{"id":12132,"date":"2016-11-18T23:18:15","date_gmt":"2016-11-18T22:18:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=12132"},"modified":"2016-11-18T23:18:15","modified_gmt":"2016-11-18T22:18:15","slug":"50-jahre-star-trek-visionaer-oder-billige-effekte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2016\/11\/18\/50-jahre-star-trek-visionaer-oder-billige-effekte\/","title":{"rendered":"50 Jahre Star Trek \u2013 Vision&auml;r oder billige Effekte?"},"content":{"rendered":"<p>Derzeit feiert ja Star Trek sein 50-J&auml;hriges. Und da gibt es einige Berichte, sogar Sonderausstellungen. Bei einer hat ein Radioreporter einen Sammler interviewt, der f&uuml;r eine Ausstellung St&uuml;cke zur Verf&uuml;gung stellte und auf ZDF-Info kam auch eine 90-min&uuml;tige Dokumentation &uuml;ber zwei Ausstellungen und die Probleme mit der Restauration und dem Beschaffen der alten Requisiten. Dabei ging es auch um die postulierten Techniken und ob sie umsetzbar sind. So was &Auml;hnliches sagte auch der Sammler. Star Trek w&auml;re richtungsweisend gewesen und habe z.B. die Mobiltelefone vorhergesagt.<\/p>\n<p>Ich dachte mir das ist ein gutes Thema f&uuml;r einen Blog. Fangen wir mal an mit dem, was Star Trek bringt und wie realistisch es ist.<!--more--><\/p>\n<h3>Warp-Geschwindigkeit<\/h3>\n<p>Am einfachsten ist es mit dem Reisen mit &Uuml;berlichtgeschwindigkeit. Es ist physikalisch unm&ouml;glich. Es ist dort einfach als Effekt n&ouml;tig, um die Distanzen zwischen Planeten und Sternsystemen zu &uuml;berwinden. Das gaben die Drehbuchautoren auch unumwunden zu. Dabei gibt es, da nicht mal einen Hinweis wie schnell Warp ist. Man kann sich nur denken das wohl Warp 8 schneller ist als Warp 5. Auch die Aussage kam von einem ehemaligen Drehbuchautor. Sp&auml;ter hat man dann das mit einer Geschwindigkeit verbunden wobei glaub ich Warp 10 nicht mehrerreichbar war. Eine Serie sp&auml;ter waren dann aber Raumschiffe noch mit Warp 12 unterwegs.<\/p>\n<h3>Beamen<\/h3>\n<p>Das n&auml;chste ist das Beamen. Nach der Theorie wird die Materie zersetzt und die Information &uuml;ber sie &uuml;bertragen und am Zielort zusammengesetzt. Lange Zeit hielt man es f&uuml;r unm&ouml;glich. Doch Experimente zeigten, dass man den Zustand eines Photons auf ein anderes &uuml;bertragen kann. Diese Fernwirkung ist ein Ph&auml;nomen der Quantentheorie, nach der Photonen miteinander verschr&auml;nkt sein k&ouml;nnen. Einstein war diese Fernwirkung immer suspekt. Inzwischen hat man Photonen so \u201egebeamt\u201c also nicht die Photonen bewegt, sondern die Information &uuml;ber den Zustand teleportiert.<\/p>\n<p>Es gibt aber zwei Einschr&auml;nkungen. Das klappt nur mit verschr&auml;nkten Photonen. Die werden gemeinsam erzeugt und sind fortan immer miteinander verbunden. Das klappt also im Labor, wo man ein Photon links lenkt, das andere rechts, aber nicht wenn ein Photon auf der Erde erzeugt wird und eines auf dem Mond. Das zweite ist, das man so nur die Information &uuml;bertr&auml;gt, nicht aber die Materie. Es muss also am Zielort eine Art Maschine geben, die Atomkerne, Elektronen miteinander verbinden kann (wie das sagen die Photonen) und so etwas zu konstruieren wird doch sehr schwer. Wir k&ouml;nnen heute Atomkerne von Elektronen trennen aber nicht dauerhaft getrennt lagern. Wie eine Maschine Arome zusammenbasteln und genau positionieren kann, ist auch nicht gekl&auml;rt. Zuletzt w&auml;re die Informationsmenge riesig.