{"id":11887,"date":"2016-08-20T10:27:44","date_gmt":"2016-08-20T08:27:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=11887"},"modified":"2016-08-20T10:27:44","modified_gmt":"2016-08-20T08:27:44","slug":"these-are-the-days-when-you-wish-your-bed-was-already-made","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2016\/08\/20\/these-are-the-days-when-you-wish-your-bed-was-already-made\/","title":{"rendered":"These are the days, when you wish your bed was already made"},"content":{"rendered":"<p>Derzeit plant die NASA eine Europa-Mission. Das ist an sich nichts neues. Pl&auml;ne gibt es schon lange, aber es sieht so aus, als w&uuml;rde sie nun auch kommen. Ich will mich in dem Beitrag aber mit Titan besch&auml;ftigen. Ich halte ihn f&uuml;r ein viel besseres Ziel:<\/p>\n<ul>\n<li>er ist geologisch aktiver<\/li>\n<li>er ist erd&auml;hnlicher mit Seen und einer Atmosph&auml;re und Kryovulkanismus<\/li>\n<li>eine Landung ist viel einfacher, da die Atmosph&auml;re die Restenergie vernichtet<\/li>\n<li>Eine Mission kann viel l&auml;nger dauernd, da Europa mitten in Jupiters Strahleng&uuml;rtel seine Kreise zieht<\/li>\n<\/ul>\n<p>W&auml;hrend eine Europa-Mission sehr viel Treibstoff zum Landen braucht und trotzdem kurz ist, kann man auf dem Titan dank der dicken Atmosph&auml;re sogar ohne Fallschirm landen. Huygens warf ihn in niedriger H&ouml;he ab.<\/p>\n<p>Doch Titan umkreist den Saturn und ist so zwischen 1250 und 1560 Millionen km von der Erde entfernt &#8211; mehr als dreimal so weit wie Mars im entferntesten Punkt und 25-mal so viel wie beim marsn&auml;chsten Punkt entsprechend sinkt die Datenrate stark ab. Alle folgenden &Uuml;berlegungen basieren auf dem Sendesystem von Cassini als Referenz. In dem heutigen Artikel will ich mal die m&ouml;glichen Alternativen f&uuml;r einen Titan Lander und Rover schildern.<!--more--><\/p>\n<p>Die offensichtlichste M&ouml;glichkeit ist eine direkte Funkverbindung. Bei den Marslandern war dies nur einmal der Fall &#8211; bei den <a href=\"\/viking2.shtml\"> Viking Landern<\/a>. Sie hatten eine 76 cm gro&szlig;e Parabolantenne an Bord die auf die Erde ausgerichtet werden konnte. Doch schon bei ihnen war der Orbiter als prim&auml;res Relais vorgesehen. Bei allen Folgenden ist die direkte Antenne wesentlich kleiner und diente zur Absicherung, aber der Funkkontakt verl&auml;uft &uuml;ber die Orbiter. Das ist seit 2003 auch kein Problem denn seitdem gibt es immer zwei Orbiter im Marsorbit die Daten empfangen k&ouml;nnen. Selbst wenn einer ausf&auml;llt ist die Verbindung also noch m&ouml;glich.<\/p>\n<p>W&uuml;rde ein Titan Lander eine 76 cm gro&szlig;e Parabolantenne einsetzen (wie der Viking Lander), zusammen mit einem 20 Watt Sender, so w&uuml;rde er knapp 6 Kbit\/s zu den 70 m Antennen zur Erde senden k&ouml;nnen. Das ist wenig verglichen mit den 128 bis 1 MBit die heute Marssonden &uuml;ber die Orbiter senden k&ouml;nnen, aber dort gibt es die Verbindung nur &uuml;ber wenige Minuten. Trotzdem: Curiosity &uuml;bertr&auml;gt nominell 250 MBit pro Tag. Daf&uuml;r br&auml;uchte man bei 6 Kbit rund einen halben Tag. Nicht unm&ouml;glich, aber nur praktikabel bei einem festen Lander. Bei einem Rover gibt es zum einen nicht die Zeit. Zum andern muss man dann zeitraubend die Antenne jeweils neu ausrichten. Kleinere Antennen die nicht genau ausgerichtet werden m&uuml;ssen, haben dagegen eine indiskutabel niedrige Datenrate.<\/p>\n<p>Die zweite Alternative ist es dann einen Orbiter zu nutzen. Hier bietet Titan sogar Vorteile: Durch seine m&auml;chtige Atmosph&auml;re wird ein Orbiter in mindestens 1000 km H&ouml;he &uuml;ber der Oberfl&auml;che seine Kreise ziehen. In dieser H&ouml;he hat er bei einem nur 5.120 km gro&szlig;en Himmelsk&ouml;rper fast dauernden Funkkontakt zum Lander. Bei der kleinen Entfernung riecht auch eine ungerichtete Antenne zur Kommunikation aus. Doch man muss erst mal in einen Orbit gelangen. Bei Jupiter gibt es vier gro&szlig;e Monde, die man passieren kann und jeder Vorbeiflug kann die Umlaufdauer verk&uuml;rzen, bis man schlie&szlig;lich mit wenig Treibstoffverbrauch in eine Umlaufbahn einschwenken kann. Bei Saturn gibt es nur Titan. Entsprechend l&auml;nger dauert es. Studien f&uuml;r Titanorbiter die ich gesehen habe, haben daher auch eine ziemlich hohe Treibstoffzuladung. Bedingt durch die ausladende Atmosph&auml;re gibt es aber auch noch