{"id":12426,"date":"2017-03-21T12:10:51","date_gmt":"2017-03-21T11:10:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=12426"},"modified":"2017-03-22T09:54:36","modified_gmt":"2017-03-22T08:54:36","slug":"was-bringt-galileo-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2017\/03\/21\/was-bringt-galileo-2\/","title":{"rendered":"Was bringt &#8222;Galileo 2&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Nach zwei Jahrzehnten ist der Jupiter wieder in den Blickpunkt der Forschung mit Raumsonden ger&uuml;ckt. Derzeit umrundet <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/juno.shtml\">Juno<\/a> den Planeten. Geplant ist die europ&auml;ische JUICE Mission zu den Monden Ganymed und Kallisto. Die NASA hat nun auch eine Europa-Mission \u201eEuropa Clipper\u201c angeleiert. Pl&auml;ne f&uuml;r eine Europa Mission gibt es seitens der NASA schon lange und auch jetzt ist noch nicht sicher, ob sie kommt.<\/p>\n<p>Was diese Missionen aber beides nicht leisten, ist das, was mal die Aufgabe von Galileo war. JUICE und Europa Clipper f&uuml;hren die Erkundung der drei &auml;u&szlig;eren gro&szlig;en Monde durch. Juno nur die Magnetfelduntersuchungen und Teilchenbeobachtungen von Jupiter. Aber Io und die inneren Monde bleiben au&szlig;en vor und zumindest JUICE und Europa Clipper werden recht teure Missionen.<\/p>\n<p>Ich will in diesem Aufsatz skizzieren, dass meiner Ansicht nach heute eine Mission &#8222;Galileo 2&#8220; mit den Zielen von Galileo f&uuml;r einen moderaten Preis m&ouml;glich w&auml;re und auch sinnvoll ist.<!--more--><\/p>\n<h2 class=\"western\">Die Einschr&auml;nkungen, die Galileo hatte<\/h2>\n<p>Wie bekannt, war die Hauptantenne von <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/galileo-orbiter.shtml\">Galileo<\/a> nicht ausfahrbar. Die Ursache war, dass die Sonde mehrfach mit dem Truck durch die USA gefahren wurde, als sie erst 1986 auf den Start vorbereitet wurde, dann als dieser sich auf 1989 verschob wieder zur&uuml;ck zum JPL kam, dort teilweise auseinandergebaut wurde und dann wieder zur&uuml;ck zum Startplatz. Die Ersch&uuml;tterungen m&uuml;ssen wohl bei drei Rippen der entfaltbaren Antenne dazu gef&uuml;hrt haben, dass das Schmiermittel verloren ging. Ohne eine ausgefahrene Hauptantenne konnte die Sonde mit der Niedriggewinnantenne, die nur f&uuml;r Notf&auml;lle vorgehen war, aber maximal 10-40 Bit\/s senden. Die Hauptantenne h&auml;tte bis zu 134.400 Bit\/s erlaubt. Trotz neu eingef&uuml;hrter JPEG-Komprimierung kam so nur ein Bruchteil der Bilder, an die man sich von der Mission erhoffte. (1.600 anstatt 50.000) Das galt auch f&uuml;r andere Experimente, Ebenfalls stark betroffen war das Plasmasubsstem, das ebenfalls eine hohe Datenrate erforderte.<\/p>\n<p>Klar ist das JUICE und Europa Clipper andere aufgaben haben. Zusammen liefern sie au&szlig;er f&uuml;r den Mond Io deutlich mehr Informationen &uuml;ber die galileischen Monde, aber sie sind auch erheblich teurer als eine Raumsonde, die, wie Galileo an allen Monden vorbeifliegt, ohne sich in der Forschung auf einen zu konzentrieren. Wahrscheinlich g&auml;be es diese Missionen ohne die geringe Datenmenge von Galileo nicht. Trotzdem hier mal als Gedankenexperiment: Was w&uuml;rde heute eine \u201eGalileo 2\u201c kosten und was k&ouml;nnte man erwarten.