<\/p>\n<p>Ein Mensch besteht aus etwa 5 x 10<sup>28<\/sup> Teilchen. (Atomkerne und Elektronen) Zumindest die Atomkerne sollte man auf einen Durchmesser von 1 Atomkern genau positionieren k&ouml;nnen. Man braucht so viele Bits pro Teilchen, dass es genau auf 1 Kerndruchmesser im Koordinatensystem positioniert werden kann. Die Anzahl der Bits h&auml;ngt von der Ausdehnung des Objektes ab. Bei 2 m H&ouml;he w&auml;re bei einem Durchmesser von 10<sup>-15<\/sup> m f&uuml;r einen wsserstoffkern z.B. 51 Bits n&ouml;tig um diese 15-stellige Zahl zu codieren. Multipliziert man diese Zahl (eventuell kommen noch andere Bits f&uuml;r Energie oder andere Parameter hinzu) mit den 5 x 10<sup>28<\/sup> Teilchen so ist man bei 2,5 x 10<sup>30<\/sup> Bit. Das entspricht 1,25 x 10<sup>1<\/sup><sup>8<\/sup> Terabyte. Bei heute maximal 9 TB pro Platte und 2,5 cm H&ouml;he ist das ein Festplatten-Stapel von 0,36 Lichtjahren L&auml;nge.<\/p>\n<p>Man kann es auch anders ausdr&uuml;cken: Angenommen eine zuk&uuml;nftige Zivilisation k&ouml;nnte in einem Siliziumatom ein Bit speichern. Dann br&auml;chte man einen 117 t schweren Speicher. Vor allem muss die Datenmenge auch &uuml;bertragen werden. Nimmt man das gesamte Spektrum des sichtbaren Lichts als Tansponderbreite und kann pro Herz Frequenz ein Bit &uuml;bertragen (entspr&auml;che z.B. bei 40 MHZ Bandbreite 40 MBit) so braucht man fast 200 Millionen Jahre f&uuml;r eine &Uuml;bertragung der Information von nur einem Menschen.<\/p>\n<p>Dabei ist diese Form. die zumindest physikalisch m&ouml;glich w&auml;re, nicht die in Strak Trek eingesetzte: Dort wird die Materie selbst &uuml;bertragen, sonst k&ouml;nnte man nicht auf einem Planeten ohne Beam-Empf&auml;nger landen.<\/p>\n<h3>Traktorstrahl<\/h3>\n<p>Was es auch noch gibt, ist der Traktorstrahl. Ein Raumschiff wird von ihm erfasst und angezogen. Er ist physikalisch m&ouml;glich. Licht hat Energie und Licht &uuml;bertr&auml;gt so auch Energie. Eine Anwendung sind z.B. Sonnensegel, mit denen man bei uns durch das Sonnensystem reisen k&ouml;nnte. Postuliert wird auch Laserstrahlen auf einen Spiegel zu werfen und so ein Raumschiff zu beschleunigen. Das Problem ist, das Photonen masselos sind und so der Schub recht klein ist. Absorbiert ein Raumschiff in Erdn&auml;he auf 1 m\u00b2 Fl&auml;che das Sonnenlicht, so bedeutet das nur einen Schub von 4,5 millionstel Newton. Das bei 1350 Watt reiner Strahlungsenergie.<\/p>\n<p>Bei h&ouml;herer Energie (energiereichere Photonen oder h&ouml;herer Intensit&auml;t wird der Schub h&ouml;her, aber um ein 20 t schweres Raumschiff (z.B. eine Galileof&auml;hre) um 1 m\/s zu beschleunigen, br&auml;uchte man die Energie von 6000 GW in Form von Strahlung. Bei einigen Missionen, wo man damit sogar den Schub eines Antriebs kompensieren kann noch viel mehr Energie. Licht wirkt eigentlich als Schub doch wie beim Wind kann man durch schr&auml;ges Beleuchten und damit R&uuml;ckreflexion auch ein Objekt abbremsen. Wenn ein Objekt &uuml;brigens Strahlung vollst&auml;ndig absorbiert, kann man gar nicht abbremsen sodnern nur beschleunigen.<\/p>\n<h3>Computer und Communicatoren<\/h3>\n<p>Kommen wir zu den \u201eVorhersagen\u201c, die umgesetzt wurden. Es gibt heute Laser, die Raketen zerst&ouml;ren k&ouml;nnen, es gibt Handys und mit Smartphones kann man sich unterhalten, wie mit dem Computer der Enterprise. War das Star Trek nicht vision&auml;r?<\/p>\n<p>Nun ja. Zwar kam das erste Funktelefon nach dem Kommunikator von Star Trek auf den Markt, aber das Prinzip gab es ja schon. Tragbare Funkger&auml;te gab es schon im Zweiten Weltkrieg, nur eben viel gr&ouml;&szlig;er. Man hat nur einfach postuliert, dass die kleiner werden. Das ist, wenn man sich die Elektronikentwicklung betrachtet, nun keine so tolle Vorhersage. 