{"id":12502,"date":"2017-04-18T10:39:27","date_gmt":"2017-04-18T08:39:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=12502"},"modified":"2017-04-18T10:39:27","modified_gmt":"2017-04-18T08:39:27","slug":"die-flugbahn-von-bepicolombo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2017\/04\/18\/die-flugbahn-von-bepicolombo\/","title":{"rendered":"Die Flugbahn von BepiColombo"},"content":{"rendered":"<p>Ich arbeite ja gerade am Artikel f&uuml;r BepiColombo und die Missionsbeschreibung ist auch schon fertig. Da verstand ich einiges nicht und habe mich an einen Experten gewandt und das liefert mir den heutigen Aufh&auml;nger zum Blog. Aber fangen wir zuerst mal mit der Mission von BepiColombo an.<\/p>\n<p>Studien f&uuml;r eine ESA Mission gab es schon lange. Sie gehen bis 1993 zur&uuml;ck. Richtig konkret wurde die Mission auch schon unter dem heutigen Namen 2001 als man das Konzept genauer definierte und f&uuml;r eine Cornerstone-Mission der ESA vorschlug. Damals war die Mission noch dreiteilig: Ein Orbiter den den Planeten beobachtet, der MPO. Dazu ein Orbiter in einer exzentrischeren Umlaufbahn, der das Magnetfeld untersucht, der MMO und ein kleiner Lander der nur wenige Tage auf der Oberfl&auml;che arbeiten sollte. Der ESA war dies zu teuer und als die Genehmigung anstand brauchte auch die Ariane 5 Rettung Geld. So wurde das Projekt abgelehnt.<!--more--><\/p>\n<h3>Das Projekt 2001<\/h3>\n<p>Man fand jedoch eine L&ouml;sung. Die JAXA wollte den kleineren Orbiter f&uuml;r die Magnetosph&auml;re bauen und das Surfaceelement wurde gestrichen. Als Nebeneffekt brauchte man so auch keine zwei Starts (geplant mit Sojus) und der Start der Sojus vom CSG aus, w&uuml;rde die Nutzlast der Sojus erh&ouml;hen. So sollte Bepicolombo mit einem Start auskommen. So wurde die Mission 2007 genehmigt.<\/p>\n<p>Schon im allerersten Konzept war als Option der Einsatz von Ionentriebwerken vorgesehen. Sie h&auml;tten nach damaliger Ver&ouml;ffentlichung im <a href=\"http:\/\/www.esa.int\/esapub\/bulletin\/bullet103\/grard103.pdf\">ESA Bulletin 103 <\/a>die Reisezeit auf 2,6 bis 3,6 Jahre gedr&uuml;ckt. Ionentriebwerke gab es nun auch, und sie waren auch notwendig, denn der Plan sah nun so aus:<\/p>\n<h3>Das Projekt 2007<\/h3>\n<p>Eine <a href=\"\/sojus.shtml\">Sojus 2B<\/a> transportiert BepiColombo in eine GTO-Bahn. Diese wird mit einem 400 N Triebwerk &uuml;ber zwei Monate ausgeweitet, bis man die Umlaufbahn des Monds erreicht hat. Ein Vorbeiflug am Mond bringt die Sonde dann auf Fluchtkurs. Der Mond liefert aber zu wenig Geschwindigkeit um das n&auml;chste Ziel, die Venus zu erreichen. Nun treten die Ionenantriebe in Aktion die die Bahn so ver&auml;ndern das BepiColombo erneut die Erde passiert. Beim derzeitigen Startdatum Oktober 2018 w&auml;re das im April 2020 der Fall. Sie beschleunigt die Sonde und passt die Inklination an. Danach passiert sie zweimal die Venus und einige Male den Merkur. Nach der zweiten Venuspassage sind die Ionentriebwerke wieder rund um das Perihel aktiv. Sie passen die Bahn so an, das die Sonde von Merkur einfangen wird. Kurz vorher wird das Zusatzmodul abgeworfen und der Planetare Orbiter bremst in eine Umlaufbahn ein, trennt den Magnetosph&auml;renorbiter ab und senkt seine Bahn weiter ab. Danach kann die wissenschaftliche Phase beginnen.