{"id":11959,"date":"2016-09-14T07:41:28","date_gmt":"2016-09-14T05:41:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=11959"},"modified":"2016-09-14T07:42:22","modified_gmt":"2016-09-14T05:42:22","slug":"man-haette-mehr-draus-machen-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2016\/09\/14\/man-haette-mehr-draus-machen-koennen\/","title":{"rendered":"Man h&auml;tte mehr draus machen k&ouml;nnen"},"content":{"rendered":"<p>Vor einigen Tagen habe ich den Artikel &uuml;ber die 2016-er Exomars Mission <a href=\"..\/exomars.sonde.shtml\">fertiggestellt<\/a>. Etwas sp&auml;t, gebe ich zu. Ich hinke auch sonst etwas nach. Inzwischen ist Osiris-Rex gestartet und dazu sollte es auch noch einen Artikel geben und zwei neue Tr&auml;ger, Launcher One und Firefly verdienen auch noch, n&auml;her gew&uuml;rdigt zu werden. Aber ich hoffe jetzt hole ich das noch auf, da ich mehr Zeit habe: Am Sonntag ging die Freibadsaison zu Ende und ich war seit dem ersten Mai t&auml;glich schwimmen, was mit An- und Abfahrt mit dem Fahrrad rund 3 Stunden beansprucht habe. Auch wenn ich nun wieder t&auml;glich eine Stunde laufe (das hatte ich &uuml;ber den Sommer eingestellt) m&uuml;sste ich rein rechnerisch 10 Stunden mehr im Monat Zeit haben. Als erste Folge gibt es einen neuen Artikel &uuml;ber die <a href=\"..\/Uratmosphaere.shtml\">Uratmosph&auml;re<\/a> der Erde und ihre Evolution, der mir bei der Recherche zu den Massenaussterben in den Sinn kam. Vielleicht fasse ich die auch noch zu einem Artikel zusammen.<\/p>\n<p>Aber Exomars 16 ist ein guter Aufh&auml;nger f&uuml;r meinen Blog, denn zu der Sonde findet man meine Meinung in der &Uuml;berschrift. Ich halte die Sonde f&uuml;r misslungen. Nat&uuml;rlich muss man die wechselvolle Geschichte des Projektes kennen, aber selbst wenn man die ber&uuml;cksichtigt hat, man da einiges versemmelt. Doch auf die will ich gar nicht erst eingehen, denn auch dazu gibt es einen eigenen <a href=\"..\/exomars.shtml\">Aufsatz<\/a>,<!--more--><\/p>\n<p>Das Haupt&auml;rgernis ist f&uuml;r mich der Lander. Die ESA hat sich entschlossen, in der 2016-er Mission einen experimentellen Lander zu landen. Er hat als prim&auml;ren Zweck die Eintritts- und Landemethode zu erproben und dabei Messwerte &uuml;ber Belastungen und Temperaturen zu gewinnen. Das verwundert schon etwas. Seit 1976 haben die USA sieben Raumsonden gelandet und dabei drei verschiedene Landemethoden in der Endphase eingesetzt: Abbremsung durch radarr&uuml;ckgekoppelte Triebwerke, Airbags und das Skycrane-Verfahren. Die ESA setzt nun nicht was revolution&auml;r Neues ein, sondern das sicherste und erprobteste Verfahren: das Abbremsen mit Triebwerken. Das hat f&uuml;nfmal geklappt. Einmal scheitete es beim <a href=\"..\/mpl.shtml\">Mars Polar Lander<\/a>, doch das lag aus an einem Softwarefehler, der die Triebwerke abschaltete, sobald die Landebeine ausgefahren waren, selbst wenn man noch in gro&szlig;er H&ouml;he war. So gesehen ist diese ESA-Mission eigentlich heute schon &uuml;berfl&uuml;ssig. Noch schlimmer ist aber, dass dies wirklich der Zweck des Landers ist. Es ist nicht gedacht dann weitere Untersuchungen am Boden durchzuf&uuml;hren, vielmehr wird der gesamte Lander nur von Batterien gespeist und hat gerade mal 3 kg wissenschaftliche Nutzlast die &uuml;ber 2-4 Tage vornehmlich Wetterdaten gewinnen soll. Die einzige Kamera ist eine umgebaute Ingenieurskamera, die beim Abstieg Bilder macht. Eine Kamera f&uuml;r Oberfl&auml;chenaufnahmen war unter den Experimentvorschl&auml;gen f&uuml;r den Lander, wurde aber gestrichen.