1965 war der schnellste Rechner der Welt eine Cyber 6600. Sie war rund 10000-mal schneller als der ENIAC 20 Jahre fr&uuml;her. Es gab schon den Trend zu kleineren Computern, Minicomputer kamen auf den Markt und f&uuml;r Minuteman, Polaris und Apollo wurden Computer in Schuhkartongr&ouml;&szlig;e gefertigt. Telefone und Computer setzen beide Elektronik ein, und da ist de Gedankensprung nicht so fern, dass man auch Funktelefone deutlich verkleinern kann.<\/p>\n<p>Gerade beim Computer sieht man das die Serie in ihrer Zeit verhaftet war. Die Cyber 6600 hatte erstmals Monitore. So was sieht man aber nicht auf der Enterprise. Stattdessen wie bei den anderen Computern der damaligen Zeit &uuml;blichen Konsolen mit vielen Statusleuchten und Schaltern. Es gibt dort kein Keyboard (obwohl auch schon im Einsatz) sondern Kn&ouml;pfe und Drehschalter. Beim Bedienkonzept ist es noch anachronistischer: Der Computer wird gefragt \u201eComputer: Wie lange h&auml;lt noch der Warpkern\u201c mit der Antwort \u201eDer Warpkern wird bei der derzeitigen Geschwindigkeit in 20 Minuten implodieren\u201c. Das klingt erst mal toll und erinnert mich an Google-Fersehspots, wo man das Handy fragt, weil man gerade die H&auml;nde in Teig hat, aber im Normalfall ist es so das man schneller auf eine Taste dr&uuml;ckt oder etwas anklickt als zu sprechen, vor allem beim Verabreiten von Informationen ist man um Ellen schneller beim Lesen als beim Zuh&ouml;ren. Auf einer Kommandobr&uuml;cke, wo viele Leute arbeiten, w&auml;re das Konzept auch idiotisch, da w&uuml;rde dauernd geredet und alle m&uuml;ssten mit Kopfh&ouml;rern rumlaufen, um die Computerdurchsage zu h&ouml;ren, die f&uuml;r sie bestimmt ist. Das gibt dann wieder Probleme bei Kommandos der Offiziere.<\/p>\n<p>So hat Space Quest das ja auch karikiert: Sigourney Weaver ist dort eine blonde Kommunikationsoffizierin, die nichts anderes zu tun hat, als die Anweisungen des Kapit&auml;ns f&uuml;r den Computer zu wiederholen und diese wiederzugeben. In der n&auml;chsten Generation ist man dann &uuml;brigens einen Schritt zur&uuml;ckgegangen auf grafische Oberfl&auml;chen mit Tochsteuerung. Eben gerade das, was damals gerade Stand der Technik war \u2013 viel einfaltloser geht es wohl nicht. Nach Wikipedia gab es schon in den Sechziger Jahren Versuche von Spracherkennung, wobei die Systeme nur einige Worte erkannten. Aber man wusste das es zumindest ging, wenn auch mit der damaligen Hardware nicht flie&szlig;ende Sprache erkannt werden konnte.<\/p>\n<h3>Handlaser<\/h3>\n<p>Was es auch schon gab als Star Trek erschaffen wurde, sind Laser. Das man an Bord eines Raumschiffes einen Laser wird installieren k&ouml;nnen, der andere Raumschiffe besch&auml;digt \u2013 das w&auml;re angesichts der Dimensionen der Enterprise wohl schon in den Sechzigern denkbar gewesen. Anders sieht es bei den Handlasern aus. Es gibt ja schon lange handliche Laserpointer, doch ihre Energie zu gering. Doch es ist denkbar dass man die Energie, die man braucht, um einen Menschen zu t&ouml;ten in einem handlichen Laser unterbringt. Die Standardgewehrpatrone 7<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/7,92_\u00d7_57_mm\">,92 x 57 mm<\/a> im Zweiten Weltkrieg hat eine Geschossenergie von 3600 bis 4100 J. Vier AA-Zellen mit 1,2 V Spannung und 2500 mA Leistung haben rund 12000 J Energie. Ein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Diodenlaser\">Diodenlaser<\/a> hat einen Wirkungsgrad von 25 bis 50%. Das w&uuml;rde also f&uuml;r einen Schuss reichen. Wenn man die Energie chemisch, z.B. aus Brennstoffzellen, gewinnen