{"id":12061,"date":"2016-10-17T18:03:31","date_gmt":"2016-10-17T16:03:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=12061"},"modified":"2016-10-18T09:17:11","modified_gmt":"2016-10-18T07:17:11","slug":"warum-gibt-es-keine-wasserstoffoberstufe-mit-druckfoerderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2016\/10\/17\/warum-gibt-es-keine-wasserstoffoberstufe-mit-druckfoerderung\/","title":{"rendered":"Warum gibt es keine Wasserstoffoberstufe mit Druckf&ouml;rderung?"},"content":{"rendered":"<p>Mit diesem theoretischen Thema zu Druckf&ouml;rderung bei \u00a0Wasserstoffoberstufen \u00a0will ich mich heute befassen. Was rauskommt wei&szlig; ich selbst noch nicht, auch wenn ich eine Ahnung habe, was raus kommt. Ich will das Thema trotzdem mal als Grundlagenartikel er&ouml;rtern.<\/p>\n<p>Fangen wir mal mit den Grundlagen des Pro- und Kontra an. Druckf&ouml;rderung ist bei kleinen Stufen, vor allem mit lagerf&auml;higen Treibstoffen der Standard. Alle Satelliten haben Antriebe mit Druckf&ouml;rderung. Manche f&uuml;r gr&ouml;&szlig;ere Geschwindigkeits&auml;nderung (wie z. B. beim &Uuml;bergang vom GTO in den GEO) aber in jedem Falle um Lage&auml;nderungen oder kleine Orbitkorrekturen durchf&uuml;hren zu k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Die Delta, Titan 3C, Falcon 1 und alle bemannten US-Missionen setzten ebenfalls druckgef&ouml;rderte Antriebe ein. Warum hat man es niemals mit LOX&amp;LH2 probiert? Auf den ersten Blick wirkt das etwas seltsam. Also fangen wir mal mit einer Er&ouml;rterung an.<!--more--><\/p>\n<h3>Pro\u00a0Druckf&ouml;rderung<\/h3>\n<p>Der wesentlichste Vorteil einer Druckf&ouml;rderung ist eine Vereinfachung der F&ouml;rderung. Es entf&auml;llt der Gasgenerator und die Turbopumpe. Gerade diese ist oft Ursache von Ausf&auml;llen. Der Fehlstart der letzten Antares (der erste Start der neuen Version wurde auf Montagabend verschoben) hatte seine Ursache in einem Versagen der Turbopumpe. Durch die schnell rotierenden Bl&auml;tter ist die Turbopumpe das Teil mit den meisten beweglichen Teilen und pr&auml;destiniert f&uuml;r Fehler. Dadurch ist die Turbopumpe auch ein relativ teures Teil des Triebwerks.<\/p>\n<p>Sie spart man bei der Druckf&ouml;rderung komplett ein. Die dadurch bewirkte Zuverl&auml;ssigkeit f&uuml;hrte auch dazu, dass alle bemannten US-Missionen nur druckgef&ouml;rderte Triebwerke einsetzten, selbst wenn der Schub wie bei Apollo ungew&ouml;hnlich hoch f&uuml;r ein druckgef&ouml;rdertes Triebwerk war.<\/p>\n<h3>Contra\u00a0Druckf&ouml;rderung<\/h3>\n<p>Kommen wir zu den Nachteilen der Druckf&ouml;rderung.<\/p>\n<p>Der erste ist, das die Tanks unter einem Druck stehen der h&ouml;her als der Brennkammerdruck. Sehr hohe Brennkammerdr&uuml;cke sind so nicht m&ouml;glich. Bei vielen druckgef&ouml;rderten Triebwerken liegen so die Brennkammerdr&uuml;cke bei 10 bis 20 Bar. Schon hier sieht man einen Grund, warum Wasserstoff wohl nicht zum Einsatz kommt, den Wasserstoff hat eine kleine Dichte. Die Gesamtmischung ist dann drei bis viermal weniger dicht als lagerf&auml;hige Treibstoffe. So braucht man auch drei bis viermal gr&ouml;&szlig;ere Tanks die entsprechend mehr wiegen. Bei Tanks steigt die Masse nach der Kesselformel proportional zum maximalen Druck.