{"id":11928,"date":"2016-09-05T17:38:45","date_gmt":"2016-09-05T15:38:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=11928"},"modified":"2016-09-05T17:38:57","modified_gmt":"2016-09-05T15:38:57","slug":"massenaussterben-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2016\/09\/05\/massenaussterben-teil-1\/","title":{"rendered":"Massenaussterben Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>Mindestens f&uuml;nf Mal gab es im Laufe unserer Erdgeschichte ein Ereignis, das man als Massenaussterben bezeichnet. Das bedeutet, dass in einem geologisch kurzen Zeitraum zahlreiche Arten verschwanden. Es muss ein gr&ouml;&szlig;erer Teil der gesamten Artenzahl sein, damit man es als Massenaussterben bezeichnet, denn es gab auch sonst den Artenr&uuml;ckgang z.B., wenn Kontinente sich vereinigen und so Ozean- und Luftzirkulation sich ver&auml;ndern. Diese betreffen aber nicht so viele Arten und es verl&auml;uft langsamer. Aber auch der Begriff &#8222;geologisch kurz&#8220; ist dehnbar. Ein Massensterben kann sich &uuml;ber 10 Millionen Jahre hinweg ziehen, also l&auml;nger als die gesamte Existenz der menschlichen Art.<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" style=\"float: left;\" src=\"\/img\/MassExtinction_intensity.png\" alt=\"Massenaussterben\" width=\"531\" height=\"324\" \/>Wahrscheinlich gab es noch mehr Massensterben oder Massenextinktionen, wie sie auch hei&szlig;en. Doch datieren k&ouml;nnen wir nur die, die ab dem Kambrium passierten. Auch wenn die &auml;ltesten Spuren von Leben 3,5 Milliarden Jahre alt sind. Tiere und Pflanzen sich vor mindestens 2,4 Milliarden Jahren getrennt haben blieb das Leben die ersten 3.000 Millionen Jahren einzellig. Erst an der Grenze zum Kambrium vor rund 600 Millionen Jahren tauchten mehrzellige Lebewesen auf. Vorher haben einzellige Lebewesen kaum M&ouml;glichkeiten zu fossilieren und damit gibt es nur wenige Zeugnisse. Richtig sicher ist man sich nur bei den Masseaussterben, die es ab dem Kambrium gab. Nimmt man diese Grafik &uuml;ber die ausgestorbenen Arten im Laufe der letzten knapp 600 Millionen Jahren so sieht man dass es immer wieder viele verschwanden (<a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/\">CC BY-SA 3.0<\/a>, <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=4084669\"> https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=4084669<\/a>). Die Grafik de Wikipedia ist etwas ung&uuml;nstig. Man sollte vielmehr die Zahl der Arten angeben, da ist das deutlicher. Interessant w&auml;re dann auch zu sehen, ob es nach einem Aussterbeereignis einen Gegeneffekt gibt, das nun viele neue Arten entstehen, wie das oft gesagt wird. Wenn ich aber nur die Prozentzahl der Arten angeben ohne die Artenzahl absolut sieht man diesen Effekt nicht.<\/p>\n<p>Zumindest eine Aussterbewelle im Pr&auml;kambrium gilt aber als wissenschaftlich sicher. Das Leben begann urspr&uuml;nglich anerob. Die ersten Organismen oxidierten im Wasser gel&ouml;ste organische Substanzen oder gel&ouml;ste Mineralien wie Methan, Schwefelwasserstoff, Eisen. Derartige Bakterien gibt es heute noch und viele z&auml;hlen zu den Archaebakterien, die man als urt&uuml;mlich erachtet. Als die Photosynthese von den Blaualgen entwickelt wurde, reicherte sich im Wasser Sauerstoff an, der Gift f&uuml;r diese Organismen ist. Zudem