{"id":11806,"date":"2016-07-26T00:40:36","date_gmt":"2016-07-25T22:40:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=11806"},"modified":"2016-07-27T07:24:35","modified_gmt":"2016-07-27T05:24:35","slug":"buchkritik-die-n1-moskaus-mondrakete","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2016\/07\/26\/buchkritik-die-n1-moskaus-mondrakete\/","title":{"rendered":"Buchkritik: Die N1 Moskaus Mondrakete"},"content":{"rendered":"<p>Nach den bisherigen Erfahrungen mit Reichl, der in den B&uuml;chern die ich bisher von ihm habe jede Menge Sachfehler drin hat (bei Rechtschreibfehlern bin ich weil ich es selbst nicht perfekt hinbekomme relativ gro&szlig;z&uuml;gig), war das erste Mal, das ich mit einem Textmarker ein Buch gelesen habe und alles markiert habe was ich fachlich f&uuml;r falsch fand. Sehr bald fanden sich auf fast jeder Seite ein bis drei Markierungen. Dabei behandelt das Buch in gro&szlig;en Teilen nur Geschichte, nicht gerade das was mein Schwerpunkt ist.<\/p>\n<p>Hier ein paar Dinge aus den ersten Seiten als Beispiel f&uuml;r das ganze Buch.<\/p>\n<p>Auf S.12 wurde im Februar 1960 Kennedy Pr&auml;sident und das l&ouml;ste nach Ansicht des Autors Anfang Januar eine Versammlung aller f&uuml;rs Raumprogramm verantwortliche\u00a0 durch Chruschtschow\u00a0 zu sich um auf die erwartete Erh&ouml;hung des Weltraumetats (Lyndon B. Johnsons Position war schon vorher bekannt) zu reagieren. H&uuml;bsche Geschichte. Nur wird der Pr&auml;sident immer im Januar in einem ungeraden Jahr vereidigt, Kennedy am 20.1.1961. Das ist also ein Jahr sp&auml;ter. Im Januar 1960 war er noch nicht mal Kandidat. Das ist ein Hauptkritikpunkt an der Schreibweise von Reichl. Er verwebt Geschichten. Geschichten die stimmen, die aber nicht unbedingt etwas miteinander zu tun haben wie hier die Reaktion Chruschtschow\u00a0s auf Kennedy die gar nicht m&ouml;glich war weil Kennedy noch nicht Pr&auml;sident war. Gluschko schl&auml;gt bei dem Treffen eine Superrakete aus sieben R-9 als erste und vier als zweite Stufe vor. Das w&auml;re ein sehr ung&uuml;nstiges Stufenverh&auml;ltnis. Ich habe bei der Recherche nichts dar&uuml;ber gefunden und bei dem Schub der RD-111 Triebwerke h&auml;tte die Kombination wahrscheinlich mit Nutzlast nicht mehr abheben k&ouml;nnen.<!--more--><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Die-N1-Mondrakete-Eugen-Reichl\/dp\/3613038579\/ref=as_li_ss_il?ie=UTF8&amp;redirect=true&amp;linkCode=li3&amp;tag=berndleitenbs-21&amp;linkId=ce20f80e10a73e22084bfda2c02b9209\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;ASIN=3613038579&amp;Format=_SL250_&amp;ID=AsinImage&amp;MarketPlace=DE&amp;ServiceVersion=20070822&amp;WS=1&amp;tag=berndleitenbs-21\" border=\"0\" \/><\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" src=\"https:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=berndleitenbs-21&amp;l=li3&amp;o=3&amp;a=3613038579\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" \/>Auf S-16 explodierte bei einem Start einer Marssonde (mit der Molnija) das RD-108 Triebwerk der vierten Stufe. Dummerweise ist das RD-108 aber nicht in der vierten Stufe sondern der Zentralstufe der R-7. Auf S.17 meint der Autor, dass Hydrazin und NTO die Neddelinkatastrophe verursacht h&auml;tten &#8222;ein Unfall dieser Art sich nie ereignen k&ouml;nnen&#8220;. Tja meinen kann man viel. Die NASA meinte NTO\/Hydrazin w&auml;ren so sicher. dass man bei Gemini keinen Fluchtturm braucht den alle anderen Raketen mit LOX\/Kerosin haben, auch sowjetische und auch die SLS und Falcon 9. Gerade das sich zwei Stoffe