{"id":12114,"date":"2016-11-07T20:22:22","date_gmt":"2016-11-07T19:22:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=12114"},"modified":"2016-11-07T20:22:22","modified_gmt":"2016-11-07T19:22:22","slug":"der-untergang-des-roemischen-weltreichs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2016\/11\/07\/der-untergang-des-roemischen-weltreichs\/","title":{"rendered":"Der Untergang des R&ouml;mischen Weltreichs"},"content":{"rendered":"<p>So der Titel eines <a href=\"http:\/\/amzn.to\/2eOdw63\">Buchs von Peter Heather<\/a>. Jemand hat es mal als Kommentar zu einem Blog empfohlen und da mein Blog eigentlich nur Intelligente und Vielbelesene anzieht (die anderen bekommen von den Blogkommentatoren schnell Kontra) habe ich es mir zugelegt und durchgelesen. Dazu kommt noch eine Buchkritik in den n&auml;chsten Tagen.<\/p>\n<p>Heute geht es aber um den Tatbestand, also des Untergangs des R&ouml;mischen Weltreichs. Wenn man das Buch liest, so wird die Meinung des Historikers deutlich. Dass r&ouml;mische Reich war zu gro&szlig;. Es hatte zu lange Grenzen zu verteidigen. Die Truppen konnten kleine Gruppen von Pl&uuml;nderern aufhalten, aber nicht einen ganzen Stamm mit 10.000 bis 20.000 Kriegern. Wenn er erst mal auf dem Reichgebiet war, dauerte es Monate um Truppen, die im ganzen Reich verstreut warenn zu sammeln und in eine Schlacht zu f&uuml;hren. Mehr als einmal ging auch diese verloren, und selbst wenn man die &#8222;Barbaren&#8220; schlug, so hatten sie eine Gegend gepl&uuml;ndert und die lieferte &uuml;ber Jahre keine Steuern. Das Reich kannte das Problem und verlegte die Regierungssitze an die Grenzen, nach Trier oder Ravenna. Es wurde das Reich geteilt, um so die Distanz zu den Grenzen zu verringern und die Verwaltung, die das gleiche Problem mit langen Reisen und Distanzen hatte, effektiver zu gestalten. Zeitweise gab es neben dem westr&ouml;mischen und ostr&ouml;mischen Reich vier Regierungssitze.<!--more--><\/p>\n<p>Die V&ouml;lkerwandung bringt ab 376 das Reich in Bedr&auml;ngnis. Zuerst ziehen die Ostgoten in den Balkan. Es gelingt sie nicht gleich zubek&auml;mpfen, weil das Westreich sich gegen Alemannen wehren muss und das Ostreich einen Feldzug gegen die Perser. Schlie&szlig;lich verlor der ostr&ouml;mische Kaiser eine Schlacht, weil er nicht auf seinen Kollegen aus dem Westreich wartete und er musste die Ostgoten auf r&ouml;mischen Boden ansiedeln. Eine zweite Welle gibt es 406 bis 410, als die Westgoten sogar Rom pl&uuml;ndern. Um 440 brechen dann gleich mehrere St&auml;mme durch und erobern Spanien und Nordafrika, sp&auml;ter breiten sie sich in Gallien aus. Versuche die L&auml;nder wieder zu erobern scheitern. Daneben wurden zweimal die erfolgreichen Heerf&uuml;hrer ermordet, weil die Kaiser f&uuml;rchteten, sie w&uuml;rden zu m&auml;chtig werden. Die Kaiser selbst wurden auch ermordet und die letzten 20 Jahre vor dem Untergang regierten die Kaiser nur noch f&uuml;r einige Monate bis Jahre.