<\/p>\n<h2 class=\"western\">Verbesserungen bei den Instrumenten<\/h2>\n<p>Galileo wurde in der zweiten H&auml;lfte der Siebziger geplant und benutzte die Technik, die damals aktuell war. Bei den Instrumenten sieht man dies deutlich. Nehmen wir mal die Kamera. Galileo war eine der ersten Raumsonden, die CCD als Detektoren einsetzten. Auch wenn es diese schon seit fast 10 Jahren gab, als die Entwicklung begann, war die Herstellung eines fehlerfreien, den Erfordernissen gen&uuml;genden Sensors eine Herausforderung: von &uuml;ber 1.000 von Texas Instruments hergestellten Sensoren erf&uuml;llten nur 2 die Anforderungen. Schuld daf&uuml;r waren auch die vielen Pixel: 640.000. Die zeitgleich entwickelten Raumsonden zu Halley hatten 113.880 Pixel (Giotto) und 294.912 (Vega). Heute gibt es astronomische CCD die viel gr&ouml;&szlig;er sind. Gaia brach mit Sensoren von E2V auf die 8.847.000 Pixel haben und davon gleich 106. Einzelexemplare sind das also nicht mehr.<\/p>\n<p>Warum ist dies so wichtig? Nun Galileo ist eine Vorbeiflugsonde, so wie es auch Europa Clipper und Juice sein werden. Erfasst Galileo 2 dann bei gleicher Aufl&ouml;sung ein gr&ouml;&szlig;eres Gebiet, weil man einen gr&ouml;&szlig;eren Sensor mit mehr Pixeln hat, so kann man pro Vorbeiflug einen gr&ouml;&szlig;eren Teil der Oberfl&auml;che mit hoher Aufl&ouml;sung kartieren, denn der Abstand steigt ja rund um den n&auml;chsten Punkt an.<\/p>\n<p>Noch gr&ouml;&szlig;er ist der Sprung bei anderen Instrumenten. W&auml;hrend bei Kameras nur die Sensoren leistungsf&auml;higer wurden, k&ouml;nnen andere Instrumente heute viel mehr als zu Galileos leisten. Galileo war auch die erste Sonde, die ein abbildendes Spektrometer hatte. Ein klassisches Spektrometer macht ein Spektrum eines Punktes. Dazu wurden damals Sensoren wie Temperaturmessf&uuml;hler oder lichtempfindliche Dioden entlang des Spektrums gefahren. Man erhielt die genaue chemische Zusammensetzung des Punktes, mehr aber auch nicht. Heute spreizt man das Spektrum &uuml;ber einen CCD-Sensor auf, der im visuellen oder IR empfindlich ist. Jede Spalte steht dann f&uuml;r die Intensit&auml;t einer Wellenl&auml;nge und die Zeilen f&uuml;r die Punktinformationen in dem Spalt. Zuerst sieht dies nach keiner gro&szlig;en Verbesserung aus, man erh&auml;lt eben viele Punktspektren gleichzeitig. Doch wenn man das Instrument (oder die Raumsonde) bewegt, so erh&auml;lt man ein Bild aus vielen dieser Spalten, das man &uuml;ber den Planeten oder Mond f&uuml;hren kann wie bei einem Zeilenscanner. Und jedes Bild kann man einer beliebigen Wellenl&auml;nge ansehen. So kann man die chemische Zusammensetzung von Himmelsk&ouml;rpern sichtbar als Falschfarbenbild machen.<\/p>\n<p>Plasmainstrumente und Radiowelleninstrumente lieferten bei Galileo Daten &uuml;ber auftreffende Ionen oder gemessene Radiowellen. Letztere konnte man, wenn man sie in den h&ouml;rbaren Bereich verlagerte, zumindest als Ger&auml;usch \u201evisualisieren\u201c. Schon Cassini setzte mit INCA und dem RPWS Instrumente ein, die die dreidimensionale Umgebung der Sonde als Grafik wiedergeben konnten.<\/p>\n<p>Dazu kommen neue Instrumente wie ein SAR-Radarger&auml;t dass auch f&uuml;r Europa-Clipper vorgesehen ist. Dieses kann nicht nur die Bodeneigenschaften bestimmen, sondern sogar etwas in den Boden hineinschauen und so feststellen ob dieser aus festem Eis, Eis-Ger&ouml;llmischung oder eingefrorenen Gasen besteht.<\/p>\n<p>Kurzum: Die Instrumentalisierung hat sich deutlich verbessert. Ein Grund f&uuml;r Galileo 2.