bei Kontakt entz&uuml;nden ist ja der Vorteil: es gibt keine explosiven Gemische die viel schlimmer als eine gleichm&auml;&szlig;ige Verbrennung sind. Das wenn es zu einem Brand bei einer Rakete mit &uuml;ber 100 t Treibstoff kommt, alle die in der N&auml;he arbeiten tot sind ist allerdings in jedem Falle gegeben. Nur w&auml;re bei LOX\/Kerosin wahrscheinlich durch die Explosion noch die Startanlage und einiges im weiteren Umkreis hin&uuml;ber. Daes Thema der &#8222;hochtoxischen&#8220; Kombination kommt dann noch ein paar Mal vor. Reichl hat hier wohl die Ausf&uuml;hrungen seiner Vorlage &uuml;bernommen, aber in diesem Falle keine eigene Meinung eingebracht. Tatsache ist das Hydrazine toxisch, aber nicht hochtoxisch sind. Das kann man anhand der Sicheitsdatenbl&auml;ttern nachpr&uuml;fen. NTO ist &auml;tzend. De Fakto sind 200 t eines Stoffes immer gef&auml;hrlich, man kann auch von 200 t Wasser erschlagen werden. Kerosin, das nach Reichls Ansicht harmlos ist, wird f&uuml;r Flammenwerfer und Napalm verwendet. Er bemerkt seine Fehler nicht einmal wenn er vom Fehlstart der zweiten N-1 mit den (nun ja so harmlosen Treibstoffen) schreibt und den Sch&auml;den die die Explosion angerichtet wurden. Da sollte ihm eigentlich klar werden dass jede Rakete mit viel Treibstoff gef&auml;hrlich ist. Schlie&szlig;lich kamen bei der Explosion einer VLS (und Feststofftriebstoff gilt vergleichen mit LOX\/Kerosin nun wirklich harmlos) ja auch fast 30 Personen ums Leben. Weiter hinten schreibt er dass bei der Explosion der N1 direkt &uuml;ber der Startplattform die Steppe kilometerweit mit toten Tieren &uuml;bers&auml;t w&auml;re. Doch zu denken gibt ihm das nicht. Es gibt eben hochtoxische Treibstoffe und harmlose Treibstoffe und damit Basta. Im Allgemeinen zieht sich ein Schwarz-Wei&szlig; Gegensatz (meist durch Vergleich untermauert) durch das ganze Buch. Reichl hat seine Meinung und die vermittelt er neben den Tatsachen.<\/p>\n<p>W&auml;hrend hier Reichl die Argumentation seiner Vorlagen &uuml;bernimmt steigert er ansonsten gerne. Er benutzt Adjektive um Dramatik hineinzubringen &#8222;knochenbrecherische 10g&#8220;, offensichtlich reicht die 10 g Angabe nicht aus. Viel h&auml;ufiger aber verziert er Tatsachen mit eigenen Nebens&auml;tzen. &Uuml;ber die R-9 schreibt er nach den Tatsachen dass die Rakete sehr unzuverl&auml;ssig in Tests war &#8222;Ihr ruf als schwarzes Schaf der Truppe war damit besiegelt&#8220; &#8230; (nach Ausmusterungsbeschluss) &#8222;opferten sie mit gro&szlig;z&uuml;giger Geste ihre 27-Einsatz-einheiten dieser Rakete und waren in Wirklichkeit heilfroh sie endlich losgeworden zu sein&#8220;. Die &Uuml;bertreibungen und Einsch&uuml;be um Dramatik reinzubringen sind auch eine Hauptursache f&uuml;r die vielen Grammatikfehler, denn dadurch ergeben sich oft schwer zu lesende Schachtels&auml;tze.<\/p>\n<p>Ab und zu versteigt er sich auch. So spekuliert er um eine Vertuschung von Operationsfehlern bei Koroljows Tod und zweifelt an der Diagnose, dass er, nachdem man einen faustgro&szlig;en blutenden Tumor der bis in das Becken hineinwuchs, innerhalb weniger Monate eh an Krebs gestorben w&auml;re. Auch ohne Arzt zu sein, w&uuml;rde ich dies bei einem faustgro&szlig;en schon ins umliegende Gewebe sich ausbreitenden Tumor, aber doch als wahrscheinlich annehmen. Aber das w&auml;re wohl nicht spannend genug.<\/p>\n<p>Ebenso kennt Reichl offenbar die Seelenbefindlichkeiten der beteiligten Personen inklusive Koroljows. Er beschriebt nicht nur dessen Entscheidungen, sondern gibt auch gleich einen Grund daf&uuml;r. Diese h&auml;tten seinem &#8222;Ego entsprochen&#8220;, sonst w&auml;re er nicht mehr die Nummer 1 gewesen etc.