{"id":12481,"date":"2017-04-09T14:41:57","date_gmt":"2017-04-09T12:41:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=12481"},"modified":"2017-04-09T14:41:57","modified_gmt":"2017-04-09T12:41:57","slug":"die-ionentriebwerke-bei-bepicolombo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2017\/04\/09\/die-ionentriebwerke-bei-bepicolombo\/","title":{"rendered":"Die Ionentriebwerke bei BepiColombo"},"content":{"rendered":"<p>Derzeit widme ich der Raumsonde BepiColombo. Zum Gl&uuml;ck f&uuml;r faule Autoren wie mich hat die ESA den Start ja regelm&auml;&szlig;ig verschoben, von urspr&uuml;nglich August 2013 auf Oktober 2018 &#8211; zumindest derzeit. Gewisse &Auml;hnlichkeiten zu Nauka und der Falcon Heavy sind nicht zu leugnen.<\/p>\n<p>BepiColombo wird Ionentriebwerke einsetzen. Es sind zwei T6 Triebwerke, die mehrere Schublevel haben. Der minimale Schub betr&auml;gt 75 mN, der maximal 145 mN. Mit zwei Triebwerken ergibt sich so ein Stromverbrauch von 2,533 bis 9,256 kW. Die Benutzung von solarelektrischen Ionentriebwerken (SEP) war schon geplant als die Mission 2001 aufgelegt wurde. Damals ging man davon aus, das dadurch die Reisedauer von 6 auf 2,6 bis 3,6 Jahren je nach Tr&auml;ger sinken w&uuml;rde. Davon ist heute nicht mehr die Rede. Obwohl die Raumsonde inzwischen mit einer Ariane 5 anstatt einer Sojus gestartet wird &#8211; mit entsprechenden Reserven, da es wohl ein Einzelstart wird, wird die Sonde 7,5 Jahre unterwegs sein. Das ist l&auml;nger als bei MESSENGER die 6 Jahre unterwegs war. Ebenso sind f&uuml;nf Vorbeifl&uuml;ge an Merkur geplant. Bei <a href=\"\/messenger.shtml\">MESSENGER<\/a> waren es nur drei.<!--more--><\/p>\n<figure style=\"width: 700px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: left;\" src=\"\/img\/bepicolombobahn2007.png\" alt=\"Bahn von BepiColombo 2007\" width=\"700\" height=\"720\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Bahn von BepiColombo 2007<\/figcaption><\/figure>\n<p>Eigentlich sollte man mit Ionentriebwerken, wie in der Planung 2001 vorgesehen, die Reisedauer verringern. warum ist dem nicht so bei <a href=\"\/bepicolombo.shtml\">BepiColombo<\/a>? Nun eine Erkl&auml;rung liefert das Orbitdiagramm. Ich habe keines f&uuml;r die aktuelle Missionsplanung. Doch dieses von 2007 zeigt schon die Phasen und ich denke sie treffen auch auf die derzeitige Mission zu. Rot ist jeweils der Teil in dem die Ionentriebwerke aktiv sind. Die Raumsonde startet zuerst in einen GTO-Orbit. Das war damals notwendig, weil die Sonde nach den Planungen 3.065 kg wog und mit einer <a href=\"\/sojus.shtml\">Sojus 2-1B<\/a> starten sollte, deren maximale GTO Nutzlast 3.290 kg betr&auml;gt. Mit dem eigenen chemischen Antrieb hebt sie das Apog&auml;um der Bahn an und fliegt schlie&szlig;lich am Mond vorbei der sie auf eine Fluchtbahn bringt. Danach dreht sie erst mal eine Runde um die Erde, wobei sie mit den Ionentriebwerken die Bahn so anpasst, dass sie die Erde so passiert, das diese sie zur Venus umlenkt. Es gibt dann zwei Venusvorbeifl&uuml;ge. Der erste reduziert die Umlaufdauer der Transferbahn auf 225 Tage, der Umlaufszeit der Venus. Der zweite Vorbeiflug bringt sie weiter ins innere Sonnensystem. Nun folgen zahlreiche Uml&auml;ufe im inneren Sonnensystem, in denen jeweils rund um das Perihel der Ionenantrieb das Aphel absenkt. Schlie&szlig;lich l&auml;sst sich BepiColombo von Merkur einfangen. Auch das ist neu, es wird kein Bremsman&ouml;ver durchgef&uuml;hrt. Die langsame Absenkung der Relativgeschwindigkeit zu Merkur ist der eigentlich Zwecke des Ionenantriebs.<\/p>\n<p>Warum dauert die Reise zu Merkur nun so lange? Nun eineinhalb Jahre k&ouml;nnte man schon beim Start einsparen. Wenn BepiColombo (was wahrscheinlich ist) als Einzelnutzlast startet, kann die Ariane 5 sie gleich zur Venus transportieren. Die Ariane 5 kann rund 6 t zur Venus transportieren, die Raumsonde ist mit derzeit 4,1 t deutlich leichter. Das zweite ist das die Sonde zwar ein Ionenantriebsmodul hat, aber die Solarzellen dieses Moduls nur 6 kW Leistung in Erdn&auml;he. Selbst wenn die Leistung ansteigt wenn man ins innere Sonnensystem kommt &#8211; mehr als 9,3 kW wird man f&uuml;r die beiden Treibwerke nie bauchen.