<\/p>\n<h2 class=\"western\">Datenverarbeitung<\/h2>\n<p>Bei einer Vorbeiflugsonde wie Galileo ist die Datenverarbeitung ein wichtiger Punkt. Galileo konnte entweder Daten in Echtzeit senden oder auf einen Bandrekorder aufzeichnen. Der konnte 178 Bilder aufnehmen und hatte eine Datenrate von etwa 100 Kbyte\/s. Galileo passierte die Monde in Entfernungen von 200 bis 2000 km. Nehmen wir mal 1000 km f&uuml;r ein Beispiel an. Der Bandrekorder brauchte rund 6,5 s f&uuml;r das Aufzeichnen eines Bildes, in der Praxis l&auml;nger, da ein Bandrekroder erst mal starten und stoppen muss. Bei 5 km Relativgeschwindigkeit zu einem Mond hat Galileo dann schon 33 km zur&uuml;ckgelegt \u2013 das n&auml;chste Bild entsteht aus 3,3% h&ouml;herer Distanz. Begrenzender wirkt es sich aus, das der Bandrekorder maximal 178 Bilder aufzeichnen konnte. Aus 1000 km Entfernung nimmt die Sonde einen Ausschnitt von etwa 8&#215;8 km aus. Auch unter Ber&uuml;cksichtigung, das nach 178 Bildern dieser Ausschnitt dann auf 13 x 13 km angewachsen ist, d&uuml;rfte klar sein, dass man bei einem nahen Vorbeiflug so nur einen kleinen Teil der Oberfl&auml;che erfassen kann. Danach h&auml;tte Galileo auf die Echtzeit&uuml;bertragung umschalten m&uuml;ssen, was mit Fehlerkorrekturinformationen dann schon 45 s dauert \u2013 dann legt die Sonde pro Zeit f&uuml;r das Speichern eines Bildes schon 225 km zur&uuml;ck. Kurz: Galileo konnte nur einen kleinen Teil der Oberfl&auml;che erfassen. Bei 5 km\/s relativ zu Ganymed und einer Minimaldistanz z.B. 50% mit einer Aufl&ouml;sung von 490 m und die gesamte Oberfl&auml;che mit 620 m. W&uuml;rde man den Detektor mit der Geschwindigkeit einer SSD (200 Mbyte\/s) auslesen k&ouml;nnen, so w&auml;re eine komplette Kartierung auf 30 m m&ouml;glich. Selbst bei moderaten 40 MByte\/s w&auml;ren es noch 50 m Aufl&ouml;sung. Also eine Steigerung um den Faktor 10.<\/p>\n<p>Heute ist das kein Problem mehr. Eine SSD ist auch mit Single-Bit-Speicherzellen anstatt der im Consumerberiech &uuml;blichen Multi-Bit-Speicherzellen mit Kapazit&auml;ten von Hunderten Gigabyte zu erhalten. Das sind &gt;10.000 Bilder, selbst wenn man die 9 Mpixel CCD als Basis nimmt und jede SSD ist kleiner als ein Bandrekorder der in etwa so gro&szlig;, wie ein Laib Brot war. Zudem erreichen sie Datenraten, die (beim linearen Schreiben gro&szlig;er Bilder) im Bereich von Hunderten Megabyte \/s liegen, Galileo 2 k&ouml;nnte also in jeder Sekunde Dutzende Bilder aufzeichnen.<\/p>\n<p>So nutzt man die Zeit bei einem nahen Vorbeiflug viel besser aus, kann mehr der Oberfl&auml;che in hoher Aufl&ouml;sung erfassen. Die hohe Datenrate nutzt auch den abbildenden Spektrometern. Den sie haben einen Nachteil: Die Datenmenge steigt anders als bei Kameras in der dritten Potenz zur Aufl&ouml;sung an.<\/p>\n<p>Auch die Computertechnik ist weiter. Bei Galileo musste man spezielle strahlungsgeh&auml;rtete Elektronik einsetzen. Juno setzte schon \u201enormale\u201c Elektronik ein, die man auch auf anderen Satelliten nutzt. Sie ist aber komplett in einem Safe aus Titan untergebracht der als Strahlenschutz dient. Sie w&auml;re bei Galileo 2 auch deutlich preiswerter und trotzdem leistungsf&auml;higer.