\u00a0 Ich bin mir sicher, das dies so nicht in den Quellen steht. Ich habe solche Autobiografien schon gelesen und in allen wird nie &uuml;ber pers&ouml;nliche Befindlichkeiten der Hauptpersonen geschrieben. Eine eigene Meinung hat jeder. Wenn man seine Autobiographie ver&ouml;ffentlicht, eine der Hauptquellen f&uuml;r Reichl, steht die nat&uuml;rlich drin. In einem Sachbuch erwarte ich aber keine eigene Meinung, zumindest halte ich es bei meinen B&uuml;chern so. Wenn ich meine sie einbringen zu m&uuml;ssen dann mache ich es in einem eigenen Kapitel oder Abschnitt. Sie hier einfach in den Text zu integrieren halte ich f&uuml;r &auml;u&szlig;erst unprofessionell. Nach eigener Aussage auf seinem Blog will er die Sehnsucht an der Raumfahrt wecken. Nach dem Studium mehrerer seiner B&uuml;cher die voll vor solchen pers&ouml;nlichen Urteilen sind (und es werden eher im Laufe der Zeit mehr) scheint er Raumfahrt selbst nicht f&uuml;r interessant genug zu halten, sonst m&uuml;sste er sie sie noch mit &Uuml;bertreibungen und pers&ouml;nlichen Einsch&auml;tzungen ausschm&uuml;cken.<\/p>\n<p>Schwer zu lesen ist es auch, weil Reichl sich keine M&uuml;he gemacht hat die im Deutschen &uuml;blichen Bezeichnungen zumindest in Klammern zu setzen, damit man wei&szlig; von was die Rede ist. Ich nehme mal an selbst unter den technisch vorgebildeten Lesern werden die meisten nicht &#8222;8K72&#8220; und &#8222;8K78&#8220; den deutschen Namen der Tr&auml;gerraketen zuordnen k&ouml;nnen. Dazu geh&ouml;ren auch 1:1 &Uuml;bersetzungen aus dem Englischen wie oben die &#8222;Einsatz-einheiten&#8220;. So etwas sollte einem &#8222;ausgewiesenen Fachmann&#8220; (Eigenwerbung Reichl) nicht passieren. So bemerkt er nach zwei Lexika &uuml;ber Tr&auml;gerraketen auch nicht das in Russland viele Triebwerke mit &#8222;RD-&#8220; anfangen und postuliert ein &#8222;RK-858&#8220; als Triebwerk f&uuml;r den Mondlander. Den dicksten Fisch, das Telemetriesystem das 9,6 Gigabyte pro Sekunde transferiert haben soll, habe ich ja schon als Aufh&auml;nger f&uuml;r eine <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2016\/07\/24\/erste-regel-fuer-den-notfall-am-computer-null-emotionen\/\" target=\"_blank\">M&uuml;nchhausen-Geschichte<\/a> genommen. Nach kurzem Quercheck bei Rockets und People wo 5 Parameter pro Triebwerk genannt werden und der Zeitablauf der Ausfall der Triebwerke genau skizziert wird w&uuml;rde ich 320 Kan&auml;le deren Daten 500-mal pro Sekunde &uuml;bertragen werden (immerhin noch enorm viel f&uuml;r die damalige Zeit) annehmen, das w&auml;ren bei 6 Bit\/Wert dann 960 Kbit\/s, also 1\/80.000 des Wertes von Reichl, aber in den Sechzigern wenigstens speicherbar. Wie jemand einen so dicken Fehler produzieren kann (die Bezeichnung als &#8222;Mirakel der sechziger Jahre&#8220; spricht auch noch daf&uuml;r dass er dem Wert glaubt!) ist mir unverst&auml;ndlich. Die Summe und Art der Fehler spricht f&uuml;r mich daf&uuml;r, dass der Autor keinerlei Hintergrundverst&auml;ndnis hat, um zu beurteilen was er schreibt, daf&uuml;r sind sie einfach zu auff&auml;llig.