{"id":11845,"date":"2016-08-03T00:29:18","date_gmt":"2016-08-02T22:29:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=11845"},"modified":"2016-08-02T09:42:33","modified_gmt":"2016-08-02T07:42:33","slug":"i-dont-like-reggae-no-no","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2016\/08\/03\/i-dont-like-reggae-no-no\/","title":{"rendered":"I don&#8217;t like Reggae, no, no"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem SpaceX nun schon einige Stufen gelandet hat, nun letzte Woche auch eine geborgene Stufe &uuml;ber die sp&auml;tere volle Laufzeit getestet hat, sich also der Wiederverwendung ann&auml;hern, nachdem es das ganze letzte Jahr nicht geklappt hat. SES w&uuml;rde ja den Jungfernflug der ersten Stufe gerne nutzen, wenn der Start 50% weniger kostet als bisher. Ob SpaceX so weit runtergehen kann oder m&ouml;chte, ist noch nicht sicher, aber in jedem Falle erh&ouml;ht das den Druck auf die Konkurrenten. Denn billiger wird es wohl werden, sonst br&auml;uchte man das ganze ja nicht druchexerzieren.<\/p>\n<p>Arianespace hat ja schon die Ariane 6 bei der ESA durchgedr&uuml;ckt. Da werkelt man nun schon seit zwei Jahren am Design herum und ist noch nicht zu einem Schluss gekommen, ein Indiz dass man noch nach Kosteneinsparungen sucht. Immerhin wird Ariane 6 nach den Versprechungen deutlich billiger als die Ariane 5 und mit der Skalierbarkeit und geographisch g&uuml;nstigem Startplatz soll sie auch preislich konkurrieren k&ouml;nnen (so zumindest das Versprechen).<!--more--><\/p>\n<p>In einer deutlich schwierigeren Position ist ILS. Die Proton startet von Baikonur aus. Das kostet schon alleine wegen des n&ouml;rdlichen Startortes Nutzlast. Die Proton kann zudem nur eine Nutzlast transportieren und nicht wie Ariane 5\/6 mit zwei Nutzlasten wenigstens die Nutzlastkapazit&auml;t voll ausnutzen. Zudem kann sie nicht wie Ariane 5 mit einer makellosen Bilanz von &uuml;ber 70 Starts ohne Fehlstart punkten. So wundert es nicht dass ILS in den letzten beiden Jahren kaum noch Startauftr&auml;ge gewonnen hat. Jetzt verz&ouml;gert sich der n&auml;chste Start auch weil es beim letzten Start eine deutliche Bahnabweichung gab.<\/p>\n<p>Nun will man das Ruder herumreisen. ILS hat zusammen mit Roskosmos einen Plan vorgestellt auch die Proton und sp&auml;ter die Angara wiederzuverwenden. Von Vorteil ist es hierbei, dass die Rakete in Kasachstan startet, damit geht die gesamte Flugbahn &uuml;ber die ersten 5000 km &uuml;ber Land.<\/p>\n<p>Beginnen wird man mit der Proton. Allerdings ist die Proton nicht wie die Falcon 9 f&uuml;r die Wiederverwendung ausgelegt. So gestaltet sich die Wiederverwendung nicht ganz so einfach. Nach einer Analyse der Belastungen gab es zumindest eine gute Nachricht: Durch den Aufbau der ersten Stufe aus einem Zentral- und sechs Au&szlig;entanks hat die Proton eine sehr hohe strukturelle Stabilit&auml;t. Sie wird die Belastungen beim Weidereintritt ohne Probleme &uuml;berleben, auch weil die Abtrenngeschwindigkeit kleiner ist. F&uuml;r die zweite Stufe laufen die Untersuchungen noch.<\/p>\n<p>Ein Problem ist aber das weder die Triebwerke wiederz&uuml;ndbar sind, noch im Schub regelbar. Damit kann man die Proton-Erststufe nicht wie die Falcon 9 Erststufe landen. ILS plant derzeit folgendes Vorgehen: die Proton Erststufe erh&auml;lt wie die Falcon 9 ausfahrbare Beine, um das Umkippen zu verhindern und um auf Nummer Sicher zu gehen, sechs St&uuml;ck zwischen den Au&szlig;entanks. Dazu wird unter einem Hitzeschutzschild ein Fallschirmsystem befestigt. Es wird nach der Abtrennung durch Drucksensoren ausgel&ouml;st und gleichzeitig die Beine ausgefahren. Dann schwebt die erste Stufe an drei Fallschirmen zur Erde zur&uuml;ck. Es gibt keine aktive Steuerung &#8211; man nutzt aus, dass man auch so in der flachen kasachischen Steppe die Stufe leicht wiederfindet. Den Schock bei der Landung sollen einmal verwendbare Sto&szlig;d&auml;mpfer auffangen. Ein Wabengewebe wird durch die Landung zusammengepresst. Es muss nach jedem Start ausgetauscht werden.