<\/p>\n<p>Das ganze dauert 6,5 bis 7,2 Jahre, also l&auml;nger als bei Messenger der keine Ionentriebwerke einsetzte. Es gibt auch nicht drei sondern mindestens vier Merkurvorbeifl&uuml;ge, es k&ouml;nnen je nach Startzeitpunkt auch bis zu sechs sein. Kurzum: Ionentriebwerke scheinen hier die Mission nicht zu verk&uuml;rzen.<\/p>\n<h3>2009 &#8211; Umzug von BepiColombo auf die Ariane 5<\/h3>\n<p>2009 war BepiColombo so schwer, dass man die Mission auf eine <a href=\"\/ariane-5-evolution.shtml\">Ariane 5<\/a> verschob. Dadurch konnte man im Transfermodul den Treibstoff f&uuml;r das Verlassen der Erde einsparen. Die ESA buchte einen Einzelstart bei dem Ariane 5 BepiColombo auf einen Fluchtkurs bringt. Die grundlegende Mission blieb aber gleich. Das bedeutet es gibt wieder zuerst einen Erdvorbeiflug und das war der Grund warum ich mich an einen Experten der ESA wandte (auf eigenen Wunsch nicht genannt). Die Ariane 5 ECA kann nach meinem Kenntnisstand mindestens 6 t auf einen Fluchtkurs bringen. Da die Nutzlast in den letzten Jahren gesteigert wurde (die Ziffer von 6 t geht von 10 t GTO aus, mittlerweile sind es aber 10,73 t in den GTO) w&auml;re es meiner Berechnung nach sogar m&ouml;glich einen der beiden Venus-Vorbeifl&uuml;ge einzusparen da man so BepiColombo in eine solare Bahn von 83 x 150 Millionen km bringen k&ouml;nnte. Die Sonde ist mit nur 4,1 t Gewicht in jedem Fall direkt zur Venus zu bringen. Schon das w&uuml;rde die Mission um eineinhalb Jahre verk&uuml;rzen.<\/p>\n<h3>Ursache f&uuml;r die Ehrenrunde Bepicolombos<\/h3>\n<p>Die Antwort die ich bekam, bezog sich nicht wie ich dachte auf die fehlende Wiederz&uuml;ndbarkeit die die ESA f&uuml;r ihre Planetenmissionen so bem&auml;ngelt. Sie ist der Grund warum man das Vinci Triebwerk will. Die Wiederz&uuml;ndbarkeit des Vinci ist sch&ouml;n, aber in vielen F&auml;llen nicht notwendig. So hat die NASA mit der Atlas Centaur alle Mond und Planetensonden (Surveyor, Mariner 6-9, Pionier 10) bis zum Start von Mariner 10 immer direkt gestartet, also ohne Parkbahn. Bei den niedrigen Inklinationen der Planetenbahnen w&uuml;rde das auch vom CSG aus gehen. Auch Rosetta wurde mit einer Z&uuml;ndung gestartet, obwohl die EPS prinzipiell wiederz&uuml;ndbar ist (allerdings wurde sie erst f&uuml;r ATV Missionen auch daf&uuml;r qualifiziert)<\/p>\n<p>Das Problem ist ein anderes. Die Bahn muss, je nachdem wo die Venus steht, leicht n&ouml;rdlich oder s&uuml;dlich zum &Auml;quator geneigt sein. Da die Nutzlast f&uuml;r Fluchtbahnen viel leichter als bei einer GTO-Nutzlast ist hat die EPC bei einer h&ouml;heren Geschwindigkeit und einem l&auml;ngeren Weg Brennschluss. Sie wird also sp&auml;ter abgetrennt. Die EPC darf aber nicht &uuml;ber bewohntem Land vergl&uuml;hen. Damit