<\/p>\n<h3>Die genaue Betrachtung<\/h3>\n<p>Ein niedriger Brennkammerdruck reduziert nat&uuml;rlich auch die Ausstr&ouml;mgeschwindigkeit. Doch hier ist der Unterschied gar nicht so gro&szlig;. Die folgende Tabelle enth&auml;lt die theoretischen spezifischen Impulse (Mittelwert aus freiem Gleichgewicht und eingefrorener Zusammensetzung) f&uuml;r eine Expansion mit Fl&auml;chenverh&auml;ltnis 40 und einem LOC\/LH2 Verh&auml;ltnis von 5<\/p>\n<table>\n<thead>\n<tr>\n<th>Brennkammerdruck<\/th>\n<th>1 bar<\/th>\n<th>2 bar<\/th>\n<th>4 bar<\/th>\n<th>8 bar<\/th>\n<th>16 bar<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Spezifischer Impuls<\/td>\n<td>4049 m\/s<\/td>\n<td>4173 m\/s<\/td>\n<td>4207 m\/s<\/td>\n<td>4238 m\/s<\/td>\n<td>4268 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Das sieht eigentlich doch toll aus oder? Wenn man von 2 Bar Brennkammerdruck auf 16 bar geht, steigert man den spezifischen Impuls nur um 100 m\/s. Damit w&auml;re ein Triebwerk mit niedrigem Brennkammerdruck in der Gesamt&uuml;berlegung nicht so viel schlechter, denn was man bei dem spezifischen Impuls gewinnt, verliert man bei den Tanks, die schon bei Turbopumpenf&ouml;rderung den Gro&szlig;teil der Masse einer Stufe ausmachen. Neben der h&ouml;heren Tankmasse kommt dann ja auch noch das Druckgas hinzu, das man zus&auml;tzlich mitf&uuml;hren muss, um den Tankdruck aufrechtzuerhalten.<\/p>\n<p>Das Ganze hat nur ein Haken: Der Schub eines Triebwerks ist abh&auml;ngig von der Fl&auml;che am Ausgang zur D&uuml;se und dem Brennkammerdruck. In erster N&auml;herung gilt: Schub = Druck x Fl&auml;che. Gehe ich von 30 bis 40 Bar wie heute bei LOX\/Lh2 Triebwerken auf 3-4 Bar herunter, so muss bei gleichem Schub die Fl&auml;che am D&uuml;senhals zehnmal gr&ouml;&szlig;er werden, mithin das ganze Triebwerk zehnmal gr&ouml;&szlig;er, und selbst wenn es nicht so massiv sein muss erheblich schwerer.<\/p>\n<p>Man kann nat&uuml;rlich den Schub reduzieren. Arbeitet das Triebwerk nur im Orbit, so ist das eine tragbare L&ouml;sung, aber nicht f&uuml;r alle F&auml;lle. Kommunikationssatelliten haben heute bei bis zu 6 t Masse z.B. nur einen Antrieb mit 400 bis 500 N Schub. Um Treibstoff zu sparen, z&uuml;nden sie diesen mehrmals um den GEO zu erreichen, da ein 5-t-Satellit sonst den Antrieb fast dreieinhalb Stunden am St&uuml;ck arbeiten lassen muss. Das reduziert die Gravitationsverluste, die z.B. jetzt bei <a href=\"\/exomars-sonde.shtml\">Exomars <\/a>mit einem ebenfalls kleinen Antrieb sehr hoch sind. Exomars braucht &uuml;ber 300 m\/s mehr, um in den Orbit zu gelangen, als wenn er einen schubkr&auml;ftigen Antrieb hat. Doch er hat eben nur eine Chance und kann das Man&ouml;ver nicht auf mehrere kleine aufteilen. Bei LOX\/LH2 m&uuml;sste man als Ausgleich die Stufe gut isolieren, um die Verdampfung vor allem des Wasserstoffs zu vermeiden.