{"id":1235,"date":"2007-02-02T18:15:51","date_gmt":"2007-02-02T16:15:51","guid":{"rendered":"http:\/\/bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=1235"},"modified":"2009-06-07T18:16:07","modified_gmt":"2009-06-07T16:16:07","slug":"columbia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2007\/02\/02\/columbia\/","title":{"rendered":"Columbia"},"content":{"rendered":"<p>Am 1.2.2003 zerbrach die Raumf&auml;hre Columbia in 60 km H&ouml;he bei einer Geschwindigkeit von 5.5 km\/s beim Wiedereintritt nach der letzten Spacehab Mission bevor die wissenschaftliche Arbeit nur noch auf der Raumstation ISS durchgef&uuml;hrt werden sollte. Der Wiedereintrittskorridor verlief &uuml;ber die USA so dass dieses Ereignis breit beobachtet wurde.<\/p>\n<p>Als man die Raumf&auml;hre verloren hatte war der Schock tief. Zum einen war dies die 113 Shuttle Mission. 87 Missionen waren seit Challenger fehlerfrei verlaufen. Man hatte nun also Zutrauen in die Raumf&auml;hre und erwartete Probleme beim Start, aber nicht beim Wiedereintritt. Vor allem wusste aber man zuerst nicht die Ursache. Bei Challenger zeigten die Kameras sehr schnell die Ursache durch die Rauchgasfahne beim Start und die sich entwickelnde Stichflamme an der Feststoffrakete und es gab nat&uuml;rlich die Besprechung bei der man die Bedenken vorgebracht hatte.<!--more--><\/p>\n<p>Die einzige Anomalie beim start war ein St&uuml;ck Isoliermasse das 81 Sekunden nach dem Start auf den Fl&uuml;gel geprallt war. Derartiges war schon &ouml;fters vorgekommen und der Zwischenfall wurde auch untersucht, jedoch nicht als gravierend eingesch&auml;tzt. So tappte man im Dunkeln und vermutete z.B.. auch eine Kollision mit Weltraumm&uuml;ll oder einem Mikrometeoriten als Ursache. Was man wusste war das nach Radarbeobachtungen sich ein St&uuml;ck von Columbia entfernte als diese schon im Orbit war und man hatte eben diesen Vorfall beim Start. Doch es war das einzige Vorkommnis und sp&auml;ter fand man weitere Hinweise wie z.B.. orangene Ablagerungen auf Hitzeschutzkacheln. Das einsammeln der Bruchst&uuml;cke die sich &uuml;ber 3 US Bundesstatten verteilten geriet zum Puzzlespiel.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/img\/columbiaexplosion1.jpeg\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"255\" height=\"391\" align=\"right\" \/>Warum weigerte sich die NASA zuwest sehr lange (und noch w&auml;hrend der Untersuchung) das Schaumst&uuml;ck als Ursache anzuerkennen? Nun der Space Shuttle tank besteht aus einer leichten Aluminiumlegierung welche weniger als 29 t wiegt und dabei &uuml;ber 700 t an Treibstoffen aufnimmt. Diese Treibstoffe sind fl&uuml;ssiger Sauerstoff und fl&uuml;ssiger Wasserstoff. Sie verdampfen bei -183 und -251?C, d.h. es ist eine Isolierung des Tanks notwendig um ein massives Verdampfen zu verhindern. Bei den alten Saturn Raketen war diese im inneren angebracht. Sie konnte also nie abplatzen. Bei anderen Hochstufen die wesentlich kleiner als der Tank sind handelt es sich um feste Schalten die aufgenietet oder gespannt werden. Beim Shuttle Tank hat man sich wegen der schieren Gr&ouml;&szlig;e f&uuml;r ein Aufspr&uuml;hen entschieden. Die Isolierung besteht aus Polyurethanschaum, den man auch auf der Erde f&uuml;r Isolierungen nimmt. Damit in diesen nicht Feuchtigkeit eindringt und beim Gefrieren durch die K&auml;lte des Treibstoffs zu Eis wird (und St&uuml;cke der Isolierung absprengt) ist er mit einem orangener Lack bespr&uuml;ht, der die Oberfl&auml;che wasserabweisend macht. Trotzdem gab es immer wieder F&auml;lle in denen kleine St&uuml;cke der Isolierung sich in der Vergangenheit gel&ouml;st hatten und mit dem Orbiter kollidierten. Man hatte diese Vorf&auml;lle untersucht daf&uuml;r sogar ein eigenes Computerprogramm namens CRATER geschrieben und nie Besch&auml;digungen festgestellt. Dies geschah auch diesmal nachdem man 2 Stunden nach dem Start die Kameraufnahmen ausgewertet hatte. Die Ergebnisse wurden am 24.1.2003 pr&auml;sentiert und man sah keine Gefahr f&uuml;r die Mission.<\/p>\n<p>Der Schaum ist eine feste, aber zerbrechliche Masse, vielleicht vergleichbar Styropor. Das St&uuml;ck das abging war allerdings gro&szlig;: 53-69 cm lang und 30-46 cm breit. Es stammte von der Y f&ouml;rmigen St&uuml;tze mit der der Orbiter am Tank befestigt war. Diese St&uuml;tzen und Leitungen sind Hauptursachen von abplatzenden St&uuml;cken. Es wog wahrscheinlich etwa 800 g. Die Filmaufnahmen zeigten wie es aufschlug und dabei zerbr&ouml;selte. Das w&auml;re zu erwarten und sollte keine Gefahr f&uuml;r die Hitzeschutzkacheln sein.