{"id":11834,"date":"2016-07-31T00:24:08","date_gmt":"2016-07-30T22:24:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=11834"},"modified":"2016-07-29T10:34:29","modified_gmt":"2016-07-29T08:34:29","slug":"money-its-a-gas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2016\/07\/31\/money-its-a-gas\/","title":{"rendered":"Money, it&#8217;s a gas"},"content":{"rendered":"<p>Otto Piffel: &#8222;Ich werde dort gebraucht ich bin Raketen Techniker!&#8220;<\/p>\n<p>Ex-Kommissar: &#8222;Ah, das ist eine Sache wo wir sind weit voraus Amerika. In Cape Canaveral wenn geht falsch Rakete sie dr&uuml;cken auf einen Knopf und Pow &#8211; futsch geht Rakete. Aber in Russland haben zwei Kn&ouml;pfe.&#8220;<\/p>\n<p>Otto Piffel: Zwei?&#8220;<\/p>\n<p>Ex-Kommissar: &#8222;Einen zu sprengen Rakete und einen zu sprengen Spezialist!&#8220;<\/p>\n<p>Ja in Russland ist alles irgendwie besser und doppelt vorhanden. An diese Stelle aus dem Film Eins-Zwei-Drei musste ich denken, als mir das Thema f&uuml;r den heutigen Blog durch den Kopf ging. Es geht um das russische Mondprogramm. Ich bin daran erinnert worden als ich das Buch von Reichl &uuml;ber die N-1 gelesen habe.<!--more--><\/p>\n<p>Russland hatte in der Tat mehrere Mondprogramme n&auml;mlich:<\/p>\n<ul>\n<li>L1: bemannte Mondumrundungen<\/li>\n<li>L2: Unbemannte Mondorbiter und Mondlander zur Vorbereitung der bemannten Mondlandung<\/li>\n<li>L3: Bemannte Mondlandung<\/li>\n<li>L4:bemannte lunare Orbiter<\/li>\n<li>L5: Bemannte Mondrover<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das klingt zuerst einmal ambitioniert. Doch wenn man es im historischen Kontext sieht, kann man auch f&uuml;r die USA eine solche Liste machen:<\/p>\n<ul>\n<li>Monderkundung durch Aufschlagssonden (<a href=\"ranger.shtml\">Ranger<\/a>)<\/li>\n<li>Zweimannmissionen im Erdorbit mit Erprobung der Kopplungstechnik und &uuml;ber die Zeitdauer einer Mondmission<\/li>\n<li>Kartierung der Landepl&auml;tze mit <a href=\"\/lunar-orbiter.shtml\">Lunar Orbiter<\/a><\/li>\n<li>Unbemannte Mondlandung zur Untersuchung der Landung, des Mondbodens und Aufnahmen der Mondoberfl&auml;che (Surveyor)<\/li>\n<li>Bemannte Mondlandung (Apollo)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der wesentliche Unterschied ist das das amerikanische Programm mit der Mondlandung endete, also keine bemanten Mondorbiter (heute w&uuml;rde man Mondraumstationen) geplant waren und auch keine Rover. Allerdings gab es auch das im Kleinen. Das Mondauto, das ab Apollo 15 mitgef&uuml;hrt wurde kann man als Rover&#8220; bezeichnen und es war auch mal an eine Mondorbitmission gedacht, die nur den Mond aus dem Orbit mit Kameras und anderen Instrumenten erkunden sollte (<a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2010\/04\/18\/die-apollo-i-missionen\/\">Apollo I<\/a>). So gesehen gibt es eigentlich nur den Unterschied das im Apolloprogramm keine Mondumrundung geplant war. Aber so ganz stimmt das auch nicht: Nach der Erdorbiterprobung von Apollo mit Apollo 7 wurde f&uuml;r Apollo 8 tats&auml;chlich diskutiert ob diese nicht eine Mondumrundungsmission sein sollte. Man entschied sich dagegen. Die Mission w&uuml;rde fast gleich lange dauert. In einer Mondumlaufbahn w&auml;re zum einen der PR-Effekt viel gr&ouml;&szlig;er, zum anderen konnten die Astronauten mit ihren Handkameras die Landepl&auml;tze &uuml;berfliegen und fotografieren und man h&auml;tte das SPS-Triebwerk getestet, das in die Umlaufbahn einbremsen sollte und ben&ouml;tigt wurde ums ei wieder zu verlassen. So finden wir eigentlich alle Elemente von L1 bis L5 auch im amerikanischen Programm.