<\/p>\n<p>Die Daten m&uuml;ssen aber auch gesendet werden. Galileo hatte eine entfaltbare Antenne, die von TDRS-Satelliten abstammte. Das war eine Ausnahme. Seitdem gibt es wieder starre Antennen. Wahrscheinlich ist der NASA das Risiko zu hoch (milit&auml;rische US-Kommunikationssatelliten setzen immer noch entfaltbare Antennen ein). Doch durch CFK-Werkstoffe sind diese auch leichter geworden als zu Galileos Zeiten. Was sich kaum ge&auml;ndert hat, ist die Datenrate im X-Band. Wie oben geschrieben, w&uuml;rde man aber erheblich mehr Daten gewinnen, die man zwischen den Uml&auml;ufen auch &uuml;bertragen m&uuml;sste. Die L&ouml;sung ist die Nutzung des Ka-Bandes f&uuml;r Galileo 2. Seit &uuml;ber einem Jahrzehnt wird es experimentell bei Raumsonden genutzt. Nutzt man es als prim&auml;res Medium, so m&uuml;sste wenn man die Erfahrungen mit dem MRO zugrunde legt, je nach Wetter eine Steigerung um mindestens den Faktor 3-4, im Durchschnitt um den Faktor 5,5 bei gleicher Sendeleistung m&ouml;glich sein. Der Empfang beim Ka-Band ist wetterabh&auml;ngig, doch da die Sonde sowieso alle Daten zwischenspeichert, sollte das kein Problem sein, man wiederholt dann eben die &Uuml;bertragung und gibt den Speicher erst nach korrektem Empfang frei.<\/p>\n<h2 class=\"western\">Die Kosten von Galileo 2<\/h2>\n<p>Warum meine ich das Galileo 2 so viel preiswerter als Galileo 1 sein k&ouml;nnte, die 1.39 Milliarden Dollar (1995) kostete? Nun es gibt schon ein Vorbild: Juno. Die Raumsonde umrundet seit letzten Herbst den Jupiter. Sie kostet insgesamt 1,1 Milliarden Dollar, aber zum einen ist der Dollar nicht mehr so viel wert und zum anderen war bei Galileo der Start mit dem Space Shuttle nicht in den Kosten mit drin.<\/p>\n<p>Juno zeigt, wie man durch Technik einiges preiswerter machen kann:<\/p>\n<ul>\n<li>Anstatt der teuren RTG setzt sie Solarzellen ein. Die haben heute zwar (bei Jupiter) immer noch eine kleinere Leistung pro Kilogramm Gewicht als RTG, aber sie sind viel preiswerter.<\/li>\n<li>Anstatt &uuml;berall spezielle strahlungeh&auml;rtete Elektronik zu entwickeln, hat man alles in einen Schrank mit W&auml;nden aus Titan gestellt. Das wiegt zwar 157 kg mehr, aber spart deutlich an Kosten ein.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das n&auml;chste ist der Start erw&uuml;nscht w&auml;re ein direkter Start zu Jupiter. Juno hatte einen Erdswingby, was die Reisedauer um 3 Jahre auf 5 Jahre erh&ouml;hte. Da die Mission pro Jahr 37,1 Millionen Dollar kostet, entspricht das 110 Millionen Dollar mehr. Daher zuerst mal eine Absch&auml;tzung, ob ein direkter Start m&ouml;glich ist. Eine Atlas 551 transportiert 1830 kg auf diese Geschwindigkeit. Eine Delta 4 Heavy deutlich mehr, kostet aber auch so viel mehr das die 110 Millionen Dollar Einsparungen. Die Jupiter-Nutzlast der Falcon 9 ist unbekannt, doch wenn ich die LEO-Nutzlast nehme und eine Centaur mit Sonde in eine Erdbahn transportieren lasse kann ich berechnen, wie viel die Centaur zu Jupiter bef&ouml;rdert. Bei 14,3 km\/s relativ zur Erde, komme auf 2.991 kg inklusive Adapter zur Tr&auml;gerrakete. Mit Reserven sind das dann etwa 2.800 kg f&uuml;r die Raumsonde.<\/p>\n<p>Galileo wog ohne die Atmosph&auml;rensonde 1.883 kg. Rechnet man das h&ouml;here Gewicht von Solarzellen und Abschirmung der Elektronik hinzu, so ist man bei 400 kg Zusatzgewicht, die weiteres Gewicht beim Treibstoff verursachen. Allerdings entfallen bei einem direkten Start auch die Deep-Sky Man&ouml;ver, die bei Galileo viel Treibstoff gekostet haben. Weiterhin hat man heute Triebwerke mit einem etwas h&ouml;heren spezifischen Impuls.