{"id":11707,"date":"2016-06-04T17:20:12","date_gmt":"2016-06-04T15:20:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=11707"},"modified":"2016-06-04T17:20:12","modified_gmt":"2016-06-04T15:20:12","slug":"mit-ionentriebwerken-bemannt-zum-mars","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2016\/06\/04\/mit-ionentriebwerken-bemannt-zum-mars\/","title":{"rendered":"Mit Ionentriebwerken bemannt zum Mars"},"content":{"rendered":"<p>Um es vorweg zu nehmen: Der Artikel ist noch spekulativer als die sonstigen &uuml;ber Ionentriebwerke. Zum einen weil die genauen Elemente einer Marsmission nicht feststehen, zum andern weil man von einigen KW Leistung die heute f&uuml;r Antriebe verf&uuml;gbar sind auf Leistungen von Hunderten von kW bis Megawatt skaliert, ebenso sind Ionentriebwerke in der Gr&ouml;&szlig;e nicht verf&uuml;gbar. Meine Annahmen beruhen auf der Annahme, das man alles skalieren kann. Eine zweite Unsicherheit liegt in den Massen und Zeitpl&auml;nen. Hier muss ich einige Annahmen machen, die ich auch begr&uuml;nden will. Die Angaben f&uuml;r Strukturmassen habe ich von einer SEP Studie f&uuml;r einen Saturnorbiter &uuml;bernommen.<\/p>\n<p>Damit wir auf einem Level sind, hier einmal die Grundlagen f&uuml;r eine bemannte Marsmission. Anders als bei Apollo geht diese nicht mit einem Start. Aus himmelsmechanischen Gr&uuml;nden dauert eine Mission etwa 3 Jahre, auch mit Ionentriebwerken geht es nicht viel schneller. Man kann die Reisezeit zwischen den Planeten verk&uuml;rzen, doch da Ionentriebwerke selbst Monate arbeiten, ist der Zeitgewinn beschr&auml;nkt.<!--more--><\/p>\n<p>Das zweite ist dass es nicht mit einem Flug geht. Die Besatzung braucht eine Behausung und Labor auf dem Mars. Das alleine wird einen Start ausmachen. dazu kommen Vorr&auml;te, schweres Ger&auml;t wie Bohrer, ein Reaktor, eventuell eine Art Mars-Wohnmobil damit man nicht auf die unmittelbare Umgebung beschr&auml;nkt ist. Daneben braucht man auch Treibstoff damit die Besatzung in einer Raumkapsel wieder vom Mars starten kann. Das macht mindestens einen weiteren Start n&ouml;tig, es k&ouml;nnen auch zwei sein, je nach Missionsdesign und Tr&auml;gerleistung. Zuletzt muss die Besatzung zum Mars und zur&uuml;ckkommen. f&uuml;r die Phasen von Landung und Start nutzt sie eine Kapsel wie sie heute schon eingesetzt werden. Man wird sie jeweils auffrischen m&uuml;ssen, z.B. den Hitzeschutzschild erneuern. F&uuml;r die Reise von der erde zum Mars und zur&uuml;ck braucht man eine kleine Behausung, wahrscheinlich ein Modul wie auf der ISS, um Gewicht zu sparen sicher als aufblasbares Modul wie BEAM. Beim chemischen Antrieb braucht man noch Treibstoff um dieses Modul in eine Marsumlaufbahn zu bringen und sie wieder zu verlassen. Das macht auch einen oder zwei Starts einer Schwelastrakete aus (einer f&uuml;r Modul, einer f&uuml;r die Stufe f&uuml;r Bahn&auml;nderungen und die Kapsel).<\/p>\n<p>Beim Chemischen Antrieb ist man so bei 4-6 Starts einer Rakete mit 150 bis 200 t Nutzlast oder rund 600 bis 1000 t im Orbit je nach genauem Missionsdesign. Davon gelangen maximal ein Drittel, eher ein Viertel auf eine Marstransferbahn. Hier setzt nun der Vorteil der Ionentriebwerke ein.