{"id":12558,"date":"2017-05-18T00:20:32","date_gmt":"2017-05-17T22:20:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=12558"},"modified":"2017-05-15T16:23:10","modified_gmt":"2017-05-15T14:23:10","slug":"die-iss-das-haupthindernis-fuer-ein-marsprogramm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2017\/05\/18\/die-iss-das-haupthindernis-fuer-ein-marsprogramm\/","title":{"rendered":"Die ISS- das Haupthindernis f&uuml;r ein Marsprogramm"},"content":{"rendered":"<p>In den letzten Jahren ist der Mars ja wieder in den Fokus ger&uuml;ckt. Die NASA nennt seit Jahren eine bemannte Expedition zum Mars als Langzeitziel (nun f&uuml;r 2033 geplant), private Firmen wie Mars One oder SpaceX mit der Red Dragon wollen zum Mars und es werden mehr Sonden anderer Nationen geschickt. Indien plante seine zweite, China und sogar die arabischen Emirate wollen auch eine Sonde auf den Weg bringen.<\/p>\n<p>Nun seitens der NASA sehe ich die Pl&auml;ne mehr als Alibi. Das mag ein Langzeitziel sein, ohne konkretes Programm geht da nichts und Trump mag ja fordern, dass man das etwas beschleunigen soll. Aber ein Programm, das es nicht gibt, kann man nicht beschleunigen. Mehr Geld gibt es trotzdem nicht. Es gibt eigentlich in dem Sinne auch kein Marsprogramm, sondern nur eine Schwerlastrakete SLS, deren EM-1 Mission man nun erneut verschoben hat und die unbemannt erfolgen soll und die Orion, aka MPCV. Die SLS reicht in der derzeitigen Gr&ouml;&szlig;e nicht f&uuml;r einen direkten Transfer aus (wohl, aber wenn man eine Nutzlast st&uuml;ckweise mit der SLS in einen immer elliptischeren Erdorbit bringt, wie von mir <a href=\"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2013\/07\/26\/alternativen-zur-schwerlastrakete\/\"> vorgeschlagen<\/a>, nur braucht man dann eben zwei bis drei Starts anstatt einen). Und die Orion ist eine Kapsel wie Apollo, nicht gedacht f&uuml;r eine Langzeitmission und auf dem Mars landen kann man mit ihr auch nicht.<!--more--><\/p>\n<p>Der springende Punkt: Eine Marsexpedition wird teuer. Wie teuer sie heute ist, dar&uuml;ber kann man nur spekulieren, es gibt keine ver&ouml;ffentlichten Zahlen. Die letzte richtige Untersuchung, die ein Pr&auml;sident in Auftrag gab, war von 1989 und damals waren es schon <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Space_Exploration_Initiative\">400 Milliarden Dollar<\/a>. Mag sein, dass man heute durch die technologische Weiterentwicklung es g&uuml;nstiger machen kann und mittels &ouml;ffentlich-privater Kooperation auch Gelder sparen kann, aber ich glaube nicht das der Milliardenbetrag nur zweistellig ist. Bedenkt man das die ISS rund 100 Milliarden Dollar kostet und das &uuml;ber einen Zeitraum von &uuml;ber 30 Jahren, dann wird klar, dass man nicht nur Bekenntnisse investieren muss.<\/p>\n<p>Es gibt vieles, was eine Marsexpedition vom Apolloprogramm unterscheidet. F&uuml;r die Finanzen ist der offensichtlichste Unterschied, dass die Mittel f&uuml;r Apollo zus&auml;tzlich zum unbemannten Programm aufgewandt wurden. Das ist seitdem nicht mehr gegeben. Als das Space Shuttle teurer wurde, wurde das unbemannte Programm zusammengestrichen. Die Folgen waren dann in den Achtzigern zu sehen: Zwischen 1978 und 1990 keine neue Raumsonde, selbst Programme mit Anwendungscharakter wie Landsat oder GOES bekamen keine neuen Satelliten, sodass die ESA sogar zeitweise einen Meteosat an die USA auslieh. Als Bush sein Constellation-Programm ank&uuml;ndigte, hat die NASA auch angefangen zu k&uuml;rzen. So fiel der TPF, Terrestrial Planet Finder 2007 den Budgetk&uuml;rzungen zum Opfer. Sofia wurde nur deswegen nicht gestrichen, weil das DLR beteiligt war.<\/p>\n<p>Constellation zeigte aber auch, dass bemannte Programme nicht nur durch K&uuml;rzungen bei der unbemannten Raumfahrt m&ouml;glich sind. Constellation sah daher auch vor die Space Shuttles nach Fertigstellung der ISS auszumustern \u2013 der Betrieb kostete 3-4 Milliarden Dollar pro Jahr und die ISS nach 2016 auch aufzugeben. Die ISS kostete auch rund 3 Milliarden Dollar pro Jahr. Der Bush Regierung w&auml;re ein noch schnellerer Ausstieg lieber gewesen, aber durch die Vertr&auml;ge musste man die ISS 10 Jahre nach Transport des letzten Moduls aus Europa und Japan (Kibo) betreiben.