<\/p>\n<p>Ich habe mal zwei Berechnungen gemacht:<\/p>\n<p>Einmal ohne Deep-Sky Man&ouml;ver, nur das Orbit Deflektion Man&ouml;ver eingerechnet, das f&uuml;r die Atmosph&auml;rensonde notwendig war. Bei 400 kg Zusatzgewicht und dem spezifischen Impuls von 3148 m\/s der heutigen 400 N Apog&auml;umsmotoren komme ich auf eine Startmasse von 2.493 kg. Damit w&auml;re ein direkter Start mit einer Falcon 9 Centaur m&ouml;glich.<\/p>\n<p>Ber&uuml;cksichtigt man den Treibstoff den Galileo f&uuml;r die Deep Sky Man&ouml;ver verbrauchte und die weitestgehend entfallen, dann sieht es deutlich g&uuml;nstiger aus. Bei 150 m\/s f&uuml;r Kurskorrekturen bis zu Jupiter komme ich auf eine Startmasse von 2.226 kg. Das ist aber immer noch &uuml;ber der Performance einer Atlas.<\/p>\n<p>Bei Verwendung einer Atlas und einem Swing-By an der Erde, wie bei Juno, m&uuml;sste man daher auf vergleichbare Kosten wie bei Juno kommen. Rund 1,1 Milliarden Dollar. Nicht wenig, aber deutlich unterhalb der Kosten f&uuml;r Europa Clipper. Eine Falcon 9 kostet rund 100 Millionen f&uuml;r eine Regierungsmission. Rechnet man etwa 50 Millionen f&uuml;r eine Centaur hinzu (eine Atlas 401 kostet 105 Millionen f&uuml;r \u201eregul&auml;re Kunden\u201c und mehr als 50% wird die Oberstufe sicher am Preis nicht ausmachen) so ist man deutlich g&uuml;nstiger dran. Bei Juno kostete die Tr&auml;gerrakete mit Start 190 Millionen Dollar. Davon k&ouml;nnte man also schon 40 sparen. Weitere 110 Millionen k&auml;men durch die Verk&uuml;rzung der Reisedauer zustande. Damit w&auml;re Galileo 2 f&uuml;r 950 Millionen Dollar umsetzbar. Voraussetzung w&auml;re, dass die NASA diese Kombination will. Sie ist ja schlie&szlig;lich noch nicht geflogen und zertifiziert und SpaceX auch fremde Stufen transportiert. Bei einem normalen Launch Service Provider w&auml;re das kein Problem, es ist eben eine besondere LEO-Nutzlast, doch bei SpaceX ist ja alles etwas anders.<\/p>\n<p>Damit man die Sonde mit einer Atlas V starten kann, m&uuml;sste man die Trockenmasse unter 1.085 kg bringen. Abz&uuml;glich Antriebssystem sind das 904 kg oder 171 kg mehr als bei Galileo. Da der \u201eSafe\u201c f&uuml;r die Elektronik schon 157 kg wiegt, d&uuml;rfen die Solarpaneele nur 14 kg mehr als die RTG wiegen, was bei gleicher Leistung Solarzellen mit einer Leistungsdichte von 120 W\/m\u00b2 entspricht. Dazu k&auml;men noch die Strukturen. Juno hatte welche mit 80 W\/m\u00b2 aber relativ schweren Strukturen, weil die Sonde rotiert und dazu kam eine Beschichtung. um die Strahlungsbest&auml;ndigkeit zu erh&ouml;hen. ARK-Flexarrays sind bei gro&szlig;en Gr&ouml;&szlig;en (und die braucht man bei Jupiter, da um die 560 Watt die die RTG bei Galileo nominal hatte, zu erzeugen, man Solarzellen braucht die auf der Erde rund 15,2 kW liefern) f&auml;hig diese Leistung zu erreichen. Die Ultaflex Arrays f&uuml;r die Cygnus liegen auch in der richtigen Gr&ouml;&szlig;enordnung. Dies w&auml;re eine Alternative wenn man den Start auf einer Atlas ohne Swing-By anvisiert.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/43bc97d93b324396bd6486681602527a\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<p>{Edit]<\/p>\n<p><figure style=\"width: 736px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/img\/venus1.png\" width=\"736\" height=\"597\" alt=\"Bahn mit unver&auml;nderter VENuS oberstufe\" class=\"size-medium\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Bahn mit unver&auml;nderter VENuS oberstufe<\/figcaption><\/figure>Da die Frage nach Ionenantrieben aufkam: da ist das Problem der Kostenfrage. Bisherige dezidierte \u201eIon Prpopulsion Modules\u201c als zus&auml;tzliche Stufen gibt es selten. Es sind meist integrierte L&ouml;sungen wobei dann das Preisschild das der ganzen Mission ist. Ich kenne aber zumindest eine Ionenstufe, die untersucht wurde. Das ist <a href=\"http:\/\/www.asi.it\/sites\/default\/files\/5.c_-_VEnUS_-_ESA_IPT.pdf\">VENuS<\/a> f&uuml;r die Vega. Die Stufe wiegt 681 kg, fasst 551 kg Xenon bei einer Stromversorgung von 12,5 kW und einem Bedarf von 10 kw (Mehr da ein betrieb im Van Allen G&uuml;rtel vorgesehen ist). Bei zwei Tanks wiegt die Stufe 786 kg woraus man eine Tankmasse von 105 kg errechnen kann. Jeder Fl&uuml;gel wiegt 30 kg. Der Rest der Massenaufteilung ist leider unbekannt. Der spezifische Impuls und die Effizienz des Hall-Effekt Thrusters ist nicht genannt. Eine Liste von bekannten <a href=\"http:\/\/www.sitael.com\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/3125196_DEVELOPMENT_20_kW-CLASS_HET_leporini.pdf\">HAL-Thrustern<\/a> hat eine gewisse Streubreite bei diesen Parametern, doch mit einem spezifischen Impuls von 2500 s und einer Effizienz von 0,6 als Annahme liegt man im Mittelfeld kann man die Leistung berechnen.<\/p>\n<p>Ich habe damit es nicht zu komplex wird den Einsatz als zus&auml;tzliche Stufe untersucht, die abgetrennt wird sobald die Jupiter &Uuml;bergangsbahn erreicht ist. Damit ver&auml;ndert sich die Masse von Galileo nicht und auch das Antriebsverm&ouml;gen bei Jupiter.<br \/>\n<figure style=\"width: 755px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/img\/venus2.png\" width=\"755\" height=\"610\" alt=\"Bahn mit VENuS Oberstufe und doppelter Tankzahl, + 15 kW von Galileo\" class=\"size-medium\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Bahn mit VENuS Oberstufe und doppelter Tankzahl, + 15 kW von Galileo<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<h3 class=\"western\">Ansatz 1: Unver&auml;nderte VENuS als Kickstufe.<\/h3>\n<p>Mit dem Trockengewicht von 681 kg, 545 kg Treibstoff bei einem spezifischen Impuls von 24500 m\/s und 2.226 kg Masse von Galileo (interplanetare Man&ouml;ver fallen ja weg) + 80 kg f&uuml;r den Adapter ergeben sich sehr lange Reisezeiten. Das grunds&auml;tzliche Problem ist das die Sonde schon mit etwa 35 km\/s relativ zur Sonne starten muss (maximal 4,2 km\/s Geschwindigkeits&auml;nderung). Dann muss man aber bald eines der beiden Triebwerke abschalten und wenn die Stromversorgung unter 5 kW sinkt das zweite. Es ergeben sich so mehrere Uml&auml;ufe bis man die Zielgeschwindigkeit erreicht. Bild 1 zeigt das mit dem vollst&auml;ndigen Treibstoffverbrauch: Startgeschwindigkeit 34810 m\/s solar, Dauer: 6 Jahre 115 Tage.<\/p>\n<h3 class=\"western\">Ansatz 2 : Kickstufe mit doppelter Tankanzahl und Stromversorgung durch Galileo<\/h3>\n<p>Nimmt man die doppelte Rest-Startmasse (Venus ohne Tanks und Flex-Arrrays) an, darin enthalten 5 Triebwerke, da man die 15 kW Leitung von Galileo hinzurechnen kann mit der doppelten Treibstoffzuladung so sieht es besser aus: Nach 2 Jahren 307 Tagen, nur wenig l&auml;nger als bei einer Transferbahn ist man bei Jupiter wenn man mit 33.600 m\/s startet.<\/p>\n<p>33.600 m\/s solar entsprechen rund 11,7 km\/s relativ zur Erdoberfl&auml;che. Die dann beim Start 4.678 kg schwere Raumsonde k&ouml;nnte eine Atlas 541 sicher transportieren.