<\/p>\n<p>Die meisten Starts erfolgen unbemannt. Genauer gesagt nur der letzte ist bemannt. Alle anderen setzen Ausr&uuml;stung, Vorr&auml;te oder das Marshabitat auf dem Mars ab oder bringen das Tranferhabitat in die Erdumlaufbahn. Das startet man zweckm&auml;&szlig;igerweise schon ein Startfenster vorher, dann ist es auf dem Mars und man erlebt keine b&ouml;se &Uuml;berraschung, wenn man die Besatzung startet. Diese Elemente m&uuml;ssen auch nicht in eine Umlaufbahn um den Mars eintreten, sondern k&ouml;nnen direkt landen. Daher muss man nur eine Bahn von der Erdumlaufbahn bis zu einem Aphel in H&ouml;he des Mars modellieren. Ich habe das mal f&uuml;r drei spezifische Impuls heutiger Ionentriebwerke und einer Stromversorgung von 4 MW modelliert.<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<th>Spezifischer Impuls<\/th>\n<th>30.000 m\/s<\/th>\n<th>36.000 m\/s<\/th>\n<th>42.000 m\/s<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Erdumlaufbahn<\/td>\n<td>66 Tage<\/td>\n<td>79 Tage<\/td>\n<td>94 Tage<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Transferbahn<\/td>\n<td>249 t<\/td>\n<td>253 Tage<\/td>\n<td>256 Tage<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Masse in Sonnenumnlaufbahn<\/td>\n<td>120,5 t<\/td>\n<td>124 t<\/td>\n<td>128 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Masse vor der Ankunft<\/td>\n<td>115 t<\/td>\n<td>117 t<\/td>\n<td>118,5 t<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Wie bei einer klassischen transferbahn Tntf&auml;llt der gr&ouml;&szlig;te Teil der Reisezeit auf einen antriebslosen Flug, bei 42.000 m\/s als l&auml;ngster Betriebszeit entfallen nur 34 Tage auf die Betriebszeit der Rest ist antriebslos. So spielt die Zeit im Erdorbit auch keine Rolle, zumal man leicht die Transferzeit verk&uuml;rzen kann wenn man eine Bahn mit einem h&ouml;heren Aphel anstrebt. Opfert man die 3,5 t Masseunterschied zuwehen dem h&ouml;chsten und niedrigsten spezifischen Impuls um eine elliptische Bahn zu erreichen, so ist man schon nach 173 Tagen beim Mars, hat also die 28 Tage l&auml;nger im Erdorbit leicht aufgeholt. Die Gesamtdauer von 267 Tagen entspricht die einer klassischen Hohmanntransferbahn. Da man bei 4 MW und 150 W\/kg nur 26.700 kg f&uuml;r die Solarzellen braucht habe ich l&auml;ngere Bahnen nicht weiter untersucht. F&uuml;r einen unbemannten Start s&auml;he die Bilanz dann so aus;<\/p>\n<table class=\"auto-style1\">\n<tbody>\n<tr>\n<th colspan=\"2\">werte f&uuml;r 4 MW Leistung<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Startmasse:<\/td>\n<td>150 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>davon Solarzellen<\/td>\n<td>26,7 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>davon Treibstoff mit Tanks<\/td>\n<td>42 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>davon Triebwerke und Strukturen<\/td>\n<td>15 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Nettonutzlast<\/td>\n<td>66,3 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Ankunftsgeschwindigkeit:<\/td>\n<td>7,1 km\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Gesamtdauer:<\/td>\n<td>267 Tage<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Zum Vergleich: Eine Falcon Heavy hat 13,6 t von 54,4 t Nettonutzlast f&uuml;r den Mars, das entspricht hochskaliert 37,5 t zum Mars. Diese erreicht ihn aber mit niedriger Ankunftsgeschwindigkeit, typisch 2,6 bis 3 km\/s. In Grenzen wirkt sich eine h&ouml;here Ankunftsgeschwindigkeit bei den direkt gelandeten Teilen nur wenig aus, der Hitzeschutzschild ist dann etwas schwerer.