{"id":11964,"date":"2016-09-16T10:20:09","date_gmt":"2016-09-16T08:20:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=11964"},"modified":"2016-09-16T11:51:59","modified_gmt":"2016-09-16T09:51:59","slug":"massenaussterben-an-der-perm-trias-grenze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2016\/09\/16\/massenaussterben-an-der-perm-trias-grenze\/","title":{"rendered":"Massenaussterben Teil 4: An der Perm-Trias Grenze"},"content":{"rendered":"<p>Das vierte Massenaussterben in der Erdgeschichte gilt als das bedeutendste. Es fand an der Grenze vom Perm zur Trias statt. Das Massenaussterben des Perm war zumindest, was die &#8222;Aussterbequote&#8220; angeht, das gr&ouml;&szlig;te: 95% der meeresbewohnenden Arten und 55% der Land bewohnenden Arten starben aus. Das Massenaussterben\u00a0markiert gleichzeitig den Wechsel vom Pal&auml;ozoikum zum Mesozoikum. Was man wei&szlig; ist das Es sich &uuml;ber l&auml;ngere Zeit, etwa 200.000 Jahre hinzog. Heute nimmt man auch zwei Wellen an, die jeweils etwa 60.000 Jahre dauerten. Man datiert es heute auf die Zeit vor 251,9 Millionen Jahren.<!--more--><\/p>\n<h3>G&auml;ngige Erkl&auml;rung des Massenausterbens am Ende des Perms: langandauerende magmatische Aktivit&auml;t in Sirbirien<\/h3>\n<p>W&auml;hrend man bei den vorhergehenden Ereignissen nicht so genau wei&szlig;, was ihre Ursache war oder wie sie genau verliefen, so ist das bei dem Aussterben zum Ende des Perms relativ gesichert. Die heute am besten belegte Hypothese ist eine lang anhaltende magmatische Aktivit&auml;t. In Sibirien entstand die Trapp-Formation. &Uuml;ber 165.000 bis 600.000 Jahre wurden 7 Millionen Quadratkilometern mit Magma &uuml;berflutet, die Schichten sind bis zu 3000 m dick. Diese Fl&auml;che ist zwanzigmal so gro&szlig; wie die Bundesrepublik. Da Magma immer Gase enth&auml;lt die bei der Druckentlastung, wenn sie aus dem Erdmantel in die Erdkruste kommt, frei werden. So werden so in relativ kurzer Zeit sehr viel Kohlendioxid und Chlorwasserstoff freigesetzt. 170 Billionen Tonnen Kohlenstoffdioxid sowie 18 Billionen Tonnen Chlorwasserstoff sollen es gewesen sein. Zum Vergleich: Heute enth&auml;lt die Erdatmosph&auml;re 3 Billionen Tonnen Kohlendioxid. Alleine der Chlorwasserstoff reicht aus, den pH-Wert weltweit um 0,6 zu senken. Die S&auml;ure k&ouml;nnte nat&uuml;rlich auch andere Folgen gehabt haben, wie Schwermetalle aus Gesteinen l&ouml;sen.<\/p>\n<figure style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium\" src=\"\/img\/perm-karte.jpg\" alt=\"Die erde zum Ende des Perms\" width=\"800\" height=\"400\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Die erde zum Ende des Perms<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die wichtigste Folge war ein Anstieg der Temperaturen innerhalb von kurzer Zeit um 8\u00b0C. Die Folgen waren vor allem f&uuml;r das Meer verheerend. Zahlreiche Organismen wie Korallen sind sehr temperaturempfindlich und starben aus. Umgekehrt wuchsen Algen und andere einzellige Organismen bei diesen Temperaturen sehr schnell. Beim Absterben reduzierten sie den Sauerstoffgehalt der Meere, der durch die Temperatur schon gesunken war und es kam zu anoxischen Zonen. In diesen sterben dann alle h&ouml;heren Organismen aus, weil dort Sauerstoffmangel herrscht und meist auch durch den Abbau organsicher Materie giftige Gase, wie Schwefelwasserstoff abgegeben wird.