<\/p>\n<p>Als zweite Folge des gro&szlig;en Triebwerks sinkt bei einer gegebenen D&uuml;sengr&ouml;&szlig;e das Expansionsverh&auml;ltnis. Diese kann ja nicht beliebig vergr&ouml;&szlig;ert werden. Nehmen wir eine (schon recht gro&szlig;e) D&uuml;se mit 2 m Durchmesser, die zu einem 80-kN-Triebwerk geh&ouml;ren soll. Dann kommt man je nach Druck auf folgende Fl&auml;chenverh&auml;ltnisse:<\/p>\n<table>\n<thead>\n<tr>\n<th>Brennkammerdruck<\/th>\n<th>1 bar<\/th>\n<th>2 bar<\/th>\n<th>4 bar<\/th>\n<th>8 bar<\/th>\n<th>16 bar<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Fl&auml;chenverh&auml;ltnis<\/td>\n<td>3,9<\/td>\n<td>7,8<\/td>\n<td>15,7<\/td>\n<td>31,4<\/td>\n<td>62,8<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Spezifischer Impuls<\/td>\n<td>3499 m\/s<\/td>\n<td>3779 m\/s<\/td>\n<td>4006 m\/s<\/td>\n<td>4194 m\/s<\/td>\n<td>4344 m\/s<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Damit erh&auml;lt man aber auch andere spezifische Impulse. Die nun doch stark absacken. Die Brennkammer d&uuml;rfte in etwa proportional zum absinkenden Druck schwerer werden (die Fl&auml;che steigt quadratisch, doch durch den abnehmenden Druck wird die Wandst&auml;rke immer d&uuml;nner).<\/p>\n<p>Es wird nun an der Zeit das Mal durchzurechnen. Ich habe mich dabei auf existierende Systeme gest&uuml;tzt.<\/p>\n<p>Die folgenden Annahmen werden gemacht:<\/p>\n<ul>\n<li>Schub wie beim HM-7B, von diesem werden auch das Gewicht von Brennkammer und Triebwerk &uuml;bernommen. Die D&uuml;se wird auf 2 m Gr&ouml;&szlig;e vergr&ouml;&szlig;ert<\/li>\n<li>Kugelf&ouml;rmige Tanks aus Aluminium, Zugfestigkeit 300 N\/mm, 50% &Uuml;berdruckfestigkeit<\/li>\n<li>Heliumdruckgas nur f&uuml;r LOX-Tank, f&uuml;r Wasserstoff wird LH2 am Triebwerk in Gas umgesetzt.<\/li>\n<li>12.000 kg Treibstoffzuladung: 2.000 kg LH2 10.000 kg LOX<\/li>\n<li>Heliumdruckflasche der Ariane 5 (93 kg Gewicht ohne Helium, nimmt 300 l bei 400 Bar auf, das entspricht 21,3 kg Helium)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Man erh&auml;lt folgende Tabelle:<\/p>\n<table>\n<colgroup span=\"12\" width=\"85\"> <\/colgroup>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td>HM-7B (3 Bar Tankdruck)<\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Druck:<\/td>\n<td>36 bar<\/td>\n<td>1<\/td>\n<td>2<\/td>\n<td>3<\/td>\n<td>4<\/td>\n<td>5<\/td>\n<td>6<\/td>\n<td>7<\/td>\n<td>8<\/td>\n<td>12<\/td>\n<td>16<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Brennkammer:<\/td>\n<td>70,00<\/td>\n<td>2520,00<\/td>\n<td>1260,00<\/td>\n<td>840,00<\/td>\n<td>630,00<\/td>\n<td>504,00<\/td>\n<td>420,00<\/td>\n<td>360,00<\/td>\n<td>315,00<\/td>\n<td>210,00<\/td>\n<td>157,50<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>D&uuml;se:<\/td>\n<td>77,00<\/td>\n<td>150,00<\/td>\n<td>150,00<\/td>\n<td>150,00<\/td>\n<td>150,00<\/td>\n<td>150,00<\/td>\n<td>150,00<\/td>\n<td>150,00<\/td>\n<td>150,00<\/td>\n<td>150,00<\/td>\n<td>150,00<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Expansionsverh&auml;ltnis<\/td>\n<td>93,10<\/td>\n<td>4,83<\/td>\n<td>9,67<\/td>\n<td>14,50<\/td>\n<td>19,33<\/td>\n<td>24,17<\/td>\n<td>29,00<\/td>\n<td>33,83<\/td>\n<td>38