<\/p>\n<p>Vor etlichen Jahren habe ich in einem ESA-Journal einen &Uuml;bersichtsartikel &uuml;ber die Ulysses Mission gelesen, in der der Verfasser beklagte, dass man keine Kamera auf der Raumsonde installiert hat. In der Tat ist Ulysses so weitestgehend an der &Ouml;ffentlichkeit vorbei gegangen. Gelernt hat man nicht viel daraus. Bei Venus Express fand nur eine umgebaute Ingenieurskamera, die VMC-Verwendung. Immerhin. Leider sah man sich am MPIA nicht verpflichtet, die Aufnahmen auch zu ver&ouml;ffentlichen oder wenn dann nur ein einem Format, das Wissenschaftler nutzen, k&ouml;nnen im ESA-Eigenen planetaren Datensystem. Dort verirrt sich aber bestimmt kein \u201enur an Raumfahrt Interessierter\u201c. Eine Kamera, selbst wenn sie kein Teleskop hat und nicht engbandige Filter, wie sie f&uuml;r die wissenschaftliche Auswertung von Aufnahmen w&uuml;nschenswert w&auml;re, geh&ouml;rt heute zu jeder Sonde. Die wichtigsten Resultate der Juno Sonde beim Durchflug des ersten Perijovums waren nicht die Ergebnisse der NASA-Instrumente, sondern der relativ einfachen Kamera der Planetary Society, also eigentlich einer \u201eGastnutzlast\u201c. Von einem Marslander erwartet man sich auch nicht viel, die Umgebung &auml;ndert sich ja nicht. Selbst wenn man die Kameras nur festmontiert ohne einen Mast und der F&auml;higkeit sie auf jeden Punkt auszurichten, w&uuml;rden vier Kameras mit Weitwinkelobjektiven ausreichen, um die ganze Umgebung abzubilden. Die Abstiegskamera wiegt 0,5 kg, das w&auml;ren 2 kg mehr bei 300 kg Landemasse. Soviel Platz und Gewicht geht nicht? Schwer zu glauben.<\/p>\n<p>Das n&auml;chste &Auml;rgernis ist, das man eine Landesonde baut, die gerade mal einige Tage arbeiten soll und rein batteriebetrieben ist. Wenn man bei 1,65 m Durchmesser nur 50% der Oberfl&auml;che mit Solarpaneelen belegen w&uuml;rde, reicht das, wenn man von den Werten der <a href=\"..\/mer.shtml\">MER<\/a> umrechnet, f&uuml;r eine Tageleistung von 600 Wh, mithin bei 12 Stunden Betrieb am Tag f&uuml;r eine Dauerleistung von 50 Watt. F&uuml;r den 2018 er Rover, der aber mehr Instrumente hat und fahren soll sind 1200 Wh als Tagesleistung geplant. Mit der H&auml;lfte sollte man, selbst wenn es nicht ausreichen sollte, (was ich nicht glaube) dann die Mission verl&auml;ngern. Warum hat man darauf verzichtet? Einige Paneele, die man wie bei den anderen Landern nach der Landung nach au&szlig;en klappt, w&uuml;rden in jedem Falle f&uuml;r eine dauerhafte Stromversorgung leisten. Ich verstehe den Sinn nicht. Warum baut man eine Sonde, die nur wenige Tage arbeitet. Wettersensoren haben nur einen Nutzen, wenn man die dauerhafte Ver&auml;nderung bestimmen kann, ansonsten hat man nur einen unrepr&auml;sentativen Schnappschuss. Man muss nur mal denken man, w&uuml;rde jetzt gerade Messungen machen und die sollen dann typisch f&uuml;r das ganze Jahr sein. Derzeit