\u00a0 Ionentriebwerke k&ouml;nnen die Nutzlast so verdoppeln. Der Treibstoffverbrauch ist weitestgehend konstant, steigt bei l&auml;ngere Missionszeit eher an, sodass eine Verl&auml;ngerung der Zeit die Nutzlast nur gering erh&ouml;ht &#8211; man kann die Leistung der Solarzellen reduzieren und die Anzahl der Triebwerke auch. Bei zwei Jahren gesamtdauer, von denen man dann mehr als 1 Jahr im Erdorbit verbringt, sieht die Bilanz so aus:<\/p>\n<table class=\"auto-style1\">\n<tbody>\n<tr>\n<th colspan=\"2\">werte f&uuml;r 1 MW Leistung<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Startmasse:<\/td>\n<td>150 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>davon Solarzellen<\/td>\n<td>6,7 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>davon Treibstoff mit Tanks<\/td>\n<td>42 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>davon Triebwerke und Strukturen<\/td>\n<td>3,8 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Nettonutzlast<\/td>\n<td>90,4 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Ankunftsgeschwindigkeit:<\/td>\n<td>4,4 km\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Gesamtdauer:<\/td>\n<td>1 Jahr 360 Tage<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Mehr als zwei Jahre machen keinen Sinn, weil dann schon das n&auml;chste Startfenster ansteht.<\/p>\n<p>Wie sieht es nun bei der bemannten Mission aus? Hier ist die Sache deutlich komplexer. Hier ist man an einer m&ouml;glichst geringen Reisezeit interessiert. 100 Tage oder noch l&auml;nger im Erdorbit will man da nicht verbringen zumal man auch die Strahlungsg&uuml;rtel durchquert. Die naheliegende L&ouml;sung ist es, das Habitat mit ionenantrieb separat zu starten und wenn es eine gro&szlig;e Erdentfernung erreicht hat, startet man die Besatzung die muss nun zwar mehr Geschwindigkeit aufbringen, aber nur f&uuml;r eine leichte Kapsel und nicht das Habitat. Nimmt man ein Apog&auml;um von 200.000 km als sichere Obergrenze (nicht zu hoch, sonst st&ouml;rt der Mond die Bahn) , 2 MW Leistung so erreicht man diese Bahn (167.000 x 200.000 km) nach 177 Tagen.\u00a0 13 Tage sp&auml;ter hat man das Erde-Mond-System verlassen.<\/p>\n<p>F&uuml;r die Sonnenumlaufbahn gilt es einen Kompromiss zu machen. Wenn man schnell zum Mars gelangt, dann kommt man dort mit hoher Geschwindigkeit an. Kein Problem f&uuml;r die Landung doch viel Treibstoff verbrauchend wenn man dann in eine Marsumlaufbahn eintreten will. Daf&uuml;r hat man die Zeit dann aber nicht, auch weil die Leistung der Solarzellen absinkt.\u00a0 In meiner Simulation ist es recht schwer eine Bahn zu erreichen bei dem man sich &#8222;einfangen&#8220; lassen kann. Ich habe nach einigen Versuchen abgebrochen als ich eine brauchbare Bahn erhielt. Nach der Erdumlaufbahn wird nach 28 Tagen eine 150,27 x 220 Mill km Bahn erreicht. Diese wird nahe des Perihels aufgeweitet sodass am Schluss eine 216,7 x 226,7 Mill. km Bahn erreicht wird. Die Reisezeit dauert dann 237 Tage, das dV zum Mars 277 m\/s. Beim Mars muss man dann mit einem relativ kleinen chemischen Abbremsungsman&ouml;ver (in der Gr&ouml;&szlig;enordnung von &lt;100 m\/s) eine erste Umlaufbahn erreichen.