<\/p>\n<p>Die Triebwerke m&uuml;ssen dann mit einem neuen Z&uuml;ndsatz ausgestattet werden bevor sie erneut starten k&ouml;nnen. Eine neue Generation der RD-276 mit einer Laserz&uuml;ndung wird gerade gearbeitet. Sie sollen auch mindestens f&uuml;nfmal wiederverwendet werden k&ouml;nnen, zu der ersten Generation die derzeit im Einsatz ist wollte ILS keine Angaben machen.<\/p>\n<p>Der Vorteil des einfacheren Bergungssystems ist das es wenig Nutzlast kostet, es sollen nur 300 kg in den GTO und 1000 kg in einen erdnahen Orbit sein, rund 5% der normalen Nutzlast. bei SpaceX sind es durch den verbliebenen Treibstoff in er ersten Stufe 15%. Daf&uuml;r d&uuml;rfte bei vier Stufen der Proton auch das Einsparpotential geringer sein. Doch es k&ouml;nnte ILS den Preisvorteil verschaffen den die Firma braucht, um konkurrieren zu k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Mehr Hoffnungen setzt man auf die Angara. Ihr Haupttriebwerk ist mehrfach z&uuml;ndbar und es ist im Schub stark regulierbar. Doch auch hier unterscheidet sich das prinzipielle Bahnregime nicht von der Proton. Das URM erh&auml;lt aber einen Thermalschutz der es vor den Belastungen beim Wiedereintritt sch&uuml;tzt. Die Stabilit&auml;t der Struktur soll ausreichen, trotz h&ouml;herer Abtrenngeschwindigkeit. Aber auch hier wird die Stufe nur durch die Fallschirme abgebremst. Erst kurz vor der Landung werden diese abgeworfen und das Triebwerk gez&uuml;ndet. Es dient weniger zum Endabbremsen als vielmehr soll es durch seine Schwenkf&auml;higkeit daf&uuml;r sorgen, dass die Stufe senkrecht landet. Das URM kann durch die schlankere Form erheblich leichter umkippen als die erste Stufe der Proton.<\/p>\n<p>Bei der Angara machen die Kosten des URM einen viel gr&ouml;&szlig;eren Teil der Gesamtkosten auf. Die f&uuml;r GTO-Transporte vorgesehene Anagra-5 besteht aus 5 URM und nur zwei kleineren Oberstufen. F&uuml;r sie verspricht ILS einen deutlich g&uuml;nstigeren Startpreis als die Falcon 9 heute, eventuell kann sie auch mit der wiederverwendbaren Falcon 9 konkurrieren.<\/p>\n<p>Die Bergung anderer Stufen und russischer Tr&auml;ger wird nicht geplant. Die Sojus hat durch ihre Au&szlig;enblocks eine Architektur, die keine Bergung erlaubt. Die kleineren Tr&auml;ger (Rockot, Dnepr) sind als ausgemusterte ICBM noch in gen&uuml;genden St&uuml;ckzahlen verf&uuml;gbar. Es lohnt sich nicht sie wiederzuverwenden. Lediglich bei der Sojus 2-1v wird eine Wiederverwendung gepr&uuml;ft. Das zweite Triebwerk RD-0110 in der ersten Stufe hat den richtigen Schub um eine leere Stufe sanft zu landen, zudem ist es durch vier Brennkammern gut steuerbar und kann so Schieflagen leicht ausgleichen. Offen ist aber ob die Stufe aufgrund ihrer Form nicht am Kopfende zu stark beim Wiedereintritt erhitzt wird. Dies sollen weitere Pr&uuml;fungen untersuchen.<\/p>\n<p>Nachdem auch ULA den Triebwerksblock der gerade in der Entwicklung befindlichen Vulkan ab 2024 bergen will, k&ouml;nnte es sein dass in einigem Jahren nur noch die Ariane 6 der einzige nicht wiederverwendbare Tr&auml;ger ist.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/925c8f7d45d049da93fb934cb8d032cf\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem SpaceX nun schon einige Stufen gelandet hat, nun letzte Woche auch eine geborgene Stufe &uuml;ber die sp&auml;tere volle Laufzeit getestet hat, sich also der Wiederverwendung ann&auml;hern, nachdem es das ganze letzte Jahr nicht geklappt hat. SES w&uuml;rde ja den Jungfernflug der ersten Stufe gerne nutzen, wenn der Start 50% weniger kostet als bisher. 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