<\/p>\n<p>Die Argumentationskette von Heather ist schl&uuml;ssig. Es ist eine Art Kettenreaktion. Wenn ein Stamm einf&auml;llt, dann kann, selbst wenn er besiegt werden kann, die Region &uuml;ber Jahre durch die Pl&uuml;nderung keine Steuern liefern und das Reich ist noch mehr geschw&auml;cht bei folgenden Invasionen, da das Geld f&uuml;r neue Truppen fehlt. Die Truppenst&auml;rke hat sich nach dem Buch zwar gehalten, aber schon 378 musste man Grenztruppen ins Feldheer eingliedern. Meistens gewann Rom nun aber nicht mehr und musste den germanischen St&auml;mmen Siedlungsgebiete zuweisen, die dann ganz aus dem Reich herausfielen. So als 435-440 Vandalen, Alanen, Sueben gleichzeitig einfielen und das r&ouml;mische Reich nichts gegen sie machen konnte. Drei St&auml;mme hatten auch ein handlungsf&auml;higes Reich &uuml;berfordert. Damit entfielen zwei wertvolle Provinzen: Spanien und Nordafrika, die durch ihr gutes Klima den Gro&szlig;teil der Steuereinnahmen einbrachten: 85% der Bev&ouml;lkerung warne Bauern, so waren Steuern auf Ernten die Haupteinnahmequelle des Staates.<\/p>\n<p>Auch war die Situation eine andere. Rom war in der Vergangenheit mit vielen st&auml;rkeren Gegnern konfrontiert. Es hatte Karthago ausgel&ouml;scht. Dann die seleukidischen Nachfolgestaaten. Jede dieser Staaten war eine Regionalmacht mit einer Armee, erprobt und schlagkr&auml;ftig. Aber keine der M&auml;chte wollte Rom zerst&ouml;ren oder ihr Gegenden wegnehmen. Keine, au&szlig;er Hannibal fiel jemals in Italien ein. Verlor Rom einen Krieg, versuchte sie es einige Jahre sp&auml;ter nochmals. Es war der Wille zu siegen und den vermisse ich dann doch im sp&auml;ten Rom. Der Niedergang ging &uuml;ber 100 Jahre und es gibt nur wenige Versuche einmal verlorene Gebiete wieder zur&uuml;ckzuerobern. Mehr noch: viele Schlachten gingen verloren. Rom hatte zu seinen besten Zeiten eine Armee die Schlachten selbst dann gewann, wenn sie von der Truppenst&auml;rke weit unterlegen war. C&auml;sar konnte bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schlacht_um_Alesia\">Alesia<\/a> einen Entsatzversuch eines dreimal so gro&szlig;en Entsatzheeres ab dabei wurde er von zwei Seiten angegriffen von der belagerten Bergfestung und von au&szlig;en und er musste trotzdem die Belagerung aufrechterhalten, damit nicht woanders ein Durchbruch gelingt. Nun konnten germanische St&auml;mme mit maximal 10.000 bis 20.000 Kriegern, keine Berufssoldaten, sondern Freie Germanen gegen ein &auml;hnlich gro&szlig;es r&ouml;misches Heer siegen und Rom hatte das Problem schon diese 10.000 bis 20.000 Mann aufzubieten. Heather spricht von zwei Truppen: der Feldarmee und der Grenzarmee. Letzte soll deutlich weniger schlagkr&auml;ftig gewesen sein. Auch die Taktik scheint verbesserungsw&uuml;rdig. Die Vandalen setzten bei Gibraltar &uuml;ber, wahrscheinlich mit kleinen Booten, die zwischen Spanien und Nordafrika pendelten. Da es in Nordafrika, wo es setn Jahrhunderten nur Probleme mit Nomaden aber keine anderen Truppen gab, nur wenige r&ouml;mische Truppen gab, gl&uuml;ckte dies. Rom stellte dagegen zweimal gro&szlig;e Invasionsflotten auf, die so teuer waren dass sie, nachdem sie zweimal durch Gl&uuml;ck und Strategie von den Vandalen zerst&ouml;rt wurden, das Kapital fehlte, woanders noch Gebiete zu erobern. Dabei h&auml;tten sie wie die Vandalen &uuml;bersetzen k&ouml;nnen, denn die befanden sich schlie&szlig;lich 2000 km weiter &ouml;stlich rund um Karthago und nicht in Mauretanien. Dort waren die ertragreichsten Regionen Nordafrikas.