{"id":12622,"date":"2017-07-02T18:55:48","date_gmt":"2017-07-02T16:55:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=12622"},"modified":"2017-07-02T18:55:48","modified_gmt":"2017-07-02T16:55:48","slug":"wir-brauchen-kein-neues-space-council","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2017\/07\/02\/wir-brauchen-kein-neues-space-council\/","title":{"rendered":"Wir brauchen kein neues Space Council"},"content":{"rendered":"<p>F&uuml;r <a href=\"http:\/\/spacenews.com\/breaking-president-trump-reestablishes-national-space-council\/\"> Spacenews<\/a> und <a href=\"https:\/\/spaceflightnow.com\/2017\/06\/30\/trump-signs-order-re-creating-long-dormant-national-space-council\/\"> SpaceFlightNow<\/a> ist es eine Headerschlagezeile mit ellenlangem Bericht: Trump hat ein nationales Space Council eingerichtet. Ein solches gab es schon von 1989 bis 1993 und unter anderem Namen von 1958 bis 1973.<\/p>\n<p>Als ich mir den <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/National_Space_Council\">Wikipediaeintrag<\/a> anschaute, war ich von der K&uuml;rze erstaunt. Viel gibt es nicht &uuml;ber gut 19 Jahre der Arbeit nicht zu sagen. Alle dort aufgef&uuml;hrten Personen sind mir, sofern sie nicht gleichzeitig leitende Funktionen in der NASA hatten, nirgendwo sonst im Raumfahrtprogramm begegnet.<!--more--><\/p>\n<p>Ein Council ist ein Rat, zumindest in dieser Bedeutung als Gremium nahe des Pr&auml;sidenten. Es soll also den Pr&auml;sidenten bei Beschl&uuml;ssen in Sachen Weltraumfahrt beraten. Das ist an und f&uuml;r sich nichts Schlechtes. Unter Kennedy war Lyndon B. Johnson Leiter des Space Councils. Er hatte Interesse an der Raumfahrt, vor allem bemannten Raumfahrt und sorgte daf&uuml;r, dass das Zentrum f&uuml;r bemannte Raumfahrt nach Texas kam, da er Senator dieses Staates war. Im Council von George W. Bush finde ich aber nur Politiker oder Personen, die nicht direkt mit Weltraumfahrt zu tun haben, mit Ausnahme des NASA-Administrators.<\/p>\n<p>Die Frage ist nun: N&uuml;tzt es etwas? Nun in die Zeit des ersten Konzils fallen einige wichtige Entscheidungen wie die Programme Gemini, Apollo und Space Shuttle. Soweit mir bekannt hat J.F. Kennedy aber bevor er das Apollo-Programm verk&uuml;ndete sich direkt Rat bei hochkar&auml;tigen Technikern geholt. Wernher von Braun hat er nach seinen Vorschl&auml;gen f&uuml;r Programme, mit denen man gegen die sowjetischen Erfolge auftrumpfen k&ouml;nne, gefragt und auch nach Kostenabsch&auml;tzungen.<\/p>\n<p>In der Zeit des zweiten Space Councils sind mir keinerlei Entscheidungen bekannt, die fundamentaler Natur sind. Die ISS wurde w&auml;hrend dieser Zeit geplant, aber sie war immer zu teuer, genehmigt wurde sie schlie&szlig;lich unter Clinton. Am Ende der Zeit gab es den Kurswechsel bei der unbemannten Raumfahrt zum Discovery Programm, doch dies ging alleine von <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Daniel_Goldin\">NASA-Administrator Goldin<\/a> aus.<\/p>\n<p>Die NASA hat heute ein ganz anderes Problem: das gleichbleibende Budget. Man kann mit einem gleichbleibenden Budget durchaus Raumfahrt betreiben, vor allem wenn es viele Projekte gibt &#8211; dann kann man ein neues aber erst Anfangen wenn ein altes ausl&auml;uft. Vor allem ist bei gr&ouml;&szlig;eren Projekten es schwierig sie in den Finanzrahmen einzuf&uuml;gen, selbst wenn man alte einstellt. Das grundlegende Problem ist, das es einen Entwicklungszyklus gibt: Die Kosten f&uuml;r die Entwicklung steigen zuerst an, erreichen zur H&auml;lfte der Dauer den H&ouml;chststand und sinken dann wieder. Das ESA Budget umfasste 2014 z. B . 