<\/p>\n<p>Besonders geh&auml;uft in allen Reichl-B&uuml;chern sind Fehler bei Zahlen. Vielleicht sieht er sie als Betriebswirt, sein erlernter Beruf, als austauschbar an. Sie sind aber wichtig. Dabei gibt es nicht so viele Zahlen in seinen B&uuml;chern. Das Buch &uuml;ber die N-1 hat z.B. nur drei Tabellen. Zahlen sind t&uuml;ckisch. Ich kenne das: Tabellen &uuml;berspringt man gerne bei der Korrektur, da meckert auch nicht die Rechtschreibpr&uuml;fung. Man kann auch nicht alle Werte von Triebwerken auswendig kennen und &uuml;bersieht leicht Zahlendreher oder Vertipper. Doch bei Reichl f&auml;llt nicht nur die H&auml;ufung auf, es sind Fehler die m&uuml;ssten beim ersten Korrekturlesen auffallen wie das obige Datum (1960 statt 1961), Triebwerksbezeichnungen mit Fehlern (RD-108 anstatt S1.5400, RD-38 anstatt RD-58). Viele sind nicht durch Tippfehler erkl&auml;rbar, z.B. ist das Viertstufentriebwerk der Molnija eben kein RD-108 sondern ein S1.5400. Die H&auml;ufung weist auf einen Mangel an Sachkenntnis hin. Vergleiche sollen wohl wenn Zahlen nicht ausreichen die Herausforderung unterstreichen. So vergleicht Reichl die Masse des Mondlanders mit dem von Apollo &#8211; der ist &uuml;ber doppelt so schwer. Das klingt zuerst nach einer enormen Herausforderung dann noch gen&uuml;gend Masse f&uuml;r die Kabine zu haben. Doch schon eine halbe Seite sp&auml;ter erf&auml;hrt man das beim russischen Mondprojekt Block D den Gro&szlig;teil der Abbremsung durchf&uuml;hrt, auf den Treibstoff entfiel aber auch beim US-Pendant die meiste Masse Um die Herausforderung bei den Triebwerken drastischer zu machen vergleicht er die Brennkammerdr&uuml;cke der Hauptstromtriebwerke RS 260\/253\/NK-33\/43 mit denen des Vulcain &#8211; das arbeitet aber mit dem Nebenstromverfahren bei dem bei so hohen Dr&uuml;cken die Leistung wieder deutlich absinken w&uuml;rde, weil das Verfahren nicht nutzbares Gas f&uuml;r den Druckaufbau braucht. So etwas sollte einem Fachmann nicht passieren.<\/p>\n<p>Nach der Kritik nun etwas mehr zum Inhalt. Der Titel f&uuml;hrt ein wenig in die Irre. Es geht nicht nur um die N-1 Das Buch umfasst vielmehr das ganze bemannte Raumfahrtprogramm der Sowjets, etwa beginnend ab 1960. Mit der Entwicklung der N-1 ging es ja erst mehrere Jahre sp&auml;ter los. Das liegt wohl an der Hauptquelle f&uuml;r Reichl, dem vierb&auml;ndigen Werk von Boris Tschertok, das in Englisch unter dem Titel &#8222;Rockets and People&#8220; erschienen ist. Es ist eine Geschichte des der russischen Raumfahrt aus autobiographischer Sicht. Diese Sicht hat Reichl weitestgehend &uuml;bernommen und gibt sie wieder. Fakten technischer Art hat er wohl von Siddiqi, Asif A &uuml;bernommen der zwei B&uuml;cher &uuml;ber das sowjetische Mondrennen geschrieben hat. Alle sind &uuml;brigens kostenlos von der NASA herunterladbar.<\/p>\n<p>Das Buch erf&auml;hrt in der Sprache einen j&auml;hen Bruch: ab S.128 wechselt der Ton vom schwafeligen und ausschm&uuml;ckenden in einen anderen, pr&auml;gnant, auf technische Daten konzentriert. Es war der Teil, den ich nach den bisherigen Erfahrungen mit Reichls B&uuml;chern als erste aufgeschlagen habe, neben mit eine Ausgabe meines eigenen Buchs &uuml;ber Tr&auml;gerraketen. Und siehe da, die gleiche Vorgehensweise wie schon in den beiden anderen B&uuml;chern &uuml;ber Raketen die von ihm habe: er hat meinen Text &uuml;bernommen. Anders als Gutenberg stellt er die S&auml;tze etwas um sodass sie nicht w&ouml;rtlich identisch sind, aber die Arbeit h&auml;lt sich in Grenzen. Ich vermute das gilt auch f&uuml;r den Rest des Buches. Das w&uuml;rde das &Uuml;bernehmen der Argumente Korolojows ohne Diskussion erkl&auml;ren sowie die 1:1 &Uuml;bersetzungen. Das pikante dabei: er &uuml;bernimmt sogar Fehler von mir ohne sie in Frage zu stellen. Ich (hatte) auf meiner N-1 Seite die maximale F&uuml;llmenge des Erststufen-LOX-Tanks mit 1.375 t angegeben bei 1.100 m\u00b3 Volumen. Reichl schreibt die F&uuml;llung betr&uuml;ge aber nur 1.250 t. Keine Ahnung wie ich auf die 1.375 t gekommen bin, wahrscheinlich Rechenfehler oder Tippfehler, aber bei der spezifischen Dichte von 1,141 passen maximal 1255,2 t in den 1100 m\u00b3 gro&szlig;en Tank. Eine Google Recherche nach &#8222;N-1 Block-A 1375&#8220; liefert dann auch genau einen Treffer: den meiner Webseite. Sch&ouml;ner kann man Plagiate nicht mehr nachweisen.