,67<\/td>\n<td>58,00<\/td>\n<td>77,33<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>LOX-Tank<\/td>\n<td>3,75<\/td>\n<td>3,75<\/td>\n<td>3,75<\/td>\n<td>3,75<\/td>\n<td>3,75<\/td>\n<td>3,75<\/td>\n<td>3,75<\/td>\n<td>3,75<\/td>\n<td>3,75<\/td>\n<td>3,75<\/td>\n<td>3,75<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Gewicht<\/td>\n<td>115,35<\/td>\n<td>115,35<\/td>\n<td>115,45<\/td>\n<td>173,03<\/td>\n<td>230,51<\/td>\n<td>287,90<\/td>\n<td>345,20<\/td>\n<td>402,40<\/td>\n<td>459,50<\/td>\n<td>686,98<\/td>\n<td>912,96<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>LH2-Tank<\/td>\n<td>5,61<\/td>\n<td>5,61<\/td>\n<td>5,61<\/td>\n<td>5,61<\/td>\n<td>5,61<\/td>\n<td>5,61<\/td>\n<td>5,61<\/td>\n<td>5,61<\/td>\n<td>5,61<\/td>\n<td>5,61<\/td>\n<td>5,61<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Gewicht<\/td>\n<td>387,11<\/td>\n<td>387,11<\/td>\n<td>387,43<\/td>\n<td>580,67<\/td>\n<td>773,58<\/td>\n<td>966,17<\/td>\n<td>1158,45<\/td>\n<td>1350,40<\/td>\n<td>1542,04<\/td>\n<td>2305,42<\/td>\n<td>3063,78<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Helium+Flasche<\/td>\n<td>115,00<\/td>\n<td>39,60<\/td>\n<td>79,21<\/td>\n<td>118,81<\/td>\n<td>158,42<\/td>\n<td>198,02<\/td>\n<td>237,63<\/td>\n<td>277,23<\/td>\n<td>316,83<\/td>\n<td>475,25<\/td>\n<td>633,67<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Gasf&ouml;rmiger Wasserstoff<\/td>\n<td><\/td>\n<td>64,97<\/td>\n<td>129,94<\/td>\n<td>194,91<\/td>\n<td>259,87<\/td>\n<td>324,84<\/td>\n<td>389,81<\/td>\n<td>454,78<\/td>\n<td>519,75<\/td>\n<td>779,62<\/td>\n<td>1039,50<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Zusatzmasse f&uuml;r Tank<\/td>\n<td><\/td>\n<td>12,58<\/td>\n<td>25,17<\/td>\n<td>56,59<\/td>\n<td>100,52<\/td>\n<td>156,93<\/td>\n<td>225,79<\/td>\n<td>307,07<\/td>\n<td>400,74<\/td>\n<td>898,68<\/td>\n<td>1592,40<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Summe Trockenmasse<\/td>\n<td>764,46<\/td>\n<td>3212,07<\/td>\n<td>1992,09<\/td>\n<td>1862,51<\/td>\n<td>1942,51<\/td>\n<td>2106,10<\/td>\n<td>2311,27<\/td>\n<td>2540,03<\/td>\n<td>2783,37<\/td>\n<td>3827,65<\/td>\n<td>4917,91<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Aufschlag Strukturen<\/td>\n<td>600,00<\/td>\n<td>200,00<\/td>\n<td>200,00<\/td>\n<td>200,00<\/td>\n<td>200,00<\/td>\n<td>200,00<\/td>\n<td>200,00<\/td>\n<td>200,00<\/td>\n<td>200,00<\/td>\n<td>200,00<\/td>\n<td>200,00<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Spez Impuls<\/td>\n<td>4384<\/td>\n<td>3581<\/td>\n<td>3844<\/td>\n<td>3974<\/td>\n<td>4058<\/td>\n<td>4117<\/td>\n<td>4164<\/td>\n<td>4201<\/td>\n<td>4232<\/td>\n<td>4319<\/td>\n<td>4374<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Startmasse<\/td>\n<td><\/td>\n<td>15477,04<\/td>\n<td>14322,03<\/td>\n<td>14257,42<\/td>\n<td>14402,39<\/td>\n<td>14630,94<\/td>\n<td>14901,08<\/td>\n<td>15194,81<\/td>\n<td>15503,12<\/td>\n<td>16807,27<\/td>\n<td>18157,41<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Brennschlussmasse<\/td>\n<td><\/td>\n<td>3477,04<\/td>\n<td>2322,03<\/td>\n<td>2257,42<\/td>\n<td>2402,39<\/td>\n<td>2630,94<\/td>\n<td>2901,08<\/td>\n<td>3194,81<\/td>\n<td>3503,12<\/td>\n<td>4807,27<\/td>\n<td>6157,41<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Was die Trockenmasse angeht, so gibt es ein Minium bei 3 Bar Druck beim Triebwerk, 4,5 Bar Tankdruck. In der Bilanz ist der gasf&ouml;rmige Wasserstoff einberechnet. Er ist nicht nutzbar, weil er f&uuml;r die Druckbeaufschlagung gebraucht wird. Ebenso erh&ouml;ht er die Masse des LH2-Tanks.