4.102 Mrd. Euro, f&uuml;r 2017 waren es 5,25 Milliarden. Am st&auml;rksten zulegten Navigation (Aufbau des Galileo Netzes) und Erdbeobachtung (Sentinel-Programm) mit 400 bzw. 600 Millionen Euro zu. Diese Posten werden sinken, daf&uuml;r werden die Tr&auml;ger 2018\/19 wesentlich mehr Gelder brauchen, trotzdem ist das Budget um 30% in drei Jahren gestiegen. Dabei hat die ESA relativ &uuml;berschaubare Programme in der Entwicklung, nicht wie bei der NASA die SLS und Orion. Zudem l&auml;uft dort nichts aus, was Gelder freisetzen k&ouml;nnte. Per Gesetz ist die NASA zu einem gleichbleibenden Budget verdonnert, in dem System sind nicht mal R&uuml;cklagen m&ouml;glich so in der Art \u201ein zwei Jahren brauchen wir viel Geld f&uuml;r die SLS, fangen wir daf&uuml;r jetzt nichts Neues an und legen das Geld beiseite\u201c. Das ist eine Herausforderung. Bei anderen Budgets wie beim Milit&auml;r scheint das Gesetz dagegen keinerlei Macht zu besitzen.<\/p>\n<p>Als George Bushs sein Konstellation-Programm aus der Taufe hob, sollte dies wenigstens zum Teil durch Einstellung des Space Shuttles und der ISS \u2013 zusammen rund 5 Mrd. Dollar pro Jahr finanziert werden, trotzdem w&auml;re das Budget einige Jahre lang (begrenzt) zu steigern, um danach wieder zu fallen. Der Augustine Report hat diese Finanzierungsweise als ineffizient gebrandmarkt. Sie verl&auml;ngert das Programm k&uuml;nstlich und f&uuml;hrt zu Mehrkosten, weil man so viel Zeit verliert. 2005 beschlossen, w&auml;re das Programm erst 2011 in die G&auml;nge gekommen, weil vorher noch ISS und Space Shuttle die Mittel blockierten und selbst dann musste man den Zeitplan strecken, um eine Finanzierungsspitze zu vermeiden. Dabei war dieses Modell ja wenigstens noch eines mit einem steigenden Budget f&uuml;r Mondfl&uuml;ge, nun sollen sie bei einem gleichbleibenden Budget finanziert werden. Zu welchen Schl&uuml;ssen wohl da ein Report heute kommen w&uuml;rde? Leider gibt es solche Audits ja erst, wenn es aus dem Ruder l&auml;uft oder ein neuer Pr&auml;sident einstellen will und eine Begr&uuml;ndung braucht. Eigentlich sollte man nach 1,2 Jahren das Modell automatisch &uuml;berpr&uuml;fen.<\/p>\n<p>Kurzum: Der NASA w&auml;re mehr gedient mit einem beweglichen Budget, als einem weiteren Rat. Wobei ich von einem beweglichen Budget spreche, nicht einem h&ouml;heren. Es muss dem Finanzierungsbedarf angepasst sein. So war z.B. das ESA Budget 2013 mit 4,25 Milliarden Euro etwas h&ouml;her als 2014 mit 4,103 Milliarden. Es kann also als Ausgleich f&uuml;r eine Spitze dann auch mal sinken.