{"id":118,"date":"2008-02-28T11:53:12","date_gmt":"2008-02-28T10:53:12","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/2008\/02\/28\/braucht-russland-die-angara\/"},"modified":"2008-02-28T11:53:12","modified_gmt":"2008-02-28T10:53:12","slug":"braucht-russland-die-angara","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2008\/02\/28\/braucht-russland-die-angara\/","title":{"rendered":"Braucht Russland die Angara?"},"content":{"rendered":"<p>Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion hat sich auch in Russlands Raumfahrt einiges ge&auml;ndert. Die   einschneideste &Auml;nderung war, dass nun die Ukraine und Kasachstan unabh&auml;ngige Republiken wurden.   Beide Staaten sind nicht reich, es gibt keine Bodensch&auml;tze wie in Sibirern, so versuchten beide   Devisen von Russland zu bekommen, und so steigen die Preise f&uuml;r Produkte aus diesen L&auml;ndern.   Russland wollte analog unabh&auml;ngig von den anderen Sowjetrepubliken sein und in vielen Dingen geht   dies auch, doch nicht in allen. So stammen eben Teil von Tr&auml;gerraketen aus der Ukraine, einige   sogar komplett wie dir Zyklon. Umgekehrt ist Baikonur der wichtigste Weltraumbahnhof den Russland   hat und das Starten der Raketen lie&szlig; man sich gut bezahlen.<\/p>\n<p>So gibt es seit 1990 Bestrebungen Russland unabh&auml;ngiger zu werden. Bei den Tr&auml;gerraketen setzte   man mehr auf russischen Modelle und so nahm die Starts der Zyklon und Zenit ab, die Teile von der   Ukraine enthalten. Es gab auch den Versuch mit dem neuen Kosmodrom Swobodny im fernen Osten eine   Konkurrenz zu Baikonur aufzubauen, doch mehr als einige Starts sah Swobodny nie. Das Problem des   Raketenstartplatzes ist heute weitgehend gel&ouml;st: Russland zahlt eine f&uuml;rstliche Pacht f&uuml;r das   Gel&auml;nde und Baikonur ist praktisch eine extraterritoriale Insel in der unter anderem es zwei   W&auml;hrungen und zwei Schulsysteme gibt. Ab und an gibt es &Auml;rger wenn ein Fehlstart zu der Belastung   der Steppe mit giftigem Treibstoff f&uuml;hrt, doch nach Zahlung einiger Millionen ist wieder Eitel   Sonnenschein. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Etwas anders liegt es bei den Raketen. Das Sortiment der benutzten Tr&auml;ger von Russland hat seit   1990 stark abgenommen und beschr&auml;nkt sich heute praktisch auf die Sojus und Proton. Starts der   Kosmos gab es seit Jahren nicht, die Zyklon wird nicht mehr gebaut und die Zenit fliegt praktisch   nur noch kommerziell. Seit mindestens 15 Jahre gibt es aber Pl&auml;ne f&uuml;r eine Raketenfamilie die alle   bisherigen Tr&auml;ger ersetzen soll, die Angara. Obgleich es mittlerweile gen&uuml;gend Mittel f&uuml;r die   Entwicklung gibt ist der Jungfernflug immer weiter herausgeschoben worden. Erste Tests sollten   schon 2006 beginnen, nun ist die Ree von 2009.<\/p>\n<p>Die Frage ist: Braucht Russland die Angara ? Meine Antwort: Nein. die Angara soll aus Boostern   bestehen die das RD-191 einsetzen, eine Einkammerversion des RD-171. Mehrere dieser Booster (bis zu   4) bilden die gr&ouml;&szlig;te Version. Die Zentralstufe dann nur ein Booster und die Oberstufen sollen die   schon entwickelten Triebwerke RD-124A (aus der dritten Sojus Stufe) und bei den kleineren Versionen   die Breeze-KM Stufe einsetzen. Damit kann man eine Familie mit 2-24.5 t Nutzlast schaffen.<\/p>\n<p>Auf den ersten Blick also eine gute Option, da auch eine Stufe mit fl&uuml;ssigem Wasserstoff   vorgesehen ist welche eine GTO Nutzlast von 6.6 t offeriert.<\/p>\n<p>Allerdings gibt es keinen Grund f&uuml;r die Entwicklung .Die alten Sojus und Proton Raketen sind   nicht modern, aber sie sind erprobt. Die Sojus ist zudem &auml;u&szlig;erst zuverl&auml;ssig (bei der Proton kann   man dies nicht im gleichen Ma&szlig;e sagen). Die alte Technik ist auch vergleichsweise preiswert.