{"id":12052,"date":"2016-10-15T00:32:14","date_gmt":"2016-10-14T22:32:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=12052"},"modified":"2016-10-14T14:32:38","modified_gmt":"2016-10-14T12:32:38","slug":"der-anfang-vom-ende-von-stratolaunch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2016\/10\/15\/der-anfang-vom-ende-von-stratolaunch\/","title":{"rendered":"Der Anfang vom Ende von Stratolaunch"},"content":{"rendered":"<p>Neue Tr&auml;ger zu entwickeln ist ja \u201ein\u201c, so gibt es auch gen&uuml;gend potentielle Tr&auml;ger f&uuml;r Stratolaunch. Neben SpaceX mit inzwischen drei Raketen in sechs Versionen gibt es ja noch LauncherOne, Firefly Systems, Electron und dann noch einige staatliche Neuentwicklungen wie die Super-Strypi, Ariane 6, Langer Marsch 5-7, SLS und Angara.<\/p>\n<p>Schon l&auml;nger dabei ist Stratolaunch. Schon als das Unternehmen 2011 auftrat, habe ich mich gefragt, wie man mit ihm Profit machen will. Sicher, wenn eine Rakete von einem Flugzeug abgeworfen wird, spart man sich eine Startplattform am Boden. Zudem startet man mit einer Anfangsgeschwindigkeit und die Verluste durch die Atmosph&auml;re sind kleiner, doch zusammen macht das vielleicht 400 m\/s von 9400 m\/s aus, die man insgesamt aufbringen muss, also nicht so viel, als dass man alleine wegen der Nutzlaststeigerung von einem Flugzeug aus starten muss. Die 400 m\/s entsprechen bei den meisten Tr&auml;gern dem Nutzlastunterschied zwischen einer polaren Bahn und einer Bahn mit 30 Grad Breite bei gleicher H&ouml;he.<\/p>\n<p>Auch die Einsparung einer Startplattform ist nur relevant, wenn diese viel kostet. F&uuml;r Feststoffraketen gen&uuml;gt aber eigentlich ein Betonpodest und ein kleiner Mast f&uuml;r die Strom- und Datenleitungen. Mehr setzt man z. B. bei der Taurus (nun Minotaur C) nicht ein. Und ob man so viel einspart bei einer mit fl&uuml;ssigen Treibstoffen angetriebenen Rakete? Ich frage mich, wie man eine voll bef&uuml;llte Rakete am Flugzeug anbringt oder, wenn man sie erst am Flugzeug betankt, wie es dann mit der Sicherheit aussieht. Man stelle sich mal vor eine Falcon 9 explodiert wie am 1.9, angebracht an einem Stratolaunch-Flugzeug mit Besatzung ..<!--more-->.<\/p>\n<p>Bisher gab es nur den Start der Pegasus von einem Flugzeug aus. Die Pegasus ist klein und leicht, zudem setzt sie nur feste Treibstoffe ein. Das war relativ risikoarm (kein Schwappen, geringe Explosionsgefahr) und zudem ist die Rakete klein genug, um auch von einem mittelgro&szlig;en Flugzeug aus abgeworfen zu werden. Aber f&uuml;r die Pegasus muss man auch kein Flugzeug konstruieren. L&auml;ngst ausgemusterte L-1011 Tristar reichen aus. Die Tristar wurde 1984 zum letzten Mal produziert, die von Orbital ist, die letzte noch aktiv registrierte.<\/p>\n<h3>Die wechselhafte Geschichte von Stratolaunch<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium\" src=\"http:\/\/spaceflightnow.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Strato-orbital-rendering-sm-1-678x381.jpg\" alt=\"\" width=\"678\" height=\"381\" \/>Stratolaunch wollte urspr&uuml;nglich etwa 6 t in LEO und 2 t in GTO bringen. Seitdem hat sich an der Konzeption einiges ge&auml;ndert. SpaceX sollte urspr&uuml;nglich die Tr&auml;gerrakete stellen, eine Falcon 9 der ersten Version mit nur 5 Triebwerken und dadurch verk&uuml;rztem Rumpf. Die Rakete mit etwa 200 t Startmasse h&auml;tte auch die angegebene Nutzlast gehabt. SpaceX sprang dann ab, weil man nicht zwei Fertigungsstra&szlig;en aufrechterhalten wollte. Inzwischen ist die Falcon 9 mehr als doppelt so schwer wie dieses Exemplar. Vielleicht glaubte man aber auch nicht an den Erfolg. 2012 wandte sich Stratolaunch an Orbital. Die sollen nun eine Rakete mit einer festen Erststufe und einer Oberstufe mit RL-10 starten. Wann die kommt, ist offen. Weder von Orbital noch Stratolaunch gibt es irgendwelche Details zur Rakete.