<\/p>\n<p>Doch es gibt zwei entscheidende Unterschiede. Der erste und wichtigste ist der Zeitpunkt. Der offizielle Startschuss f&uuml;r Apollo fand mit Kennedys Rede statt. Noch 1961 wurden die Ausschreibungen f&uuml;r die Komponenten von Apollo gestartet und die meisten Auftr&auml;ge Anfang 1962 vergeben. Ranger lief damals schon als Programm. Lunar Orbiter war damals schon in der Definitionsphase und <a href=\"surveyor.shtml\">Surveyor<\/a> folgte 1962. Gemini war ebenfalls schon beschlossen, bekam aber die neue Zielsetzung als Apollo-Vorbereitungsprogramm. Vorher sollte es einfach nur zwei Astronauten in den Orbit bringen und eine l&auml;ngere Flugzeit als Mercury erm&ouml;glichen, nachdem schon die zweite Wostokmission die maximale Missionsdauer von Mercury &uuml;berboten hatte.<\/p>\n<p>1962\/63 waren so alle zu Apollo geh&ouml;renden Projekte gestartet oder schon im fortgeschrittenen Stadium. Dagegen ist der Projektplan datiert vom 23.9.1863. Wohlgemerkt nur der Plan. Das musste noch ausgearbeitet werden und es musste genehmigt werden. Man hat also Zeit verloren. Die<a href=\"\/hercules.shtml\"> N-1<\/a> die man f&uuml;r die Mondfl&uuml;ge brauchte wurde zwar schon seit Ende der F&uuml;nfziger Jahre geplant, jedoch ohne konkrete technische Auslegung. Die fand erst statt als man am 3.8.1964 den Bau genehmigte und auch hier &#8222;haben drei Raketen. Eine zum Fliegen zum Mond, zwei zum Verpulvern von Geld&#8220; wurden zwei weitere Mondraketen, die R -56 und UR-700 in Auftrag gegeben, es k&ouml;nnte ja sein, dass die N1 scheitert, dann h&auml;tte man immer noch zwei weitere Raketen gehabt. Erst 1966\/67 wurden die R-56 und UR-700 eingestellt. Die N1 wurde sp&auml;ter noch substanziell modifiziert, denn die 1964 genehmigte Version hatte eine Startmasse von 2.200 t und eine Nutzlast von 75 t. Die geflogene dagegen eine Startmasse von 2.700 t und eine Nutzlast von etwa 90 bis 95 t.<\/p>\n<p>Trotzdem erscheinen auf den ersten Blick L1 und L2 als folgenrichtige Vorbereitungsprogramme. Doch das waren sie nicht. L1 sollte mit der Proton starten. Doch deren Nutzlast war rund f&uuml;nfmal kleiner als die der N1. Das war zu wenig. Man konnte nicht einfach die Sojus die f&uuml;r das L3 Programm nehmen, den Treibstoff weglassen und sie zum Mond schicken. Sie war daf&uuml;r zu schwer. Also baute man eine zweite, leichtere Version, die man auf eine Mondumrundung schicken konnte (f&uuml;r Erdorbitmissionen, die sp&auml;ter die Sojus durchf&uuml;hren sollte, entstand noch eine dritte Version). Das band auch zus&auml;tzliche Ressourcen. Das L1 Programm scheiterte an zwei Punkten. Das eine war der Zeitplan. Das L1-Programm begann wie L3 zu sp&auml;t, sodass man erst am 27.9.1967 der erste Start stattfand. Zu dem Zeitpunkt hatten die USA schon Lunar Orbiter abgeschlossen und h&auml;tte es nicht den Brand an Bord von Apollo 1 gegeben, w&auml;re auch die erste Mondmission von Apollo vor dem Start gestanden. So bestand noch eine Chance die USA zu schlagen auch wenn die Mondumrundung wissenschaftlich und als Vorbereitungsmission der Mondlandung weitestgehend wertlos ist. Nun machte die Proton einen Strich durch die Rechnung. Die ersten Exemplare der Proton hatten eine erschrecklich niedrige Zuverl&auml;ssigkeit. Von den ersten 18 Starts der Proton-K scheiterten nicht weniger als 13. Da man einige unbemannte Fl&uuml;ge erfolgreich absolvieren wollte, bevor man bemannt startet verlor man so Zeit. Erst 1970 steigerte sich die Zuverl&auml;ssigkeit der Proton nachdem man die Tr&auml;gerrakete einem genauen Review unterzog. Da war Apollo 12 schon gelandet. Auch die unter der Bezeichnung Zond 4-8 gestarteten Kapseln versagten teilweise. So fiel das Fallschirmsystem aus oder entwich der Kabinen druck. Am 20.101.1970 wurde mit <a href=\"\/zond.shtml\">Zond<\/a> 8 das Programm beendet. Von 14 Starts waren nur 4 Sonden &uuml;berhaupt auf eine Mondtransferbahn gelangt. Nur eine war voll erfolgreich.