scheiden mittlere Bahnneigungen beim Start nach Norden ab etwa +25 bis +55 Grad aus, au&szlig;er die Nutzlast ist schwer wie beim ATV. Dann w&uuml;rde die EPC &uuml;ber Westafrika niedergehen. Beim Start nach S&uuml;den scheiden Inklinationen von -10 bis -15 Grad immer aus, da dann die Aufstiegsbahn schon kurz nach dem Start &uuml;ber bewohntes Gebiet f&uuml;hrt und je nach Geschwindigkeit auch die Inklinationen von -25 bis -40 Grad, da dann ebenfalls die EPC in S&uuml;damerika neidergehen w&uuml;rde. Das Diagramm zeigt einige von der ESA\/Arianespace berechnete Nutzlasten f&uuml;r Exomars (2008, schwarz), JUICE (rot) und LAPLACE (blau) und die &#8222;verbotenen&#8220; Zonen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"\/img\/ariane5-nutzlasten.png\" alt=\"\" width=\"1001\" height=\"546\" \/><\/p>\n<p>Diese Tatsache ist leider bei jedem Startdatum gegeben und so macht man eben die Ehrenrunde um die Sonne, was die Mission schon um mindestens ein Jahr verl&auml;ngert. Die <a href=\"\/ariane6.shtml\">Ariane 6<\/a> wird das Problem nicht in der scharfen Form haben (der -10 bis -15 Grad Streifen wird immer verboten bleiben). Bei ihr ist die Oberstufe mit Nutzlast schwerer (bei Fluchtbahnen mindestens 40 t gegen&uuml;ber 24 t) und die Zentralstufe weniger leistungsf&auml;hig, das hei&szlig;t ihre Brennschluss erfolgt fr&uuml;her. Sie wird in jedem falle im Atlantik niedergehen.<\/p>\n<p>Doch h&auml;tte man es nicht besser machen k&ouml;nnen? Ich will hier keine neue Mission skizzieren, aber zwei Dinge fallen mir auf:<\/p>\n<h3>Festhalten am alten Konzept<\/h3>\n<p>BepiColombo wiegt 4,1 t. Damit w&auml;re sie leicht genug um bei einem Start in den GTO noch einen zweiten Passagier mitzuf&uuml;hren. Warum also nicht die Mission so beibehalten wie damals mit der Sojus geplant: BepiColombo kommt bei einem Doppelstart in einen GTO, hebt diesen Zwischenorbit selbst an und macht einen Mondvorbeiflug. Bei etwa 750 m\/s dV Geschwindigkeitsdifferenz zu einem Mondkurs addiert das 1.110 kg Treibstoff und etwa 150 kg f&uuml;r Tanks, zusammen also 1.260 kg. BepiColombo w&auml;re mit leichten Reserven etwa 5,4 t schwer. Mit Sylda, zwei Satellitenadaptern ist man bei 6,3 t Startmasse und das l&auml;sst dann noch Platz f&uuml;r einen maximal 4,4 t schweren Satelliten in der unteren Position. So h&auml;tte man zwar die Mission nicht verk&uuml;rzt, aber zumindest einen Teil der Startkosten eingespart. Wenn Die Kosten linear pro Kilogramm berechnet werden m&uuml;sste das die Mission um 70 Millionen Euro verbilligen.<\/p>\n<h3>Volle Ausn&uuml;tzung der Tr&auml;gerrakete Ariane 5<\/h3>\n<p>Was mich auch nervt, ist das <a href=\"\/bepicolombo.shtml\">BepiColombo<\/a> l&auml;nger braucht um zu Merkur zu gelangen obwohl sie Ionentriebwerke einsetzt und die im inneren Sonnensystem wo es genug Energie gibt, sie zu betreiben. Schuld daran ist die Wahl des Einfangens durch Merkur. Daf&uuml;r muss man den Orbit an den von Merkur angleichen und genau das machen die Ionentriebwerke. zus&auml;tzlich haben sie keine gro&szlig;e Stromversorgung f&uuml;r eine so schwere Sonde. Dawn hatte in etwa die gleiche Leistung, war aber viermal leichter. Daher muss man sie sehr lange betreiben und das verl&auml;ngert dann die Mission entsprechend.