf&uuml;gbar waren einsetzen und die kamen auch mit dem niedrigen Takt zurecht. Die neuen 16 Bit Bausteine waren deutlich teurer. Trotzdem war der Rechner gegen&uuml;ber den damals eingef&uuml;hrten 8-Bit Rechnern schneller und er konnte auch ausgebaut werden. Die 8-Bit Rechner konnten nur maximal 64 KByte Speicher adressieren, der IBM PC 544 KByte.<\/p>\n<p>Der Arbeitsspeicher betrug 64 KByte, urspr&uuml;nglich waren es sogar nur 16 KByte, doch damit w&auml;re der Computer schon bei Markteinf&uuml;hrung hinter anderen verf&uuml;gbaren Rechnern, selbst den 8-Bit Rechnern unterlegen gewesen. So wurden nur wenige mit 16 KByte verkauft. Wenn man die Speicherchips der Hauptplatine austauschte stieg der Speicher auf 64 KByte. Da man so den Speicher zweimal zahlte wurden die meisten mit 64 KByte verkauft. Mittels einer Zusatzplatine konnte der Speicher auf 256 KByte erweitert werden.<\/p>\n<p>Was den IBM PC von allen heutigen PCs unterscheidet, ist das der nackte Computer praktisch keine Anschl&uuml;sse hatte. Er hatte nur einen Anschluss f&uuml;r die Tastatur und einen Kassettenrecorder. Das letzte zeigte das IBM eigentlich nicht so richtig wusste was sie mit dem Rechner machen sollten. Viele Personalcomputer der fr&uuml;hen Generation und auch sp&auml;ter Heimcomputer hatten einen Anschluss f&uuml;r den Kassettenrecorder. Darauf wurden Daten und Programme gespeichert. Doch f&uuml;r einen gesch&auml;ftlichen Einsatz und daf&uuml;r war der IBM PC vom Preis ausgelegt waren Diskettenlaufwerke der Standard. 1978 wurden sie nach und nach in den Rechnern eingef&uuml;hrt und inzwischen erschienen neue Rechner nur mit Diskettenlaufwerken. F&uuml;r Diskettenlaufwerke brauchte man einen Diskettenkontroller den man in einen der 5 Steckpl&auml;tze steckte. Zwei Laufwerke konnte man ins Geh&auml;use einbauen jedes mit 160 KByte Kapazit&auml;t.<\/p>\n<p>Wo man die Kompetenz von IBM erkannte waren Bildschirm und Tastatur. Die Tastatur hatte einen festen Anschlag mit akustischer R&uuml;ckkopplung, verglichen mit heutigen Tastaturen war der Anschlag hart und laut. Doch damals st&ouml;rte das niemand. Computer waren selten und das Ger&auml;usch galt als Beweis dass man flei&szlig;ig arbeitete und der Anschlag wurde als &uuml;berlegen gegen&uuml;ber anderen Rechnern eingestuft. IBM hatte auch von Anfang an internationale Belegungen im Angebot. Andere Rechner hatten eine QWERTY-Tastatur selbst wenn die Rechner in Deutschland verkauft wurden.<\/p>\n<p>Der Bildschirm von 11,5 Zoll Gr&ouml;&szlig;e stellte in nachleuchtendem Gr&uuml;n 80 Zeichen mit 25 Zeilen dar. Die Matrix betrug 14 x 9 Punkte &#8211; auch das war damals &uuml;berlegen, die anderen damals verf&uuml;gbaren 8-Brit Rechner hatten nur eine 8&#215;8 oder manche Rechner sogar nur 5x 7 Matrix. Doch um ihn anzuschlie&szlig;en, brauchte man einen Monochromgrafikadapter, der auch den Druckeranschluss beinhaltete. Er stellte die Buchstaben dar und hatte auch den Bildschirmspeicher. Alternativ gab es einen Farbgrafikadapter der Grafik mit bis zu 320 x 200 Punkten in 4 Farben darstellen konnte. Das war nicht besser als die Grafik eines Heimcomputers kostete jedoch extra. F&uuml;r Nicht-US K&auml;ufer kam dann noch der RGB Monitor hinzu, US-Besitzer konnten einen Fernseher anschlie&szlig;en, da es neben dem RGB einen NTSC-Anschluss gab, den sogar auf der Hauptplatine.<\/p>\n<p>Das 40 KByte gro&szlig;e ROM beinhaltete das BIOS und ein &#8222;Kasettenbasic&#8220;, einen Basic Interpreter wie er bei vielen Rechnern dieser Zeit eingebaut wurde. Dieses BASIC konnte aber nur auf Kassette speichern. F&uuml;r einen gesch&auml;ftlichen Betrieb brauchte man noch ein Diskettenbetriebssystem. PC-DOS bzw. MS-DOS war in der ersten Version nur eine Kopie des 8-Bit CP\/Ms inklusive der Einschr&auml;nkungen wie Programmgr&ouml;&szlig;en von 64 KByte oder nur 64 Dateien pro Diskette. Es gab f&uuml;r das Speichern auf Diskette dann noch weitere BASIC-Versionen.