<\/p>\n<p>Nun der Schwenk: Man will auch <a href=\"http:\/\/spaceflightnow.com\/2016\/10\/10\/stratolaunch-announces-plan-to-fly-with-pegasus-rockets\/\">Pegasus mit dem Flugzeug starten<\/a>. Macht es Sinn? Auf den ersten Blick nicht. Das Tr&auml;gerflugzeug ist &uuml;berdimensioniert und ein neues Flugzeug wird sicher nicht billiger als die abgeschriebene Tristar sein. Vielleicht will Orbital einfach die letzte Tristar verschrotten. Es gibt ja nur noch einen gebuchten Pegasus Start, da die Rakete inzwischen sehr teuer ist. So bezahlt Orbital nur f&uuml;r den Flug und auf den Fixkosten f&uuml;r das Flugzeug bleibt Stratolaunch sitzen. F&uuml;r Orbital ein Gewinn, vielleicht wird so auch die Pegasus weder billiger. F&uuml;r Stratolaunch z&auml;hlt die bessere Auslastung ihres Tr&auml;gers. Den noch teurer als der Start einer Pegasus mit kleinen Einnahmen ist das Flugzeug, wenn es gar nichts startet. Also ein Win-Win Gesch&auml;ft.<\/p>\n<h3>Der Business-Case<\/h3>\n<p>Was sich aber nicht ge&auml;ndert hat ist, dass die Rakete mit 6 t LEO-Nutzlast zu klein f&uuml;r die h&auml;ufigen GTO-Transporte ist. Schwere erdnahe Satelliten sind so startbar. z.B. startet bald Worldview 4, der w&auml;re in dieser Klasse. Doch solche Nutzlasten gibt es maximal zweimal pro Jahr, eher weniger, denn auch bei den Erdbeobachtungssatelliten geht inzwischen der Trend zu kleinen Satelliten die dann einige Zehn bis &uuml;ber einige hundert Kilogramm wiegen.<\/p>\n<p>Der letzte Vega-Start bef&ouml;rderte f&uuml;nf dieser Satelliten in den Orbit. Damit kommt man zwar nicht auf die 0,25 m Aufl&ouml;sung von Worldview 4. Doch schon ein kleines Teleskop von 8 Zoll Gr&ouml;&szlig;e (da wiegt der Tubus etwa 5 kg) erreicht etwa 1 m Aufl&ouml;sung aus einer niedrigen Umlaufbahn. Das ist f&uuml;r viele Zwecke ausreichend und so ein Instrument passt in einen kleinen Satelliten. Bei Teleskopen gilt: Doppelte Aufl&ouml;sung sechs- bis achtfaches Gewicht. F&uuml;r die 0,25 m von Worldview (noch dazu aus einer h&ouml;heren Umlaufbahn) braucht man dann ein f&uuml;nfmal gr&ouml;&szlig;eres Teleskop das einige Hundert Kilogramm wiegt.<\/p>\n<p>Stratolaunch ist in Verhandlungen mit vielen LSP. Man kann spekulieren, doch die naheliegendste L&ouml;sung ist es, dass die Firma keine eigene Rakete entwickelt, sondern als \u201eStartanlage\u201c auftritt: Das Flugzeug k&ouml;nnte im Prinzip die oben genannten kleinen Raketen (Electron, Firefly, LauncherOne) f&uuml;r Nutzlasten von 100 bis 500 kg starten. Jeder Hersteller der Rakete spart sich die Startanlage. Stratolaunch erm&ouml;glicht zudem jede Inklination und steigert die Nutzlast um etwa 10%. Auch Orbital k&ouml;nnte ihre kleinen Raketen (Minotaur I,I V, 5 und 6 mit dem Flugzeug starten). Ich bin aber skeptisch, ob jemals die selbst entwickelte Rakete kommt. Wenn dann w&uuml;rde ich eher eine Version der Antares mit halb so gro&szlig;er erster Stufe und nur einem Triebwerk einsetzen, anstatt eine neue zu entwickeln.<\/p>\n<h3>Res&uuml;mee<\/h3>\n<p>Die Frage ist aber, ob sich die Entwicklung eines eigenen Tr&auml;gerflugzeugs nur f&uuml;r diese Aufgabe lohnt. Es ist ja zudem f&uuml;r die transportierten Raketen zu gro&szlig;. F&uuml;r die h&auml;tte sicher auch ein ausgemustertes vierstrahliges Flugzeug wie eine Boeing 747 oder Airbus 340 gereicht, eventuell auch ein zweistrahliges Flugzeug mit h&ouml;herer Nutzlastkapazit&auml;t als die Tristar. Damit spart man sich zum einen die Entwicklungskosten f&uuml;r das Tr&auml;gerflugzeug. Zum anderen auch dessen Herstellungskosten, denn man kauft ja nur ein schon finanziell abgesetztes Flugzeug. Auch wenn es nicht neu ist, so muss doch nur wenige Fl&uuml;ge durchf&uuml;hren. Sicher in der gesamten Lebensdauer weniger als sonst in einem Monat. Finanziell lohnt sich das Unternehmen meiner Meinung nach daher nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neue Tr&auml;ger zu entwickeln ist ja \u201ein\u201c, so gibt es auch gen&uuml;gend potentielle Tr&auml;ger f&uuml;r Stratolaunch. Neben SpaceX mit inzwischen drei Raketen in sechs Versionen gibt es ja noch LauncherOne, Firefly Systems, Electron und dann noch einige staatliche Neuentwicklungen wie die Super-Strypi, Ariane 6, Langer Marsch 5-7, SLS und Angara. Schon l&auml;nger dabei ist Stratolaunch. 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