<\/p>\n<p>De weitere Vorgehensweise ist dann missionsabh&auml;ngig. So k&ouml;nnte man das Habitat in einem 24 Stunden Orbit parken. Das minimiert den Treibstoffverbrauch. Da dieser bei Ionentreibwerken nicht so wichtig ist, ist ein anderer Aspekt wichtiger: Senkt man die Bahn ab, so braucht sp&auml;ter der Lander weniger Energie um das Habitat zu errichen. Das absenken der Bahn hat den Vorteil dass der R&uuml;ckkehrteil in eine niedrige Erdumlaufbahn ein DV von 3,4 km\/s aufbringen muss anstatt 4,4 km\/s in eine elliptische\u00a0 23 h-Umlaufbahn. Nach Ankunft beim Mars ist die Masse auf 113,9 t abgesunken. Es dauert 301 Tage, deutlich l&auml;nger als beim chemischen Antrieb. 3,6 t chemischer Treibstoff werden gebraucht, um eine Umlaufbahn zu erreichen. Bremst man in eine 300 km Kreisbahn ab, so braucht man weitere 7,2 t Treibstoff f&uuml;r die Ionentriebwerke.<\/p>\n<p>Die Besatzung kann vor Eintritt in die Marsumlaufbahn mit der Kapsel landen oder dies erst in der Umlaufbahn tun. Dann bleibt sie 2 Jahre auf dem Mars, mehr als genug Zeit eine niedrigere Bahn zu erreichen.<\/p>\n<p>Einfacher ist es beim R&uuml;ckweg. Es gibt zwei M&ouml;glichkeiten. Das eine ist eine klassische Hohmannbahn, bei der das Perihel in Erdentfernung liegt. Dann w&uuml;rde man die Erde nach 284 Tagen erreichen, mit einer Restmasse von 96,5 t. Das zweite ist die Reisedauer zu minimieren, indem man das Perihel niedriger legt. Sinkt es auf 120 Mill. km so ist man schon nach 202 Tagen bei der Erde. Wesentlicher als der h&ouml;here Treibstoffverbrauch (Ankunftsmasse 92 t) ist das man sich der Erde mit 10,9 km\/s anstatt 2,9 km\/s n&auml;hert. Die abzubauende Energie ist so 85% gr&ouml;&szlig;er, in etwa der Unterschied wie zwischen der R&uuml;ckkehr aus einer Erdumlaufbahn und einer Mondbahn.<\/p>\n<p>Die erste M&ouml;glichkeit mit normaler Hohmannbahn erlaubt es die Station wiederzuverwenden. In Erdn&auml;he braucht man nur eine kurze Betriebszeit von 20 Tagen um eine fast kreisf&ouml;rmige Umlaufbahn zu erreichen. Betriebt man die Triebwerke etwas l&auml;nger, so kann man eine Umlaufbahn mit einer Periode von einem Jahr erreichen welche die Erdbahn kreuzt. Diese erlaubt es nach einem Jahr die Station mit geringem Aufwand in einem Erdorbit zu parken und f&uuml;r die n&auml;chste Expedition zu verwenden. F&uuml;r die Bilanz habe ich diese M&ouml;glichkeit genommen.<\/p>\n<p>F&uuml;r die bemannte Mission sieht es so aus:<\/p>\n<table class=\"auto-style1\">\n<tbody>\n<tr>\n<th colspan=\"2\">werte f&uuml;r 4 MW Leistung<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Startmasse:<\/td>\n<td>150 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>davon Solarzellen<\/td>\n<td>26,7 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>davon Treibstoff mit Tanks<\/td>\n<td>70,1 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>davon Triebwerke und Strukturen<\/td>\n<td>15 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Nettonutzlast<\/td>\n<td>38,2 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Ankunftsgeschwindigkeit:<\/td>\n<td>7,1 km\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Flugdauer in Sonnenumlaufbahn hin<\/td>\n<td>265 Tage<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Flugdauer in Sonnenumlaufbahn zur&uuml;ck<\/td>\n<td>297 Tage<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Simulation ber&uuml;cksichtigt nicht, das sich die Masse &auml;ndern (die Kapsel landet und startet wieder vom Mars). Nun der direkte Vergleich