oxidierte der Sauerstoff die gel&ouml;sten Stoffe. Eisen fiel z.b. als Eisen-III-Oxid aus. Eisen-II Ionen sind anders als Eisen-III dagegen wasserl&ouml;slich. Ein Gro&szlig;teil der Eisenerzvorkommen stammt aus dieser Zeit. Dies wird als die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gro&szlig;e_Sauerstoffkatastrophe\">gro&szlig;e Sauerstoffkatastrophe<\/a> bezeichnet. Sie ereignete sich aber schon vor 2.400 Milliarden Jahren. Site ist auch die Einzige die im Pr&auml;kambrium sicher ist.<\/p>\n<p>Nicht umsonst findet man Aussterbeereignisse immer an der Grenze von geologischen Zeitaltern, die wir heute als Kreide, Jura, Perm etc. bezeichnen. Als man diese Zeitalter festlegte, kannte man keine Datierung und nichts &uuml;ber Aussterbeereignisse. Man sah aber das das Gestein sich wandelte und dann wieder einige Zeit eine bestimmte Gesteinsart entstand.\u00a0 Die hat man dann benannt. viele &uuml;brigens nach Keltischen St&auml;mmen. So auch beim ersten Zeitakter, das nach den Kambrern Kambrium genannt wird.<\/p>\n<p>Das Kambrium ist dadurch gekennzeichnet, das an seinem Beginn, vor fr&uuml;her 590 Millionen Jahren, heute mit besserer Datierung etwa 540 Millionen Jahren urpl&ouml;tzlich viele Arten auftauchen &#8211; weil nun viele Arten makroskopisch gro&szlig; wurden und auch viele fossilierbare Bestandteile, wie Exoskelette bildeten. Zu Beginn Kambrium war der Sauerstoffgehalt der Luft noch zu gering, als dass an Land noch zu viel UV-Strahlung ankam. Der Sauerstoffgehalt stieg dann w&auml;hrend des Kambriums rapide von etwa 4 auf 10% an. Damit konnten in der folgenden Periode erstmals primitive Organismen an der Grenzregion Wasser\/Land &uuml;berleben.<\/p>\n<p>Landpflanzen oder Tiere gab es noch nicht. Von den im Wasser lebenden Tieren findet man aber alle gro&szlig;en St&auml;mme, oder zumindest ihre Vorl&auml;ufer, mit Ausnahme der Moostierchen. Wie mehrmals in der Erdgeschichte waren alle Kontinente zu einem Superkontinent zusammengeballt. Im Meer war das Klima subtropisch und das anscheinend weltweit.\u00a0 Das muss eine Klima&auml;nderung zu Beginn des Kambriums gewesen sein, denn auch der Meeresspiegel stieg damals an. Manche Autoren sehen darin auch eine Folge, dass eine Zeit der globalen Vergletscherung \u201eEisball Erde\u201c vor dem Kambrium endete.<\/p>\n<p>Am ende des Kambriums starben dann 80 % der Arten aus. Warum wei&szlig; man bis heute nicht. Es gibt nur Hypothesen. Gondwana zerbrach und das scheint die Meeresstr&ouml;mungen ge&auml;ndert zu haben denn es wurde nun weltweit k&uuml;hler, auch fielen die Meeresspiegel wieder. Folgt man den Argumenten <a href=\"http:\/\/geschichte-wissen.de\/blog\/massenaussterben-in-der-erdgeschichte\/\"> dieser Seite<\/a>. So h&auml;tte es eigentlich anders sein m&uuml;ssen: Mehrere Kontinente haben mehr Flachwasserzonen (die die Schelfe umgeben) und einen h&ouml;heren Meeresspiegel. Doch gerade diese Flachwasserbereiche sind, die am meisten besiedelten. Zudem stieg der Kohlendioxidgehalt der Atmosph&auml;re an. Den Spitzenwert erreichte er zu Ende des Kambriums, was ja eigentlich f&uuml;r ein sehr warmes Klima sorgen sollte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" style=\"float: left;\" src=\"\/img\/kambrium-kontinente.jpg\" alt=\"Kontinente Kambrium\" width=\"720\" height=\"480\" \/>Trotzdem geht man mit dem Auseinanderwandern von Gondwana von einer Klimaverschlechterung aus und der Meeresspiegel sank und damit auch die bewohnbaren Flachwasserzonen. Das Aussterben am Ende des Kambriums war eines der heftigsten. 