{"id":1184,"date":"2009-06-06T16:47:14","date_gmt":"2009-06-06T14:47:14","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=1184"},"modified":"2009-06-06T16:47:39","modified_gmt":"2009-06-06T14:47:39","slug":"warum-bewirbt-sich-nicht-die-nasa-beim-lunar-x-price","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2009\/06\/06\/warum-bewirbt-sich-nicht-die-nasa-beim-lunar-x-price\/","title":{"rendered":"Warum bewirbt sich nicht die NASA beim Lunar X-Price?"},"content":{"rendered":"<p>Google hat einen Preis ausgeschrieben. f&uuml;r jemanden der bis zum 31.12.2012 auf dem Mond einen Roboter landet, der mindestens 500 m weit f&auml;hrt und eine &Uuml;bertragung zum Erdboden macht. Dieser ist mit 20 Millionen Dollar <a href=\"http:\/\/www.googlelunarxprize.org\/\">dotiert<\/a>. Weitere 5 Millionen kann man gewinnen, wenn man zus&auml;tzliche Kriterien erf&uuml;llt wie mindestens 5000 m Fahrtzeit oder Landung an einem der Apollo Landepl&auml;tze.<\/p>\n<p>Klar ist, dass dies f&uuml;r ein Startup harte Bedingungen sind: Der Zeitrahmen ist eng, die Hardware und der Raketenstart kosten viel Geld. Doch anders sieht es bei einer Raumfahrtagentur aus. Sie sollte eigentlich den Preis mit Leichtigkeit gewinnen k&ouml;nnen. Hier mal mein Vorschlag f&uuml;r die NASA:<!--more--><\/p>\n<h4>Lander<\/h4>\n<p>Klar ist: Je leichter desto besser, da dann die gesamten Kosten geringer sind. Nun hat die NASA schon einen geeigneten Lander entwickelt: Der Mars Rover Sojourner. Er wog 10.6 kg. Es gibt neben dem gestarteten Exemplar mindestens ein weiteres dass damals zur Simulation genutzt wurde bevor man die Kommandos zum echten Rover auf den Mars schickte. Er kann relativ einfach auf dem Mond eingesetzt werden. Dort ist sogar einiges einfacher: Es gibt doppelt so viel Strom, durch die N&auml;he zur Erde ist eine direkte Steuerung m&ouml;glich. Er m&uuml;sste nur leicht umgebaut werden. Da es nicht um Experimente geht, sondern um das Fotografieren, w&auml;re die sinnvollste Ausr&uuml;stung eine Videokamera an der Front und 5 Weitwinkelkameras, die die Umgebung rund um den Rover abdecken. Anstatt mit einem Modem &uuml;ber den Pathfinder zu kommunizieren, k&ouml;nnte der Rover entweder direkt mit der Erde kommunizieren (&uuml;ber eine Rundstrahlantenne) oder &uuml;ber die Basisstation (mit einer Mittelgewinnantenne an der Basisstation). Die &Uuml;bertragung zur Basisstation k&ouml;nnte mit stinknormalem WLAN erfolgen.<\/p>\n<p>Wenn die Weitwinkelkameras pro Sekunde eine Aufnahme mit 2560 x 1600 Pixels &uuml;bertragen (Anzeigefl&auml;che eines 30? Monitors) in JPEG mit 8:1 komprimiert. und dazu ein 640 x 480 Video in MPEG-4 (Datenrate 1500 KBit\/s) kommt man auf eine Datenrate von rund 12 MBit\/s, der gr&ouml;&szlig;te Teil entf&auml;llt dabei auf die Bilder (10.2 MBit\/s). Selbst Full HDTV Video w&uuml;rde sie nur auf 22 MBit\/s erh&ouml;hen. Bei Einsatz der 70 m Antennen des DSN kann dies eine Rundstrahlantenne mit 10 Watt Sendeleistung &uuml;bertragen oder eine Mittelgewinnantenne. Bei 30 Grad &Ouml;ffnungswinkel und Senden im X-Band reichen sogar nur 0.1 Watt. Sojourner hatte auf dem Mars eine Leistung von 16.5 Watt aus den Solarzellen. Sie w&uuml;rde auf dem Mond auf rund 33-35 Watt steigen. Strom f&uuml;r ein direktes Senden gibt es also genug.<\/p>\n<p>Was nur mit gro&szlig;en Aufwand m&ouml;glich w&auml;re, ist ein Betrieb &uuml;ber die 14 t&auml;gige Mondnacht. Dies k&ouml;nnte durch radioaktive Isotope geschehen, die W&auml;rme abgeben um das Ausk&uuml;hlen zu verhindern, aber dann wird es auch richtig teuer. Es ist m&ouml;glich, dass der Rover die K&auml;lte &uuml;berlebt, so wie dies auch eine Reihe der Surveyor Raumsonden taten, doch verlassen sollte man sich nicht darauf.<\/p>\n<p>Erg&auml;nzt wird der Rover durch eine Basisstation. Diese kann sehr einfach sein, und nur aus einer Elektronik rund um die Abstiegsstufe bestehen, erg&auml;nzt durch Solarpanels und eine Antenne . Ihre Aufgabe ist es, eine Plattform zu stellen von der der Sojourner nach der Landung herunterrollen kann (&uuml;ber eine Rampe) und w&auml;hrend des Wegs die gesamten Kommandos zu empfangen und die Landung durchzuf&uuml;hren. Denkbar w&auml;re (wie oben angesprochen) auch die Funktion als Datenrelais, dass w&uuml;rde eine schwere und leistungshungrige Ausr&uuml;stung des Rovers &uuml;berfl&uuml;ssig machen. Eine Mittelgewinnantenne mit Erdsensor w&auml;re denkbar, doch wie oben schon angesprochen recht bei 12 Watt Sendeleistung auch eine nicht ausrichtbare Rundstrahlanantenne.