<\/p>\n<p>Wenn die NASA ein Marsprogramm starten will, hat sie das gleiche Problem: Die ISS kostet Geld. Durch den Wegfall der Space Shuttles sogar noch mehr als damals. Die Frachttransporte und Mannschaftstransporte m&uuml;ssen ja auch bezahlt werden. Konsequenterweise w&uuml;rde man die ISS aufgeben, wenn man ein Marsprogramm beginnt. Gerade das Gegenteil hat man aber gemacht. Man hat den Betrieb erst bis 2020, dann 2024 und 2028 verl&auml;ngert. Bis auf die ESA haben dem Termin von 2028 auch alle Nationen zugestimmt. So lange wird die ISS Geld kosten 2016 waren es 3915 Millionen Dollar, eine Steigerung &uuml;ber 1 Milliarde Dollar gegen&uuml;ber 2014 und das wird durch CCdev und CRS-2 noch mehr werden. Die NASA wird sich, wenn sich nichts &auml;ndert, nicht die ISS und ein Marsprogramm gleichzeitig leisten k&ouml;nnen. Zwar gibt es bei jedem Pr&auml;sidenten Absichtserkl&auml;rungen zum Mars zu fliegen, auch von Obama, doch keiner hat die Mittel bewilligt. Die NASA verweist darauf, dass man die ISS brauche, um f&uuml;r die Marsexpedition zu &uuml;ben. Doch so ernst nimmt man das nicht. Das geschlossene System zur Wasseraufbereitung ist seit 2009 an Bord. Das ist getestet. Ebenso haben die nun stattfindenden l&auml;ngeren Aufenthalte, die &uuml;ber die sonst &uuml;bliche 180-Tagesgrenze hinaus gehen, nicht so viel mit der Vorbereitung auf den Mars zu tun, als vielmehr das Russland Geld sparen will. Da US-Astronauten nur bei russischen Sojus mitfliegen bedeutet das Einsparen einer Sojus auch das ein US-Astronaut am Boden bleiben muss. Kurzum: je l&auml;nger die ISS in Betrieb ist, desto l&auml;nger wird es dauern zum Mars zu gelangen. Da aber CRS-2 und CCDev nicht von 2018, eher 2019 operationell werden und man dann sicher nicht gleich nach einigen Jahren alles einstellen will, w&uuml;rde ich eher drauf tippen, dass man vielleicht noch mal verl&auml;ngert, abh&auml;ngig vom Status der Station. Da die Solarzellen laufend an Leistung verlieren d&uuml;rften sie, soweit ich wei&szlig;, bisher der Knackpunkt sein, warum man 2028 als Termin angesetzt haben. Die &auml;ltesten Paneele sind dann 30 Jahre im All.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite ist der Nutzen der ISS f&uuml;r Marsexpeditionen minimal. Sie wird nicht mal so betrieben das man eine Marslandung simuliert. Also mit entsprechend langen Aufenthalten der Besatzung oder der Tatsache, dass man bei dem Marsunternehmen nicht laufend G&uuml;ter hochtransportieren kann. Geschweige denn das man die Kommunikation (Zeitverz&ouml;gerung) simuliert. Dabei k&ouml;nnte man das technisch relativ einfach machen. Man m&uuml;sste nur die ISS drei Jahre lang nicht mit Fracht versorgen. Die Besatzung nach 200-270 Tagen landen, sie m&uuml;sste dann auch selbst aussteigen k&ouml;nnen und ohne Hilfe fit werden (z. B. in ein abgeschottetes Labor gebracht werden) und dann f&uuml;r die letzten 200 bis 270 Tagen wieder zur ISS starten. Das w&uuml;rde den Flug zum Mars, einen Aufenthalt auf dem Mars und die R&uuml;ckkehr zur Erde relativ gut simulieren. Dazu m&uuml;sste man dann vielleicht an Bord der ISS auch einiges umbauen z.B. Tests mit Zentrifugen f&uuml;r k&uuml;nstliche Schwere machen oder mal ein aufbasbares Habitat nicht nur als Vorratsraum testen. Letzteres wird man zur Gewichtsersparnis f&uuml;r Marsexpeditionen eher verwenden als die heutigen Module aus Metall.