<\/p>\n<p>Die Gewichtsbilanz ist auch keine komplette Stufe. Die Ariane 4 Drittstufe wog mit dieser Treibstoffzuladung z.b. 1356 kg trocken. Die Differenz ist den Tanks in Zylinderform geschuldet: Zylindertanks haben an den Zylinderw&auml;nden die doppelte Dicke wie an den halbkugelf&ouml;rmigen Abschl&uuml;ssen. Das addiert etwa 500 kg hinzu, dazu fehlt noch der Schubrahmen und die Leitungen. Bei den selbst konstruierten Raketen m&uuml;sste man nur Schubrahmen und Leitungen hinzurechnen, wof&uuml;r ich 200 kg f&uuml;r ausreichend halte. Der Spezifische Impuls ist mit dem angegebenen Expansionsverh&auml;ltnis gerechnet.<\/p>\n<p>Nun irgendwann muss man dann aber zum konkreten umsteigen. Ich habe zur einfacheren Rechnung diese Stufen auf eine jeweils 150 t schwere Lox-RP1 Stufe gesetzt, angelehnt an die Atlas mit 10 t Trockenmasse und einem spezifischen Impuls von 3200 im Vakuum. Hier die Nutzlasten:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" title=\"Druckf&ouml;rderung: Nutzlast bei verschieden Tankdruck bei LEO-Misssionen\" src=\"https:\/\/bernd-leitenberger.de\/img\/nutzlast7802.png\" alt=\"Nutzlast LEO\" width=\"713\" height=\"430\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" title=\"Druckf&ouml;rderung: Nutzlast bei verschieden Tankdruck bei GTO-Misssionen\" src=\"https:\/\/bernd-leitenberger.de\/img\/nutzlast10250.png\" alt=\"GTO-Nutzlast\" width=\"713\" height=\"430\" \/><\/p>\n<p>Es gibt wie man sieht ein Optimum, sowohl bei LEO wie GTO-Orbits bei 3-5 Bar Druck.<\/p>\n<p>Sofern man die Stufe, nicht wie hier, ben&ouml;tigt um &uuml;berhaupt einen Orbit zu erreichen, sondern erst z&uuml;ndet wenn man schon einen Orbit erreicht hat kann man einen Nachteil der \u201eNiedrigdruck\u201c Versionen abfangen: die gro&szlig;e Brennkammer. Geht man mit dem Schub herunter, so wird die Brennkammer kleiner und das Expansionsverh&auml;ltnis.<\/p>\n<h3>Eine Oberstufe f&uuml;r die Ariane 5<\/h3>\n<p>Damit komme ich zu der Anwendung, die ich schon im Auge hatte als ich den Artikel schrieb: Als zus&auml;tzliche Stufe f&uuml;r die Ariane 5. Bei Kugeltanks ist da sowieso die Treibstoffzuladung begrenzt. Bei 5,40 m Durchmesser darf der gr&ouml;&szlig;te Tank maximal 2,70 m Durchmesser haben (mehrere kleine Tanks anstatt einem gro&szlig;en, sonst wird die Stufe zu hoch). Das sind beim Wasserstoff dann 700 kg pro Tank oder 1.400 kg insgesamt. Beim Mischungsverh&auml;ltnis von 5,5 kommen dann noch 7.700 kg LOX dazu. Je zwei Tanks fassen dann den Treibstoff. Reduziert man zudem den Schub des Triebwerks auf 30 kN, so ist nicht nur das Triebwerk leichter, sondern auch das Expansionsverh&auml;ltnis gr&ouml;&szlig;er:<\/p>\n<p>Man erh&auml;lt nun schon sehr gute Gewichtsverh&auml;ltnisse. In der Praxis wird man aber die Stufe etwas anders bauen. Denn mit der angenommenen langen D&uuml;se von 2 m Durchmesser (und etwa 3-4 m L&auml;nge) braucht man einen gro&szlig;en Stufenadapter, der die gesamte Gewichtsersparnis wieder zunichtemacht.