<\/p>\n<p>Nur als Vergleich: die viermal leichtere Raumsonde Dawn hatte Solarpanels mit 11 kW Leistung und f&uuml;nf Triebwerke. (allerdings geringerem Stromverbrauch). Auch der Vorschlag von 2001 der die geringeren Reisezeiten voraussetze, ging zwar von 6-10 kW Leistung aus, aber damals bei zwei Sonden die jeweils maximal 1.500 kg wiegen sollten. Macht man eine Simulation so ergibt sich, dass wenn BepiColombo beim heutigen Startgewicht von 4,1 t nur Ionentriebwerke nutzen w&uuml;rde sie auch &uuml;ber 7 Jahre brauchen w&uuml;rde. (Diagramm 2).<\/p>\n<figure style=\"width: 700px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: right;\" src=\"\/img\/bepicolombo1.png\" alt=\"Bahn von BepiColombo nach Simulation\" width=\"700\" height=\"750\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Bahn von BepiColombo nach Simulation<\/figcaption><\/figure>\n<p>Doch wie immer l&auml;sst mir das keine Ruhe. Wenn man annimmt, das die Solarpaneele, wenn man sich weiter der Sonne n&auml;hert bis zur doppelten Leistung (verglichen mit den 6 kW in Erdn&auml;he abgeben k&ouml;nnen, (dann muss man beginnen sie schr&auml;g zu stellen um die Aufheizung zu begrenzen) dann w&auml;re es mit einer Spitzenleistung von 12 kW auch m&ouml;glich ein weiteres Ionentriebwerk im reduzierten Schubmodus zu betreiben. Das w&uuml;rde immerhin die Reisedauer auf 6 Jahre reduzieren. Von Nachteil bei diesem geringen Schub ist aber, das man so einen fast kreisf&ouml;rmigen Orbit bekommt. Das w&uuml;rde nun noch weitere Man&ouml;ver notwendig machen um Merkurs elliptischen Orbit zu erreichen. Da die <a href=\"\/ariane-5-evolution.shtml\">Ariane 5<\/a> aber die Sonde schon zur Venus schicken kann, w&auml;re es konsequent auch diese Bahn als Ausgangsbahn zu nehmen. Dann sieht es deutlich g&uuml;nstiger aus: nach etwas &uuml;ber 5 Jahren hat man die Umlaufbahn von Merkur erreicht und zwar mit den fast exakten Bahnparametern (46,09 x 68,55 Mill km). Was noch fehlt w&auml;re eben die Anpassung der Bahnneigung.<\/p>\n<p>Nutz man die maximale Leistung der Ariane 5 aus, so kann die Bahn sogar noch sonnenn&auml;her sein und nach nur 3 Jahren 324 Tagen ist man in einer 46,1 x 89 Millionen km Bahn. Da man diese aber noch anpassen m&uuml;sste bringt dies keinen Vorteil. Doch ein Venusvorbeiflug k&ouml;nnte auch die letzte Anpassung durchf&uuml;hren. Trotzdem w&auml;re so, ohne Ver&auml;nderung des Konzeptes der Sonde die heliozentrische Reise verk&uuml;rzbar. Deutlich k&uuml;rzere Reisezeiten erfordern dann wirklich deutlich mehr Strom. 11 kW, die Leistung die Dawn hatte, senken sie z.B. nur auf 2 Jahre 250 Tage,<\/p>\n<p>Doch dann w&auml;re die Sonde auch schwerer. Von den 4.100 kg die BepiColombo wiegt sind nur 580 kg Xenon Treibstoff. Hier m&uuml;ssten es 1300 kg sein. Das zeigt, das in der Realit&auml;t die Planetenvorbeifl&uuml;gen eben am meisten Geschwindigkeits&auml;nderung bringen. Insgesamt sind es 17 km\/s, die beim Flug zum Merkur abgebaut werden m&uuml;ssen. Nur ein Drittel liefert der Ionenantrieb, den gr&ouml;&szlig;ten Teil die drei Vorbeifl&uuml;ge an Erde und Venus.<\/p>\n<p>Mal sehen ob ich die Ankunft der Sonde noch erlebe, das wird nach den derzeitigen Planungen erst 2026 der Fall sein. Immerhin kann ich mir so viel Zeit mit der Fertigstellung des Aufsatzes lassen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Derzeit widme ich der Raumsonde BepiColombo. Zum Gl&uuml;ck f&uuml;r faule Autoren wie mich hat die ESA den Start ja regelm&auml;&szlig;ig verschoben, von urspr&uuml;nglich August 2013 auf Oktober 2018 &#8211; zumindest derzeit. Gewisse &Auml;hnlichkeiten zu Nauka und der Falcon Heavy sind nicht zu leugnen. BepiColombo wird Ionentriebwerke einsetzen. Es sind zwei T6 Triebwerke, die mehrere Schublevel [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":169,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[124],"class_list":["post-12481","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-raumfahrt","tag-bepicolombo","entry"],"a3_pvc":{"activated":false,"total_views":324,"today_views":0},"jetpack_featured_media_url":"","jetpack-related-posts":[{"id":13317,"url":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2018\/04\/04\/die-aufklaerung-des-aprilscherzes\/","url_meta":{"origin":12481,"position":0},"title":"Die Aufkl&auml;rung des Aprilscherzes","author":"Bernd Leitenberger","date":"4. 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