<\/p>\n<p>Vor allem: Die Grenzproblematik ist nicht neu. Schon Augustus gab seinen Nachfolgern den Rat mit, auf eine Erweiterung des Imperiums zu verzichten. Von den 24 Legionen, die das Reich damals hatte, waren 14 an Rhein und Donau aufgestellt. Seine Nachfolger haben das nicht beherzigt. Alle Kaiser versuchten danach noch weiteres Gebiet zu erobern. Doch unter Trajan ein Jahrhundert sp&auml;ter, erreichte das R&ouml;mische Reich seine gr&ouml;&szlig;te Ausdehnung. Danach ging es zur&uuml;ck. Man versuchte Grenzen durch Befestigungen wie den Limes oder Hadrianswall zu halten, gab diese aber sp&auml;ter auf, nachdem man die Truppenst&auml;rke reduzieren musste, als man im Osten Krieg f&uuml;hrte. Den komischerweise trachteten auch danach noch alle Kaiser daran, das Imperium zu erweitern. Allerdings vor allem im Osten, wo auch wirtschaftlich eintr&auml;gliche Gebiete lagen. So begann ein &uuml;ber Jahrhunderte sich hinziehender Krieg zuerst gegen die Parther, dann als diese von den Persern abgel&ouml;st wurden gegen die Perser.<\/p>\n<p>Auch 376 bei den ersten Einf&auml;llen f&uuml;hrte das Ostreich einen Feldzug gegen die Perser in der T&uuml;rkei, der kl&auml;glich scheiterte. Dass die Grenzen zu lang waren, ist eigentlich offensichtlich. Dass es immer wieder Invasionen gab, kam auch vor, doch waren es in der Regel vagabundierende Horden, die auf Beutezug waren. Niemals ein gr&ouml;&szlig;eres Heer. Das die Grenztruppen, die in kleinen Kastellen von 500 bis 1000 Mann untergebracht waren, nicht 10.000 Germanen aufhalten konnten war eigentlich klar, und wenn diese erst mal auf r&ouml;mischem Gebiet waren, so dauerte es Monate, ein Feldheer aufzustellen und in die betroffene Region zu schicken. Warum Rom niemand daran dachte, die Grenzlinie zu verk&uuml;rzen, indem man den Balkan aufgab, wo es eh nicht viel Steuereinnahmen gab, ist unverst&auml;ndlich. Italien ist gesch&uuml;tzt durch die Alpen, Griechenland auch durch den d&uuml;nnen Istmus und Gebirge, das Ostreich durch die Meerenge der Dardanellen. So blieben als mit Truppen stark zu bewachende Grenzen nur der Rhein und die Ostgrenze zum Perserreich. Zumindest beim Westreich sank die zu bewachende Grenze so auf ein Drittel.<\/p>\n<p>Ich glaube aber das auch so Rom abgebaut hat. Man muss nur mit dem zweiten punischen Krieg vergleichen. Damals war Rom so gro&szlig; wie etwa um 470 n. Chr. N&auml;mlich auf Italien beschr&auml;nkt. Doch dieses Rom konnte gegen Hannibals Armee k&auml;mpfen, gab den Kampf nicht auf selbst nachdem sie 50.000 Soldaten bei Cannae verloren und der Krieg sich &uuml;ber ein weiteres Jahrzehnt erstreckte. 