<\/p>\n<p class=\"auto-style1\"><a href=\"\/messenger.shtml\">MESSENGER<\/a>, der bisher erste Merkurorbiter, hat sich klassisch einfangen lassen. Der Preis: Messenger besteht beim Start aus fast 55% aus Treibstoff, w&auml;hrend es bei BepiColombo 34 % sind und dabei erreicht die Sonde sogar noch einen niedrigeren Orbit der sie mehr Treibstoff kostet. Was aber w&auml;re, wenn man die Fluchtbahnnutzlast von 6,3 t voll ausnutzt, die Ionentriebwerke wegl&auml;sst und durch chemischen Treibstoff ersetzt? Die Ariane 5 k&ouml;nnte nach obigem Diagramm mindestens 6,3 t auf einen Fluchtkurs bringen. Das sind 2,2 t mehr. Es entfallen die 580 kg Xenon in ihren Hochdrucktanks, die dann auch etwa 120 kg wiegen. Das Solarpanel des MTM kann entfallen, der MPO kann die Stromversorgung mit&uuml;bernehmen. Das elektrische System des MTM wiegt 290 kg. Wenn ich 200 kg als Einsparungen ansetze, ist man bei einer neuen Trockenmasse von 3.300 kg. Das bedeutet das man 3.000 kg in chemischen Treibstoff, ein 500-N-Triebwerk und Tanks investieren kann, netto etwa 2.500 kg Treibstoff und 500 kg Tanks \/ Druckgas, Antrieb. Das w&uuml;rde den Treibstoffanteil auf 60,8 % anheben, genug um auch den niedrigeren Orbit zu erreichen. Man k&ouml;nnte auch so die Mission verk&uuml;rzen, den MESSENGER brauchte nur viereinhalb Jahre um Merkur zu <a href=\"\/messenger-mission1.shtml\">erreichen<\/a> und nicht wie BepiColombo beim Start im Oktober 2018 &uuml;ber sieben Jahre.<\/p>\n<p class=\"auto-style1\">Mal sehen ob sie im Oktober 2018 auch tats&auml;chlich abhebt. Bisher wurde die Mission mehrfach verschoben. Urspr&uuml;ngliches Startdatum war der August 2013 &#8230;<\/p>\n<h3>Weiter geht es Ende n&auml;chste Woche<\/h3>\n<p class=\"auto-style1\">Soviel f&uuml;r heute. Ab Morgen bin ich f&uuml;r acht Tage nach dem Rechten sehen in meinem <a href=\"http:\/\/www.ferienlandhaus.de\/deu\/index.shtml\">Ferienhaus<\/a> im Allg&auml;u. Eventuell stelle ich auch von dort einen Blog ein, aber rechnet nicht damit. Das bedeutet dass es so bis ende n&auml;chster Woche wenig neues gibt. Aber ihr k&ouml;nnt die Aufs&auml;tze von Ostern noch genauer durchsehen und vielleicht publizieren Martin M, Thierry Gschwind und Nils etwas. Zumindest sehe ich dort acht Artikel in meinem Entwurfsordner, von Niels ist es sogar eine ganze Reihe.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/abe1e974a4e54ba6ba58cd812756b847\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich arbeite ja gerade am Artikel f&uuml;r BepiColombo und die Missionsbeschreibung ist auch schon fertig. Da verstand ich einiges nicht und habe mich an einen Experten gewandt und das liefert mir den heutigen Aufh&auml;nger zum Blog. Aber fangen wir zuerst mal mit der Mission von BepiColombo an. 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