{"id":12278,"date":"2017-01-17T15:14:00","date_gmt":"2017-01-17T14:14:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=12278"},"modified":"2017-01-17T15:14:00","modified_gmt":"2017-01-17T14:14:00","slug":"die-loesung-fuer-ein-ueberfluessiges-problem-lohnt-sich-der-umweg-ueber-jupiter-zu-saturn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2017\/01\/17\/die-loesung-fuer-ein-ueberfluessiges-problem-lohnt-sich-der-umweg-ueber-jupiter-zu-saturn\/","title":{"rendered":"Die L&ouml;sung f&uuml;r ein &uuml;berfl&uuml;ssiges Problem: Lohnt sich der Umweg &uuml;ber Jupiter zu Saturn?"},"content":{"rendered":"<p>Heute will ich mich wieder mal einer Fragestellung widmen, die nicht jeden interessiert. Es geht um Raumsonden zu Saturn die in einen Orbit einbremsen sollen. Es gibt dazu mehrere M&ouml;glichkeiten. Die offensichtlichste ist der direkte Weg zu Saturn. Er dauert bei der klassischen Hohmannbahn 6 Jahre 19 Tage und man erreicht den Planeten mit einer Geschwindigkeitsdifferenz von 5444 m\/s.<\/p>\n<p>Saturn ist ein gro&szlig;er Planet und daher muss man wenn man eine elliptische Anfangsbahn haben will tats&auml;chlich wenig abbremsen, auch wenn man mit einem gro&szlig;en <span style=\"font-family: 'Segoe UI';\">\u0394<\/span>V ankommt. F&uuml;r eine 160.000 x 3,6 Millionen km Bahn (etwas au&szlig;erhalb der Saturnringe, bis zu Iapetus als letztem gro&szlig;en Mond) muss man nur um 1139 m\/s abbremsen und erh&auml;lt eine Umlaufdauer von etwas &uuml;ber 30 Tagen.<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium\" src=\"\/img\/Jupiter-Saturn.png\" width=\"700\" height=\"800\" \/>Schon das zeigt, das man eigentlich nicht viel optimieren kann. 1139 m\/s ist ein geringe Geschwindigkeits&auml;nderung. Danach w&auml;re die Sonde um 31% leichter. Aber es kann ja auch Bahnen geben, die durchaus h&ouml;here Geschwindigkeits&auml;nderungen erfolgen. Als Beispiel f&uuml;r eine so anspruchsvolle Bahn habe ich mir ein Einschwenken in Titans Umlaufbahn ausgesucht. Daf&uuml;r braucht man schon 4002 m\/s. Enceladus liegt so weit innen, das man schon 6005 m\/s braucht. Realistischerweise w&uuml;rde man sicher zuerst die Aphele der Bahnen durch Titanvorbeifl&uuml;ge absenken. Sowohl bei einem Einschwenken in Titans Orbit wie auch in Enceladus Orbit gibt es aber einen Punkt, wo man dies nicht mehr tun kann. Bei Enceladus ist das einfach zu umreisen: Sobald der Apo-Punkt auf Titans Umlaufbahn ist, kann ihn nicht mehr nutzen. Dann bleiben mindestens 3708 m\/s um eine Bahn von 238.100 x 1.221.900 km in eine 238.100 km Kreisbahn umzuwandeln.<\/p>\n<p>Bei Titan ist es problematischer. Idealerweise wird man von einer Bahn mit einer Resonanz der Umlaufperiode von mit Titan zu einer n&auml;chsten wechseln. Das Problem: Die Zeiten, in denen man Titan passiert werden, so immer gr&ouml;&szlig;er. Nimmt man als letzte Bahn eine 2\/3 Resonanz (Titanpassage alle zwei Uml&auml;ufe = 32 Tage) an, so erh&auml;lt man eine 643.000 x 1221.900 km Bahn. Aus dieser Bahn muss man nur 943 m\/s f&uuml;r eine 1.221.900 km Kreisbahn abbremsen, wobei man beim Einfangen in Titans Orbit auch noch etwas gewinnt. F&uuml;r eine 900 km hohe Kreisbahn sind es so nur 854 m\/s. Zusammen kommt man somit obigen 1139 m\/s auf rund 2000 m\/s. Das ist also durchaus machbar.<\/p>\n<p>Die abzubremsende Geschwindigkeit in eine erste Bahn ist dabei der kleinste Teil. Trotzdem will ich heute mal als Fragestellung untersuchen, inwieweit ein Jupitervorbeiflug diese minimieren kann. Die Idee dazu kam mir bei den Berechnungen zu Lucys Bahn. Da ergab sich das es sehr schwer war, das Aphel nur auf 845 Millionen km H&ouml;he zu erh&ouml;hen und das Perihel deutlich zu erh&ouml;hen. Mit einem Aphel in Saturns Entfernung war es dagegen kein Problem, ein hohes Perihel zu erhalten<\/p>\n<p>Nun gibt es ein gemeinsames Startfenster zu Jupiter und Saturn selten, nur alle 20 Jahre. Das liegt an den relativ nahen Umlaufdauern aber auch dem Tatbestand, dass die Periode niemals kleiner als ein Umlauf des inneren Planeten sein kann, also in diesem Falle Jupiters mit knapp 12 Jahren Umlaufszeit. Die Startfenster gibt es so alle 20 Jahre. Dieses Jahr ist das n&auml;chste. Das Letzte nutzte Cassini und das vorletzte Startfenster Voyager 1+2.