{"id":12038,"date":"2016-10-11T12:14:34","date_gmt":"2016-10-11T10:14:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=12038"},"modified":"2016-10-11T12:15:14","modified_gmt":"2016-10-11T10:15:14","slug":"killerspiele-im-laufe-der-zeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2016\/10\/11\/killerspiele-im-laufe-der-zeiten\/","title":{"rendered":"Killerspiele im Laufe der Zeiten"},"content":{"rendered":"<p>ZDFInfo bringt derzeit einige Dokumentationen &uuml;ber Computer, darunter auch eine<a href=\"http:\/\/www.zdf.de\/zdfinfo\/killerspiele-42060206.html\"> dreiteilige &uuml;ber Videospiele, <\/a>im besonderen &uuml;ber\u00a0Killerspiele. Ich bin kein Fan der Spiele. Aus zwei Gr&uuml;nden: Zum einen gef&auml;llt mit das Spielprinzip nicht. Ich finde es dr&ouml;ge nur herumzuballern, egal ob auf Mohrh&uuml;hner, Aliens oder realistisch dargestellte Menschen. Zum Zweiten habe ich bei den Spielen keine gute Chance, weil ich seit Geburt sehbehindert bin. Ich bevorzuge daher rundenbasierte Spiele, bei denen man Zeit zum Nachdenken hat.<!--more--><\/p>\n<h3>Die Achtziger Jahre: Ballerspiele<\/h3>\n<p>Die Sendung greift auch die Diskussion &uuml;ber diese Spiele auf. Wobei eine schon in den Achtzigern Verantwortliche im Nachhinein dann wenigstens ein bisschen Eingest&auml;ndnis zeigte, das man viel zu streng war. In Deutschland wird das Thema erstmals in den Achtzigern akut, als die Bundesstelle f&uuml;r jugendgef&auml;hrdende Schriften sich auch Computerspielen annimmt. Es wurden einige Spiele vorgestellt die damals indiziert wurden inklusive eines von einem 16-j&auml;hrigen f&uuml;r den C64 programmierten. Das war bis 2001 auf dem Index, also zu einem Zeitpunkt, als der C64 l&auml;ngst nicht mehr produziert wurde und man wohl auch kaum noch Spiele gehandelt hat. Der Autor w&uuml;nschte sich, es w&auml;re noch auf dem Index, so k&ouml;nnte er damit wenigstens vor seinen Enkeln angeben &#8230;Die Begr&uuml;ndungen von damals wirken skurril und weltfremd. So wurden die Spiele meist als \u201ekriegsverherrlichend\u201c eingestuft und man vermisste, das man Konflikte \u201efriedlich oder durch Diplomatie\u201c l&ouml;sen kann.<\/p>\n<p>Wer die Spiele kennt, die damals nur \u201eBallerspiele\u201c hie&szlig;en, der wundert sich. Es geht in den Spielen eben nur ums Ballern. Egal ob dies nun Aliens (Space Invaders, Defender) oder Soldaten sind. Wie sollte man da eine Verhandlung einbauen? An der Problematik hat sich bis heute nichts ge&auml;ndert siehe unten. Vor allem waren die 8-Bit-Rechner nicht leistungsf&auml;hig genug um eine komplexe Spielstory und ansprechende Grafik in einem Spiel zu verbinden. Es gab Spiele mit anspruchsvoller Story, wie Textadventures, aber auch Elite, aber dann eben nur eine reduzierte (oder gar keine) Grafik. Die war (und ist) das wichtigste bei den Ballerspielen, die zudem auch nur mit Joystick bedienbar sein mussten.<\/p>\n<h3>Die Neunziger: Ego-Shooter<\/h3>\n<p>Die Folgen ging dann weiter &uuml;ber die Neunziger, mit Doom als erstem Ego Shooter, bis hin zu heute, wo Sequenzen aus aktuellen Spielen gezeigt wurden. Mit Doom begann die Argumentation bei der Indizierung sich zu &auml;ndern. Nun ging es nicht um die Verherrlichung des Krieges, sondern um die Verherrlichung von Gewalt oder das realistische Darstellen von Menschen. Das war bei den 8-Bit-Spielen technisch kaum m&ouml;glich.<\/p>\n<p>Immerhin scheint die Bundesstelle lernf&auml;hig. Denn w&auml;hrend Doom noch als jugendgef&auml;hrdend einstuft wurde, galt das nicht f&uuml;r Counterstrike, das ein paar Jahre sp&auml;ter erschien, obwohl es das gleiche Spieleprinzip hat und noch realistischer ist. Nat&uuml;rlich kam auch die politische Diskussion zur Sprache. So <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/web\/verbotsdebatte-beckstein-prescht-mit-killerspiel-gesetzesplan-vor-a-452419.html\"> Beckstein<\/a>, der den Ausdruck \u201eKillerspiele\u201c pr&auml;gte und Ausschnitte aus Sendungen in denen angebliche Experten sich &uuml;ber die negativen Einfl&uuml;sse dieser Spiele &auml;u&szlig;erten. (Angeblich, weil einer FIFA 2015 zu den Killerspielen z&auml;hlte \u2026).