<\/p>\n<p>Die Zenit auf der die Angara technologisch aufbaut ist moderner, verwendet Hochdrucktriebwerke,   aber sie ist auch teurer. Schon zu Sowjetzeiten fanden nicht viele Starts mit ihr statt. Die neue   Technik ist auch nicht zuverl&auml;ssiger als die Proton. Von den bislang 61 Starts misslangen 11 &#8211;   das ist keine gute Bilanz. <\/p>\n<p>Insbesondere kann nicht die Kostenaspekt die Antriebsfeder sein. Es lohnt sich nicht f&uuml;r   Russland neue Raketen zu bauen, wenn man die gleichen Nutzlasten wie vor 20 Jahren startet. W&ouml;llte   Russland kosten sparen, so k&ouml;nnte es leicht auf seine ausgemusterten Interkontinentalraketen   zur&uuml;ckgreifen die im Westen als Rockot, Dnepr, Shtil, Volna und Start angeboten werden. Diese   wurden schon gefertigt, man m&uuml;sste nur noch die Startkosten aufbringen. <\/p>\n<p>Eine Triebfeder k&ouml;nnte der kommerzielle Transport sein. Proton und Zenit wetteifern schlie&szlig;lich   mit Ariane um kommerzielle Transporte in den GEO Orbit. Doch auch hier gilt: Eine gr&ouml;&szlig;ere Nutzlast   kann man einfacher transportieren. Die Nutzlast f&uuml;r den GRO Orbit wird begrenzt durch die   geographische Breite von Baikonur. Es liegt bei 52 Grad n&ouml;rdlicher Breite. Zum einen ist die   Geschwindigkeit die aufgebracht werden muss dort gr&ouml;&szlig;er als in &Auml;quatorn&auml;he, weil die   Erdrotationsgeschwindigkeit kleiner ist. Zum anderen muss man beim &Uuml;bergang in den endg&uuml;ltigen   Orbit diese Bahnneigung abbauen und das kostet zus&auml;tzlichen Treibstoff.<\/p>\n<p>Man kann das Problem aber auch anders l&ouml;sen. Die Zenit startet zum Beispiel von einer   umgebauten &Ouml;lbohrplattform vom &Auml;quator aus. Obwohl die Nutzlast f&uuml;r erdnahe Bahnen bei der Zenit   deutlich kleiner als bei der Proton (13.7 zu 21.6 t). Die Nutzlast im GTO Orbit aber h&ouml;her (6.1   zu 5.6 t). Dabei steigerte die Breeze Oberstufe auf der Proton diesen Wert bedeutend, da sie es   erm&ouml;glichte erst am &Auml;quator die erste Bahnanhebung durchzuf&uuml;hren. Trotz alledem bleibt das Manko   eines Startplatzes mit hoher geographischer Breite.<\/p>\n<p>Bei der Sojus f&uuml;hrte der Wechsel von Baikonur zum &auml;quatornahen Startplatz in Franz&ouml;sisch Guyana   sogar zu einer prozentual noch gr&ouml;&szlig;eren Steigerung um 50 %. W&ouml;llte Russland also eine st&auml;rkere   Kinkurrenz bilden, so w&auml;re es einfacher die Raketen nahe des &Auml;quators zu starten, von der   Nordspitze von Australien aus oder von einer S&uuml;dseeinsel. Man m&uuml;sste dann dort ein Startgel&auml;nde   aufbauen und das Gel&auml;nde anmieten. Ich glaube kaum, dass es da mehr Probleme gibt als bei einem   Sojus Start von Kourou aus oder von der &Ouml;lplattform von Sea Launch aus. Was n&ouml;tig w&auml;re, w&auml;re nur   eine diplomatische Initiative seitens Russlands. Ein m&ouml;glicher Startort w&auml;re z.B. eine zu Jemen   geh&ouml;rende Insel Sokotra die bei 12 Grad n&ouml;rdlicher Breite liegt.<\/p>\n<p>Der einzige Grund der eine neue Rakete k&ouml;nnte Kliper sein. Kliper ist deutlich schwerer als ein   Sojus Raumschiff. Er soll 13.5 t beim Start wiegen &#8211; das ist eine Nutzlast f&uuml;r eine Zenit. Die   Zenit ist aber eine Rakete deren Hersteller in der Ukraine liegt. Da man nun wieder &uuml;ber Mittel   verf&uuml;gt wird man diese nutzt&nbsp; sich unabh&auml;ngig von Kasachstan und der Ukraine sein will. Dazu   passt aber nicht, dass man die Angara von Plesetsk&nbsp; aus starten will. Zwar ist Plesetsk&nbsp;   nach Baikonur der wichtigste Weltraumbahnhof der Sowjetunion. Aber es liegt zu weit n&ouml;rdlich.   Starts sind praktisch nur in polare Umlaufbahnen m&ouml;glich. Ein Start zur ISS ist erschwert und f&uuml;r   kommerzielle Transporte ist der Standort noch viel ung&uuml;nstiger als Baikonur. So passt zu den   ganzen Angara Pl&auml;nen aber nicht das Swobodny&nbsp; nach neuesten Bekanntmachungen geschlossen   werden soll.<\/p>\n<p>Meine pers&ouml;nliche Meinung: Wir werden wohl niemals die Angara sehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion hat sich auch in Russlands Raumfahrt einiges ge&auml;ndert. Die einschneideste &Auml;nderung war, dass nun die Ukraine und Kasachstan unabh&auml;ngige Republiken wurden. 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