<\/p>\n<p>Die Taktik ist relativ einfach. Man passiert Jupiter, der lenkt einen zu Saturn um, wobei das Aphel der neuen Bahn in der H&ouml;he von Saturn liegen sollte und das Perihel m&ouml;glichst hoch. Nach einigem Probieren ergibt sich, das dies am besten geht, wenn die Startgeschwindigkeit m&ouml;glichst gering ist. Hier eine kleine Tabelle:<\/p>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"4\">\n<colgroup>\n<col width=\"85*\" \/>\n<col width=\"85*\" \/>\n<col width=\"85*\" \/> <\/colgroup>\n<thead>\n<tr valign=\"TOP\">\n<th width=\"33%\">Startgeschwindigkeit Solar<\/th>\n<th width=\"33%\">Ann&auml;herung bis auf<\/th>\n<th width=\"33%\">Perihel<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">38.500 m\/s<\/td>\n<td width=\"33%\">2,012 Mill. km<\/td>\n<td width=\"33%\">569,7 Mill. km<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">38.600 m\/s<\/td>\n<td width=\"33%\">3,372 Mill. km<\/td>\n<td width=\"33%\">524,4 Mill. km<\/td>\n<\/tr>\n<tr valign=\"TOP\">\n<td width=\"33%\">38.700 m\/s<\/td>\n<td width=\"33%\">3,989 Mill. km<\/td>\n<td width=\"33%\">482,7 Mill. km<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium\" src=\"\/img\/Jupiter-Saturn2.png\" width=\"700\" height=\"750\" \/>Da die Geschwindigkeitsdifferenz um so kleiner ist, je h&ouml;her das Perihel ist, wird man mit minimaler Ann&auml;herungsgeschwindigkeit starten. Bei 38500 m\/s zieht Jupiter schon kr&auml;ftig an der Sonde. Jupiters Position wurde in 779 Mill. Km Abstand angenommen, ohne ihn w&uuml;rde die Sonde nur 772,7 Mill. Km Entfernung erreichen. Die beiden Grafiken hier zeigen die Bahn im Ganzen und die Umlenkung an Jupiter. Man sieht deutlich, wie Jupiter die Sonde zuerst stark anzieht und dann nach rechts umlenkt. Der Lohn ist eine Reduktion der Ann&auml;herungsgeschwindigkeit auf 2359 m\/s. Das reduziert die abzubremsende Geschwindigkeit in en ersten Orbit (160.000 x 3,6 Mill. km) von 1139 auf 597 m\/s. Das sind zuerst einmal nur 542 m\/s Gewinn. Allerdings spart man auch beim Start. Die hyperbolische Exzessgeschwindigkeit aus einem 200 km hohen Orbit betr&auml;gt f&uuml;r den direkten Transfer zu Saturn 15077 m\/s und zu Jupiter nur 14084 m\/s. Das sind dann zusammen schon 1536 m\/s. Das ist dann schon eine deutlichere Hausnummer, die sich in etwa 38% mehr Nutzlast niederschl&auml;gt.<\/p>\n<p>Es hat aber auch seinen Preis. Ein direkter Transfer zu Saturn dauert etwas &uuml;ber 5 Jahre. Der Umweg &uuml;ber Jupiter zuerst 2 Jahre 187 Tage bis zu Jupiter und dann nochmals fast 6 Jahre bis zu Saturn. Diesen erreicht man nach 9 Jahren 41 Tagen, also 3 Jahren Verz&ouml;gerung. Bei heutigen Missionen die sich ja &uuml;ber ein Jahrzehnt hinziehen, eine tolerierbare Verz&ouml;gerung zumal man ja auch Jupiter passiert und in einer Distanz, die zumindest bis auf Kallistos Umlaufbahn heranreicht. Das gibt sch&ouml;ne Fotos von Jupiter und eventuell Kallisto.<\/p>\n<p>Nun die schlechte Nachricht: Das Startfenster f&uuml;r dieses Jahr wird man wohl nicht halten k&ouml;nnen. Da m&uuml;sste man zur Jahresmitte starten und eine Raumsonde ist nicht geplant. 2037 werde ich mich mit dem Problem wohl neu besch&auml;ftigen m&uuml;ssen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/3558f5972d204da4b2acb00784163b01\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute will ich mich wieder mal einer Fragestellung widmen, die nicht jeden interessiert. Es geht um Raumsonden zu Saturn die in einen Orbit einbremsen sollen. Es gibt dazu mehrere M&ouml;glichkeiten. Die offensichtlichste ist der direkte Weg zu Saturn. 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