<\/p>\n<p>Kurzum: solange es die ISS gibt wird eine Marsexpedition weiterhin immer konstant in der Zukunft liegen. Die Alternative w&auml;re es, sie aufzugeben. Da man in einer Station zum Mars sowieso nicht so viel Platz haben wird, wie auf der ISS w&auml;re es sinnvoller ein Habitat von Bigelow zu nutzen, das ja auch die gleiche Technologie hat. Durch den gro&szlig;en Durchmesser k&ouml;nnte man dort auch eine Zentrifuge installieren, die k&uuml;nstliche Schwerkraft f&uuml;r einige Stunden erzeugt. Vor allem wird das aber preiswerter als die ISS sein. Das w&auml;re dann auch ein Nutzen der &Ouml;ffentlich-privaten Partnerschaft und w&uuml;rde zu rein privaten Raumstationen &uuml;berleiten, denn Bigelow k&ouml;nnte danach die Station f&uuml;r Touristen nutzen und h&auml;tte f&uuml;r diese erste Station kleinere Investitionskosten.<\/p>\n<p>Im bemannten Bereich ist diese &ouml;ffentlich-private Partnerschaft problematisch. Klar, die NASA kann fertige Auftr&auml;ge ausschreiben und sich aus den Details heraushalten. Das gibt es schon. Bei CRS zahlt die NASA f&uuml;r den Transport von Fracht, wie die zur ISS kommt, geht sie nichts an. Sie hat keinen Einfluss auf die Konstruktion des Raumschiffs und der Rakete. So kann Orbital ein Cygnus verl&auml;ngern und mit der Atlas starten, wenn die Antares gegroundet ist. SpaceX kann die Tr&auml;gerrakete durch neuere Subversionen ersetzen. Der letzte NRO Launch durch SpaceX ist auch so Deal. Die NRO hat drei Satelliten bei Boeing mit Start bestellt und sie bezahlt f&uuml;r den Satellit wenn er im Orbit ist. Wie er dort hinkommt, geht sie nichts an. Bei den bisherigen bemannten Programmen war das anders. Die NASA hat nie ein Design gekauft. Sie hat mit entwickelt. Es gab dauernd &Auml;nderungen durch Auflagen der NASA. Vielleicht sind die Systeme dadurch sicherer geworden, mangels Vergleich ist das schwer zu sagen. Mit Sicherheit wurden sie teurer. Es gab immerhin zwei F&auml;lle, wo jeweils ein Partner versagte. Bei Apollo 1 lag der Fehler beim Hersteller des Apollo CSM, das nicht feuerfestes Materialen verwandte, zumindest nicht unter den Bedingungen der reinen Sauerstoffatmosph&auml;re. Bei STS-25 warnten dagegen die Experten von Thiokol vor dem Start und die NASA setzte die Firma unter Druck, dem Start zuzustimmen. Das zeigt auch, dass man NASA-Einmischung nicht unbedingt mit Verbesserung gleichsetzen muss. Wenn man beim Zulieferer verinnerlicht hat, das Menschenleben davon abh&auml;ngen und er das m&ouml;glichste tut um eine gute Sicherheit zu gew&auml;hrleisten dann glaube ich sind privat entwickelte Raumfahrzeuge nicht unbedingt sicher. Das hat viel mit Firmenkultur zu tun. Das Buch Moon Lander von J. Kelly ist zwar kein gutes Technikbuch, aber diese Philosophie zieht sich durch das ganze Buch. \u201eWir sind f&uuml;r das Leben der Astronauten verantwortlich und wir tun unser m&ouml;glichstes, dass sie heil wieder zur Erde zur&uuml;ckkommen\u201c. Wenn die Firma diese Philosophie verinnerlicht hat, dann klappt es, auch wenn die ganze Entwicklung privat verl&auml;uft.<\/p>\n<p>Vor allem f&uuml;r die Finanzierung d&uuml;rfte das positiv sein. Wenn schon der Start einer Tr&auml;gerrakete f&uuml;r NASA \/ USAF um ein Viertel bis Drittel teurer als f&uuml;r einen kommerziellen Kunden ist (und hier ist das Produkt das gleiche, nur der Test-. \/ B&uuml;rokratieaufwand h&ouml;her) dann kann man sich vorstellen, wie viel man bei einem ganzen Programm sparen kann.<\/p>\n<p>Ich glaube allerdings nicht daran. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die NASA die komplette Verantwortung f&uuml;r eine Mission oder Menschenleben an die Industrie abgibt, denn wenn etwas scheitert, dann ist sie dran und nicht der Hersteller. Allerdings ist das eine eher theoretische Frage, denn wie schon gesagt, ich sehe nicht, dass Trump ein Marsprogramm auflegt. Nicht solange der Mars keine Raketen startet oder Terroristen zu uns unterwegs sind.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/d56f6d07e3ca4b098fc831a01a573fcc\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Jahren ist der Mars ja wieder in den Fokus ger&uuml;ckt. Die NASA nennt seit Jahren eine bemannte Expedition zum Mars als Langzeitziel (nun f&uuml;r 2033 geplant), private Firmen wie Mars One oder SpaceX mit der Red Dragon wollen zum Mars und es werden mehr Sonden anderer Nationen geschickt. 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