<\/p>\n<p>Das zeigt leider wie meiner Meinung nach Reichl seine B&uuml;cher erstellt. Er &uuml;bernimmt existierende Quellen, liest ein paar S&auml;tze, schreibt die S&auml;tze etwas um und erg&auml;nzt um eigene meistens wichtende Formulierungen, die den sonst trockenen Text wohl dramatischer klingen lassen sollen. Dabei macht er wirklich viele Fehler. Nun sind fast alle Raumfahrtautoren Assemblier in der Hinsicht, dass nur wenige Zugang zu Archiven haben oder Zeitzeugen direkt befragen k&ouml;nnen. Meine B&uuml;cher entstehen ja auch durch Recherche. Aber die Kunst liegt meiner Ansicht nach darin die Fakten nehmen und nicht einfach die anderen B&uuml;cher nachzuerz&auml;hlen oder einzuk&uuml;rzen. So etwas w&uuml;rde bei den Aufs&auml;tzen die ich in der Hauptschule noch machen musste wohl eine ganz schlechte Note ergeben um so schlimmer wenn man mit der Vorgehensweise B&uuml;cher publiziert.<\/p>\n<p>Zum Inhalt selbst. 144 Seiten &uuml;ber die N-1 kann man schreiben, vor allem wenn das Format eher klein ist und Bilder knapp die H&auml;lfte davon ausmachen. Reichl hat aber kein Buch &uuml;ber die N-1 geschrieben. er hat ein Buch geschrieben &uuml;ber das russische Mondprogramm beginnend ab etwa 1959 (obwohl die N-1 erst vier Jahre sp&auml;ter Gestalt annahm) mit einem Schwerpunkt auf der N-1. Das hei&szlig;t es ist vorwiegend ein Geschichtsbuch. Man erf&auml;hrt relativ wenig &uuml;ber die Technik, sehr viel &uuml;ber die Projektgeschichte. Ich habe irgendwann einmal den Faden verloren wer nun gerade mal das Politb&uuml;ro &uuml;berzeugt hat. Der ganze erste Teil liest sich wie eine Dauerauseinandersetzung zwischen den Chefkonstrukteuren um die Unterst&uuml;tzung der politischen F&uuml;hrung. Geschichtlich sicher h&ouml;chst interessant, f&uuml;r mich nun eher nicht mein Interessensgebiet. Da dieser Teil auch zahlreiche Redundanzen beinhaltet so wird mindestens dreimal auf je einer halben Seite das russische System skizziert und dessen M&auml;ngel verglichen mit der straffen NASA-Organisation w&auml;re mir lieber gewesen mehr &uuml;ber die N-1 zu erfahren oder es noch etwas mehr zu k&uuml;rzen und auch mehr &uuml;ber den Mondlandekomplex zu schrieben, der in wenigen Seiten abgehandelt wird. Dazwischen gibt es Einsch&uuml;be &uuml;ber die Technik der N-1 und den Ablauf der Mondlandung. Relativ kurz weggekommen ist die Entwicklung der N-1 man erf&auml;hrt zwar einiges &uuml;ber Modelle und Investitionen, doch nur wenig wo es Probleme bei der Entwicklung gab und wie diese verlief. Kurz nach dem Beschluss &uuml;ber die Entwicklung geht es dann auch schon mit den Testfl&uuml;gen los. Die Konzepte der Konkurrenz Modelle die Gluschko und Tschelomei skizzierten fehlen komplett.<\/p>\n<p>F&uuml;r wen ist das Buch und f&uuml;r wen ist es nichts? Das Buch ist sicherlich etwas f&uuml;r alle die sich f&uuml;r Raumfahrtgeschichte interessieren. Alle Alternativen gibt es nur auf Englisch und sie durchzulesen dauert schon wegen des Umfangs deutlich l&auml;nger, zudem gibt es keines das sich nur mit der N-1 besch&auml;ftigt. Die meisten haben eine umfangreichere Sicht auf das russische Weltraumprogramm.