haben wir Temperaturen mit maximal 30\u00b0C und keinen Regen, das ist also das typische Wetter in Deutschland &uuml;ber das ganze Jahr \u2026. Wenn ich nat&uuml;rlich nur den Fokus auf der Landung setze, macht das Sinn, aber ehrlich gesagt, wenn eine Raumfahrtnation nach viele gelungenen Landungen, bei denen man z. B. bei Viking viel weniger vom Mars und der Atmosph&auml;re wusste, die erst mal \u201eprobieren\u201c muss, dann ist das ein Armutszeugnis! Vor allem frage ich mich, was passiert w&auml;re, wenn die zweite Mission wie geplant 2018 startet (sie ist nun auf 2020 verschoben) und was bei der Landung schiefgeht. Das erf&auml;hrt man erst Ende Oktober, und wenn sie scheitern sollte, dauert es noch Monate die Ursache zu finden. Dann h&auml;tte man wahrscheinlich kaum oder keine Zeit die 2018 er Mission umzuplanen.<\/p>\n<p>Bin ich wenigstens mit dem Trace Gas Orbiter zufrieden? Wenn ich schon so frage &#8211; nat&uuml;rlich nicht. Der Trace Gas Orbiter wiegt dreimal mehr als die letzte ESA-Marssonde Mars Express. Er tr&auml;gt aber weniger Instrumente sowohl vom Gewicht wie auch von der Anzahl an. Noch schlimmer: Gerade mal die H&auml;lfte stammt von der ESA. Die anderen beiden von Roskosmos im Austausch gegen den Start auf der Proton.<\/p>\n<p>Nun finde ich es okay, wenn man russische Instrumente mitnimmt, aber dann doch zus&auml;tzlich zu den europ&auml;ischen. Mit 4333 kg ist die Sonde beim Start ja auch noch leicht genug, dass man mehr zuladen k&ouml;nnte. Ich errechne f&uuml;r die Marsbahn eine Nutzlast von 4800 kg, das w&uuml;rde also noch deutlich mehr Instrumente zulassen, und es g&auml;be auch Reserven, wenn durch Solarpaneele und Kameras der Lander gr&ouml;&szlig;er w&auml;re. Teuer genug w&auml;ren die beiden Missionen. Zusammen mit der 2018 Mission, die dann den Schwerpunkt auf dem Rover legt und nicht dem Orbiter kostet das Projekt 1,3 Milliarden Euro, das sind also 650 Millionen Euro pro Mission. F&uuml;r das Geld h&auml;tte man durchaus mehr herausholen k&ouml;nnen als in der 2016 Mission: zwei europ&auml;ische Instrumente auf dem Orbiter und eine 3 kg Suite auf dem Lander, die nur wenige Tage abreitet. Gemessen an der Masse w&uuml;rde ich einen gut ausgestatteten Orbiter erwarten \u2013 hier mal zwei Vergleichszahlen: <a href=\"..\/phobos.shtml\">Phobos <\/a>1+2 wogen 6220 kg bei 26 Experimenten mit 450 kg Gewicht, <a href=\"..\/mars96.shtml\">Mars 96<\/a> 6.180 kg bei 22 Experimenten. Mindestens das doppelte Gewicht, eher so um 300 kg Experimente und mindestens 10 h&auml;tte ich bei dieser Startmasse erwartet. Aber das die ESA bei bilateralen Abkommen meistens schlecht da steht hat ja leider schon Tradition.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/61163ed0ce80429e905c3387ed900e8c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einigen Tagen habe ich den Artikel &uuml;ber die 2016-er Exomars Mission fertiggestellt. Etwas sp&auml;t, gebe ich zu. Ich hinke auch sonst etwas nach. Inzwischen ist Osiris-Rex gestartet und dazu sollte es auch noch einen Artikel geben und zwei neue Tr&auml;ger, Launcher One und Firefly verdienen auch noch, n&auml;her gew&uuml;rdigt zu werden. 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