<\/p>\n<p>Idealweise wird man die Stufe so konstruieren, dass oben vier Wasserstofftanks mit einem kleineren Durchmesser liegen, darunter in der Mitte das Triebwerk umgeben von den LOX-Tanks. Die sind schon bei 7,7 t Treibstoff 1,61 m hoch. Wenn das Triebwerk genauso hoch ist, entfallen (in Analogie zu bekannten Triebwerken) rund 60 cm auf die Brennkammer. Der Durchmesser des Triebwerks ist etwa ein Drittel der L&auml;nge, daraus errechnet man eine Abschlussfl&auml;che von 314 cm\u00b2 die bei 40 N\/cm\u00b2 einem Schub von 12,5 kN entsprechen. Die 1 m lange D&uuml;se w&uuml;rde sich auf 80 cm Durchmesser erweitern, das entspricht einem Expansionsverh&auml;ltnis von 7,1 und einem spezifischen Impuls von 3748 m\/s.<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Brennkammer:<\/td>\n<td>117,00<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>D&uuml;se:<\/td>\n<td>50,00<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Expansionsverh&auml;ltnis<\/td>\n<td>7,10<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>LOX-Tank<\/td>\n<td>1,61<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Gewicht<\/td>\n<td>36,59<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>LH2-Tank<\/td>\n<td>2,70<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Gewicht<\/td>\n<td>172,57<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Helium+Flasche<\/td>\n<td>12,57<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Gasf&ouml;rmiger Wasserstoff<\/td>\n<td>28,99<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Zusatzmasse f&uuml;r Tank<\/td>\n<td>2,50<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Summe Trockenmasse<\/td>\n<td>388,73<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Aufschlag Strukturen<\/td>\n<td>200,00<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Spez Impuls<\/td>\n<td>3748<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Startmasse<\/td>\n<td>9017,71<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Brennschlussmasse<\/td>\n<td>617,71<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Daf&uuml;r wurde eine solche Stufe nur 618 kg trocken bei 8,4 t Treibstoffzuladung wiegen. Allerdings br&auml;uchte man noch ein Ger&uuml;st f&uuml;r die Tanks und einen Adapter. Setzen wir daf&uuml;r noch mal 482 kg an, so liegt bei bei 9500 kg voll und 1.100 kg trocken. Auf eine Ariane 5 platziert, w&uuml;rde sie die GTO-Nutzlast um 550 kg anheben, das ist wenig, liegt aber daran dass dann auch die VEB von der ECS-A auf diese Stufe umzieht. Man k&ouml;nnte aber etwas Gewicht einsparen. So kann man die Elektronik zwischen LOX und LH2 Tanks integrieren, ebenso die anderen Teile der VEB, das spart deren Strukturgewicht ein, was nochmals einige Hundert Kilogramm bringt. Zudem kann man den gasf&ouml;rmigen Wasserstoff f&uuml;r die Man&ouml;ver nach Brennschluss nutzen und so Hydrazin einsparen, das bisher daf&uuml;r verwendet wird.