<\/p>\n<p>Mit weniger technischen Daten als den B&uuml;chern &uuml;ber Raketen, die ich schon von ihm habe, sind die Fehler deutlich weniger geworden. Es gibt nun nicht mehr einen pro zwei Seiten sondern gef&uuml;hlt einen auf 10 Seiten.<\/p>\n<p>Mit der wertenden Sprache und der fehlenden Tiefe &#8211; es wird nur erz&auml;hlt, nur wenig erkl&auml;rt, eignet sich das Buch am besten f&uuml;r Einsteiger, allerdings nicht absolute Einsteiger den Fachbegriffe werden verwendet aber nicht erkl&auml;rt.<\/p>\n<p>Das Buch ist nichts f&uuml;r die die sich mehr f&uuml;r die Technik der N-1 besch&auml;ftigt. Sie kommt definitiv zu kurz. F&uuml;r mich (und auch Basis meiner Erl&auml;uterungen zur N-1) ist nach wie vor der Band N-1 Herkules von Przybilski \/ Wotzlaw aus dem Jahre 1996 der Standard. Der Informationsgehalt ist um eine Gr&ouml;&szlig;enordnung besser, es ist fachlich korrekt und mit einem, Vorwort von W.P, Mischin offiziell abgesegnet. Man muss zudem die wertende Schreibweise des Autors, die nicht zu einem Sachbuch passt, m&ouml;gen. Ich glaube aber selbst dieses Publikum w&uuml;rde sich &uuml;ber weniger Fachfehler freuen. Zumindest sie w&uuml;rden sich leicht durch einen fachkundigen Korrekturleser vermeiden lassen. Da Herr Reichl bei dem gr&ouml;&szlig;ten europ&auml;ischen Luft- &amp; Raumfahrtkonzern arbeitet f&auml;llt es einem schwer zu glauben, dass er im gesamten Betrieb niemand findet, der sein Manuskript zumindest auf Fachfehler durchforstet. Unverst&auml;ndlich warum er darauf verzichtet. Die Grammatikfehler und Schachtels&auml;tze sind eine andere Baustelle. Sie sind sein Stil und wie ich selbst weis, nur schwer auszumerzen. Damit wird der Leser (wie bei mir) wohl leben m&uuml;ssen.<\/p>\n<p>Was gibt es an Alternativen? Man kann seine Quellen lesen, so &#8222;Rockets and People&#8220;, vor allem Band 4, schon alleine der ist aber dreimal so umfangriech. Dazu noch Challenge to Apollo von Asif Siddiq. Wer es noch gebraucht erhalten, kann f&uuml;r den ist &#8222;N-1 Herkules&#8220;,&#8220;Entwicklung und Absturz einer Tr&auml;gerrakete&#8220; sicher auch eine Alternative, vor allem wenn man mehr Wert auf Technische Ausf&uuml;hrungen Wert legt. Es behandelt aber auch das Thema Mondmissionen umfangreicher und geht mehr auf die Vorentwicklungen ein. Zusammen mit denen auf die Geschichte fokussierten Monografien kommt man zu einem umfangreichen Bild &#8211; aber muss auch sechsmal so viel lesen wie bei diesem Kurzband.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/5d4a1dd3ef6548cc8beb4e17e5a239af\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach den bisherigen Erfahrungen mit Reichl, der in den B&uuml;chern die ich bisher von ihm habe jede Menge Sachfehler drin hat (bei Rechtschreibfehlern bin ich weil ich es selbst nicht perfekt hinbekomme relativ gro&szlig;z&uuml;gig), war das erste Mal, das ich mit einem Textmarker ein Buch gelesen habe und alles markiert habe was ich fachlich f&uuml;r [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1884],"tags":[930,4075],"class_list":["post-11806","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchkritiken","tag-eugen-reichl","tag-n1","entry"],"a3_pvc":{"activated":false,"total_views":1066,"today_views":0},"jetpack_featured_media_url":"","jetpack-related-posts":[{"id":18539,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/02\/24\/die-thor-delta-entwicklung-kompakt\/","url_meta":{"origin":11806,"position":0},"title":"Die Thor-Delta Entwicklung &#8211; kompakt","author":"Bernd Leitenberger","date":"24. 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