<\/p>\n<h4>Antrieb<\/h4>\n<p>Doch zum Mond muss man erst mal kommen. Eine ESA Studie geht von 2630 m\/s f&uuml;r die Landung aus (in zwei Schritten mit Mondorbit, doch die direkte Landung spart auch nicht viel mehr ein). Von einer LEO Umlaufbahn aus kommen dann noch mal rund 3200 m\/s dazu, von einem GTO Orbit noch 800 m\/s. Das bedeutet, dass man noch mindestens eine Raketenstufe ben&ouml;tigt, bei einem Start aus einem LEO Orbit sogar zwei, da sonst das Leergewicht zu gro&szlig; wird.<\/p>\n<p>Zeit f&uuml;r eine Gewichtsabsch&auml;tzung:<\/p>\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td>Start aus dem LEO Orbit<\/td>\n<td>Start aus dem GTO Orbit<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Sojourner<\/td>\n<td>12 kg<\/td>\n<td>12 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Basisstation<\/td>\n<td>23 kg<\/td>\n<td>23 kg<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Landestufe<\/td>\n<td>73 kg\/12 kg v=2630 m\/s<\/td>\n<td>133 kg voll, 22 kg leer v=3430 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Startstufe<\/td>\n<td>343 kg\/57 kg v=3200 m\/s<\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Startgewicht:<\/td>\n<td>561 kg<\/td>\n<td>168 kg<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Beide Tabellen gehen von einer (konservativen) Gewichtsabsch&auml;tzung von einem Masseverh&auml;ltnis von 6:1 bei den Stufen aus. (Voll\/Leermasse) Man erh&auml;lt als Resultat, dass die Mission mit einer Pegasus (oder riskanter mit einer Falcon 1) m&ouml;glich w&auml;re. Kosten 8-12 Millionen Dollar f&uuml;r die Rakete. Besser w&auml;re es die Nutzlast als Sekund&auml;rnutzlast mitzuf&uuml;hren, idealerweise bei einem GTO Start, wo die 168 kg mehr kaum ins Gewicht fallen. Dann sind die Zusatzkosten gleich Null. Als Antrieb reichen bei dieser Gr&ouml;&szlig;enordnung ein oder mehrere Satellitentriebwerke aus. Bei der GTO Mission z.B. ein 500 N Apog&auml;umsantrieb, der eine Startbeschleunigung von 3 m\/s liefert und etwa 700 Sekunden lang betrieben werden kann.<\/p>\n<h4>Mission<\/h4>\n<p>Wenn man davon ausgeht, dass der Sojourner die erste Mondnacht nicht &uuml;berlebt, so muss er zu Beginn des Mondtages landen um dann maximal 14 Tage lang arbeiten zu k&ouml;nnen. Nimmt man 10 Tage als Betriebszeit an, so m&uuml;sste er pro Tag 50 m weit fahren um den Basispreis zu gewinnen oder 500 m um den fortgeschrittenen Preis zu gewinnen &#8211; das ist machbar. Lunochod 2 legte in knapp 4 Monaten rund 37 km zur&uuml;ck, und war w&auml;hrend der Nacht auch inaktiv. Das sind in 4 Mondtagen 37 km oder rund 8 km pro Mondtag.<\/p>\n<p>Wenn die NASA ihr zweites Flugexemplar des Sojourners aus dem Museum holt, dann k&ouml;nnte sie bei schneller Umsetzung den Contest gewinnen und sogar noch Gewinn einfahren &#8211; K&ouml;nnte. Nur dauern bei Weltraumagenturen alle Dinge Jahre und bis alleine alle Formulare ausgef&uuml;llt und bearbeitet sind, kostet alleine die B&uuml;rokratie mehr als man sp&auml;ter durch den X-Price wieder rein bekommt. aber so ist das mittlerweile. Vielleicht liegt das aber nur daran, dass sie NASA keine aufnahmen von den Apollo Landepl&auml;tzen haben will (Sie wissen ja, dort ist niemals jemand gelandet&#8230;. \ud83d\ude09 ).<\/p>\n<p>Ich suche &uuml;brigens immer noch <a href=\"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/2009\/06\/05\/gastautoren-gesucht\/\">Gastautoren<\/a>&#8230;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Google hat einen Preis ausgeschrieben. f&uuml;r jemanden der bis zum 31.12.2012 auf dem Mond einen Roboter landet, der mindestens 500 m weit f&auml;hrt und eine &Uuml;bertragung zum Erdboden macht. Dieser ist mit 20 Millionen Dollar dotiert. 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