<\/p>\n<p>Beckstein &#8222;erfand&#8220; 1999 den Ausdruck Killerspiele, der bis heute meistens auf Ego Shooter, aber auch andere Spiele bei denen es um Gewalt geht verwandt wird.<\/p>\n<h3>Heute: Fast realit&auml;tsnahe Grafik<\/h3>\n<p>Was mir auffiel, war der enorme Sprung der Grafik. Die Sendungen bilden rund drei Jahrzehnte ab: Die erste Sendung mit Schwerpunkt auf den Achtzigern und vorher, also vor allem Spielen auf 8-Bit-Rechnern und den ersten Konsolen, die Zweite auf die Neunziger Jahre mit DOS-Spielen und den ersten Windows Spielen mit DirectX. Die Letzte dann auf die aktuellen Spiele und der Ausblick auf Virtual Reality. Da ist der Sprung in der Grafikqualit&auml;t vor allem im letzten Jahrzehnt eklatant. Vorher wurde nur die Aufl&ouml;sung gr&ouml;&szlig;er, mit Doom kam auch die Ego-Perspektive hinzu. Aber Menschen und R&auml;ume waren uniform, mit einfachen Texturen &uuml;berzogen.<\/p>\n<p>GPUs, also die Zentraleinheiten der Grafikkarten scheinen anders als Prozessoren noch vom Moorschen Gesetz zu profitieren. Heute sind teilweise &uuml;ber 2000 Recheneinheiten auf einer High-end Karte und selbst bei den integrierten GPU gibt es inzwischen bei den Prozessoren die st&auml;rksten Zuw&auml;chse an Rechenleistung. Die Szenen wirkten bei Darstellung von Natur oder Technik schon realistisch, von Film oder Fernsehen nicht zu unterschieden. Nur Menschen sind noch nicht so weit realistisch. Sie sind zu scharf abgebildet, zu perfekt mit zu wenigen Makeln.<\/p>\n<p>Bei der Realit&auml;tsn&auml;he wirken auf mich Ausschnitte, bei denen man auf unbewaffnete Zivilisten schie&szlig;t durchaus verst&ouml;rend. Ich w&uuml;rde trotzdem nie auf die Idee kommen, dass man so Terroranschl&auml;ge vorbereiten kann. Schon alleine weil man dazu dann keinen Joystick, sondern ein Gewehr braucht und zum Zweiten es immer noch Computergegner sind, die keine Anatomie haben, also tot sind, wenn man sie trifft, egal ob dies nun das Herz ist oder der Unterschenkel. Vor allem aber ist die Perspektive vor einem Monitor und das Handling eine andere. Wenn ich z.B. rechts ein Ger&auml;usch h&ouml;re, drehe ich mich oder den Kopf,. Stattdessen muss ich beim Spiel einen Joystick bewegen.<\/p>\n<h3>Killerspiele?<\/h3>\n<p>Was immer noch gegeben ist, ist der Vorwurf, dass es keine \u201eVerhandlungen\u201c gibt. Das ist auch die Kritik an den Spielen: Die meisten sind wirklich auf Gemetzel aus. In einem Beispiel wurde gezeigt, dass man eine Mission nur erf&uuml;llen kann, wenn man einen Gefangenen t&ouml;tet, daneben eben Szenen, in denen man auf eine Menschenmenge auf einem Flughafen schie&szlig;t. Klar ist, dass so etwas nachgefragt wird. Im Prinzip hat sich am Spielprinzip nichts ge&auml;ndert, es sind eben immer noch Ballerspiele. Es geht nur ums Ballern. Klar ist auch, dass Spieler offensichtlich lieber auf Menschen schie&szlig;en, und seien es nur Zombies als auf Zielscheiben oder Aliens.<\/p>\n<p>Es gibt Besserung. So gibt es einen Berater f&uuml;r Spieledesigner, der vom Milit&auml;r kommt, wo man an realistischen Simulationen interessiert wird. Er soll Hilfe geben, die Spiele realistischer zu machen. So wurden Szenen gezeugt, wo man eben die Mission verliert, wenn man Verbrechen begeht, in einem Spiel fangen die eigenen Leute an auf einen zu schie&szlig;en, wenn man wild auf Zivilisten ballert. Es w&auml;re sch&ouml;n, wenn die Figuren schon realistisch sind, man auch am Verhalten also dem Gameplay, was &auml;ndert. Die, die nur Ballern wollen, k&ouml;nnen dann ja immer noch Zombies jagen.