<\/p>\n<p>Manche machen auch die Freisetzung von Methanhydrat als zus&auml;tzlichen Faktor verantwortlich. Dies wird auch heute bei uns bei weiter steigender Temperatur auch bef&uuml;rchtet. Methan ist ein noch viel potenteres Treibhausgas und k&ouml;nnen die Temperaturen weiter angeheizt haben um bis zu weiteren 5 Grad Celsius.<\/p>\n<p>Alternativ wird auch postuliert, dass das Magma auch Kohlefl&ouml;ze in Brand gesteckt hat. Die waren erst im vorhergehenden Erdzeitalter dem Karbon entstanden. Der Gro&szlig;teil unser kohle stammt aus diesen Zeiten. Die Kohle verbrennt zu Kohlendioxid, das k&ouml;nnte den Anstieg des Kohlendioxidgehaltes erkl&auml;ren.<\/p>\n<p>Vor allem die Meeresfauna ist betroffen, weil steigende Meerestemperaturen praktisch nicht abgefedert werden k&ouml;nnen. Korallenriffe k&ouml;nnen z.B. nicht ausweichen. Landbewohner hatten die M&ouml;glichkeit beim Superkontinent Pang&auml;a in dem damals die meisten Kontinente vereinigt waren zumindest Richtung polw&auml;rts auszuweichen. Doch auch die Landfauna war betroffen. So sank aufgrund sinkender Photosyntheserate der Sauerstoffgehalt der Erde auf 15% ab \u2013 der niedrigste Wert in der Erdgeschichte seit dem Silur, ansonsten ist der Sauerstoffgehalt immer h&ouml;her gewesen als heute.<\/p>\n<p>Es gibt auch andere Theorien so wird durch die Bildung von Pang&auml;a wie zum Ende des Ordoviziums ein R&uuml;ckgang der Flachwasserzonen und Ver&auml;nderung der Meeresstr&ouml;mungen angenommen. Das w&auml;re eine Erkl&auml;rung f&uuml;r die st&auml;rkere Betroffenheit der maritimen Fauna. Doch warum dies so stark war, im Ordovizium starben viel weniger Arten aus kann die Theorie nicht erkl&auml;ren.<\/p>\n<h3>Alternative Erkl&auml;rung des Masseaussterbens: Ein Einschlag in der Antarktis<\/h3>\n<p>Es gibt auch eine Impakttheorie. Beim Aussterben bei der Kreide\/Terti&auml;rgrenze konnte man dies ja auf den Einschlag eines Asteroiden in der mexikanischen Halbinsel Yucat\u00e1n zur&uuml;ckf&uuml;hren. In der Antarktis hat man einen noch gr&ouml;&szlig;eren Krater (500 km Durchmesser gegen&uuml;ber 220 km beim Einschlag am Ende der Kreide) gefunden, der zeitlich auf 250 Millionen Jahre datiert ist. F&uuml;r diese Theorie spricht das Vorkommen von Fulleren, fussballf&ouml;migen Kohlenstoffatomen, die in ihrer Mitte Fremdatome einschlie&szlig;en k&ouml;nnen. In diesem falle auch Helium-3. Helium 3 ist ebenfalls im interplanetaren Medium st&auml;rker konzentriert als in der Erdatmosph&auml;re.<\/p>\n<p>Allerdings gibt es daran einige Zweifel. Bei einem Einschlag dieser Gr&ouml;&szlig;enordnung wird das Material fast global verteilt. Beim Kreide-Terti&auml;r-Ereignis fand man Iridium selbst 5000 km vom Einschlagsort entfernt in den Gesteinsschichten. Das findet man bei der Perm-Trias Grenze nur in kleinen Spuren. Iridium ist selbst in Gesteinsmeteoriten (nicht nur Eisenmeteoriten) in gr&ouml;&szlig;erer Menge vorhanden als in der Erdkruste, wo es wahrscheinlich in tiefere Schichten abgesunken ist. Nicht nur das Iridium fehlt, auch typische Impaktprodukte wie Tektite, eine Art geschmolzenes Glas, entstanden durch verfl&uuml;ssigtes