mit dem chemischen Antrieb. Ich gehe beim Verlasen der Erde von einem LOX\/LH2 Antrieb mit einem spezifischen Impuls von 4400 und einem Voll\/Lermasseverh&auml;ltnis von 15 aus. Beim Mars soll der spezifische Impuls des nun lagerf&auml;higen Treibstoffs 3200 m\/s betragen und das Voll\/Leermasseverh&auml;ltnis 10. Die Werte beim Mars sind schlechter, weil man bisher aus Sicherheitsgr&uuml;nden auf druckgef&ouml;rderte Triebwerke setzte die nicht die hohen Leistungen und das Leergewicht von Turbopumpenaggregaten erreichen. Mit LOX\/Methan oder LOX\/Kerosin in der letzten Stufe wird es ung&uuml;nstiger. eine hochskaliere Falcon Superheavy h&auml;tte z.B. nur 37,5 Nutzlast zum Mars<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<th><\/th>\n<th>Fracht chemisch<\/th>\n<th>Habitat chemisch<\/th>\n<th>Fracht Ionenantrieb<\/th>\n<th>Habitat ionenantrieb<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Startmasse:<\/td>\n<td>150 t<\/td>\n<td>150 t<\/td>\n<td>150 t<\/td>\n<td>150 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Netto-Nutzlast<\/td>\n<td>57 t<\/td>\n<td>32,1 t<\/td>\n<td>66,3 t<\/td>\n<td>38,2 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Reisedauer<\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Zuerst einmal sieht das nicht so viel besser aus. Es gibt aber zwei Punkte zu ber&uuml;cksichtigen. Zum einen kann ich bei Ionentriebwerken Nutzlast in begrenztem Ma&szlig;e durch Verl&auml;ngerung der Reisezeit erkaufen. Daher habe ich f&uuml;r Fracht auch die Rechnung mit 1 MW Leistung gemacht. Da steigt die Nutzlast schon auf 90,4 t, mithin 50% mehr als beim chemischen Antrieb. Bei der bemannten Mission bin ich beim chemischen Antrieb davon ausgegangen dass das Habitat in einer elliptischen Marsumlaufbahn mit einem DV von 800 m\/s zur R&uuml;ckkehrbahn verbleibt. Bei den Ionentriebwerken ist dagegen das herunterspiralen miteingerechnet. W&uuml;rde man genauso vorgehen w&uuml;rde die Nutzlast beim chemischen Antrieb auf 14,2 t absinken, was indiskutabel schlecht w&auml;re. Bei einer 6 t schweren Kapsel w&uuml;rde das Ankoppeln in einem niedrigen Orbit anstatt in einem elliptischen ungef&auml;hr 14 t Gewicht bei der Startstufe einsparen. Um diesen Anteil\u00a0 w&auml;re die Ionenantriebsl&ouml;sung g&uuml;nstiger also nicht 38,2 zu 32,1 t sondern 52,2 zu 32,1 t.<\/p>\n<p>Was ist nun meine Meinung dazu? Ionenantriebe spielen ihre Vorz&uuml;ge aus, wenn der Faktor Zeit nicht so wichtig ist. Bei einer bemannten Marslandung will man die Besatzung aber m&ouml;glichst kurz nicht auf der Oberfl&auml;che eines Planeten haben. Zum einen um den Abbau an Leistungsf&auml;higkeit zu reduzieren, zum anderen um die Strahlenbelastung zu minimieren. Man wird nicht die Besatzung vor jedem noch so seltenen Sonnensturm sch&uuml;tzen k&ouml;nnen, daher wird man die Reisezeit verk&uuml;rzen wollen. Ionentriebwerke brauchen aber immer l&auml;nger als chemische Antriebe weil sie erst die Bahn &uuml;ber Wochen hinweg verl&auml;ngern m&uuml;ssen. Denkbar w&auml;ren daher Kompromisse. So k&ouml;nnte man alles was unbemannt geht mit Ionentriebwerken starten, auch das Habitat in die hohe Erdumlaufbahn. Chemisch dann nur die bemannte Mission zum Mars beschleunigen. Dort w&uuml;rde nur die Besatzung landen, der Ionenantrieb w&uuml;rde danach aktiv werden und die Umlaufbahn anheben und in eine