eine Alternative: Aerobraking. Das wird seit 1996 f&uuml;r Marssonden genutzt. Doch ein Titanorbiter muss eine viel h&ouml;here Geschwindigkeit abbremsen und kann nicht so viele Vorbeifl&uuml;ge wie die Marssonden durchf&uuml;hren bei dem pro Vorbeiflug die Geschwindigkeit um einige Meter sinkt. Als &#8222;Hausnummer&#8220; m&uuml;sste ein Titan Orbiter die 100-fache Energie pro Vorbeiflug vernichten. Damit dies geht w&auml;ren einige umbauen n&ouml;tig. So m&uuml;sste zumindest die dem mondzugewandten Seite aerodynamisch sein, z.B. mit einem elliptischen Schild um eine lokale &Uuml;berhitzung und das unkontrollierte Drehen der Sonde durch die Kr&auml;fte zu verhindern. w&uuml;rde dieser Schild mit einem Leitungssystem durchzogen so k&ouml;nnte man die Energie zu allen Systemen der Sonde leiten und sie aufheizen und so den Schild k&uuml;hlen. Trotzdem muss man den Mond oft passieren: W&uuml;rde man eine Geschwindigkeit von 3000 m\/s so vernichten wollen, so w&uuml;rde (bei Annahme das die Sonde aus Aluminium besteht und pro Vorbeiflug um 100\u00b0C erhitzt wird z.B. von -50 auf +50\u00b0C) die Sonde rund 50 Vorbeifl&uuml;ge durchf&uuml;hren um die Geschwindigkeit zu vernichten. Viel weniger Vorbeifl&uuml;ge braucht man wenn man nur die Gravitationswirkung ausnutzt.<\/p>\n<p>Ein Orbiter w&auml;re also sehr aufwendig und es w&uuml;rde entweder lange dauern bis er in der Umlaufbahn w&auml;re oder er w&uuml;rde viel Treibstoff verbrauchen. Zudem w&uuml;rde dieser wohl den Lander zum Planeten bringen. was seine Masse weiter reduziert. Ein Orbiter w&auml;re aber sehr w&uuml;nschenswert, denn er k&ouml;nnte aus der Umlaufbahn eine Radarkartierung durchf&uuml;hren. Bisher ist die Oberfl&auml;che nur grob bekannt und nur Teile von Cassini erfasst.<\/p>\n<p>Die zweite M&ouml;glichkeit ist ein Saturnorbiter. Selbst wenn er nicht Titan nah passiert profitiert er von der gr&ouml;&szlig;eren N&auml;he. Cassini entfernt sich nach dem dritten Umlauf nie weiter als 3,5 Millionen km vom Saturn. Titan ist so maximal 4,7 Millionen km entfernt. Verglichen mit der Erde erh&ouml;ht das die Datenrate, wenn der Orbiter eine 4 m Antenne wie Cassini hat um mindestens den Faktor 200 und damit auf ein Niveau das mehr als ausreichend ist. Ein spezieller Kommunikationsorbiter kann (wie es Cassini auch eine Zeitlang tat) sich in eine Umlaufbahn bringen die die H&auml;lfte der von Titan betr&auml;gt, dann n&auml;hert er sich alle 16 Tage an Titan. Zudem kann er alle inneren Monde passieren, das sind die meisten mit Ausnahme der drei gr&ouml;&szlig;eren Monde Hyperion, Iapetus und Phoebe. Da man auch ein Gef&auml;hrt braucht die den in einer aerodynamischen Kapsel eingeschlossenen Lander braucht halte ich dies f&uuml;r die nat&uuml;rlichste Wahl. Bei einer prim&auml;ren Landemission muss ein solcher Saturnorbiter nicht so gro&szlig; wie Cassini sein. Eine etwa 2 t schwere Sonde, h&auml;tte F&auml;higkeiten wie Galileo, zusammen mit einem 1 t schweren Lander (etwa 500 bis 700 kg auf der Oberfl&auml;che) w&auml;re das heute mit Swing-Bys mit einer Atlas auf den Weg zu bringen oder direkt mit einer Falcon Heavy. Ein Orbiter der Titan h&auml;ufig passiert (Cassini tat dies eine Zeitlang sogar einmal pro Woche) kann auch eine Radarkartierung durchf&uuml;hren, aber mit niedriger Aufl&ouml;sung und nur einen kleinen Teil pro Vorbeiflug, also wie Cassini. Allerdings sind SAR-Radarger&auml;te heute deutlich leistungsf&auml;higer als damals.<\/p>\n<p>Viele Optimierungen die es seit Cassini gibt scheiden zumindest f&uuml;r den Lander aus. So erlaubt die dichte Atmosph&auml;re mit vielen mehratomigen Molek&uuml;len nicht die Nutzung h&ouml;herfrequenter B&auml;nder wie dem Ka- oder Ku-Band. Bei diesen ist die Datenrate h&ouml;her, weil eine Sende einen engeren &Ouml;ffnungswinkel hat. Ebenso scheidet Laserkommunikation aufgrund der Smogschicht aus. Derartige Techniken kann aber ein Orbiter\u00a0 egal ob um Saturn oder um Titan nutzen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/e65dd833daa24350bf8e27b830f314aa\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Derzeit plant die NASA eine Europa-Mission. Das ist an sich nichts neues. Pl&auml;ne gibt es schon lange, aber es sieht so aus, als w&uuml;rde sie nun auch kommen. Ich will mich in dem Beitrag aber mit Titan besch&auml;ftigen. 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