470 n.Chr. reichten die Steuereinnahmen Italiens nicht mal mehr aus, um die Soldaten in Italien zu bezahlen und Odoaker, General der Truppen ernannte sich zum \u201eStadthalter\u201c &uuml;ber Italien, setzte den letzten Kaiser ab und verteilte Land an die Soldaten, die seit Monaten auf den Sold warteten. Noch mehr muss sich ge&auml;ndert haben. Hannibal machte nie den Versuch Rom zu belagern. Man begr&uuml;ndet dies damit, dass er keine Belagerungsmaschinen mitf&uuml;hrte. Aber die Vandalen, die von See &uuml;ber Schiffe kamen, pl&uuml;nderten Rom nach kurzer Belagerung und die hatten sicher auch keine Belagerungsger&auml;te. Dabei hatte man unter Kaiser Aurel die Befestigungen stark ausgebaut. Der Wehrwillen der Bev&ouml;lkerung muss in den Jahrhunderten stark abgenommen haben. Vielleicht auch, weil sich die Bev&ouml;lkerung &auml;nderte. Es gab immer mehr Gro&szlig;grundbesitzer, die ihre G&uuml;ter mit Sklaven bewirtschafteten und immer weniger kleine Bauern, die fr&uuml;her der Grundstock der r&ouml;mischen Gesellschaft gewesen waren. Schon im fr&uuml;hen Kaiserreich war Rom aus Getreidelieferungen aus &Auml;gypten und Nordafrika angewiesen, so hatte sich die Landwirtschaft ver&auml;ndert in Richtung Anbau von Wein und Oliven und anderen \u201eGenussmitteln\u201c.<\/p>\n<p>Meiner Ansicht nach greift Heathers Erkl&auml;rung zu kurz. Sie ist logisch, aber nicht die ganze Sicht. Vor allem, wenn man seine Einf&uuml;hrung liest, in der er scheibt, das zu dieser Zeit das ganze Reich romanisiert war und viele in den Provinzen sich als R&ouml;mer empfanden. Gallier wurden zu bekannten Dichtern, sie waren genauso als R&ouml;mer akzeptiert wie die Einwohner Roms Jahrhunderte fr&uuml;her. So h&auml;tte man in diesem Reich doch enorm viele Einwohner gehabt, die man zum Milit&auml;r einziehen konnte, w&auml;hrend lange Zeit nur R&ouml;mer zum Milit&auml;rdienst verpflichtet waren. Was wohl fehlte, war eine dezentrale Regierung. Wenn also Gallien &uuml;berfallen, wurde so fehlte es an regionalen Machthabern, die eigene Truppen zur Verteidigung hatten und so vielleicht die Germanen nicht besiegen konnten, aber zumindest Pl&uuml;nderungen eind&auml;mmen konnten. Es gab keine Zwischeneinheit zwischen St&auml;dten und Kaiser. Es gab regional stationiertes Feldheer, doch diese Einheiten konnten auch zur Gefahr werden. Oft genug erhoben diese ihre Befehlshaber zum Kaiser und es kam zum B&uuml;rgerkrieg. So auch um 410, als der britische Kommandeur sich zum Kaiser erhob, mit seinen Truppen zur Durchsetzung nach Gallien &uuml;bersetzte und Britannien alleine lies. Es wurde dann von den Angeln und Sachen eingenommen. Zu einer Zeit, als gleichzeitig die Westgoten unter Alarich nach Italien vordrangen und schlie&szlig;lich Rom pl&uuml;nderten, gab es so einen zweiten Krieg gegen einen Usurpator. Diese fehlende Zuverl&auml;ssigkeit der Truppen ist sicherlich auch ein Erkl&auml;rungsgrund f&uuml;r den Zerfall. Das gab es schon fr&uuml;her, als Nero starb, riefen sich z.B. gleich drei Befehlshaber zum Kaiser aus, doch in Zeiten &auml;u&szlig;erer Bedrohung war dies verh&auml;ngnisvoll.<\/p>\n<p>Das Ostr&ouml;mische Reich lebte dagegen weiter, konnte zeitweise auch einige Gebiete zur&uuml;ckerobern, so Nordafrika und den Balkan. Es verlor erst ab 624 Gebiete gegen die Araber und Konstantinopel wurde sogar erst 1453 eingenommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So der Titel eines Buchs von Peter Heather. 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