Marsumlaufbahn einschwenken. Daf&uuml;r hat man rund eineinhalb Jahre Zeit. Die R&uuml;ckreise k&ouml;nnte man mit Ionentriebwerken machen wenn man den Trick anwendet die Bahn innerhalb der Erdbahn zu legen &#8211; dann sinkt die Reisedauer und man kompensiert so die Betriebszeit der Ionentriebwerke. In diesem Szenario ist aber keine erneute Verwendung des Habitats m&ouml;glich. Der Vorteil ist zudem vor allem gegeben wenn man nur eine Transferbahn zum Mars einschwenken will also den unbemannten Teilen der Missionen. Hier w&uuml;rde ich Ionentriebwerke einsetzen, weniger bei der bemannten Mission.<\/p>\n<p>Es gibt aber auch Ionenantriebe &#8222;im kleinen&#8220;. Das Habitat wird Solarzellen haben, um es mit Strom zu versorgen. Diese m&uuml;ssen auf den Betrieb beim Mars ausgelegt sein. Nimmt man 13 KW Leistungsbedarf bei 57 t Startmasse an, so muss man die Erde mit 30 kW verlassen. In Erdn&auml;he kann man diesen &Uuml;berschuss von 17 kW f&uuml;r Ionentriebwerke\u00a0 nutzen. So w&uuml;rde eine Beschleunigung die Reisedauer bei einer typischen Hohmann-ellipse deren Aphel 3,2 Millionen km au&szlig;erhalb der Marsbahn liegt, die Reisezeit von 223 auf 215 Tagen reduzieren. Bei der R&uuml;ckreise w&auml;ren es 250 anstatt 259 Tage, Um das Habitat in eine Erdumlaufbahn einzubremsen reichen diese geringen Leistungen nicht aus &#8211; zumindest nicht wenn man nicht Jahrzehnte warten will.<\/p>\n<p>So w&uuml;rde meine Gesamtbilanz beim kombiniert chemischen\/Ionenantrieb vergleichen mit dem reinen chemischen Antrieb aussehen:<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<th><\/th>\n<th>6 Fl&uuml;ge chemisch<\/th>\n<th>5 Fl&uuml;ge Ionenantrieb 1 MW, einer chemisch<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Startmasse:<\/td>\n<td>900 t<\/td>\n<td>150 t<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Netto-Nutzlast<\/td>\n<td>317,1 t<\/td>\n<td>504,2 t<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Man kann also etwa 60 % mehr Nutzlast transportieren oder zwei Fl&uuml;ge einsparen. Bedeutender ist, dass man unabh&auml;ngiger von Startfenstern s&auml;t. Die Frachtfl&uuml;ge m&uuml;ssen beim chemischen Antrieb beim letzten Startfenster erfolgen. Das erlaubt es zwar die Starts auf zwei Fenster zu verteilen, trotzdem wird man 3-4 Starts innerhalb des ersten Startfensters das etwa 4-6 Wochen lang ist durchf&uuml;hren m&uuml;ssen. Bei Ionentriebwerken entf&auml;llt viel Zeit auf das Hochspiralen im Erdorbit und im Sonnenorbit muss man nur kurz arbeiten. Hier kann man leicht durch die Best&uuml;ckung mit mehr Solarzellen jede Gesamtzeit einstellen die man m&ouml;chte. Man kann begrenzt durch eine schnellere solare Bahn Zeit aufholen. Die 1 MW L&ouml;sung ist z. B. bei dauerndem Betrieb schon nach 224 Tagen beim Mars anstatt 256 Tagen. Bei 4 MW w&auml;ren es sogar nur 115 Tage. So kann man die Starts auf einen Zeitraum von zwei Jahren verteilen und das entlastet die Logistik enorm. Bei Apollo konnte man zwei Saturn gleichzeitig vorbereiten und 5 Starts pro Jahr\u00a0 durchf&uuml;hren, doch daf&uuml;r waren auch &uuml;ber 10.000 Personen nur im KSC besch&auml;ftigt.