<\/p>\n<p>Wichtiger als die Nutzlast ist aber die Wiederz&uuml;ndbarkeit. Diese Stufe k&ouml;nnte f&uuml;r Galileo die Zirkularisation durchf&uuml;hren was die Nutzlast f&uuml;r den Galilleoorbit auf 6087 kg erh&ouml;hen w&uuml;rde. Das reicht f&uuml;r 6 anstatt 4 Satelliten pro Start.<\/p>\n<h3>Res&uuml;mee<\/h3>\n<p>Eine kleine Oberstufe mit relativ niedrigem Brennkammerdruck, mehreren kugelf&ouml;rmigen Tanks, also im Prinzip eine EPS nur mit LOX\/LH2 w&auml;re f&uuml;r bestimmte Missionen durchaus interessant. Solange die dadurch bedingte lange Brenndauer kein Problem ist (obige Stufe m&uuml;sste um die 8,4 t Treibstoff zu verbrennen z.B. 2543 s lang betrieben werden.<\/p>\n<p>Wenn man die Verdampfungsverluste im Griff hat, w&auml;ren f&uuml;r mich neben Hochenergiemissionen (Fl&uuml;ge zu Jupiter und weiter) auch GTO-&gt;GEO Transfers und Missionen zum Mond interessant. Airbus (fr&uuml;her EADS) hat auch ein 300-N-LOX\/LH2 Triebwerk im Portfolio, aber das ist eher als Satellitenantrieb gedacht.<\/p>\n<p>Es w&auml;re aber bei einer Oberstufe f&uuml;r die Vega einsetzbar. Sie hat nur einen Durchmesser von 1,9 m, was bei kugelf&ouml;rmigen Tanks bei St&uuml;ck von je 90 cm Durchmesser 78 kg Wasserstoff und 390 kg Sauerstoff entspricht. Das ist in etwa die Treibstoffzuladung, die derzeit das AVUM hat, jedoch mit einem um ein Viertel h&ouml;heren spezifischen Impuls. Es steigert wahrscheinlich die Nutzlast nicht sehr, aber wenn man mal vom ukrainischen Triebwerk wegkommen will w&uuml;rde ich so was zumindest mal untersuchen.<\/p>\n<p>Bei den niedrigen Druckwerten w&auml;re auch noch ein zylindrischer Tank denkbar. Er ist schwerer, doch seine Geometrie ist g&uuml;nstiger. Das nachzurechnen &uuml;berlasse ich aber euch. Alleine f&uuml;r den Aufsatz habe ich schon 6 Stunden gebraucht.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/a6d67d856d624758b9a4e5d65ca630b4\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit diesem theoretischen Thema zu Druckf&ouml;rderung bei \u00a0Wasserstoffoberstufen \u00a0will ich mich heute befassen. Was rauskommt wei&szlig; ich selbst noch nicht, auch wenn ich eine Ahnung habe, was raus kommt. Ich will das Thema trotzdem mal als Grundlagenartikel er&ouml;rtern. Fangen wir mal mit den Grundlagen des Pro- und Kontra an. Druckf&ouml;rderung ist bei kleinen Stufen, vor [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[2501],"class_list":["post-12061","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-raumfahrt","tag-druckforderung","entry"],"a3_pvc":{"activated":false,"total_views":274,"today_views":0},"jetpack_featured_media_url":"","jetpack-related-posts":[{"id":16806,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2023\/05\/25\/eine-renaissance-fuer-nukleare-triebwerke\/","url_meta":{"origin":12061,"position":0},"title":"Eine Renaissance f&uuml;r Nukleare Triebwerke?","author":"Bernd Leitenberger","date":"25. 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