<\/p>\n<p>Der Fehlschluss war, dass man sich auf die Hitzeschutzkacheln konzentrierte. Unter dem Rumpf befinden sich einige Tausend dieser Kacheln, ein keramisches Material aus Keramikfasern mit vielen Hohlr&auml;umen und einer Glasur. Selbst wenn ein Schaumst&uuml;ck eine oder mehrere Kacheln zerst&ouml;rt h&auml;tte, so macht dies nichts aus. Bei jedem Shuttle Flug gehen einzelne dieser Kacheln verloren. Solange die Fl&auml;che nicht zu gro&szlig; ist schadet dies der Columbia nicht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/img\/columbiaexplosion3.jpeg\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"556\" height=\"459\" align=\"left\" \/>Was jedoch passiert war, zeigte erst die computerunterst&uuml;tzte Auswertung der Startaufnahmen. Das Bruchst&uuml;ck schlug nicht auf der Fl&uuml;gelunterseite auf, sondern der Kante zwischen den RCC Panels 5 bis 9.? RCC Panels sind Werkstoffe aus verst&auml;rkten Kohlestofffasern in einer Kohlenstoffmatrix, einem Material sehr unempfindlich gegen die Temperaturen von bis zu 1600 ? an den Fl&uuml;gelkanten, leicht. Aber auch sehr spr&ouml;de. Zwar ist es hart, doch wenn s bricht, dann sind es gr&ouml;&szlig;ere St&uuml;cke.<\/p>\n<p>Das n&auml;chste was man verga&szlig; war wie schnell ein so leichtes St&uuml;ck Schaumstoff abgebremst wird. Selbst in dieser H&ouml;he ist die Luft noch dick genug um ein mit mehrfacher &Uuml;berschallgeschwindigkeit fliegendes Teil innerhalb von Sekundenbruchteilen abzubremsen. Auswertungen der Videos ergaben eine Aufprallgeschwindigkeit von 670-920 km\/h.<\/p>\n<p>Erst als man ein originale RCC Panel mit Schaumst&uuml;cken der angegebenen Gr&ouml;&szlig;e mit einer Kanone auf 800 km\/h beschleunigt beschoss durchschlug es das Panel und machte 40-45 cm gro&szlig;e L&ouml;cher. M&ouml;glicherweise wurde das Panel nicht nur besch&auml;digt sondern l&ouml;ste sich von der F&auml;hre. Das w&auml;re das St&uuml;ck das sich im Orbit von der Raumf&auml;hre weg bewegte. So konnte hei&szlig;es Plasma eindringen. Temperatursensoren im Fl&uuml;gel zeigten einen Anstieg in den Temperaturen, gefolgt von einem Ausfall. Der Fl&uuml;gel besteht aus Aluminium. Dieses schmilzt bei 670 ?C und schon vorher erwicht es. Als Folge verlor der Fl&uuml;gel an Integrit&auml;t und brach, der Orbiter kippte und brach auseinander.<\/p>\n<p>Der Untersuchungsbereicht wunde am 26.8.2003 ver&ouml;ffentlicht und enthielt neben diesen Tatsachen auch Vorw&uuml;rfe an das Management der NASA. Um Kosten zu sparen war die NASA noch abh&auml;ngiger von Industriefirmen geworden. Nun &uuml;bernahmen diese auch noch die ganze Wartung und Instandhaltung des Space Shuttles. Das f&uuml;hrte zu einem Mangel an Kompetenz bei der NASA.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/img\/columbiaexplosion.jpeg\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"222\" align=\"right\" \/>Das Problem war nun, das man nun zwar die Isolierung de Tanks verbessern konnte, so dass weniger Isolierung abgeht, jedoch nicht ausschlie&szlig;en konnte, das es nicht wieder vorkommt (und in der Tat l&ouml;ste sich beim n&auml;chsten Shuttleflug wieder ein St&uuml;ck ab). Weiterhin gab es nat&uuml;rlich die M&ouml;glichkeit, dass die Raumf&auml;hre durch Weltraumm&uuml;ll besch&auml;digt werden kann. So war eine Forderung, dass man die Besatzung f&uuml;r diesen Fall retten muss k&ouml;nnen. Eine Reparatur im Orbit ist nach heutigem Stand nicht unter allen Umst&auml;nden m&ouml;glich, daf&uuml;r sind die Kacheln zu unterschiedlich in Form und Gr&ouml;&szlig;e. In der Praxis bedeutete dies, dass der Space Shuttle nur noch zur ISS fliegen d&uuml;rfte, da man dann dort ausharren k&ouml;nnte bis Russland einige Sojus Kapseln zur Rettung der Astronauten entsendet oder ein zweiter Shuttle startet um sie abzuholen. Erst nach 2 Jahren gab die NASA bekannt, dass man eine Servicemission f&uuml;r das Weltraumteleskop Hubble wird starten, nachdem man nun wieder gen&uuml;gend Vertrauen in das Space Shuttle hat. Ein zweites Shuttle soll dazu auf der zweiten Startrampe stehen um in einem Notfall die Besatzung zu bergen.<\/p>\n<p>Als Folge des Ungl&uuml;ckes k&uuml;ndigte George Bush am 14.1.2004 an, das die Space Shuttles nur noch die internationale Raumstation fertig stellen sollen und dann im Jahre 2010 ausgemustert werden. F&uuml;r danach entwickelt die NASA nun wieder Kapseln wie bei Apollo die aber nicht vor 2014\/15 zur Verf&uuml;gung stehen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 1.2.2003 zerbrach die Raumf&auml;hre Columbia in 60 km H&ouml;he bei einer Geschwindigkeit von 5.5 km\/s beim Wiedereintritt nach der letzten Spacehab Mission bevor die wissenschaftliche Arbeit nur noch auf der Raumstation ISS durchgef&uuml;hrt werden sollte. Der Wiedereintrittskorridor verlief &uuml;ber die USA so dass dieses Ereignis breit beobachtet wurde. 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