w&uuml;rde, w&auml;ren wahrscheinlich mehrere Sch&uuml;sse m&ouml;glich. Aber mit den Lasern in Raumschiff Enterprise kann man ja nicht nur Menschen t&ouml;ten, sondern auch Felsen sprengen, ja teilweise sogar Felsen und Menschen in Luft aufl&ouml;sen und die Energie bringt wohl kein Laser auf, den man in der Hand tragen kann, zumindest nicht mit chemischer Energie und so kleine Nuklearreaktoren das Sie in die Hand passen kann man auch nicht bauen. Die kleinste denkbare Masse scheint mindestens so gro&szlig;e wie eine Orange zu sein, und um die k&auml;me noch der Mantel.<\/p>\n<h3>Das Raumschiff<\/h3>\n<p>Was vielmehr auff&auml;llt, ist das das Raumschiff gerade nicht f&uuml;r den Weltraum gebaut ist. Die Enterprise ist aerodynamisch. Das m&uuml;sste sie aber als Raumschiffe nicht sein. Man muss nur als Vergleich die Mondf&auml;hre oder auch Satelliten und Raumsonden nehmen. Die sind zweckm&auml;&szlig;ig gebaut. Die Mission diktiert die Bauweise, nicht die Aerodynamik. Die einzigen die im Star Trek Universum effiziente Raumschiffe bauen (in dem Sinn das Sie maximales Volumen bei minimaler Gr&ouml;&szlig;e haben sind die Borg mit Kugeln als optimalstem geometrischen K&ouml;rper und dann Quader. Offensichtlich schient auch in der Zukunft Styling wichtig zu sein \u2013 oder es ist wichtig f&uuml;r Fernsehzuschauer.<\/p>\n<h3>Tarnvorrichtungen<\/h3>\n<p>Das Letzte was es noch bei Star Trek gibt sind Tarnvorrichtungen mit denen Romulaner und sp&auml;ter Klingonen einfach verschwinden. In der Sendung wurde eine optische Bank gezeigt bei der je zwei Sammel- und Zerstreuungslinsen das Licht so lenken, das ein Objekt an einer bestimmten Position nicht zu sehen ist. Das wurde als \u201eTarnvorrichtung\u201c verkauft. Doch die funktioniert nat&uuml;rlich ohne Linsen vor und hinter dem Raumschiff. Immerhin k&ouml;nnte ich mir denken wir man es anstellt. Man m&uuml;sste nicht das Licht umlenken, man m&uuml;sste nur das wiedergeben was man sehen w&uuml;rde, wenn das Raumschiff nicht da w&auml;re und das k&ouml;nnte man vielleicht schon heute umsetzen.<\/p>\n<p>Man br&auml;uchte nur die Oberfl&auml;che mit Flachbildschirmen die als OLED auch biegsam sind belegen und zwischen denen kleine Kameras positionieren. Die Kameras nehmen das auf was der Beobachter sehen w&uuml;rde, und geben das Signal an die 180 Grad gegen&uuml;berliegenden OLED weiter. Das Raumschiff w&auml;re so ein riesiger Bildschirm, der immer die gegen&uuml;berliegende Seite zeigen w&uuml;rde \u2013 als wie das Raumschiff nicht da w&auml;re. Im fernen Raum ohne gro&szlig;e Beleuchtungsquelle w&auml;re die Illusion wahrscheinlich sogar gegeben. In der N&auml;he eines Planeten wird es schwer werden, weil die Oberfl&auml;che spiegelt und auch die genau gleiche Helligkeit erreichen muss. Vor einer Sonne fliegend w&uuml;rde es schwierig sein, die Helligkeit der Sonne zu erreichen. Aber wer wei&szlig;, vielleicht finden wir gerade diese Technologie in den n&auml;chsten Tarnkappenflugzeugen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/19d7a09004bd4dbb8981fc777ea3d8fe\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Derzeit feiert ja Star Trek sein 50-J&auml;hriges. Und da gibt es einige Berichte, sogar Sonderausstellungen. Bei einer hat ein Radioreporter einen Sammler interviewt, der f&uuml;r eine Ausstellung St&uuml;cke zur Verf&uuml;gung stellte und auf ZDF-Info kam auch eine 90-min&uuml;tige Dokumentation &uuml;ber zwei Ausstellungen und die Probleme mit der Restauration und dem Beschaffen der alten Requisiten. 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