<\/p>\n<p>Auch L2 erscheint als Vorbereitungsprogramm. Dazu kam es aber nicht. Die fr&uuml;hen Mondsonden <a href=\"\/luna.shtml\">Luna<\/a> 1-15 waren vornehmlich konstruiert worden um Erstleistungen zu erbringen. Die gro&szlig;e Zahl t&auml;uscht &uuml;ber die wahren Erfolge hinweg. So waren Luna 4-9 Landeversuche von denen nur der letzte klappte. Ein zweites Exemplar wurde dann unter der Berechnung Luna 13 gelandet. Luna 10-14 waren umgebaute Landesonden die anstatt dem Lander eine Instrumentensektion trugen. Sie k&ouml;nnen aber nicht mit den US-Sonden verglichen werden. Die Sonden waren nur batteriebetrieben und machten wenige Fotos mit einer Aufl&ouml;sung von 15 bis 20 m. Damit konnte man die Fotos nicht nutzen, um Landepl&auml;tze zu finden. Das sollten nun die Kosmonauten im Mondorbit kurz vor der Landung selbst tun. Diese ersten Sonden geh&ouml;rten noch nicht zu L2. Die nun als L2-Sonden geplanten Sonden wurden als man sah, das man im R&uuml;ckstand war neu geplant. Hauptziel war es automatisiert Bodenproben zu entnehmen, darauf entfielen die meisten Sonden. Es diente als Alibiprogramm, denn sp&auml;ter beteuerte Russland immer, das man nie ein bemanntes Mondprogramm habe und die unbemannte Bergung nur einen Bruchteil der Apollomissionen koste, so nach dem Motto: Die dummem USA verballern die Kohle und wir machen das intelligent und preiswert unbemannt. Einige Sonden wurden zum Mitf&uuml;hren eines Rovers (Lunochods) und als schwere Orbiter umger&uuml;stet. So wurde aus dem L2-Vorbereitungsprogramm ein L3 Konkurrenzprogramm, denn viel mehr als Bodenproben sammeln sollten auch die Kosmonauten nicht tun. Das Mondprogramm war schon mit der hei&szlig;en Nadel gestrickt. F&uuml;r Experimente gab es keinen platz und es gab auch kein Budget. L2 war, auch wenn einige Sonden bei Fehlstarts verloren gingen und nicht jede Landung klappte ein Erfolg, dreimal gelang es Bodenproben zu gewinnen und zwei Rover waren &uuml;ber Monate auf dem Mond unterwegs und legten bis zu 37 km zur&uuml;ck.<\/p>\n<p>Das Mondprogramm L3 selbst scheiterte schon nach sp&auml;testens 108 Sekunden. Das ist die l&auml;ngste Zeit die eine N1 nach dem Abheben funktionierte. Selbst wenn die N1 den Erdorbit erreicht h&auml;tte, gab es noch gen&uuml;gend was qualifiziert werden musste. Die beiden oberen Stufen f&uuml;r das Verlassen der Erdumlaufbahn, Einbremsen in die Mondumlaufbahn und der Start der Landung auf dem Mond. Die Sojus in der LOK Konfiguration, der Mondlander der in 2-4 km H&ouml;he sich von der letzten Stufe trennen sollte und erst jetzt sein Triebwerk einschalten sollte. Das alles h&auml;tte etliche unbemannte Tests erfordert und so hat man das Programm folgerichtig 1974 eingestellt. Zu dem Zeitpunkt lag die letzte bemannte Mondlandung der USA schon mehr als ein Jahr zur&uuml;ck.<\/p>\n<p>Manchmal ist eben weniger doch mehr.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/61f6275dc18343b0bf9d9edd5f48acd3\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Otto Piffel: &#8222;Ich werde dort gebraucht ich bin Raketen Techniker!&#8220; Ex-Kommissar: &#8222;Ah, das ist eine Sache wo wir sind weit voraus Amerika. In Cape Canaveral wenn geht falsch Rakete sie dr&uuml;cken auf einen Knopf und Pow &#8211; futsch geht Rakete. 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