<\/p>\n<p>Die Kostenabsch&auml;tzung ist schwierig. Im Dokument steht: \u201eCBE cost and target: 10% of launch service cost<\/p>\n<p>Competitive to Soyuz launched from Kourou\u201c<\/p>\n<p>CBE sagt mir als Abk&uuml;rzung nichts. Leider taucht die Abk&uuml;rzung auch nur hier im Dokument auf. 10% des Vega Startpreises w&auml;ren nur 3-4 Millionen Euro. Das w&auml;re in der Raumfahrt schon verdammt billig, daf&uuml;r gibt es woanders gerade mal eine Papierstudie. Wenn es aber konkurrierend mit einem Sojus Start w&auml;re, dann muss der Preis unter 38 Millionen Euro, der Preisdifferenz der beiden Tr&auml;ger liegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach zwei Jahrzehnten ist der Jupiter wieder in den Blickpunkt der Forschung mit Raumsonden ger&uuml;ckt. Derzeit umrundet Juno den Planeten. Geplant ist die europ&auml;ische JUICE Mission zu den Monden Ganymed und Kallisto. Die NASA hat nun auch eine Europa-Mission \u201eEuropa Clipper\u201c angeleiert. Pl&auml;ne f&uuml;r eine Europa Mission gibt es seitens der NASA schon lange und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[273,4188],"class_list":["post-12426","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-raumfahrt","tag-galileo","tag-galileo-2","entry"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack-related-posts":[{"id":18610,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/03\/27\/galileos-cds-teil-1\/","url_meta":{"origin":12426,"position":0},"title":"Galileos CDS &#8211; Teil 1","author":"Bernd Leitenberger","date":"27. M\u00e4rz 2026","format":false,"excerpt":"Hall\u00f6chen, es wird Zeit das ich mich mal wieder melde. Es gab zwei Gr\u00fcnde, warum ich mich so rar gemacht habe. Das eine ist das es gerade nicht so viel aktuelles gibt, au\u00dfer einem Update zu Artemis, zu dem ich vielleicht noch etwas schreibe. W\u00e4hrend Trump das ganze Programm nach\u2026","rel":"","context":"In &quot;Raumfahrt&quot;","block_context":{"text":"Raumfahrt","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/4fb81c7bafbd4d9d88b5695abdb33d29","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18488,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/01\/16\/die-raumfahrtnachlese-2025\/","url_meta":{"origin":12426,"position":1},"title":"Die Raumfahrtnachlese 2025","author":"Bernd Leitenberger","date":"16. Januar 2026","format":false,"excerpt":"Ich schiebe etwas sp\u00e4t eine kurze Raumfahrtnachlese f\u00fcr 2025 nach. Das auff\u00e4lligste ist nat\u00fcrlich der rasante Anstieg der Starts bzw. Startversuche, 325 waren es letztes Jahr. Eine Steigerung um 58 gegen\u00fcber letztem Jahr und damit nicht nur in der H\u00f6he ein Rekord, sondern auch im Zuwachs. Nur mal als Vergleich\u2026","rel":"","context":"In &quot;Raumfahrt&quot;","block_context":{"text":"Raumfahrt","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/25bb1cf6b21949af835bc77482e531d6","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18614,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/03\/29\/galileos-cds-teil-3\/","url_meta":{"origin":12426,"position":2},"title":"Galileos CDS &#8211; Teil 3","author":"Bernd Leitenberger","date":"29. M\u00e4rz 2026","format":false,"excerpt":"So nun zum dritten Teil \u00fcber das prim\u00e4re Computersystem von Galileo, das CDS. Nachdem sich die ersten beiden Teile nur mit dem RCA 1802, warum er gew\u00e4hlt wurde und seiner Architektur befassten geht es heute um das Computersystem selbst. Der Artikel schlie\u00dft so an seine beiden Vorg\u00e4nger