80% der Organismen starben aus, anders als beim Bruch zum eoz&auml;n &uuml;berlebten viele Gattungen, die Artenvielfalt ging aber zur&uuml;ck. So sind die h&auml;ufigsten Fossilien des Kambriums die Trilobiten (ich sage nicht die h&auml;ufigste Art, denn durch ihr Exoskelett wurden sie wahrscheinlich besser erhalten als andere Arten, in den wenigen Funden, wo auch Weichteile erhalten blieben machen sie nur 2% der Individuen aus). Ihre Artzahl ging drastisch zur&uuml;ck, die Trilobiten selbst starben aber viel sp&auml;ter aus. Trilobiten erholten sich aber davon nur bedingt. Schon im Ordovizium waren es bedeutend weniger Vertreter, in den letzten 100 Millionen Jahren, vor dem Aussterben am Ende des Perm (vor 251 Millionen Jahren) gab es nur wenige Arten. Die Trilobiten sind deswegen so prominent, weil es extrem viele Arten gab, &uuml;ber 15.000 also mehr als wir S&auml;ugetierarten kennen und man anhand ihrer Fossilien sehr gut eine Fundschicht datieren kann.<\/p>\n<p>Vermutet wird, dass zu Beginn des Kambriums die Temperatur 12 bis 14 Grad h&ouml;her lag als heute (zum Vergleich: wir reden von katastrophalen Aspekten f&uuml;r die Menschheit, wenn die Temperatur weiter steigt, und so um 1-2 Grad h&ouml;her liegt als heute). Warum sie dann auf etwa +4 Grad mehr fallen konnte, wei&szlig; man nicht. Da der Kohlendioxidgehalt am Ende des Kambriums der h&ouml;chste in der j&uuml;ngeren Erdgeschichte war, scheint dies verwirrend. Wenn ich die links abgebildete Karte der damaligen Kontinente sehe, so w&auml;re zumindest f&uuml;r mich eine Erkl&auml;rung, dass Gondwana die Pole &uuml;berquert. Nur auf Land kann sich aber Eis halten. Es k&ouml;nnte so angefangen haben, dass Eis an den Polen sich erstmals &uuml;ber das Jahr hielt, das f&uuml;hrte zur Abk&uuml;hlung der Pole und zu mehr Eis und so langsam zum Abk&uuml;hlen der Meere. Da die Flachwasserzonen am Rande von Gondwana und damit in mittleren Breiten sind, reicht dann auch eine schon moderate Abk&uuml;hlung der Meere aus, dass dort kein subtropisches Klima ist und es zum Aussterben kommt. Doch das ist nur meine Theorie.<\/p>\n<p>Das Auseinanderbrechen von Gondwana, das nur w&auml;hrend des Kambriums f&uuml;r etwa 50 Millionen Jahre existierte, scheint wohl das wichtigste Ereignis zu sein. Wenn man annimmt, das dies einhergeht mit tektonischer und vulkanischer Aktivit&auml;t so ist auch der hohe Kohlendioxidgehalt von bis zu 5000 ppm (heut: 350 ppm) erkl&auml;rbar. Vulkane sto&szlig;en neben Kohledioxid auch Schwefelgase aus, entweder Schwefeldioxid oder Schwefelwasserstoff, der aber auch in der Luft oder Wasser zu Schwefeldioxid oxidiert. Das k&ouml;nnte den pH-Wert der Meere abgesenkt haben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/d9e39c3884f143569bf74ffd735514b1\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mindestens f&uuml;nf Mal gab es im Laufe unserer Erdgeschichte ein Ereignis, das man als Massenaussterben bezeichnet. Das bedeutet, dass in einem geologisch kurzen Zeitraum zahlreiche Arten verschwanden. 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