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/fab622c7aa1c47d0a9d6375c18593af2\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um es vorweg zu nehmen: Der Artikel ist noch spekulativer als die sonstigen &uuml;ber Ionentriebwerke. Zum einen weil die genauen Elemente einer Marsmission nicht feststehen, zum andern weil man von einigen KW Leistung die heute f&uuml;r Antriebe verf&uuml;gbar sind auf Leistungen von Hunderten von kW bis Megawatt skaliert, ebenso sind Ionentriebwerke in der Gr&ouml;&szlig;e nicht [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[4050,321,14,433],"class_list":["post-11707","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-raumfahrt","tag-bemannte-marsmission","tag-ionentriebwerke","tag-mars","tag-marsmission","entry"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack-related-posts":[{"id":13317,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2018\/04\/04\/die-aufklaerung-des-aprilscherzes\/","url_meta":{"origin":11707,"position":0},"title":"Die Aufkl&auml;rung des Aprilscherzes","author":"Bernd Leitenberger","date":"4. April 2018","format":false,"excerpt":"So, nun komme ich wieder mal zu einem Blog. Derzeit arbeite ich noch flei\u00dfig an der Aufstiegssimulation, nun vor allem im Pflegen der alten Daten. Rund 200 Tr\u00e4ger wollen schlie\u00dflich erg\u00e4nzt werden. Anscheinend hat es keiner gemerkt: Der letzte Blog war ein Aprilscherz. Nat\u00fcrlich w\u00fcrde unsere Regierung nie auf seinen\u2026","rel":"","context":"In &quot;SpaceX&quot;","block_context":{"text":"SpaceX","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/spacex\/"},"img":{"alt_text":"","src":"\/img\/sapcex-falcons.jpg","width":350,"height":200,"srcset":"\/img\/sapcex-falcons.jpg 1x, \/img\/sapcex-falcons.jpg 1.5x, \/img\/sapcex-falcons.jpg 2x"},"classes":[]},{"id":18423,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2025\/10\/04\/die-schwere-landung-des-starships-auf-dem-mars-2\/","url_meta":{"origin":11707,"position":1},"title":"Die schwere Landung des Starships auf dem Mars (2)","author":"Bernd Leitenberger","date":"4. Oktober 2025","format":false,"excerpt":"Ich m\u00f6chte an meinen Beitrag vor einigen Tagen \u00fcber die Landung des Starships (https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/starship.shtml) auf dem Mars eingehen und sowohl auf einige Kommentare eingehen, wie auch neue Aspekte herausarbeiten. Ich habe inzwischen meine Simulation erweitert und kann einige F\u00e4lle mehr durchrechnen. Doch ich will auch vermitteln, dass man zu einer\u2026","rel":"","context":"In &quot;Raumfahrt&quot;","block_context":{"text":"Raumfahrt","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/34af58916c19453fae3b655602c04a41","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18430,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2025\/10\/06\/treibstoffgewinnung-auf-dem-mars\/","url_meta":{"origin":11707,"position":2},"title":"Treibstoffgewinnung auf dem Mars","author":"Bernd Leitenberger","date":"6. Oktober 2025","format":false,"excerpt":"Bis es eine Kolonie auf dem Mars gibt wird es sicher noch Jahrzehnte dauern, wenn \u00fcberhaupt. Ich bin jetzt 60 und glaube nicht, das ich dies noch erleben werde. Chancen g\u00e4be es f\u00fcr eine Expedition, also einen Flug zum Mars, einen Aufenthalt dort, der aus himmelsmechanischen Gr\u00fcnden etwa eineinhalb Jahre\u2026","rel":"","context":"In &quot;Chemie&quot;","block_context":{"text":"Chemie","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/chemie\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/1098a0be1f3743bcb77eed3bd08301c5","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18409,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2025\/09\/25\/die-landung-des-starships-auf-dem-mars\/","url_meta":{"origin":11707,"position":3},"title":"Die Landung des Starships auf dem Mars","author":"Bernd Leitenberger","date":"25. September 2025","format":false,"excerpt":"Es wird mal Zeit, sich mit der geplanten Marslandung des Starships zu besch\u00e4ftigen. Das tut ja anscheinend keiner au\u00dfer mir, sonst w\u00e4re anderen schon etwas aufgefallen. Die Grundproblematik ist die gleiche wie f\u00fcr Raumsonden: Der Mars hat eine extrem d\u00fcnne Atmosph\u00e4re. Deren Bodendruck liegt bei \"Normalnull\" (mangels Meeren willk\u00fcrlich festgelegt\u2026","rel":"","context":"In &quot;SpaceX&quot;","block_context":{"text":"SpaceX","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/spacex\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/0c873c0799fe4a22aedc6879d71e9a71","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18465,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2025\/11\/07\/neues-zu-artemis-blue-origin-und-spacex\/","url_meta":{"origin":11707,"position":4},"title":"Neues zu Artemis, Blue Origin und SpaceX","author":"Bernd Leitenberger","date":"7. November 2025","format":false,"excerpt":"Hallo. Ich wei\u00df, ich habe mich in den letzten Wochen etwas rar gemacht. Ich hatte zum einen viel zu tun, dann noch eine OP am Handgelenk, etwas an meinem Buch geschrieben und derzeit ist auch meine Winterdepression wieder st\u00e4rker, sodass ich lieber spiele als Artikel zu verfassen. Es hat sich\u2026","rel":"","context":"In &quot;Raumfahrt&quot;","block_context":{"text":"Raumfahrt","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/76454a00a29844c79745dc13a13341de","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18419,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2025\/10\/02\/der-neue-rekordhalter-bei-der-bemannten-raumfahrt\/","url_meta":{"origin":11707,"position":5},"title":"Der neue Rekordhalter bei der bemannten Raumfahrt","author":"Bernd Leitenberger","date":"2. Oktober 2025","format":false,"excerpt":"\u2026 ist unfreiwillig Oleg Popolow. Die Geschichte zeigt, wo Russland heute in der Raumfahrt steht. Sie beginnt am 22. September 2022. Russland f\u00fchrt seit rund sieben Monaten Krieg gegen die Ukraine und hat Tausende Gefallene, Verwundete und gefangene Soldaten zu beklagen. Um die Verluste auszugleichen, wurde an diesem Tag eine\u2026","rel":"","context":"In &quot;M\u00fcnchhausens Kolumne&quot;","block_context":{"text":"M\u00fcnchhausens Kolumne","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/satire\/muenchhausen\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/6566478af4c24587a85b9f439288056d","width":350,"height":200},"classes":[]}],"jetpack_sharing_enabled":true,"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11707","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/169"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11707"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11707\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11707"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11707"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11707"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}