<\/p>\n<p>Vor allem aber geht es bei einem solchen Konzil doch um Gro&szlig;projekte. Ich glaube nicht das sich Trump oder irgendein fr&uuml;herer Pr&auml;sident um ein kleineres Projekt gek&uuml;mmert hat, nicht mal um die gr&ouml;&szlig;ten unbemannten Projekte wie Viking, Hubble oder Cassini mit einem Finanzumfang von mehreren Milliarden Dollar. Wenn dann ging es sicher um die gro&szlig;en bemannten Projekte. Soweit ich &uuml;ber die informiert wurde, gab es die gesamte Planung f&uuml;r die aber intern bei der NASA. Im Space Council wird man dann &uuml;ber die fertig ausgearbeiteten Vorschl&auml;ge beraten haben. Allerdings wahrscheinlich auch nur &uuml;ber die Kosten, denn dort sitzen ja fast nur Politiker. Gerade das Space Shuttle zeigt auch die Grenzen des Space Concils auf. Schon als das Space Shuttle genehmigt wurde, gab es ja Einw&auml;nde, das die Kostenvorschl&auml;ge viel zu optimistisch seien. Zwar konnte man damals nicht die wahren Flugkosten kennen, aber diese waren ja mit einer Startfrequenz verkn&uuml;pft und an bis zu 60 Fl&uuml;gen pro Jahr, mit jeweils 25 t Nutzlast (doppelt so viel wie die gr&ouml;&szlig;te US-Tr&auml;gerrakete transportieren konnte) glaubte keiner. Was ein solches Space Concil braucht, ist wissenschaftlicher Sachverstand. Von Finanzierung verstehen Politiker schon genug. Es m&uuml;sste beraten, was wissenschaftlich sinnvoll ist, was h&ouml;here Priorit&auml;t im Weltraumprogramm haben m&uuml;sste und was nicht. Es sollte dazu besetzt sein mit Fachleuchten mit unterschiedlichen Interessen z.B. f&uuml;r bemannte Raumfahrt, Wissenschaft, Anwendung. Denn jeder hat seine Sicht auf die Dinge.<\/p>\n<p>Bisher hat die Trump Administration nichts Neues gestartet aber immerhin ein, wie ich finde, &uuml;berfl&uuml;ssiges Projekt eingestellt, die <a href=\"http:\/\/spacenews.com\/nasa-closing-out-asteroid-redirect-mission\/\"> Asteroid Redirect Mission<\/a>. Dabei sollte ein relativ kleiner Brocken, der sowieso keinen Schaden verursacht h&auml;tte, abgelenkt werden. Den einziger Nutzen, die ich darin sehe, ist die Technologie von Ionentriebwerken und leichtgewichtigen Solar Arrays zu f&ouml;rdern (gerade hat man eines, <a href=\"https:\/\/spaceflightnow.com\/2017\/06\/30\/prototype-solar-array-jettisoned-as-dragon-capsule-prepares-for-trip-home\/\"> ROSA<\/a> getestet) doch das k&ouml;nnte man auch mit unbemannten n&uuml;tzlichen Missionen. Wenn man das angeht, dann w&uuml;rde ich einen Brocken nehmen, der wirklich so gro&szlig; ist, dass er bedrohlich ist und dann sehen, ob man diesen &uuml;ber Jahre wirklich aus seiner Bahn ablenken kann. Dass dies mit einem nur 10 m gro&szlig;en Asteroiden m&ouml;glich ist, das weis man schon vor dem Start. Er ist einfach leicht genug.<\/p>\n<p>Ich pers&ouml;nlich erwarte von Trump keine neuen Projekte, nicht mal bemannte. Die versprechen zu wenig Schlagzeilen, liegen nicht in seinem Interessenshorizont und widerstreben seinen Vorstellungen von \u201eGood Deals\u201c und Zeitplanungen. Ja, wenn man eine Marslandung heute beschlie&szlig;en, sie vor Ende seiner Amtszeit stattfindet und sie nicht viel kostet, dann w&auml;re er vielleicht daf&uuml;r, aber sonst? Dauert alles zu lang, er erntetet nicht mehr die Meriten und viel Geld gibt er h&ouml;chstens f&uuml;r Milit&auml;r oder Mauern aus.<\/p>\n<p>Kurzum Trump braucht kein Space Council, zumal ich ihn als beratungsresistent einsch&auml;tze.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/9b1161ba36cb4610809b8ccabd33a185\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F&uuml;r Spacenews und SpaceFlightNow ist es eine Headerschlagezeile mit ellenlangem Bericht: Trump hat ein nationales Space Council eingerichtet. 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