Quarzgestein, das beim Flug abk&uuml;hlte und so glasartig erstarrte. Zudem ist der Krater an sich nicht erforscht, man hat ihn nur auf Daten der <a href=\"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/deutsche-satelliten.shtml\">GRACE<\/a> Satelliten erkennen k&ouml;nnen, die eine Abweichung im Schwerefeld der Erde aufzeichneten. Er ist vom Eis bedeckt und Probebohrungen stehen noch aus. Die Hypothese, dass der Einschlag von einem Kometen stammt, der vorwiegend aus Eis besteht, wird als Gegenargument angef&uuml;hrt, doch ein solcher K&ouml;rper m&uuml;sste um einen so gro&szlig;en Krater zu formen mindestens 50 km gro&szlig; sein. Die meisten Kometen sind aber nur etwa 2-8 km gro&szlig;. Der gr&ouml;&szlig;te erforschte ist Halley mit einer L&auml;ngsachse von 15 km. Ebenso war es so, dass die landbewohnenden Tiere beim Einschlag am Ende Der Kreide st&auml;rker betrofffen waren als die Meeresfauna. An Land &uuml;berlebte damals kein Tier das schwerer als 8 kg war. Das war am Ende des Perms nicht so, so &uuml;berlebte der\u00a0<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Lystrosaurus\">Lystrosaurus<\/a>. Er war so gro&szlig; wie ein Schwein und ebenso schwer. Noch seltsamer: Er wurde zuerst in der Antarktis nahe des Einschlags gefunden.<\/p>\n<h3>Folgen des Massenaussterben am Ende des Perms<\/h3>\n<p>Im nachfolgenden Mesozoikum begann das Zeitalter der Reptilien die dann &uuml;ber fast 200 Millionen Jahre die dominierenden Spezies stellten. Reptilien gab es schon im Perm, doch Amphibien waren damals noch artenreicher. W&auml;hrend des gesamten Mesozoikums war es w&auml;rmer als heute. Es ist der einzige abschnitt der Erdgeschichte bei der es keine Polkappen gab. durch den dadurch angestiegenen Meeresspiegel gab es auch zahlreiche interkontinentale Flachwassermeere (so war Deutschland im Jura weitestgehend von Meer bedeckt, Amerika war durch ein Flachwassermeer zweigeteilt) was eine &uuml;ppige Wasserfauna erm&ouml;glichte, denn die meisten Organismen leben in niedriger Tiefe. Ob dieses warme Klima mit dem freigewordenen Kohlendioxid des Perms zusammenh&auml;ngt ist nicht gesichert, aber ein Zusammenhang erscheint m&ouml;glich. Zumindest die Amphibien hatten schlechte Karten im Anschluss an das Perm als in der Trias das Klima zuerst sehr hei&szlig; und trocken war. Dies f&uuml;hrte auch bei der Landfauna zum R&uuml;ckgang der arten die viel Wasser brauchten wie Baumfarne und Schachtelhalme, daf&uuml;r konnten trockenheitsresistente Arten wie Nadelgeh&ouml;lze ihre &ouml;kologische Nische einnehmen.<\/p>\n<p>Links:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.geologie-ist-alles.at\/PDFs\/06_B_impakt_massensterben.pdf\"> http:\/\/www.geologie-ist-alles.at\/PDFs\/06_B_impakt_massensterben.pdf<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wissenschaft.de\/home\/-\/journal_content\/56\/12054\/1025810\/\"> http:\/\/www.wissenschaft.de\/home\/-\/journal_content\/56\/12054\/1025810\/<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/c8a1387c80de4920aab2dc1da73de47f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das vierte Massenaussterben in der Erdgeschichte gilt als das bedeutendste. Es fand an der Grenze vom Perm zur Trias statt. 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