gestern und vorgestern\u2026","rel":"","context":"In &quot;Raumfahrt&quot;","block_context":{"text":"Raumfahrt","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/6e7f572a246b4ac395de9c260733b707","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18465,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2025\/11\/07\/neues-zu-artemis-blue-origin-und-spacex\/","url_meta":{"origin":12426,"position":3},"title":"Neues zu Artemis, Blue Origin und SpaceX","author":"Bernd Leitenberger","date":"7. November 2025","format":false,"excerpt":"Hallo. Ich wei\u00df, ich habe mich in den letzten Wochen etwas rar gemacht. Ich hatte zum einen viel zu tun, dann noch eine OP am Handgelenk, etwas an meinem Buch geschrieben und derzeit ist auch meine Winterdepression wieder st\u00e4rker, sodass ich lieber spiele als Artikel zu verfassen. Es hat sich\u2026","rel":"","context":"In &quot;Raumfahrt&quot;","block_context":{"text":"Raumfahrt","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/76454a00a29844c79745dc13a13341de","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":18547,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/03\/04\/quo-vadis-artemis\/","url_meta":{"origin":12426,"position":4},"title":"Quo Vadis Artemis?","author":"Bernd Leitenberger","date":"4. M\u00e4rz 2026","format":false,"excerpt":"Ich muss mal meine nicht vorhandene humanistische Bildung heraush\u00e4ngen, sprich Latein kann ich nicht, aber ich habe in meiner Jugend gerne Monumentalschinken angeschaut und da gibt es den ber\u00fchmtem Film \"Quo Vadis\" mit der ersten gro\u00dfen Rolle f\u00fcr Peter Ustinov als Nero. Das Zitat ist bekannt: Petrus flieht aus Rom,\u2026","rel":"","context":"In &quot;Raumfahrt&quot;","block_context":{"text":"Raumfahrt","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/"},"img":{"alt_text":"","src":"\/img\/artemis-2026-2028.jpg","width":350,"height":200,"srcset":"\/img\/artemis-2026-2028.jpg 1x, \/img\/artemis-2026-2028.jpg 1.5x, \/img\/artemis-2026-2028.jpg 2x, \/img\/artemis-2026-2028.jpg 3x, \/img\/artemis-2026-2028.jpg 4x"},"classes":[]},{"id":18612,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2026\/03\/28\/galileos-cds-teil-2\/","url_meta":{"origin":12426,"position":5},"title":"Galileos CDS \u2013 Teil 2","author":"Bernd Leitenberger","date":"28. M\u00e4rz 2026","format":false,"excerpt":"So, heute geht es weiter mit Teil 2 \u00fcber Galileos CDS, dieser Beitrag schlie\u00dft nahtlos an den ersten Beitrag von gestern an, wie man schon an der ersten Textzeile sieht. Nach der Einleitung im ersten Teil geht es heute weiter damit warum der RCA 1802 genutzt wurde und was seine\u2026","rel":"","context":"In &quot;Raumfahrt&quot;","block_context":{"text":"Raumfahrt","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/category\/raumfahrt\/"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/191e4b0728de42829cf656027b84dc82","width":350,"height":200},"classes":[]}],"jetpack_sharing_enabled":true,"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12426","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/169"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12426"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12426\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12426"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12426"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12426"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}