<\/p>\n<h3>Virtual Reality<\/h3>\n<p>Virtual Reality scheint das Genre umzukrempeln. Tests ergaben, dass Personen die mit einer VR-Brille und einem Spielegewehr ein Ballerspiel (oder Killerspiel, je nach politischer Ansicht) spielten, die Handlung nahe ging und sie anders als vor dem Monitor meinten, das w&auml;re echt. Die Reaktion ist, das erste Spiele einen Gang in dem Realismus zur&uuml;ckschalten, die Leute also uniformer sind und nicht mehr so fein gerendert. Ein deutsches Studio, das pr&auml;sentiert wurde, verzichtet ganz auf Menschen und man schie&szlig;t dort auf K&auml;fer.<\/p>\n<p>Angeblich gibt es ja bei VR (zumindest derzeit) einen anderen Trend: man durchwandert Gegenden wie eine schottische Insel, oder taucht ins Meer ein. Sicher, das ist eine ideale Anwendung f&uuml;r VR, aber die Ego-Shooter sind es gerade wegen der Perspektive von einem Selbst auch. Zumindest wenn es nun mit eigenem Spielzeug Gewehr gespielt wird, m&ouml;chte ich nicht ausschlie&szlig;en, dass man sich mit so etwas auf Attentate vorbereiten kann, was ja immer von Politikern behauptet wird.<\/p>\n<h3>Die Zukunft<\/h3>\n<p>Ich pers&ouml;nlich glaube aber, dass VR andere Dinge revolutionieren wird. Vor allem die Erotikindustrie wird Interesse an der Anwendung haben. Spezielle \u201eGamecontroller\u201c f&uuml;r Penis und Vagina scheinen ja schon in der Entwicklung zu sein. Den Handschuh, der motorische R&uuml;ckmeldung gibt, gibt es ja schon seit Langem. Abseits der Spiele k&ouml;nnte VR die Diagnose bei technischen Problemen revolutionieren, indem man gar\u00a0nicht mehr vor Ort sein muss, sondern jemand mit einer VR-Brille einem das Problem zeigt. Eventuell kann er es ja sogar beseitigen, wenn man ihm &uuml;ber diesen Weg hilft. Auch Partnerb&ouml;rsen werden VR einsetzen, denn so kann man manches Date einsparen, weil man einen kompletten Eindruck des Gegen&uuml;bers bekommt, anders als nur beim Videochat. Daf&uuml;r m&uuml;sste man nur die Smartphones, die heute schon als VR-Brille genutzt werden, mit zwei identischen Kameras im Abstand der Augen ausstatten und deren Bild &uuml;bertragen und bei der Gegenseite in ein Stereobild auswerten lassen.<\/p>\n<p>Ich werd nichts davon haben, denn ich denke VR wirkt bei mir nicht. Eine Folge der Sehbehinderung ist, dass nicht dreidimensional sehen kann. Schon als es in den Achtzigern die Experimente mit den Rot-Gr&uuml;n-Brillen gab, sah ich nur ein rotes oder gr&uuml;nes Bild nie was Dreidimensionales. Ich denke das wird bei VR nicht anders sein.<\/p>\n<p>F&uuml;r die Spieleindustrie sehe ich aber VR als eine Goldgrube. Denn damit bekommt man viele Leute vor den Computer die nicht spielen wollen. Mann kann so auch Dinge machen, die abseits der Computerspiele sind. So Sportarten wirklichkeitsnah simulieren (zumindest die bei denen man sich nicht viel bewegen muss wie Golf oder Kegeln). Man kann virtuelle Besuche von St&auml;dten, Museen oder Landschaften, auch k&uuml;nstlichen oder aus der Vergangenheit (Mittelalter bis Mesozoikum) machen. Ich glaube VR wird die Spiele-, oder besser Virtuelle-Welten-Industrie so umkrempeln, wie das Internet erst den Computer in jedes Wohnzimmer brachte.<\/p>\n<h3>Kartenspiel anstatt Killerspiel<\/h3>\n<p>Zuletzt noch ein Tip f&uuml;r ein Spiel, das v&ouml;llig ohne VR auskommt, bei dem man nicht ballert und das trotzdem ein netter Pausenf&uuml;ller ist: Acromage. Das war ein Spiel im Spiel in Might &amp; Magic VII, basierend auf einem Kartenspiel und einen <a href=\"http:\/\/www.gatewayheaven.com\/projects\/arcomage\/\">Versuch<\/a> wert.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/9d97b57eff6e414ea9db6509980a8ef6\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ZDFInfo bringt derzeit einige Dokumentationen &uuml;ber Computer, darunter auch eine dreiteilige &uuml;ber Videospiele, im besonderen &uuml;ber\u00a0Killerspiele. Ich bin kein Fan der Spiele. Aus zwei Gr&uuml;nden: Zum einen gef&auml;llt mit das Spielprinzip nicht. Ich finde es dr&ouml;ge nur herumzuballern, egal ob auf Mohrh&uuml;hner, Aliens oder realistisch dargestellte Menschen. 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