<\/p>\n<p>Die Basisversion die man an den Fernseher anschloss, mit Tastatur, 16 KByte Speicher kostete 1565 Dollar. Damit konnte man aber nicht arbeiten. Die kleinste Konfiguration die eine Arbeit erm&ouml;glichte, hatte 64 KByte Speicher einen Diskettenkontroller, ein Diskettenlaufwerk und einen Monochrombildschirm und einem Nadeldrucker und kostete 3004 Dollar. Mit einem zweiten Diskettenlaufwerk und einem Farbmonitor war man bei 4500 Dollar. In Deutschland kostete die kleinste Version, die erst einen Jahr nach der US-Version erschien 8500 DM. Inflationsbereinigt m&uuml;sste man die Preise sogar mit 1,3 multiplizieren um auf den heutigen Preis in Euro zu kommen, das w&auml;ren also 11.000 Euro f&uuml;r die Basisversion.<\/p>\n<p>Heute bekommt man f&uuml;r 300 Euro einen einfachen PC, der anders als der IBM-PC auch alle Anschl&uuml;sse hat und nur in Rechenleistung einem teureren unterlegen ist. Legt man das doppelte hin so bekommt man einen guten PC, mit doppelt so viel Speicher und mehrfacher Geschwindigkeit. Ein Monitor addiert 120 Euro, ein Drucker 100 Euro. Die Abst&auml;nde im Preis sind also gleich geblieben, wenn er auch absolut gesehen viel billiger ist.<\/p>\n<p>Allgemein ist heute der Aufpreis f&uuml;r schnellere Ger&auml;te geringer geworden. Damals kostete ein schnellerer Rechner deutlich mehr. Das ist insofern verwunderlich, weil sich die Preise sehr unterschiedlich entwickelt haben. Im Allgemeinen sind die Preise stark gesunken, aber doch sehr unterschiedlich. Festplattenlaufwerke gab es schon damals, doch sie waren so teuer das ein Laufwerk mehr kostete als der IBM-PC. Um sie anzuschlie&szlig;en musste man eine Erweiterungseinheit kaufen. Sie sind am st&auml;rksten im Preis gefallen. Die speicherpreise sind relativ moderat gefallen. Den st&auml;rksten Preisverfall gab es bei den Schaltkreisen f&uuml;r Anschl&uuml;sse. Sie machten den IBM PC erst so teuer. Heute sind alle Schnittstellen OnBoard, doch beim IBM PC musste man f&uuml;r jede Anschlussm&ouml;glichkeit eine eigene Adapterkarte kaufen. Addiert man deren Preise so war das Mainboard das teuerste am Rechner. Relativ moderat waren die Preise f&uuml;r Drucker, Bildschirm und Diskettenlaufwerke, alle in der Region um 1000 DM, also einem Achtel des Preises der Basiskonfiguration. Gemessen daran ist der heutige Anteil h&ouml;her am Systempreis.<\/p>\n<p>Zwei Dinge sind sogar absolut teurer geworden: Die Software. MS-DOS kostete 75 Dollar, heute kostet Windows 10 neu 279 Euro als Professional Edition. Das gleiche gilt f&uuml;r den Prozessor, der damals etwa 100 Dollar kostete. Die billigsten Prozessoren kosten heute 40 Euro von Intel, man kann aber auch 200 bis 300 Euro f&uuml;r einen ausgeben. So hat sich die Gewinnmarge verschoben: den meisten Profit machen heute Microsoft und Intel, nicht wie fr&uuml;her der Hersteller des PC.<\/p>\n<p>Der IBM PC wurde zum Erfolg, er zeigte relativ deutlich welchen Einfluss eine etablierte Marke hat. Der IBM-PC machte auch Computer salonf&auml;hig, davon profitieren auch andere Hersteller wie Apple. F&uuml;r viele K&auml;ufer war ein IBM PC einfach zu teuer. Sie wichen auf andere Rechner aus. Den st&auml;rksten Gegenwind hatten Firmen die auch 8086-Rechner herstellten, denn diese lagen in der Preisregion wie der IBM PC. Auch wenn viele viel besser ausgestattet waren, wie mit einem echten 8086-Prozessor, mehr Speicher, hochaufl&ouml;sender Grafik oder mehr Platz auf den Diskettenlaufwerken &#8211; sie waren eben nicht von IBM und im Zweifel kaufte man von IBM, auch weil die Anschaffer nichts von Technik verstanden. Sie verschwanden innerhalb von 1-2 Jahren vom Markt. Der Effekt ist heute vielleicht noch ansatzweise mit dem Renommee von Apple vergleichbar. Auch hier legen Leute viel Geld f&uuml;r ein Appleger&auml;t auf den Tisch selbst wenn es technisch gleich gute billigere Alternativen gibt und bei der Vorstellung eines neuen iPhone gibt es Schlangen vor den L&auml;den.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/459bfc3c976d4db39dc276e45a1316bf\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist noch nicht heute soweit, aber am 12. August feiert der IBM PC seinen 36-sten Geburtstag. 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